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VW-Werk

Die Kraftfahrzeugindustrie ist trotz massiver Umsatzeinbußen die umsatzstärkste Branche in Deutschland.

(Foto: dpa)

Einkaufsmanagerindex Industrie wächst im Juni 2021

Der Einkaufsmanagerindex notierte im Juni 2021 mit mehr Punkten als im Vormonat. Doch was sagt der Indikator genau aus – und wo liegen seine Schwächen? Ein Überblick. 
01.07.2021 - 11:00 Uhr Kommentieren

Drei Fakten zum Einkaufsmanagerindex

  • Der Einkaufsmanagerindex (EMI) soll helfen, die Lage und kurzfristigen Perspektiven der Wirtschaft zu beurteilen.
  • Der Index wird für viele Länder auf vergleichbare Weise berechnet.
  • Einkaufsleiter, Geschäftsführer oder Vorstände von mehr als 400 Unternehmen der deutschen Industrie beantworten einen Fragebogen.

IHS Markit / BME Einkaufsmanagerindex im Juni 2021

Im Juni 2021 kletterte der Einkaufsmanagerindex wieder nach oben. Während im Vormonat Mai vor allem Verzögerungen in der Zulieferung das Wachstum bremsten (64,4 Punkte), stiegen im Juni sowohl die Produktionsraten als auch die Neuaufträge erstmals seit drei Monaten wieder an. So notierte der Einkaufsmanagerindex im Juni 2021 mit 65,1 Punkten. 

„Die PMI-Daten vom Juni zeichnen ein rundum positives Bild von der deutschen Industrie. So hat das Produktionswachstum nach zwei leichten Rücksetzern im April und Mai wieder an Fahrt aufgenommen, der Jobaufbau hat sich ebenfalls beschleunigt und die Geschäftsaussichten kletterten auf ein neues Rekordhoch“, kommentierte Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, in einer Pressemitteilung.  

Hintergrund zum Einkaufsmanagerindex in Deutschland

Einkaufsleiter und Spitzenmanager der Unternehmen sind am Puls der Wirtschaft. Im Einkaufsmanagerindex (EMI) werden befragt, wie es ihrem Unternehmen aktuell geht und wie sie die Perspektiven einschätzen. Aus der Zusammenschau aller Ergebnisse dieser repräsentativen Gruppe wird abgeleitet, wie es der Wirtschaft voraussichtlich in den nächsten Monaten gehen wird. 

So verzeichnete etwa die Kraftfahrzeugindustrie im Jahr 2019 trotz Krise einen Umsatz von 438 Milliarden Euro und ist damit die umsatzstärkste Branche in Deutschland. Ihre Zahlen wirken sich entsprechend stark auf die Bruttowertschöpfung im gesamten Land aus – ein Zusammenhang, den der EMI widerspiegelt.

Von der Automobilbranche bis zum Maschinenbau sind Firmen aus unterschiedlichen Branchen vertreten. Sie müssen zu folgenden Punkten Stellung nehmen: 

  • Entwicklung von Auftragseingang und Auftragsbestand
  • Informationen zu Produktionsleistung, Lieferzeiten, Beschäftigung und Jahresausblick
  • Entwicklung von Einkaufs- und Verkaufspreisen sowie der Einkaufsmenge
  • Bestand an Fertigwaren und Vormaterialien

Auf Basis konkreter Zahlen teilen die Einkaufsmanager mit, wie sich die für den Produktionsumfang wichtigsten Faktoren im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat entwickelt haben. Dem folgt eine subjektive Einschätzung der Teilnehmer, wie sich ihre Branche binnen Jahresfrist entwickeln wird. 

Die Antworten der Befragten werden zum Einkaufsmanagerindex für die Industrie zusammengefasst. Er nimmt einen Wert zwischen 0 und 100 an. Dabei gilt: Werte über 50 sprechen für ein Wachstum. Werte unter 50 deuten darauf hin, dass sich die Konjunktur abschwächt.

