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Dominique Senequier Ardian-Chefin sieht im drohenden Abschwung Chancen für Private Equity

Topmanagerin Dominique Senequier erklärt, wieso eine Konjunkturdelle für ihre Branche ein Segen sein kann und was sie vom Protest der Gelbwesten hält.
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Rund 40 Prozent der Belegschaft ihres Finanzkonzerns Ardian sind weiblich. Quelle: William BEAUCARDET/REA/laif
Dominique Senequier

Rund 40 Prozent der Belegschaft ihres Finanzkonzerns Ardian sind weiblich.

(Foto: William BEAUCARDET/REA/laif)

Dominique Senequier gehört zu den ganz wenigen Frauen in Top-Positionen in der Private-Equity-Branche. Ihr Büro liegt an der Place Vendôme im Zentrum von Paris. Für ihre Branche sieht die 65-Jährige gute Chancen, gerade auch wegen der wachsenden Furcht vor einem Konjunktureinbruch.

Denn dadurch sinken die Bewertungen für Unternehmen, und ihre Fonds können zu günstigeren Bedingungen zukaufen. Sorgen macht sich Senequier allerdings um die Zukunft Europas. Die Gewalt bei den jüngsten Protesten der Gelbwesten hat die Managerin überrascht, die Forderungen der Demonstrierenden allerdings nicht.

Frau Senequier, Sie haben Axa Private Equity – die Vorläuferin von Ardian – 1996 gegründet. Können Sie sich an den ersten Kauf erinnern?
Ja, das war ein relativ kleiner Deal. Damals haben wir von der Softwarefirma GIS den auf das Bankgeschäft spezialisierten Bereich herausgekauft. Die Größenordnungen waren damals andere, der Fonds war 600 Millionen Francs schwer, die Transaktion machte nicht einmal zehn Millionen Francs aus.

Was ist die bemerkenswerteste Veränderung in den vergangenen gut zwei Dekaden?
Die schiere Größe, die die Branche erreicht hat. Nehmen Sie zum Beispiel Ardian – wir managen heute 82 Milliarden Dollar, und die Dynamik ist ungebrochen. 88 Prozent der institutionellen Investoren wollen ihre Anlagen in alternativen Anlagen sogar noch weiter aufstocken.

Warum sind die privaten Anlageklassen so attraktiv für institutionelle Investoren?
Da wird ein simples Erfolgsgeheimnis oft übersehen: Viele Unternehmen wollen nicht an der Börse gehandelt werden. Am privaten Markt können sie langfristig orientiert handeln, während sie an der Börse jedes Quartal ihre Zahlen offenlegen müssen.

Aber die Erfolgsstorys werden doch an der Börse geschrieben, denken Sie nur an Google & Co.
Ja, es gibt diese Topliga an den US-Börsen oder in China, wo die Bewertungen schon bei einer Billion angekommen waren. Aber das Gros der marktführenden Unternehmen ist weltweit vielleicht zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar wert, hier bewegen wir uns mit unseren Beteiligungsfonds. Und hier sind wir gefragte Partner. Und man sollte nicht vergessen: Weltweit verlassen mehr Firmen die Börse als neu dazukommen. Dieses Phänomen des Delistings ist sehr aktuell.

Fordern die privaten Kapitalmärkte die öffentlichen heraus?
Fakt ist, dass wir heute alle Bedürfnisse der Unternehmer abdecken können, sei es eine Nachfolgeregelung oder die Bereitstellung von Wachstumskapital.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einstieg in Private Equity?
Ja – es ist immer ein guter Zeitpunkt zum Einstieg in Private Equity. Ich erinnere mich daran, dass wir in den Jahren 2007/2008 sehr vorsichtig waren und keinen einzigen Deal gemacht haben, obwohl wir das Geld dafür gehabt hätten. Später ist es uns dann gelungen, gute Investmentmöglichkeiten zu finden und mit dem vorhandenen Kapital zu realisieren.

Als Investor entgehen einem sieben bis acht Jahre an Investmentmöglichkeiten, wenn man den richtigen Zeitpunkt zum Fundraising – also zum Auflegen neuer Fonds – verpasst.

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Wie hoch sollte der Anteil von Alternatives in einer Vermögensverteilung sein?
Zwischen fünf und 20 Prozent des Portfolios, abhängig davon, um welchen Investorentyp es sich handelt: Family Offices, Stiftungen wie Yale oder Harvard und einige Pensionsfonds bewegen sich eher im oberen Bereich dieses Spektrums. Versicherungsgesellschaften hingegen unterliegen einer sehr strengen Regulierung und liegen daher oft unter fünf Prozent.

