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DSW-Studie Welche Dax-Konzerne ihre Prognosen weichspülen

Zum Ärger vieler Anleger nennen nur wenige Dax-Konzerne in ihren Geschäftsprognosen handfeste Zahlen. Eine Studie zeigt, welche Dax-Konzerne in Sachen Transparenz weit vorn sind – und wer noch Nachholbedarf hat.
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Die Deutsche Telekom ist Anlegers Liebling, was ihre Prognosefähigkeit angeht.
Prognose-Erstellung

Die Deutsche Telekom ist Anlegers Liebling, was ihre Prognosefähigkeit angeht.

Die Kernaussage klingt zunächst erfreulich: Die Prognosen der deutschen Großkonzerne werden immer transparenter und genauer. Damit ist aber längst nicht alles Gold, was glänzt. „Bedauerlicherweise verzichten einige Dax-Unternehmen nach wie vor auf eine quantitative Ergebnisprognose“, kritisiert Klaus Rainer Kirchhoff, Vorstandschef der Beratungsfirma Kirchhoff Consult. Für das Jahr 2014 hatten lediglich 19 der 30 Konzerne aus der obersten Börsenliga eine Prognose abgegeben, die konkrete Zahlenangaben enthielt.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die Kirchhoff Consult gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erstellt hat. Dazu haben die Experten die Geschäftsberichte 2014 der 30 Firmen aus dem deutschen Leitindex hinsichtlich  ihrer Prognosequalität untersucht.

Vor allem für Privatanleger spielen die Prognoseberichte als Grundlage für ihre Anlageentscheidungen eine extrem wichtige Rolle. Nach einer von der DSW durchgeführten Befragung aktienaffiner Anleger nennen über 60 Prozent den Geschäftsbericht als wichtigste Informationsquelle. Neben der Gewinn- und Verlustrechnung steht vor allem der Lagebericht – inklusive des Prognoseberichts – ganz oben in der Gunst der Leser.

„Doch die sind – wie die Analyse gezeigt hat – leider nicht in allen Fällen sonderlich aussagekräftig“, bedauert DSW-Präsident Ulrich Hocker. Besonders unerfreulich werde es, wenn Unternehmen bei der sogenannten „qualifiziert-komparativen“ Prognose Zuflucht suchen. Dabei geben die Firmen lediglich an, wie sich der Ist-Wert im neuen Jahr verändern wird und beschreiben die Qualität dieser Veränderung.

Die Renditebringer im Dax

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

-0,16 -2,73%
+5,69€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank
1 von 30

Erst für das kommende Jahr hat die teilstaatliche Großbank eine Dividende in Aussicht gestellt. In diesem Jahr gingen die Aktionäre leer aus.

Dividendenrendite: 0,0 %

Dividende je Aktie: 0,00 Euro

Die Dividendenrendite setzt die ausgeschütetete Dividende ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs. Wer zum jetzigen Kurs in einen der Werte einsteigt und im kommenden Jahr eine unveränderte Dividende für das laufende Geschäftsjahr erwartet, hat dann allein mit der ausgeschütteten Dividende die angegebene Rendite erwirtschaftet.

Beispiel: Bei 100 Euro liegt der aktuelle Aktienkurs, die Dividende bei 2,50 Euro pro Aktie. Die Dividendenrendite beträgt damit 2,50 Euro / 100 Euro = 2,5 Prozent.

Stand: 27. Mai 2015.

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

0,00 0,00%
+14,46€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa
2 von 30

Die Fluggesellschaft steckt mitten in einem Sanierungsprogramm und richtet sich neu aus für den Kampf gegen Billigflieger. Die Aktionäre müssen ihren Teil dazu beitragen – es gibt für das Geschäftsjahr 2014 keine Dividende.

Dividendenrendite: 0,0 %

Dividende je Aktie: 0,00 Euro

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
L&S

+0,08 +0,62%
+12,83€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
Thyssen-Krupp
3 von 30

Der Stahlkonzern kämpft sich aus dem Tal der Tränen heraus und zeigt die wieder erlangte Stärke auch dadurch an, dass er für 2014 eine Dividende zahlt – nach Jahren der Flaute.

Dividendenrendite: 0,45 %

Dividende je Aktie: 0,11 Euro

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
L&S

-0,56 -1,24%
+45,12€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
4 von 30

Der Gesundheitskonzern Fresenius hat dank deutlicher Zuwächse in seiner Krankenhaus-Sparte einen Rekordgewinn eingefahren. Die Aktionäre durften sich deshalb auf die 22. Dividendenerhöhung in Folge freuen. Dennoch liegt das Unternehmen bei der Dividenden-Rendite unter den Dax-Werten abgeschlaggen im hinteren Drittel.

Dividendenrendite: 0,78 %

Dividende je Aktie: 0,44 Euro

BEIERSDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005200000
Börse
L&S

+1,80 +1,66%
+109,60€
Chart von BEIERSDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.
Beiersdorf
5 von 30

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf ist nach einem durchwachsenen Jahresauftakt optimistisch für 2015 und traut sich Zukäufe zu – Probleme in China sorgten indes dafür, dass der Gewinn unter dem Strich schrumpfte. Die Dividende blieb dennoch stabil. Für 2014 erhielten die Anteilseigner wie im Jahr davor 70 Cent je Aktie.

