E-Auto-Pionier Bye, bye, Börse? Das wären die Vor- und Nachteile für Tesla-Anleger

Tesla-Chef Elon Musk denkt über einen Börsenabschied nach. Ein gewagter Schritt für den Elektroautobauer – und auch für Anleger. Worauf Sie achten müssen.
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Tesla: Das wären die Vor- und Nachteile des Börsenabgangs Quelle: JUSTIN KANEPS/The New York Times
Model-3-Karosserie

Tesla-Chef Elon Musik hatte in der vergangenen Woche mit einem Tweet die Börsenabgangspläne für sein Unternehmen öffentlich gemacht und für Wirbel gesorgt.

(Foto: JUSTIN KANEPS/The New York Times)

ErfurtDer US-Konzern Tesla steht in der Kritik, und es scheint, als würde nichts, was der Gründer Elon Musk unternimmt, die Situation bereinigen. Erst zog sein auf Twitter verkündeter Plan, den Elektroautohersteller von der Börse zu nehmen, eine Prüfung der Börsenaufsicht SEC nach sich. Nun hat Musk in einem Interview mit der „New York Times“ eingeräumt, die Doppelrolle als Vorsitzender und Geschäftsführer fordere seinen Tribut und beeinträchtige seine Gesundheit. Daraufhin brach der Aktienkurs der Tesla-Aktie um rund neun Prozent ein.

Vor gut zwei Wochen hatte Musk verkündet, Tesla zu einem Preis von 420 Dollar je Aktie von der Börse nehmen zu wollen. Bereits im November 2017 sagte er in einem Interview, dass Tesla die öffentliche Börsennotiz ineffizient mache. Die Volatilität des Aktienkurses und der Druck von Leerverkäufern sind ihm ein weiteres Ärgernis.

Bye, bye, Börse? Tesla ist nicht das erste Unternehmen, das einen Abgang vom Aktienmarkt ins Auge fasst. Auch der Computerhersteller Dell oder die Hotelkette Hilton unternahmen bereits einen solchen Abschied. Dennoch kommt ein derartiger Schritt selten vor. So mag ein Delisting für Musk zwar reizvoll sein.

Aber was bedeutet es für die Anleger? Grundsätzlich gilt: Aktionäre von Tesla müssen bei einer Privatisierung nicht aussteigen. Musk wirbt sogar dafür, dass sie Anteilseigner an der dann privaten Firma bleiben. All jene, die an den langfristigen Erfolg von Tesla glauben, müssen sich also nicht von ihren Anteilen trennen.

Der Nachteil: Weil der Konzern dann weniger transparent ist, steigt das Risiko für Anleger. Wer sich dann doch von seinen Anteilen trennen möchte, dem fehlen die Börsenteilnehmer als liquide und schnelle Verkaufsmöglichkeit, gibt Markus Rudolf, Professor für Finanzwirtschaft und Rektor der WHU – Otto Beisheim School of Management, zu bedenken.

Verkäufer müssten einen Interessenten finden und über auszuhandelnde Kaufverträge die Transaktion beurkunden. Verkomplizierend kommt hinzu, dass ein Börsenkurs als objektiver Bewertungsmesser ausfällt. Musk hat zwar angedeutet, dass es halbjährlich sogenannte „liquidity events“ geben könnte, zu denen Anleger aussteigen könnten. Dennoch ist der Verkauf von Anteilen eines nicht-gelisteten Unternehmens schwieriger.

Der Börsenabgang eines Unternehmens, dessen Kurs von Aktionären seit dem Börsengang um 1800 Prozent in die Höhe getrieben wurde, ist ungewöhnlich. Zwar türmen sich die Verluste bei Tesla. Ob der Konzern als privates Unternehmen aber effizienter fährt, ist bei Experten höchst umstritten. Dass weniger Öffentlichkeit nicht zwangsläufig zu mehr Profitabilität führt, zeigt die Historie.

Das krasseste Beispiel ist der bislang größte Börsenabgang von TXU mit einem Volumen von 44 Milliarden US-Dollar. Der texanische Energiekonzern wurde mittels eines sogenannten Buy-outs maßgeblich von den Private-Equity-Firma KKR und TPG Capital 2007 von der Börse geholt. Sieben Jahre später schlitterte das Unternehmen in die Insolvenz.

Hilton und Blackstone zeigen, wie es laufen kann

Doch es gibt auch positive Beispiele. So hat beispielsweise der Private-Equity-Gigant Blackstone die Hotelkette Hilton 2007 in einem „Leveraged Buy-out“ für 26,7 Milliarden Dollar von der Börse genommen. Sechs Jahre später kehrte Hilton an die Börse zurück. Bis heute hat sich der Aktienkurs verdoppelt. In diesem Jahr schließlich veräußerte Blackstone seine verbliebenen Anteile – und hat unter dem Strich einen Profit von 14 Milliarden Dollar eingestrichen.

