Dirk Müller im Interview „Die Leute haben die Schnauze voll“

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„Hier stimmt etwas nicht!“
„Wenn man hinterfragt, tun sich Abgründe auf.“ Quelle: Bert Bostelmann/Bildfolio

„Wenn man hinterfragt, tun sich Abgründe auf.“

(Foto: Bert Bostelmann/Bildfolio)

Die meisten kennen Sie noch als Börsenmakler, als Mister Dax. Woher kommt das Interesse für die Politik?

Es hat damit angefangen, dass ich an der Börse stand, und das Gefühl hatte: Hier stimmt etwas nicht. Hier passiert etwas, dass nicht mit der Realität übereinstimmt. Entweder liegen wir hier an der Börse falsch, oder die Nachrichten, die verbreitet werden, stimmen nicht. Dann habe ich angefangen zu recherchieren. Ich habe mir zum Beispiel die Inflationsrate angeschaut. Mir wurde schnell klar, was dahinter steckt und wie diese manipuliert werden kann. Dabei war das erst der Anfang. Wenn man hinterfragt, was einem merkwürdig vorkommt, tun sich Abgründe auf.

Seinen Arbeitsplatz hatte er im großen Handelssaal, direkt unter der Dax-Tafel, fast zehn Jahre lang. Wenn die Fotografen die Dax-Kurve ablichteten, war Müller mit im Bild. Ging es mit dem Dax rauf, strahlte er, ging es runter, sah man sein besorgtes Gesicht.

Wo nehmen Sie das Wissen her?

Ich habe ein sehr großes Netzwerk, bin viel auf Reisen, treffe dabei häufig Menschen aus der Wirtschaft oder der Politik, bin im Austausch mit allen möglichen Leute. Die fragen mich: Mensch, Müller, was ist denn an der Börse los? Und ich frage wiederum, was bei ihnen gerade los ist. Dazu kommt, dass ich selbst viel recherchiere, nach Quellen suche, mir Experten hole. So kommt aus vielen einzelnen Mosaiksteinchen ein Gesamtbild heraus, das unglaublich spannend ist.

Die Medien tauften Müller „Mister Dax“. Die ersten Interviews zeigten: Er kann nicht nur die richtige Miene zum Dax machen, sondern hat auch etwas zu sagen. Heute reist Müller durch die Lande, hält Vorträge, sitzt zur besten Sendezeit in Talkshows, schreibt Bücher, die in den Bestsellerlisten ganz oben stehen.

Was haben Sie bei den Recherchen herausgefunden?

Wenn man anfängt, hinter die Kulissen zu blicken, muss man sich zwangsläufig fragen: Was wird hier eigentlich gespielt? Bei manchen Dingen frage ich mich, wieso die Politik oder die Medien darüber nicht öffentlich sprechen. Ist das noch Unwissenheit oder schon Kalkül?

Geben Sie uns ein Beispiel.

Wir reden immer nur über die Schulden von Griechenland oder Zypern, nie darüber, dass diese Länder auf riesigen Bodenschätzen sitzen, die für die Energieversorgung Europas von entscheidender Bedeutung sein könnten. Im östlichen Mittelmeer liegt unglaublich viel Öl und Gas, das ist ein neuer Persischer Golf. Aber unsere europäischen Politiker wollen davon entweder nichts wissen, oder enthalten uns das bewusst vor. Stattdessen sehen sie dabei zu, wie andere sich die Rohstoffe sichern.

Müller ist Meister der zugespitzten Botschaft. So leicht verständlich wie er bringt kaum jemand komplexe Finanzfragen auf den Punkt. Und diese Rolle weiß der Bestsellerautor erfolgreich zu spielen. Mittlerweile hat sich Müller selbstständig gemacht. Die meiste Zeit verbringe er "als Dolmetscher zwischen den Finanzmärkten und den Menschen außerhalb der Börse", wie er sagt. Sein Geschäftsmodell: Krisenerklärer.

Wer denn?

Darum streiten sich amerikanische und russische Konzerne, unterstützt von deren Regierungen. Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass auch die Geheimdienste im Hintergrund aktiv sind. Nach meiner Recherche gab es Bemühungen von westlicher Seite außerhalb Europas, die Regierung Griechenlands unter Karamanlis  zu destabilisieren. Es gab Befürchtungen, dass Karamanlis mit den Russen über die Förderung der Öl-und Gasvorkommen sowie die South-Stream-Pipeline verhandelt. Um es kurz zu machen: Das Ende der Regierung Karamanlis war kein Zufall, auch nicht, dass darauf mit Papandreou ein Regierungschef folgte, der den Amerikanern sehr wohlgesonnen war. 

