DWS-Chefstratege im Interview „Die Krise kann ein Jahrzehnt dauern“

DWS-Chefanlagestratege Asoka Wöhrmann glaubt, das Thema Schuldenschnitt in Griechenland könnte schon bald erledigt sein. Auch für die Finanzmärkte sieht er Hoffnungszeichen, warnt Anleger aber vor neuen Turbulenzen.
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Asoka Wöhrmann wechselt nach einem VWL-Studium, Promotion und Lehrtätigkeit im Jahr 1998 als Fondsmanager zur DWS. Heute verantwortet der 46-Jährige die Anlagestrategien des Unternehmens. Quelle: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt

Asoka Wöhrmann wechselt nach einem VWL-Studium, Promotion und Lehrtätigkeit im Jahr 1998 als Fondsmanager zur DWS. Heute verantwortet der 46-Jährige die Anlagestrategien des Unternehmens.

(Foto: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt)

Handelsblatt: Herr Wöhrmann, was wird mit griechischen Staatsanleihen passieren?

Asoka Wöhrmann: Das Thema sollte jetzt unspektakulär erledigt werden. Banken und Versicherer sollten in einen Schuldenschnitt zwischen 50 und 60 Prozent einwilligen. Dann müssen wir sehen, wie die privaten Anleger und die EZB eingebunden werden – das Thema sollte in den nächsten zwei Wochen erledigt sein.

Das heißt, in zwei Wochen steht fest, wie viel Geld Ihre Fondsanleger verlieren?

Die DWS hält weniger als 0,1 Prozent des Anlegervermögens in Griechenland. Der Markt nimmt die Verluste doch längst vorweg: Die Kurse für griechische Anleihen bewegen sich bei 30 Prozent. Ein klares Konzept zur Beteiligung privater Anleger fehlt bisher. Das wird zwar verlangt und diskutiert. Aber ich glaube, erst in einer zweiten Stufe werden Private beteiligt. Damit und zusammen mit der EZB könnte die Schuldenlast für Griechenland wesentlich reduziert werden. Zunächst wird jedoch die erste Stufe mit Banken und Versicherern verhandelt.

Würden Sie Ihre Griechenbonds in den Fonds tauschen?

Wir würden im Sinne unserer Anleger entscheiden. Allerdings sollte ein Fonds immer liquide bleiben. Wenn ich eine Griechenanleihe tausche, muss der neue Bond trotz Laufzeit von vielleicht 30 Jahren jederzeit am Markt verkaufbar sein. Wenn hingegen festgeschrieben werden sollte, dass wir das Papier zehn Jahre halten müssen, machen wir nicht mit.

Rechnen Sie mit Klagen von Anlegern?

Klagen lassen sich nicht verhindern, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat.

Wie weit ist es noch bis zur Lösung der Schuldenkrise?

Wir gehen in Europa in Richtung Fiskalpakt, leider nicht Richtung EU-Vertrag. Stabiler wäre ein Euro-Land, das nicht nur Währungsunion ist, sondern in dem es – abseits des Kapitalmarkts – Mechanismen zum Ausgleich von Ersparnisungleichgewichten gäbe. Dass aber der Großteil der Maßnahmen für den Fiskalpakt steht, sollte uns nach 18 Monaten desolaten Krisenmanagements zufrieden stimmen. Jetzt geht es um die ebenfalls anspruchsvolle Implementierung der Maßnahmen.

Kann Griechenland es denn mit einem Schuldenschnitt von 50 bis 60 Prozent schaffen, in der Euro-Zone zu bleiben?

Die Kernfrage ist, ob Europa das jetzige Euro-Land erhalten will. Ein Austritt würde Griechenland ökonomisch mindestens 20 Jahre zurückkatapultieren. Das will niemand, am allerwenigsten die Griechen selbst. Sie besitzen aber nicht die Kraft, die ihnen gesetzten Ziele aus eigener Anstrengung zu erreichen. Und wir können Griechenland besser innerhalb der Euro-Zone helfen.

Können wir uns das leisten?

Griechenland ist zu klein, um die europäische Idee ernsthaft gefährden zu können. Politökonomisch ist es wichtig, das Land in der Gemeinschaft zu halten.

„Die Bilanz-Ausweitung ist eine Amerikanisierung der EZB“
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12 Kommentare zu "DWS-Chefstratege im Interview: „Die Krise kann ein Jahrzehnt dauern“"

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  • Krise = chance.

