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Emerging Markets Einsteigen, wenn andere den Markt verlassen: Diese Chancen bieten Schwellenländer-Aktien

Schwellenmärkte leiden unter dem Abfluss von internationalem Kapital. Für Anleger sind das gute Nachrichten – sofern sie Geduld und starke Nerven mitbringen.
1 Kommentar
Die Währung der Türkei hat massiv nachgegeben. Quelle: mauritius images
Bazar in Istanbul

Die Währung der Türkei hat massiv nachgegeben.

(Foto: mauritius images)

FrankfurtEines ist gewiss an den Kapitalmärkten: Es ist besser, nach dem Kurssturz zu kaufen, als davor. Wer nach dieser Logik handelt, für den lohnt sich zurzeit ein Blick auf die Schwellenmärkte, meinen die Experten der Investmentgesellschaft Franklin Templeton, die zahlreiche Fonds mit Schwerpunkt in diesen Regionen im Programm hat.

Mit Blick auf Krisenländer wie die Türkei und Argentinien schreiben sie: „Auch wenn einige der Schlagzeilen beunruhigend erscheinen, zeigen sie nicht das gesamte Bild.“

Keppler Asset Management wiederum hat errechnet, dass die Aktien der Schwellenländer insgesamt um 27 Prozent niedriger bewertet sind als die der Industrieländer. Die Analysten dort schreiben zudem, nach einem deutlichen Abwärtstrend im ersten Halbjahr 2018 habe sich im dritten Quartal ein Seitwärtstrend herausgebildet.

In diesen drei Monaten seien die Gewinne der Unternehmen deutlich angestiegen – auf ein knapp 18 Prozent höheres Niveau als ein Jahr zuvor. Allein dadurch wurden die Bewertungen günstiger, die ja als Kurs im Verhältnis zum Gewinn je Aktie (KGV) berechnet werden. Auch andere Kennzahlen wie der Cashflow haben sich verbessert.

Wer sich den bekanntesten Aktienindex für Schwellenregionen, den MSCI EM, anschaut, sieht allerdings eine über längere Zeit fallende Kurve. Damit eignen sich Schwellenregionen für die Strategie der „Contrarians“, der Investoren, die gerade dann einsteigen, wenn die anderen das Boot verlassen.

Grafik

Die Anlage in Schwellenländern ist schwierig. Im laufenden Jahr vor allem deswegen, weil die US-Notenbank (Fed) wie ein gewaltiger Staubsauger Kapital anzieht. Nachdem Investoren lange Zeit auch in Schwellenregionen investiert haben, weil in Amerika die Zinsen niedrig und die Aktien teuer waren, wandelt sich das Bild. Die Langfristzinsen der US-Staatspapiere sind auf über drei Prozent gestiegen.

Die Aktien sind in Amerika immer noch teuer, in einigen anderen Ländern, etwa Deutschland, sind die Kurse aber deutlicher gefallen. Das zieht Kapital aus den Emerging Markets ab. Speziell für China, das größte Schwellenland, kommt noch der gefährliche Handelsstreit mit den USA hinzu.

Auch für Langfrist-Investoren haben Schwellenländer immer wieder Enttäuschungen gebracht. Trügerisch ist vor allem die Idee, dass hohes Wachstum, das viele dieser Länder zeigen, automatisch auch zu steigenden Aktienkursen führt.

Tatsächlich sind die Kurse dort, wie auch das laufende Jahr zeigt, oft mehr eine Funktion der internationalen Kapitalströme als des heimischen Wachstums. In Krisenzeiten brechen die Bewertungen regelmäßig ein, weil die Anleger Risiken vermindern wollen.

Das alles vorausgeschickt, bleibt es aber dabei, dass Schwellenländer eine sinnvolle Ergänzung des Depots bieten können, weil dort die Aktien oft billiger und die Anleihen höher verzinst sind als in entwickelten Regionen.

Richtig ist außerdem: Der Abzug von Kapital hat große Schwierigkeiten vor allem für Länder gebracht, die ohnehin unter hausgemachten Problemen leiden. In der Türkei ist es eine verfehlte Geldpolitik, die die Landeswährung abstürzen ließ.

In Argentinien spielt die Verschuldungspolitik früherer Regierungen eine verhängnisvolle Rolle. Templeton weist darauf hin, dass die Schwellenländer unterm Strich die steigenden Fed-Zinsen in den Jahren 2003 bis 2007, beim letzten Erhöhungszyklus, recht gut überstanden haben.

China dominiert die Indizes

Keppler stuft die einzelnen Länder vor allem basierend auf den Bewertungen als Kauf- oder Verkaufskandidaten ein. Daher ist es wenig überraschend, dass mit der Empfehlung „buy“ viele Kandidaten auftauchen, die akute Probleme haben, darunter China und die Türkei.

Des Weiteren stehen auf der Liste Brasilien, Chile, Kolumbien Tschechien, Korea, Malaysia, Polen und Russland. Die Liste der „Sell“-Empfehlungen ist kürzer mit Ägypten, Griechenland, Ungarn, Pakistan, Peru, Katar, Thailand und den Vereinigen Emiraten.

Wer in Schwellenländer investieren will, kann dies über einen börsengehandelten Fonds (ETF) tun, der in den MSCI Emerging Markets investiert. Die größten Positionen im Index stammen überwiegend aus China, außerdem dominiert die Tech-Branche.

Tencent führt die Liste an vor Taiwan Semiconductors und dem koreanischen Samsung-Konzern. China kommt insgesamt auf gut 30 Prozent. Die IT-Branche macht 27 Prozent aus, die Banken kommen auf 23 Prozent Gewichtung.

Daneben gibt es auch noch den Index MSCI Emerging Markets Value. Er enthält vorzugsweise Value-Aktien, also solche, die als relativ günstig bewertet angesehen werden. Die drei größten Positionen sind die China Construction Bank, Samsung Electronics und China Mobile. Überhaupt ist China an der Spitze der Liste sehr stark vertreten.

Aber unter den ersten Positionen finden sich auch das indische Energieunternehmen Reliance und die brasilianische Bank Itaù. Bei der gesamten Gewichtung kommen China und die Finanzbranche auf jeweils rund ein Drittel. Eine dritte Variante ist der MSCI World with EM Exposure Index. Er vereinigt Unternehmen aus entwickelten Ländern, die aber einen großen Anteil des Geschäfts in Schwellenländern machen.

Die Liste wird angeführt von Apple, dahinter folgen Nvidia, Intel, Nestlé, Qualcomm, Philip Morris, Boeing, Broadcom, Texas Instruments und Royal Dutch. Die USA machen fast die Hälfte aus und ein Drittel der IT-Sektor. Die Aktien dieser Liste lassen sich natürlich auch gut einzeln erwerben.

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1 Kommentar zu "Emerging Markets: Einsteigen, wenn andere den Markt verlassen: Diese Chancen bieten Schwellenländer-Aktien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Wiebe,

    ein Blick auf den MSCI emerging markets macht deutlich: Der Abwärtstrend ist ungebrochen, von einer Bodenbildung kann keine Rede sein. Also gilt die Börsenweisheit: "Never catch a falling knife".

    Davon abgesehen fehlt es aus meiner Sicht an Untersuchungen, die die langfristigen Anlagechancen der emerging markets aufzeigen. Sie erwähnen zu recht, dass das vergleichsweise höhere Wachstum kein Garant für eine bessere Kursentwicklung im Vergleich zu den Volkswirtschaften westlicher Prägung ist. Umso mehr sollten sich die Anleger die Frage stellen, ob China und viele andere Länder überhaupt Marktwirtschaften im westlichen Sinne sind.

    Nehmen wir als Beispiel einmal China. Gibt es dort wirklich unternehmerische Freiheit? Oder nur einengende Regulierungen durch eine allmächtige Staatspartei, die bis in die feinsten Verästelungen der Wirtschaft überall hinein regiert? Gibt es Rechssicherheit oder nur Willkür? Konsumentensouveränität oder staatliche Lenkung? Gibt es überhaupt Wettbewerb oder nur staatliche Entwicklungspläne?