Welche Renditen nach allen Kosten können Investoren aktuell bei Private Equity erwarten?
Das hängt immer von der Art des Fonds ab. Im Durchschnitt entspricht die Performance unserer Private-Equity-Aktivitäten einem Brutto-Multiple von 1,8, das bedeutet, dass für einen eingesetzten Euro am Ende 1,80 Euro erlöst werden. Die Bruttorendite liegt bei etwa 23 Prozent. Im Bereich Dachfonds beträgt unser Multiple rund 1,7 brutto. Für Infrastruktur ist es 2,1, und der durchschnittliche laufende Ertrag ist mit mehr als sieben Prozent sehr stark.

Wie lange ist das Kapital heute im Schnitt gebunden?
Private-Equity-Fonds haben in der Regel eine Laufzeit von zehn Jahren. Ein Investment in den Fonds ist aber nicht so lange gebunden. Denn aufgrund der Auszahlungen hat man durchschnittlich nach fünf bis sechs Jahren die Kosten wieder eingespielt.

Ardian ist heute eine Art Supermarkt für fast alle privaten Anlageklassen – von Private Equity bis Infrastruktur. Warum diese Auffächerung, warum keine Konzentration auf das Kerngeschäft Private Equity?

Also Supermarkt finde ich nicht die richtige Bezeichnung! Wir sprechen ja nicht über 100 Joghurtsorten, sondern über fünf unterschiedliche Anlageklassen, mit denen wir den Bedürfnissen unserer institutionellen Kunden gerecht werden. Die Pensionskassen oder Versicherer bevorzugen bewährte Partner, und wenn sie von einer Marke überzeugt sind, dann wollen sie alles aus einer Hand.

Das nicht investierte Kapital der Branche liegt in Billionenhöhe und hat damit einen Rekord erreicht. Haben Sie keine Angst vor einer Blase?
Nein, weil ich mich erinnere, wie sich Private Equity in der letzten Finanzkrise geschlagen hat. 2009, nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, gab es keine Finanzierungen mehr und praktisch auch keine Deals. Während der Aktienindex S&P-500 dramatisch einbrach, blieben die Bewertungen der Unternehmen in den Portfolios der Beteiligungsmanager relativ stabil.

Wenn es heute eine Krise gäbe, dann gingen die Bewertungen vielleicht um fünf bis zehn Prozent runter, aber nicht mehr. Gute Unternehmen mit einem guten Management haben immer ihren Preis.

Die Finanzbranche redet viel über die ESG-Prinzipien, also die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialkriterien sowie Grundsätzen der guten Unternehmensführung. Welche Rolle spielt das bei Ihren Investments?
Eine sehr bedeutende Rolle. Wir waren hier einer der Pioniere im Markt. Wir unterziehen jede Firma einem ESG-Audit, wir schauen also, ob unsere Standards eingehalten werden. Dann gibt es ein Aufgabenheft für den Vorstand, und zwei Jahre später überprüfen wir, was erreicht worden ist.

Haben Sie wegen verfehlter ESG-Kriterien schon Deals platzen lassen?
Ja, haben wir, zum Beispiel wegen Schadstoffemissionen.

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Wie steht es um die Karrierechancen von Frauen – abgesehen von Ihrer Position, die in der Branche ziemlich einmalig ist?
Rund 40 Prozent unserer Belegschaft sind weiblich, auch in Führungspositionen.

Noch ein aktuelles Thema: Wir sehen die Proteste der Gelbwesten in Frankreich. Waren Sie überrascht von der Bewegung?
Das Ausmaß der Gewalt hat mich überrascht, die Forderungen nicht. Der Mindestlohn in Frankreich ist mit 1 140 Euro im Monat zu niedrig, weil die Sozialabgaben relativ hoch sind. Und die Mietpreise haben in den vergangenen Jahren stark angezogen, das musste zu Spannungen führen.

Wo sehen Sie 2019 die größten Risiken und Chancen?
Der Brexit und die Europawahl sind die großen politischen Risiken. Die besten Chancen sehe ich – wegen der nachgebenden Aktienkurse und etwas niedrigeren Bewertungen der Firmen – in den Märkten. Hier eröffnen sich neue Kaufgelegenheiten für uns.

Haben Sie für 2019 einen Vorsatz? Vielleicht mehr Klavier zu spielen? Die britische Presse schreibt, Sie bewegten sich auf professionellem Konzertniveau.
(lacht) Ja, das schreibt man, das stimmt aber nicht, ich bin eine Amateurin. Ein für mich wichtigerer Vorsatz ist es, in einem sehr engen Austausch mit meinen Teams bei Ardian zu bleiben.

Wer ist Ihr Lieblingskomponist?
Ich spiele am liebsten Chopin und höre am liebsten Beethoven.

Frau Senequier, vielen Dank für das Interview.

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