    Vor der Krise war Deutschland das Land des dummen Nazi-Michel.

    Heute ist Deutschland das Land, das Europa anführt.

    Wir sind endlich wieder Nummer 1 von Europa.

    Hmm, könnten wir evtl noch ein paar Krisen bekommen?
    danke.

  • >Wir müssen einfach überzeugende Produkte anbieten: klare >Produktversprechen formulieren und sie einhalten – mit >Blick auf Sicherheit oder Rendite.

    Wir müssen einfach noch mehr und besser die Leute belügen.
    Wir haben die Hoffnung, daß die nachlassende Bildung bei jüngeren Leuten endlich wirkt, sodaß sie uns freiwillig ihr Geld für unsere Versprechen in die Zukunft überlassen.


  • >Wir müssen einfach überzeugende Produkte anbieten: klare >Produktversprechen formulieren und sie einhalten – mit >Blick auf Sicherheit oder Rendite.

    Wir müssen einfach noch mehr und besser die Leute belügen.
    Wir haben die Hoffnung, daß die nachlassende Bildung bei jüngeren Leuten endlich wirkt, sodaß sie uns freiwillig ihr Geld für unsere Versprechen in die Zukunft überlassen.


  • Das ganze " Krisengelaber " hängt den großen Investoren doch zum Halse raus - will und kann niemand mehr hören. Es ist genug billiges Geld da, auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten im DAX.
    Wer immer noch im Krisenmodus ist, wird zu den großen Verlierern im Aktienjahr 2012 gehören bzw. gehört ja auch schon dazu !

  • "Stabiler wäre ein Euro-Land, das nicht nur Währungsunion ist, sondern in dem es – abseits des Kapitalmarkts – Mechanismen zum Ausgleich von Ersparnisungleichgewichten gäbe."

    Ich darf mal eben Bankerdeutsch übersetzen: "Toll wäre ein Europa, in dem Ersparnisse regelmäßig enteignet und gleichmäßig neu verteilt würden. So könnten dank deutschem Geld der enteigneten Sparer auch arme Griechen Finanzprodukte meiner Gesellschaft kaufen. Es lebe der Sozialismus zum Wohle des Großkapitals der Banken und Begünstigten!"

  • Spätestens in zehn Jahren, sind auch wir total pleite. Wenn die Babyboomer in Rente gehen ist Schluss. Deren, noch relativ hohen Renten, bzw. Beamtenpensionen sind von den immer weniger werdenden Arbeitenden, mit ihren Hungerlöhnen, nicht mehr zu erwirtschaften. Von den Gesundheitskosten ganz zu schweigen!
    Aber solange wird das System vermutlich gar nicht mehr halten.

  • es muß garnicht klar sein, daß Sie hier Leser einzunorden wünschen.

    Das sollten Sie ggf. mit Ihrem schlechtbezahlten Personal anstellen.

  • Oma sagte schon: es kann alles noch viel schlimmer werden - oder auch nicht.
    Ich mag Oma.
    Und Chefstrategen bleiben kleine Angestellte.

    Man überlege nur, was uns allen geschehen würde würden wir einem kleinen Chefstrategen die Verantwortung für unsere Welt überlassen.

  • Eines muss uns klar sein, dass ein Schuldenschnitt eine Enteignung der Gläubiger durch die Schuldner darstellt.

    Die Vorhaltung der Amerikaner beim letzten Besuch unseres Außenministers in den USA sind demzufolge vor sehr ernstem Hintergrund zu sehen.

    Schauen wir auf die Tatsache, dass die deutsche Verschuldung trotz höchster Steuereinnahmen nicht zurück geführt wird, Ahnen wir was mit unserer Altersvorsorge, unseren Spareinlagen passiert. Die Renten sind nicht mehr sicher bei unseren Politikern - aber deren Pensionen, für die sie keinen Cent aufwenden.

    Wenn die Gläubiger in Griechenland einen Schuldenschnitt vornehmen sollen, dann sollten die Pensionen mit gleichem Prozentsatz zusammen gestrichen werden. Das wäre dann zu gleichen Teilen.

  • ein jahrzehnt?
    wie wärs mit einem Jahrhundert
    oder gleich gar mit einem Jahrtausend.

    Das kriegt der cheffastratego doch wohl auch noch hin.

    Man mag ja Fach-eggsperten:L what ne experstise...

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