Dividendenrendite: 0,86 %

Dividende je Aktie: 0,7 Euro

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
L&S

-1,60 -2,77%
+56,32€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Lanxess
6 von 30

Für das Jahr 2012 hatte Lanxess noch eine Dividende von 1,00 Euro pro Aktie ausgeschüttet, doch für 2013 und auch das Geschäftsjahr 2014 erhalten die Aktionäre nur halb so viel. Der Konzern kämpft mit einer Flaute im Geschäft, ein Sparprogramm beginnt jedoch zu greifen.

Dividendenrendite: 0,98 %

Dividende je Aktie: 0,50 Euro

FRESENIUS MEDICAL CARE KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785802
Börse
L&S

-0,14 -0,22%
+63,14€
Chart von FRESENIUS MEDICAL CARE KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius Medical Care
7 von 30

Während der Dialyse-Spezialiste Fresenius Medical Care im vergangenen Jahr die Dividende deutlich erhöhte, blieb die Steigerung in diesem Jahr aus. Die Dividendenrendite liegt dennoch etwas höher als bei der Muttergesellschaft Fresenius SE.

Dividendenrendite: 1,01 %

Dividende je Aktie: 0,78 Euro

Ein Beispiel wäre etwa, dass das Unternehmen für das kommende Jahr einen „leicht steigender“ Umsatz. Was genau eine „leichte Steigerung“ sein könnte, müssen die Aktionäre dann selbst interpretieren. Zwar geben sich die aktuellen Bilanzregeln mit einer solchen Prognose zufrieden. „Ohne tiefes Wissen über die Unternehmenshistorie und den Branchenkontext ist es aber kaum möglich, zu einer halbwegs verwertbaren Einschätzung zu kommen“, betont Hocker.

Deutlich besser geeignet sind Intervall-Prognosen, bei denen die Unternehmen Bandbreiten für ihre Erwartungen angeben. Wenn diese nicht zu breit ausfallen, ist das aus DSW-Sicht ein akzeptabler Kompromiss. Damit würden Unternehmen zum einen den Erwartungen der Kapitalmarktteilnehmer gerecht, zum anderen bliebe ihnen ein gewisser Spielraum bei der Realisierung des formulierten Ziels. Prognosekorridore sind und bleiben bei den Dax-Konzernen daher auch die beliebteste Art, um quantitativ zu prognostizieren.

Zehn Dax-Firmen erhalten das Prädikat „hohe Transparenz“

Am besten sind aus Sicht der Studien-Autoren aber echte quantitative Prognosen, da nur diese wirklich mit den erreichten Ergebnissen verglichen werden können. Dabei verlangen sie nicht, dass die Konzerne das Ergebnis des nächsten Geschäftsjahres auf die zweite Kommastelle genau vorhersagen. Es gehe vielmehr darum, Entwicklungen und Markttrends möglichst zielsicher zu prognostizieren und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das eigene Unternehmen zu antizipieren. „Das scheint mir keine unerfüllbare Anforderung an Manager, die den Markt kennen, in dem sie sich bewegen“, erläutert Hocker.

Insgesamt vergibt die Studie immerhin zehn Dax-Firmen das Prädikat „hohe Transparenz“, gegenüber acht im vergangenen Jahr. Zu den Aufsteigern zählen SAP und  Linde. Daneben fallen Allianz, Continental, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Fresenius, Munich Re, Siemens und Volkswagen in diese Kategorie. Doch Hocker fordert mehr: „Trotz des grundsätzlich positiven Trend spricht es nicht gerade für den Transparenzwillen der deutschen Aktiengesellschaften, wenn von den 30 größten Firmen gerade einmal ein Drittel die Kriterien für eine hohe Transparenz erfüllt.“

Positiv ist jedoch auch, dass die Zahl der Unternehmen, denen die Studie eine „niedrige Transparenz“ bescheinigt, von zehn im Vorjahr auf aktuell sieben gesunken ist. Diese Gesellschaften haben unter anderem in ihren Prognoseberichten auf quantitative Angaben zum Konzernergebnis verzichtet – nämlich Beiersdorf, Daimler, Deutsche Bank, HeidelbergCement, K+S, Lanxess und Merck. Die restlichen 13 Dax-Firmen erhielten das Prädikat „mittlere Transparenz“.

Die Prognosen können allerdings noch so gut formuliert sein – für Investoren sind sie nur dann von Nutzen, wenn die Unternehmen sie auch einhalten können.  Die Studien-Autoren werten es denn auch positiv, dass sich die Zuverlässigkeit der Prognosen verbessert hat: 15 der 19 Gesellschaften, die quantitative Aussagen machen, haben „ihre in Aussicht gestellten Ergebnisse erreicht oder übertroffen“, betont Kirchhoff. Im vergangenen Jahr waren es lediglich elf Gesellschaften gewesen. Ihre Prognosen verfehlt haben 2014 nur Adidas, Deutsche Lufthansa, RWE und SAP.

Die durchschnittliche Länge der Prognoseberichte blieb dagegen mit 6,4 Seiten auf Vorjahresniveau. Den kürzesten Bericht legte Beiersdorf mit zwei Seiten vor, der längste kommt von der Deutschen Telekom und umfasst 13 Seiten. Letztere sei das einzige Dax-Unternehmen, das alle Anforderungen an eine transparente Berichterstattung erfüllt, lobt Kirchhoff. Die Länge des Prognoseberichts lässt unterdessen nicht auf dessen Qualität schließen: Linde komme mit einem dreiseitigen Bericht in das Spitzenfeld, während die Deutsche Bank trotz ihres elfseitigen Berichts nur wenig Transparenz schaffe, ergab die Studie.

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