Deutscher Aktienindex Dax-Rekordhoch ist Blamage für die Profis

Der Dax hat ein neues Allzeithoch markiert, das viele Profianleger nicht erwartet hatten. Dadurch stehen die Chancen auf weiter steigende Kurse gut. Für den Leitindex rücken neue Marken erstmals in Reichweite.
Sogar Privatanleger setzen nun wieder stärker auf sinkende Kurse. Quelle: dpa
Händler in Frankfurt

Sogar Privatanleger setzen nun wieder stärker auf sinkende Kurse.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür den Verhaltensökonomen Joachim Goldberg war am Mittwoch vergangener Woche klar: Viele pessimistische Anleger haben – teilweise mit Verlusten – ihre Aktien verkauft. Was bedeutet: Diese Investoren verhindern Kursrückgänge, weil sie schnell wieder in den Markt einsteigen werden. „Noch interessanter gestaltet sich jedoch das Geschehen, wenn man sich einen möglichen Run auf das Allzeithoch des Dax vorstellt“, schrieb der Börsenexperte nach der Analyse seiner wöchentlichen Umfrage zur Anlegerstimmung im Auftrag der Frankfurter Börse. „Denn dann kämen die Skeptiker von heute in Verlegenheit und müssten womöglich dem Markt hinterherrennen“.

Genau dieses Szenario trat am heutigen Dienstag ein: Der Dax erreicht mit 13.597 Zählern ein neues Rekordhoch. Das bisherige lag bei 13.525 Punkten. Und vieles spricht dafür, dass die Frankfurter Benchmark in den nächsten Wochen von diesem Level nicht abstürzt, sondern auf neue Rekordstände klettern wird.

„Rückschläge, die jederzeit erfolgen können, sind meiner Einschätzung nach weiterhin Kaufgelegenheiten“, meint auch Sentiment-Experte Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage „Dax-Sentiment“ auswertet. Auch er glaubt, dass „die Rally durchaus weiterlaufen kann.“

Was derzeit gegen fallende Kurse spricht: Viele Anleger haben offenbar die Kursgewinne seit Anfang Januar verpasst. Die Investitionsquote ist relativ niedrig, entsprechende Nachfrage also weiterhin vorhanden.

Institutionelle Investoren haben sogar seit Anfang des Jahres verstärkt auf fallende Kurse gesetzt – entweder als Absicherung oder als Spekulation, um von fallenden Notierungen zu profitieren. Eine Blamage für die Profi-Anleger, die jetzt versuchen müssen, wieder eine Rendite für ihr Depot zu erzielen.

Auch Privatanleger, die monatelang auf eine Jahresend- und später auf Jahresanfangsrally mit Hebelprodukten spekuliert haben, fangen nun wieder an, stärker auf sinkende Kurse zu setzen. Das ist ablesbar am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, das anhand von realen Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt wird.

Solche Spekulationen auf fallende Kurse bilden ein Sicherheitsnetz für die Börse. Denn die sogenannten Short-Produkte basieren auf dem Prinzip von Leerverkäufen. Dabei leiht der Inhaber einer Aktie gegen eine Gebühr dem Leerverkäufer das Wertpapier. Der wiederum verkauft den Titel und versucht ihn anschließend billiger zu erwerben und dem Inhaber zurückzugegeben. Der Gewinn für den Leerverkäufer ist dann die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis abzüglich der Leihgebühr.

Dieses Sicherheitsnetz erklärt sich wie folgt: Steigen die Kurse, muss der Leeverkäufer die Aktie wieder kaufen, damit die Verluste nicht ausufern. Und bei fallenden Kursen wird der Leerverkäufer seinen Gewinn einstreichen. In beiden Fällen wird die Aktie gekauft und stützt damit den Kurs.

Doch wie weit kann der Dax noch steigen? Anhaltspunkte dafür bietet die Charttechnik. „Auf einmal dann mit Inbrunst - und das ist typisch Dax“, kommentiert der freie Charttechniker Holger Struck das neue Rekordhoch beim wichtigsten deutschen Aktienbarometer. Schließlich hatte der Dax gegenüber dem Dow-Jones-Index seit dem Sommer 2017 eine „Underperformance“ von 20 Prozentpunkte aufgebaut. „Rund 80 aufeinanderfolgende Allzeithochs des Dow Jones wurden weitestgehend ignoriert und teils sogar mit rückläufigen Kursen quittiert“, rechnet der technische Analyst vor.

Für ihn ist die Marke von 13.700 Punkten ein eher unmittelbares als mittelbares Ziel der derzeitigen Aufwärtsbewegung. Kurzfristig negativ wäre laut Struck der Rückfall unter 13525 bis 13.500 Zählern. Für Jörg Scherer, Charttechniker bei der Düsseldorfer Bank HSBC, sind 13.024 Punkte eine entscheidende Marke, die in Zukunft nicht mehr unterschritten werden sollte.

Den Trend laufen lassen
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