Draghi und die Märkte „EZB bringt ultimative Waffe in Stellung“

Die EZB wird morgen für Aufregung an den Märkten sorgen, ist Harald Preißler überzeugt. Der Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon glaubt weiter an den Dax und rät Anlegern: „Nerven behalten!“
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Wie reagieren die Märkte mittelfristig auf die Maßnahmen der EZB? Die Börse sollte steigen, meint Harald Preißler von Bantleon. Quelle: Getty Images

Wie reagieren die Märkte mittelfristig auf die Maßnahmen der EZB? Die Börse sollte steigen, meint Harald Preißler von Bantleon.

(Foto: Getty Images)

Größer könnten die Unterschiede in der geldpolitischen Ausgangslage diesseits und jenseits des großen Teichs zu Beginn des Jahres 2015 kaum sein. Doch das überrascht Harald Preißler nicht, denn die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen in der Euro-Zone und den USA sind völlig unterschiedlich. Auch wenn die USA wirtschaftlich besser dastehen, erwartet der Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Anleihemanagers Bantleon, dass der Dax den amerikanischen Dow Jones in diesem Jahr abhängen wird. Er ist extrem positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Schwieriger ist die Lage hingegen an den Anleihemärkten. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet am Donnerstag endgültig über ihr Anleihekaufprogramm. Stehen uns unruhige Tage an den Märkten bevor?
Es wird auf jeden Fall spannend, die Volatilität wird hoch sein. Dabei ist eigentlich schon viel passiert und auch viel bekannt, weshalb es am Donnerstag „nur noch“ um die Details geht. Wird die EZB für 600 Milliarden oder doch nur für 550 Milliarden Euro Anleihen kaufen? Ist das zu viel oder zu wenig? Viel wichtiger ist aber, ob das Programm zur gewünschten Konjunkturerholung in der Euro-Zone beiträgt. Für Anleger heißt es in den kommenden Tagen: Nerven behalten.

Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon

Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon

Die EZB will Anleihen kaufen. Die USA haben ihr Kaufprogramm bereits zurückgefahren und bereiten die Märkte auf eine Leitzinserhöhung vor. Größer könnten die Unterschiede der geldpolitischen Ausgangslage kaum sein, oder?
Überraschend sind die Unterschiede nur auf den ersten Blick. Die USA und die Euro-Zone befinden sich in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus. In den USA ist das Wirtschaftswachstum recht stabil bei zwei bis 2,5 Prozent. Das Land braucht die exzessive Politik der amerikanischen Notenbank Fed nicht mehr. Anders sieht es in der Euro-Zone aus.

Die wirtschaftliche Erholung lässt auf sich warten…
Wir sind in Europa eher in einer Phase der konjunkturellen Bodenbildung nach einer Abschwächung. Das Wachstum im Euro-Raum lag 2014 bei 0,2 bis 0,3 Prozent pro Quartal. Das ist ziemlich wenig und daher brandgefährlich, denn das Risiko, im Falle eines erneuten Schocks n eine Rezession abzurutschen, ist hoch. Das ist auch der Grund für die EZB, im Kampf gegen das Deflationsgespenst nun tatsächlich die ultimative Waffe in Stellung zu bringen: großvolumige Staatsanleihekäufe, also „Quantitative Easing“.

Das hat die US-Notenbank bereits beendet. Haben die Amerikaner die Krise bereits hinter sich?
Die amerikanische Wirtschaft hat die Krise auf jeden Fall besser verarbeitet und sich schon wieder ordentlich Speck angefressen. Das Wirtschaftswachstum kann sich durchaus sehen lassen, während wir an der Null-Linie herumwirtschaften. Die europäische Wirtschaft muss sich auch dringend ein bisschen Speck anfuttern.

An den Märkten konnte man diese unterschiedliche Entwicklung bereits im vergangenen Jahr ablesen…
Der Dow Jones hat sich deutlich besser entwickelt als die europäischen Aktienmärkte oder der Dax. Während die amerikanischen Standardwerte gut acht Prozent zugelegt haben, schaffte der Dax noch nicht mal drei Prozent. 2015 dürften die europäischen Titel und vor allem der Dax sich aber besser entwickeln als die amerikanischen.

Was macht Sie so optimistisch?
Die Ausgangslage. Erstmals seit zehn Jahren starten wir nicht aus einer Rezession heraus in einen Aufschwung, sondern verzeichnen bereits ein Miniwachstum. Ich erwarte, dass das Wachstum deshalb schnell ein gewisses Tempo aufnehmen wird. Das Überraschungspotenzial ist daher in Europa größer als in den USA.

Der Schweizer Aktienmarkt wird sich fangen
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26 Kommentare zu "Draghi und die Märkte: „EZB bringt ultimative Waffe in Stellung“ "

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  • Zombieworld!
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    Die Milliarden Euro Spielgelder der EZB werden von
    Banken mit dem geringsten Aufwand um den größten Ge-
    winn zu erzielen, wie bisher, im Spekulationsbe-
    reich eingesetzt, bis die regulären Kapitalmärk-
    te dieser EUdSSR den Geldhahn mit ihrer Zombie-
    welt den Geldhahn zudrehen werden!