„Eine koordinierte Aktion gegen den Euro“
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116 Kommentare zu "Dirk Müller im Interview: „Die Leute haben die Schnauze voll“"

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  • "Wenn man anfängt, hinter die Kulissen zu blicken, muss man sich zwangsläufig fragen: Was wird hier eigentlich gespielt? Bei manchen Dingen frage ich mich, wieso die Politik oder die Medien darüber nicht öffentlich sprechen. Ist das noch Unwissenheit oder schon Kalkül?"

    Kalkül, die Sache mit den schlafenden Hunden und weil sie mit den Deutschen ein einzigartig unterwürfiges und träges Volk regieren können, was momantan gnadenlos ausgenutzt wird. Nur wenn man es damit übertreibt, verhält es sich wie mit der Kuh, wenn man der die Steaks rausschneidet, wird man nur einmal davon satt, dann nie mehr. Eine Kuh muss man melken, nicht schlachten sollte eine diesen grenzdebilen Politikern mitteilen.

  • Endlich jemand der sich aus dem Fenster wagt und Sachen hinterfragt und anprangert. Solche Leute tun Europa gut!!! Die angelsachsische Achse mit ihrem aswuetenden und kranken Kapitalismus ist schon laenger aufgedeckt! Die europaeischen Politiker haben aber anscheinend nicht das Rueckgrat entgegenzuhalten. Nur einzelne Personen wie Herr Mueller und Assange. Ich hoffe man findet ihn nicht mit einer Ueberdosis in einem Hotelzimmer weil er "zufaellig" seine Tabletten verwechselt hat!

  • Mehr Müller, bitte!
    Politmarionetten haben wir genügend.
    Einfach mal seine Bücher lesen, das macht ganz schön helle. Was er in seinem '09 erschienenen »Cra(s)hkurs« geschrieben hat ist heute Realität und keiner schreit mehr »Verschwörungstheorie«.

  • Warum reden Sie nicht weiter Her Müller. Die Einheitswährung wurde eigeführt, um als neue Leitwährung, Wohlstand über unsere Finnazlobby zu bringen. Und dies gegen alle ökonomisch-demokratische Vernunft. Wer nicht hören will mus fühlen.

  • Diesen Beitrag kann man nur zustimmen. Danke für die klaren Worte.

  • Wie jeder hier lesen kann: Der Mittelstand hat sich bereits selbst radikalisiert - davon scheint die Politik nichts mitbekommen zu haben. Jetzt ist es an der Zeit, mit den rechtsstaatlich zulässigen Mitteln gegen die Vernichtung unseres Geldes, Wohlstandes bzw. unserer Zukunft anzutreten. Für mich ist die AfD eine ernsthafte Option!
    Deutschland braucht Europa nicht - es ist umgekehrt.

  • In Ihrem Beitrag ist nicht ein sachliches Argument zu finden, weder zu den Behauptungen des interviewten noch bezüglich Ihrer Diffamierung dieser Plattform.
    Deshalb ist es wahrscheinlich das beste für alle, wenn Sie gehen. Auf Wiedersehen!

  • aber aber, halt..wer wird denn gleich in die Luft geh'n??
    greife lieber zu HB !

    und zum nachbehandeln etwas Baldrian.

  • Ich habe die Schnauze voll. Stimmt. Von Dünnbrettbohrern wie Herrn Müller und Medien, wie dem Handelsblatt, die diesen eine entsprechende Bühne bieten.

    Meine Entscheidung (auch wenn sie sicherlich gleich wegzensiert wird):

    Ab heute lese ich kein Handelsblatt mehr. Die Infos, die ich brauche, bekomme ich woanders her. Wie gesagt, ich habe die Schnauze voll.

    HB-Online wurde gerade aus meinem Browser gelöscht.

  • "Zudem holte man die Engländer ins Boot und könnte gleichzeitig dem Vorwurf des Nationalismus begegnen."

    1. Die Engländer wollen von niemandem ins Boot geholt werden, denn sie können selbst rudern, bitte respektieren und nicht eigene Phantasien durchsetzen wollen!

    2. Warum glauben Sie, dem Vorwurf des Nationalismus begegnen zu müssen? Nicht jeder, der anderen einen Vorwurf macht, hat immer recht! Ein bißchen mehr Selbstbewusstsein wäre hier nötig und man braucht sich nicht zu schämen, wenn man
    seine Interessen vertreten will. Andere Länder tun das auch, aber ohne schlechtes Gewissen.

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