Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

ESG-Kriterien Nachhaltige Geldanlage gewinnt bei Großanlegern an Bedeutung

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die große Mehrheit der institutionellen Investoren inzwischen Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Anlagestrategie berücksichtigt.
Kommentieren
Geldanlage: Nachhaltiges Investieren liegt im Trend Quelle: AP
Sauberes Wasser – ein knappes Gut

Immer mehr Großinvestoren sehen die Klimaeffekte als wichtigen Teil des Risikomanagements und bauen ihn in ihre Firmenanalysen ein.

(Foto: AP)

FrankfurtWährend der Ausstoß von Treibhausgasen global weiter steigt, intensiviert der Finanzsektor den Kampf gegen Klimaschäden. „Nachhaltigkeit gewinnt massiv an Bedeutung und wird zum Erfolgsfaktor im Asset-Management“, sagte Alexander Schindler, Vorstand bei Union Investment, auf einer Nachhaltigkeitskonferenz der Investmentgesellschaft.

Das bestätigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie von Union Investment. 72 Prozent der 201 befragten institutionellen deutschen Investoren berücksichtigen demnach Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Anlagestrategie. Das ist ein Anstieg um sieben Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Befragung im Jahr 2009. Zwei Drittel der Befragten glauben, dass nachhaltige Kapitalanlagen das Weltklima entscheidend beeinflussen können.

Die befragten Großanleger verwalten insgesamt ein Vermögen von mehr als sechs Billionen Euro. Neben Klimaschäden schließen die Nachhaltigkeitskriterien die soziale Verantwortung von Unternehmen und eine gute Firmenführung ein. Diese drei Prüfpunkte werden nach ihrem englischen Sprachursprung häufig im Kürzel ESG gebündelt.

„Wir integrieren ESG-Kriterien überall“, sagt etwa Mike Amey, der beim Vermögensverwalter Pimco die Nachhaltigkeitsstrategie verantwortet. Die Allianz-Tochter habe schon immer einen langfristigen Anlageansatz verfolgt. „Der Aspekt der Nachhaltigkeit passt zu unserer Investmentphilosophie.“

Auch die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Hessen folgen dem Trend. Die Länder gaben am Montag bekannt, dass sie die Mittel ihrer Pensionsfonds nach einheitlichen nachhaltigen Kriterien anlegen wollen. Gemeinsam haben sie den Anbieter Stoxx Ltd., eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Börse, mit der Entwicklung von zwei nachhaltigen Aktienindizes beauftragt.

„Das Konzept der Nachhaltigkeit ist für die öffentliche Verwaltung heute genauso wichtig wie in der privaten Wirtschaft“, sagte Patrick Opdenhövel, Staatssekretär im NRW-Finanzministerium. Man sei überzeugt, dass langfristige Wertschöpfung nur in einem wirtschaftlich effizienten, nachhaltigen Finanzsystem möglich sei, ergänzte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer.

Ihre Aktienportfolios mit einem Volumen von insgesamt 3,6 Milliarden Euro wollen die Länder nur in Unternehmen investieren, die „in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung auf Basis zahlreicher Kennzahlen zu den am besten bewerteten zählen“. Atomenergie-Konzerne würden so etwa „im Wesentlichen ausgeschlossen“.

Bei der Nachhaltigkeitskonferenz in Frankfurt forderte Lord Nicholas Stern, Ökonom der London School of Economics, einen Systemwechsel. Nur so könne man eine Klimakatastrophe noch abwenden.

„Der Finanzsektor steht dabei absolut im Mittelpunkt“, so der ehemalige Chefökonom der Weltbank. Die Rahmenbedingungen für Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen seien angesichts neuer Technologien, niedriger Zinsen und hoher Sparquoten gut. Die öffentliche Hand könne die Investitionen nicht allein stemmen, sagte Stern, weshalb die Finanzbranche mehr denn je auf Nachhaltigkeit setzen müsse.

EU-Aktionsplan in der Kritik

Bei all der Umsicht für Umwelt, Klima und soziale Verantwortung gibt es ein Problem. Laut dem Union-Investment-Report wissen nur 39 Prozent der Großanleger, welche Wirkung das eigene Portfolio auf das Klima hat. Fast drei Viertel der Investoren, die nicht auf nachhaltige Anlagen setzen, begründen das mit fehlenden Vorgaben.

Mit einem Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen will die EU-Kommission dieses Problem beheben. Ein Kernziel: Die Kapitalflüsse sollen den Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft fördern. Der Aktionsplan verleihe dem Thema Nachhaltigkeit zusätzlich Gewicht, erklärte Union-Investment-Vorstand Schindler.

Die Kommission sieht dafür unter anderem eine stärkere Integration von Nachhaltigkeitskriterien ins Risikomanagement, in Ratings und Marktanalysen vor. Eine besondere Herausforderung ist die Definition der Nachhaltigkeitskriterien, an der eine Expertengruppe der EU derzeit arbeitet. Und die sorgt für Kritik.

Der Elektroautobauer Tesla etwa sei in Norwegen nachhaltig, weil man die E-Autos dort mit Strom aus erneuerbaren Energien laden lassen könne, sagte FDP-Vorsitzender Christian Lindner bei der Konferenz: „Aber in Polen, wo auch in den 2030er-Jahren der Strom aus der Kohle kommen wird? Da ist womöglich der Diesel energetisch effizienter.“ Deshalb sei eine CO2-Steuer ein effektiveres Vorgehen.

Vermögensverwalter Bert Flossbach warnt zudem vor einer Überregulierung durch ein Klassifizierungssystem: „Denn dazu müssen Tausende Unternehmen anhand Hunderter oft schwammiger Kriterien analysiert und klassifiziert werden. Anlegern und Anbietern droht unseres Erachtens ein neues Bürokratiemonster.“

Bis Sommer 2019 soll ein erster Zwischenbericht zum EU-Aktionsplan vorliegen. Bis Ende des Jahres sollen die Punkte umgesetzt sein.

Mehr: Anleihe-Investoren integrieren ökologische und soziale Kriterien in den Auswahlprozess. Sie finden diese Faktoren ebenso wichtig wie Finanzkennzahlen.

Startseite

Mehr zu: ESG-Kriterien - Nachhaltige Geldanlage gewinnt bei Großanlegern an Bedeutung

0 Kommentare zu "ESG-Kriterien: Nachhaltige Geldanlage gewinnt bei Großanlegern an Bedeutung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote