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Erfolgsfaktoren Fondsmanager mit Heimvorteil zeigen überdurchschnittliche Leistungen

Was unterscheidet gute Fondsmanager von schlechten? Es ist vor allem die Lebenserfahrung, haben Experten herausgefunden – aber nicht nur das allein.
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Experten haben Qualitätsunterschiede bei Fondsmanagern untersucht. Quelle: MSUnger
Bankenviertel in Frankfurt

Experten haben Qualitätsunterschiede bei Fondsmanagern untersucht.

(Foto: MSUnger)

FrankfurtSind Fondsmanager ihr Geld wert? Manche Experten stellen das infrage, schließlich zeigen die Statistiken, dass die meisten aktiven Manager schlechtere Erträge abliefern als ihre Vergleichsindizes. Doch die Kritiker ernten auch Widerspruch: „Nicht alle Strategen sind schlecht. Nur sind die Besten ihres Fachs schwer zu finden“, meint Marc-André Göricke von Alpha Portfolio Advisors, einem Berater für institutionelle Investoren.

Zusammen mit Alpha-Portfolio-Chef Jochen Kleeberg glaubt er, nachweisen zu können: „Die Persönlichkeit des Managers macht den Unterschied.“ Beide Autoren illustrieren das mit Beispielen von Managern mit überdurchschnittlichen Leistungen, die auch nach einem Wechsel des Arbeitgebers auf der Erfolgsspur blieben. Sie werten das als Beweis für die Fähigkeit, auf Dauer überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Zu diesen Kandidaten zählen die Berater zum Beispiel Nicolas Walewski. Der Franzose steuert den europäischen Aktienfonds „Alken European Opportunities“ für den von ihm selbst gegründeten Asset-Manager Alken. Über eine Dekade lieferte er einen durchschnittlichen Jahresertrag von 15,5 Prozent, der vergleichbare Europa-Aktienindex stieg im Schnitt dagegen nur knapp elf Prozent. „Walewski schwimmt mit seinen Anlagen gegen die herrschende Meinung, einige seiner Wetten sind riskant, aber häufig zahlen sie sich aus“, urteilt Nisha Long, Researchleiterin beim Finanzdienstleister Citywire.

Es bleibt die Frage, welche gemeinsamen Eigenschaften die guten Manager auszeichnen. Eine wichtige Rolle spielt der kulturelle Hintergrund. Das belegt eine aktuelle Studie von US-Wissenschaftlern. Danach liefern beispielsweise Asien-Fonds, die von Managern gesteuert werden, die lange Zeit in China gelebt haben, fast acht Prozentpunkte mehr an Rendite bei China-Aktien als Konkurrenzmanager, denen die praktische Erfahrung in der Volksrepublik fehlt.

„Es gibt einen klaren Heimvorteil“, sagt Berater Göricke. Investoren würden Fonds solcher Manager bevorzugen und hier mehr Geld investieren. Auch der Franzose Walewski passe in dieses Raster, erläutert sein Kollege Kleeberg. Der Starinvestor von Alken habe regelmäßig größere Anteile französischer Aktien im Depot – mit überdurchschnittlichen Erträgen. Dieser Heimvorteil erklärt auch hier einen Teil seiner besseren Anlageerträge.

Qualitätsunterschiede erkennt Göricke auch je nach Vorbildung der Manager. „Wir können nachweisen, dass eine ökonomische Ausbildung, also ein Wirtschaftsstudium, den Anlageerträgen gut tut“, sagt er. Das mag beinahe selbstverständlich klingen, wurde bisher aber noch nicht systematisch untersucht.

Manager mit alternativen Ausbildungen wie beispielsweise Ingenieurwissenschaften, die in der Finanzbranche ebenfalls häufig anzutreffen sind, würden dagegen im Schnitt schlechter abschneiden. Göricke hat den Zusatznutzen des Ökonomie-Studiums für rund 1 000 Fondsmanager und Aktienfonds in den USA exakt ausgerechnet: Es sind 1,58 Prozentpunkte mehr an jährlichem Ertrag. Der Vorsprung schlägt vor allem bei unerfahrenen Strategen durch und klingt im Zeitablauf ab. Die Ergebnisse stellen Göricke und Kleeberg am Mittwoch auf einer Konferenz vor.

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Wenn schon eine andere Ausbildung oder ein anderer Beruf, dann sollte er zumindest zum Anlagethema der Fondsmanager passen. Das hat die Wirtschaftsprofessorin Monika Gehde-Trapp von der Universität Hohenheim mit anderen Autoren, darunter auch Göricke, nachgewiesen.

„Wenn ein Arzt die Branche wechselt und Fondsmanager wird, dann ist er mit seiner Auswahl an Pharmaaktien erfolgreicher als in den Industrien, in denen er keine Erfahrung hat“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie kommt auf Renditevorsprünge von jährlich rund zwei Prozentpunkten. Die Vorsprünge steigen nach ihren Untersuchungen mit der Länge der Erfahrung in der jeweiligen Branche und mit höherer Position im Management. Sie liegen dann in der Größenordnung von sechs bis zehn Prozentpunkten. Das bestätigt Göricke mit seinen Rechnungen: „Mehr Erfahrung bringt mehr Rendite.“

Diese Ergebnisse gelten allerdings nur für professionelle Fondsmanager. Zwar haben auch Privatanleger Erfahrungen in ihren eigenen Berufen. Aber die können sie offenbar meist nicht in Anlageerfolge umsetzen. Das zeigen andere Studien. Gehde-Trapp kennt die Gründe: „Die Anleger glauben, sich auszukennen, doch sie überschätzen sich, sind zu wenig selbstkritisch – deshalb ist das Anlageergebnis oft sehr schlecht.“ Die Expertin rät: „Falls Ihr Arzt Pharma‧aktien empfiehlt, würde ich die besser nicht kaufen.“

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