Edelmetall-Investments Geschäfte mit der Angst vor dem Crash

Die Edelmetallmesse in München zieht auch Crash-Propheten und AfD-nahe Verschwörungstheoretiker an. Doch Anleger sind schlecht beraten, wenn sie auf die Angstmacher hören.
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Goldkäufer konnten auf Sicht von zehn Jahren eine Wertsteigerung von knapp 40 Prozent erzielen. Quelle: dpa
Goldbarren der Deutschen Bundesbank

Goldkäufer konnten auf Sicht von zehn Jahren eine Wertsteigerung von knapp 40 Prozent erzielen.

(Foto: dpa)

MünchenGeht es nach Volker Schnabel, steht der Dollar kurz davor, seinen Status als Leitwährung der Weltwirtschaft einzubüßen. Der Dollar sei eine „Leidwährung“, sagt der Investmentstratege der Hamburger Vermögensverwaltung Mack und Weise. Als Gründe für seinen pessimistischen Ausblick verweist Schnabel etwa auf die explodierenden Staatsschulden der USA oder die aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken. Um seine These zu untermauern, zitiert er in seinem Vortrag mit dem Titel „Gold, Geld und Illusionen – die Tragödie unseres Währungssystems“ vorzugsweise russische Spitzenpolitiker wie Präsident Putin oder Außenminister Lawrow.

Wer sich vor dem bevorstehenden Kollaps schützen will, dem signalisiert Schnabel zu Beginn seines Vortrags am Freitag auf der Münchner Edelmetallmesse einen Ausweg. Mack und Weise habe Publikumsfonds, die Privatanleger kaufen könnten. Allein, wer dem Hamburger Fondshaus sein Erspartes anvertraut hat, hatte in der Vergangenheit wenig Freude: Auf Sicht von zehn Jahren notiert der 170 Millionen Euro schwere Gold- und Minenaktienfonds über 20 Prozent im Minus. Auf Fünf-Jahres-Sicht sind es mehr als 16 Prozent Minus – bei jährlich laufenden Kosten von 1,84 Prozent.

Es ist ein typisches Bild: Mit dramatischen Grafiken, steilen Thesen und mitunter plumpen Anti-Amerikanismus schüren viele Referenten auf der Edelmetallmesse die Angst vor dem großen Crash. Mit Vorträgen wie „Das war’s dann! Als nächstes kommt die größte Vermögensvernichtung der Geschichte“ oder „Countdown zum Mega-Crash 2019-2022“ gehen Vermögensverwalter und Börsenbrief-Herausgeber auf Kundenfang.

In Zeiten, in denen sich auch aus Sicht vieler Finanzmarktprofis die Zeichen für einen bevorstehenden Abschwung mehren, finden die Crash-Propheten verstärkt Gehör. Doch Angst, das zeigt die Performance vieler ihrer Fonds und Investment-Tipps, ist auf lange Sicht ein schlechter Ratgeber bei der Geldanlage.

Mit ihren Ansichten, etwa der Verehrung für Putin oder der harschen Euro-Kritik, offenbaren viele Edelmetalljünger eine Nähe zur AfD. Und so ist es kein Wunder, dass auch einschlägige Verlage die Nähe zu den Edelmetallfans suchen. Als einzige Zeitung liegt die rechtskonservative „Junge Freiheit“ in der Eingangshalle aus. Viele Besucher laufen mit Tüten des AfD-nahen Magazins Compact über die Messe. Und der „Osiris-Verlag“, selbsternanntes „Tor zur Wahrheit“, versucht mit Crash-Büchern, Esoterik und Verschwörungstheorien beim Messepublikum zu punkten.

Pessimismus und Angstfantasien

Einer der Osiris-Autoren ist Erich Hambach, laut Selbstbeschreibung „Querdenker und Friedensweg-Initiator“. Sein Vortrag ist weit weniger aufgeregt, als es die Ankündigung vermuten lässt: „Mit dem von langer Hand vorbereiteten Finanzkollaps in 2019 sollen wir alle möglichst vollständig enteignet werden.“ Doch seine Empfehlungen haben es in sich: „Gold und Silber sollten Sie übergewichten“, rät er.

Außerdem sollten sich Anleger über die Möglichkeit informieren, ihr Vermögen über eine Stiftung in Liechtenstein legal ins Ausland zu schaffen. „Wer sein Vermögen sichern will, sollte einen Plan B in Liechtenstein haben“, sagt Hambach. „Enteignen sie sich selbst, bevor es jemand anderes tut“ – sagt‘s und lädt zur Signierstunde an den Stand des Osiris-Verlages.

Ein kaum weniger pessimistische Bild zeichnet Egon von Greyerz. Der Gründer der auf physische Gold-Investments spezialisierten Vermögensverwaltung Matterhorn Asset Management erwartet eine „Implosion“ der US-Schulden, Rendite auf langlaufende US-Staatsanleihen von über 15 Prozent und einen Börsencrash „mindestens so schlimm wie 1929“.

Seine Zuhörer fordert er auf: „Schützen sie sich jetzt!“ Die einzige Anlage, die diesen Schutz biete: Physisches Gold und Silber – genau jene Anlageklasse also, die seine Firma Matterhorn gegen Gebühr verkauft und einlagert. Vorsichtshalber warnt er jedoch seine Anleger, dass eine schnelle Wertsteigerung des Edelmetalls ausbleiben könnte. „Seien sie geduldig und verhalten sie sich ruhig.“

Für die Crash-Propheten ist es unerlässlich, immer neue Angst vor dem Kollaps des Finanz- und Wirtschaftssystems zu schüren. Schließlich lassen sich Anleger nur so in teuren Edelmetall-Produkten halten. Zwar haben auch Goldkäufer auf Sicht von zehn Jahren eine Wertsteigerung von knapp 40 Prozent erzielt. Doch wer sein Geld über den selben Zeitraum in einen ETF auf den breit gestreuten MSCI World Index gesteckt hat, konnte sich über ein Plus von rund 150 Prozent freuen.

Angesichts des Crash-Getöses fällt es besonnenen Investmentprofis wie Philipp Vorndran schwer, durchzudringen. „Ich möchte Ihre Gedanken dafür öffnen, dass es nicht unbedingt einen Crash geben muss“, sagt der Portfolio-Manager des Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Gold gehöre in jedes ausgewogene Portfolio. Doch Aktien seien weiterhin eine lohnende Anlageklasse. „Vermeiden sie Klumpenrisiken“, lautet sein wichtigster Rat.

Wer den nicht befolgt, läuft Gefahr sein Vermögen zu vernichten. Ganz ohne eine Kernschmelze des Finanzsystems.

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