  • Die EZB wird morgen für Aufregung an den Märkten sorgen, ist Harald Preißler überzeugt. Der Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon glaubt weiter an den Dax und rät Anlegern: „Nerven behalten!“

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    Selbst wenn die EZB die vermutete 550 bis 600 Milliarden Euro ausgibt...teilweise auch zu lesen von 50 Milliarden Euro im Monat...

    die Gelder werden nur Löcher stopfen und keinen einzigen Arbeitsplatz beschaffen...

    kurzfristig steigt die Aktienkauflust...

    dann erfolgt der starker Aktiensturz.

    Mit Spekulanten braucht man aber keinen Mitleid zu haben.





  • Wer kann schon genau wissen, welche Eigen- und/oder Fremdinteressen diesen Herren leiten bei seinen eher fernliegenden Empfehlungen?

  • Merkel und Schäuble haben es geschafft sowohl EUgh, Parlament mit seinem Parlamentsvorbehalt wie Bundesverfassungsgericht auszutricksen. Keiner dieser Institutionen hat bislang "grünes" Licht gegeben .


  • Nun ich verstehe das nicht. Gold, silber und andere Metalle haben natürlich einen nützlichen Wert sowie viele seltene Erden, wie Öl Holz und Kohle. Aber der ultimative Wert den ein Mensch zum überleben benötigt hat es nicht. Dieser Wert, den diese Rohstoffe haben ist diesen nur zugewiesen worden und mehr nicht. Ich erinnere mich immer wieder an den Aussagen meines Onkels, der immer meinte die Städler aus Frankfurt haben bei ihm vor der Tür gestanden und haben versucht für Gold Brot zu kaufen. Die Arbeitskraft desjenigen sei ihm aber lieber gewesen und mehr aus Mitleid habe er alte Brötchen verteilt (wir hatten eine Bäckerei und eine Wagnerei).

  • @ Wilhelm Herr wilhelm Sie werden ihre deflation bekommen und danach auch ihre Hyperinflation wer Geld druckt um konkursverschleppung für pleitestaaten mit gar keiner wirtschaftlichen Basis zu betreiben der kann nur in der Inflation enden.

  • Das ist weder eine "Waffe" noch sonst eine geeignete Massnahme, um den Euro und damit das Überleben der EU zu sichern, sondern eine riesen Dummheit.

    Haben wir Deutsche eh schon ca. 50% des Wertes unserer DM eingebüßt, reißt uns diese Sche...EU nun endgültig in den Abgrund.

  • Tja, Wilhelm, als Keynesianer kann man wohl nicht anders. Gefangen in einem Paradigma, das abgewirtschaftet hat. Entsetzlich kleingeistig...

  • So massiv, wie jetzt beinahe täglich im HB der DAX beworben wird (auch die ständige Wiederholung ist eine Werbung) ist es wirklich höchste Zeit, auszusteigen, auch wenn es kurzfristig nach oben gehen soll. Es fehlt einfach Substanz in den Artikel. "Der DAX wird steigen". Warum? Weils so ist!

  • Wie gestern hier im HB Artikel schön zu lesen war, macht QE in Europa deutlich weniger Sinn als in den USA, dafür sind die Chancen auf massive Kollateralschäden umso höher.

    Insb. werden die Falschen belohnt (Banken und Eigentümer von Vermögensgütern im Süden) und die Falschen bestraft (Mieter-Mittelschicht in Nordeuropa).

    Denn das sind gleichzeitig jeweils die, die während der ersten 10 Jahre des EUR-Währungsraumes massive Steigerungen der Einkommen aufweisen konnten (Südländer), während in Nordeuropa Lohnstagnation herrscht seit EUR-Einführung.

    Wie auch immer, aufgrund des notorischen Wettbewerbsnachteils der Südländer ggü. den Nordländern wird auch eine Entlastung der Südbanken bei gleichzeitig sinkendem Wechselkurs zu USD, GBP, CHF für den Süden nichts bringen, frei werdende Gelder werden nach Nordeuropa fliessen und der rel. Standortnachteil des Südens ggü. dem Norden wird in keinem Fall dadurch geringer, sondern eher noch wachsen.

    In der Schule hiess das ganz einfach: Setzen 6, Thema verfehlt Herr Draghi! Aber Spass bei Seite, die Leute in der EZB wissen genau, das dieser EUR nicht ohne Hilfe bestehen kann und früher o. später restrukturiert o. abgewickelt werden muss.

    Es geht mit dieser Massnahme vor allem darum ,die Verhandlungssituation für die Zeit danach zu zementieren, zugunsten der südlichen Pleitestaaten und - banken und zulasten der Mittelschicht der Nordländer, insb Deutschlands. Wer das nicht sieht, ist vollblind o. will es nicht wahrhaben.

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