Die folgende Tabelle zeigt die Indizes der vergangenen zwölf Monate in Deutschland:

Monat

Indexwert

Juni 2021

65,1

Mai 2021

64,4

April 2021

66,2

März 2021

66,6

Februar 2021

60,7

Januar 2021

57,1

Dezember 2020

58,3

November 2020

57,8

Oktober 2020

58,2

September 2020

56,4

August 2020

52,2

Juli 2020

51

Juni 2020

45,2

Quelle: Statista

Die Daten werden stets in der zweiten Monatshälfte erhoben und ermöglichen einen direkten Vergleich zum Vormonat. So kletterte der Indexwert im März 2021 beispielsweise auf ein Allzeithoch seit Beginn der Messung im April 1996.

Dabei ist immer das Ausgangsniveau zu berücksichtigen. Nicht ein Indikator für die Produktion ist auf Rekordniveau, sondern ein Indikator für die Veränderung. Nach einem starken Einbruch der Produktion kann die Lage auch bei deutlicher Verbesserung noch krisenhaft sein.

Grund für den Rekordwert im März 2021 sei vor allem das boomende Exportgeschäft deutscher Hersteller in den USA und China, kommentiert Phil Smith. Das Unternehmen sammelt, verarbeitet und publiziert die Daten zum Einkaufsmanagerindex für mehr als 40 Länder – darunter auch für Deutschland, für die Euro-Zone sowie für einen globalen EMI. Letzterer basiert auf den Daten von mehr als 10.000 Unternehmen aus insgesamt 32 Ländern.

In Deutschland erfüllten sich die Prognosen des EMI zuletzt im vergangenen Jahr. Nachdem der Index für die Industrie seinen Tiefpunkt im ersten Quartal 2020 durchschritten hatte und wieder angestiegen war, überschritt er ab Juli die Wachstumsschwelle von 50. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stieg tatsächlich im dritten und vierten Quartal.

Wie wird der Einkaufsmanagerindex berechnet?

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie setzt sich aus den oben genannten Bestandteilen zusammen. Sie werden unterschiedlich gewichtet. Für jede dieser Variablen stellen die Unternehmen die Veränderung zum Vormonat fest. Sie prüfen also, ob es bei den Aufträgen, der Produktion, der Beschäftigung, den Lieferzeiten und dem Vormateriallager Veränderungen gegeben hat oder nicht. Das Ausmaß der Veränderung spielt keine Rolle.

Die Methodik wird Diffusionsindex genannt. Die Formel lautet:

Diffusionsindex = (Prozentsatz der Befragten, bei denen die Variable gestiegen ist) * 1,0 + (Prozentsatz der Befragten, bei denen die Variable unverändert blieb) * 0,5 + (Prozentsatz der Befragten, bei denen die Variable gesunken ist) * 0,0.

Ein Beispiel: Geben 100 Prozent der Befragten an, dass die Auftragseingänge gestiegen sind, ergibt sich für diese Größe ein Teilindex von 100, geben 70 Prozent steigende Aufträge an und 30 Prozent sinkende, ergibt sich ein Indexwert von 70 (100 * 0,7 + 0 *30 ). Je stärker also die Abweichung von 50, desto größer ist die signalisierte Änderungsrate.

Wann wird der Einkaufsmanagerindex (EMI) veröffentlicht?

Zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) veröffentlicht IHS Markit den EMI für Deutschland stets am ersten Werktag nach dem Berichtsmonat. Damit erscheint der EMI vor der Veröffentlichung amtlicher Produktionszahlen – und gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

Rund eine Woche vor der Veröffentlichung der finalen EMI-Daten publiziert das Unternehmen sogenannte Flash-Daten. Das sind frühe Schätzungen der endgültigen EMI-Zahlen, die sich auf 85 bis 95 Prozent aller eingegangenen Antworten stützen.