Musk selbst ließ einen Vergleich mit Michael Dell zu, der sein Computerunternehmen 2013 von der Börse nahm, um die Firma zu restrukturieren. Aktuell plant Dell die Rückkehr an die Börse – wenn vermutlich auch nicht ganz freiwillig: Die 67 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Rechenzentrum-Providers EMC aus dem Jahr 2016 setzt den Konzern nach wie vor unter finanziellen Druck.

Christoph Schalast, Rechtsanwalt für Finanzmarktrecht und Professor an der Frankfurt School of Finance, sieht in den früheren Fällen kaum Parallelen zu Tesla. Der größte Unterschied seien die beteiligten Akteure: Während die meisten Börsenabgänge von Private-Equity-Firmen finanziert werden und die Unternehmen letztlich Schulden bei ihnen aufnehmen, möchte Musk die Privatisierung mithilfe seiner Großaktionäre stemmen, wie etwa dem saudischen Staatsfonds PFI.

„Private-Equity-Investoren erwarten erhebliche Renditen. Institutionelle Investoren wie Staatsfonds sind als Partner einer Privatisierung mit ihrem langen Anlagehorizont sicher deutlich angenehmer“, sagt Schalast. Für Tesla selbst hat ein Delisting manchen Vorteil. Der Konzern muss nicht mehr alle drei Monate über seine Geschäfte berichten oder sich in diesen kurzen Abständen für seine Strategie rechtfertigen.

Doch es gibt auch Nachteile: Außerhalb von der Börse ist es wesentlich schwieriger, an Kapital zu kommen als an der Börse. Und Kleinanleger wissen noch weniger, wie es um die Firma steht.

Auch für die Wertentwicklung muss es kein Impuls sein. In einer 2013 veröffentlichten Studie analysieren die Ökonomen Cohn, Mills und Towery die Steuererklärungen von 317 amerikanischen Unternehmen, die sich zwischen 1995 und 2007 von der Börse zurückzogen. An bisherigen Studien kritisieren sie, dass meist nur Unternehmen untersucht wurden, die weiter ihre Kennzahlen veröffentlichten – die vermeintlich besser operierenden.

Mithilfe der Steuererklärungen wollen sie auch die Entwicklung der vermeintlich schlechteren Unternehmen untersuchen. Dabei analysierten die Ökonomen, wie sich die Unternehmen vor und nach dem Delisting entwickelt haben. Fazit: Es gebe kaum Belege, dass sich die operative Leistung nach einem Leveraged Buy-out verbessert. Im Schnitt stagnierten Umsatz-, Vermögensrendite und der Geschäftswertbeitrag in den beiden Jahren vor und den drei Jahren nach dem Börsenabgang.

Musk wird daher um Vertrauen werben müssen. Bei einem privaten Tesla mag die quartalsmäßige Veröffentlichungspflicht ebenso wegfallen wie die für den Gründer so lästigen Spekulationsgeschäfte von Short Sellern auf fallende Aktienkurse. Der Leistungsdruck und die Erwartung, dass Tesla endlich in die Gewinnzone rückt, aber bleibt: Rendite wollen die Anteilseigner privater Firmen schließlich trotzdem sehen.

„Vielleicht ist Teslas Rückzug von der Börse genau das Richtige“


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1 Kommentar zu "E-Auto-Pionier: Bye, bye, Börse? Das wären die Vor- und Nachteile für Tesla-Anleger"

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  • Endlich mal ne gute Entscheidung.

    So ist zumindest Tesla nicht mehr dem Zwang unterlegen, dass Entscheidungen nur noch für die nächsten drei Monate getroffen werden. Es können dann wieder langfristige Entscheidungen gefällt werden.

    Die ganzen AGs schauen doch nur, wie der shareholdervalue erfüllt werden kann.
    Wir brauchen keine von Börsianern gesteuerten Firmen. Wenn diese Leute zocken wollen, sollen Sie ins Casino gehen.

    Wir brauchen wieder Firmeninhaber, die zum Wohle von Mensch (dazu gehören auch die Arbeiter) und Natur (dafür ist an der Börse kein Platz) langfristige Entscheidungen treffen.

    Wir brauchen Geschäftsführer die nen Rückgrat haben und nicht Chefs irgendwelcher AGs, bei denen der Arsch am Faden im Börsenwind baumelt!


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