Zudem veröffentlicht das Institut IHS Markit regelmäßig den Einkaufsmanagerindex für die deutsche Dienstleistungsbranche. Der Dienstleistungsbericht erscheint wenige Tage nach dem EMI der Industrie und deckt die Teilsektoren Verbraucher- (ohne Einzelhandel), Transport-, Informations-, Kommunikations-, Finanz-, Versicherungs-, Immobilien- und Unternehmensdienstleistungen ab.

ISM-Einkaufsmanagerindex in den USA als Vorbild

Wie so oft schreibt die Geschichte ihren Anfang in den Vereinigten Staaten. 1931 wurde hier zum ersten Mal der Purchasing Managers Index (damals noch unter anderem Namen) erhoben und im „Report on Business“ veröffentlicht. Seither hat sich der Index als einer der wichtigsten Frühindikatoren in den USA etabliert und ist im Laufe der Zeit auch nach Europa und Asien übernommen worden. Daher orientiert sich der Großteil nationaler Einkaufsmanagerindizes an dem amerikanischen Konjunkturbarometer. Herausgeber in den USA ist bis heute das Institute for Supply Management (ISM).

Seit 1998 veröffentlicht das ISM auch einen Einkaufsmanagerindex für das nicht verarbeitende Gewerbe. Drei Tage nach dem Industrieindex werden die Zahlen offengelegt.

Stärken des Einkaufsmanagerindexes

Einkaufsmanagerindizes beweisen häufig ihre Kraft der Vorhersage, weil sie auf aktuellen Zahlen und betrieblichen Fakten basieren, nicht auf subjektiven Prognosen zum Beispiel von Ökonomen oder Bankanalysten.

In Deutschland ergänzt der EMI weitere wichtige Indizes zur konjunkturellen Entwicklung, die ihren Schwerpunkt an anderer Stelle setzen. Namhaft sind hier unter anderem der Ifo-Geschäftsklimaindex sowie der GfK-Konsumklimaindex. Der EMI trägt also zu einem breiten Angebot an wirtschaftlichen Berichten und Prognosen bei.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex beruht auf einer größeren Zahl befragter Unternehmen, ist aber stärker von subjektiven Erwartungen für die Branche und die Gesamtwirtschaft geprägt.

Schwächen und Kritik am Einkaufsmanagerindex

Das Ausmaß der Veränderung der Variablen wird nicht abgefragt, sondern nur die Richtung. Dadurch kann es zu übertriebenen Schwüngen des Indexes nach oben oder unten kommen.

Aufgrund der nachlassenden Bedeutung der Industrie ist zunehmend fraglich, inwiefern sich von deren Entwicklung verlässlich auf die Entwicklung der Gesamtwirtschaft schließen lässt. Gleiches gilt für den Einkaufsmanagerindex im Dienstleistungssektor.

Einfluss des Einkaufsmanagerindexes auf die Finanzmärkte

Fällt der Einkaufsmanagerindex besser oder schlechter aus, als es Analysten erwarten, wirkt es sich auch auf die Devisenmärkte aus. Beispielsweise steigen die Euro-Kurse eher, wenn der EMI im gemeinsamen Währungsraum Wachstum signalisiert.

Normalerweise folgen auch die Anleger am Aktienmarkt diesem Signal. Damit zählt der US-Einkaufsmanagerindex zu den wichtigsten Konjunkturindikatoren für die Aktienmärkte in den USA und in Europa.

Sind die Lagerbestände der Industrie knapp, die Beschäftigung ist jedoch ausgelastet, deutet das häufig auf eine erhöhte Nachfrage hin. Für Anleger zeichnet sich in dem Fall ein potenzielles Branchenwachstum ab, was auf steigende Kurse deutet.

Dies kann dabei helfen, den richtigen Zeitpunkt für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren zu finden. Anleger sollten sich jedoch nicht nur auf einen Index verlassen, sondern auch weitere Informationsquellen nutzen. 

Mehr: Die magischen 16 Zukunftsindustrien

  • nb
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