Ethische Investments Bestimmen, was das Geld bewirkt

Nachhaltigkeitsbanken, ethische Fonds, grüne Aktien: Der Markt für Geldanlagen nach ökologischen und ethischen Regeln wächst – im letzten Jahr um 59 Prozent. Doch die Orientierung fällt vielen Anlegern schwer.
Abholzen oder neu pflanzen? Anleger fragen sich immer öfter, wie sich ihr Geld vermehrt – und nicht nur ob. Quelle: dpa
Umweltbewusst

Abholzen oder neu pflanzen? Anleger fragen sich immer öfter, wie sich ihr Geld vermehrt – und nicht nur ob.

(Foto: dpa)

FrankfurtImmer häufiger interessieren sich Verbraucher nicht nur dafür, dass ihr Vermögen wächst – sondern auch dafür, wie es wächst. Der Markt für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland entwickelt sich rasant: In Deutschland wurden 2014 rund 127 Milliarden Euro nachhaltig angelegt, was einem Plus von 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Doch die Orientierung ist nicht leicht.

Welche Möglichkeiten gibt es, Erspartes nachhaltig anzulegen?
Die einfachste Möglichkeit ist, für Bankleistungen zu einer Nachhaltigkeitsbank zu wechseln. In Deutschland gibt es inzwischen einige solche Institute, etwa die Triodos Bank, die GLS Bank oder die Ethikbank. Diese Geldhäuser versprechen, das Geld der Kunden nur in Unternehmen zu stecken, die nachhaltig agieren. Sie haben Kriterien definiert, die bestimmte Geschäftsfelder für Investitionen ausschließen. Dazu zählen etwa: Waffen, Atom- und Kohlekraft, Kinderarbeit oder Tierversuche. Die Institute bieten gängige Leistungen wie Giro- oder Festgeldkonten und Fondssparpläne an.
Auch andere Banken, Sparkassen und Volksbanken bieten nachhaltige Produkte an, etwa grüne Aktien- oder Anleihefonds. Zudem gibt es Genossenschaften wie Oikocredit, die mit dem Geld ihrer Mitglieder gezielt Kredite an nachhaltige Unternehmen vergeben – Oikocredit beispielsweise vor allem an Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Was ist nachhaltig?
„Jeder hat andere Wertevorstellungen“, sagt Andreas Korth vom Good Growth Institut. Der eine lehne die Finanzierung von Rüstungsgütern kategorisch ab, der andere nicht, schließlich bräuchten ja Polizei und Soldaten Waffen. Deshalb sei Anlageberatung für nachhaltige Geldanlage auch ein weites und komplexes Feld, die Orientierung schwierig. Abgesehen von den Nachhaltigkeitsbanken sei das Thema in der Beratung noch nicht präsent und Kompetenz dafür kaum vorhanden. Korth fordert, das klassische Leitbild in der Anlageberatung – das „magische Dreieck“ aus Liquidität, Risiko und Rentabilität – um die Nachhaltigkeit in ein Viereck auszuweiten.

Sind nachhaltige Anlageprodukte auch wirklich nachhaltig?
Sogenanntes „Greenwashing“ kann ein Problem sein, mangelnde Transparenz von Unternehmen oder gar Betrug auch: Noch vor einigen Monaten hätten VW-Aktien durchaus Bestandteil nachhaltiger Aktienfonds sein können, sagt Korth – nach dem Abgas-Skandal sehe es anders aus. Sicherer, was Transparenz betrifft, sind Verbraucher bei den Nachhaltigkeitsbanken: Sie legen erstens detailliert offen, welchen Unternehmen sie Kredite geben, und haben strikte Ausschlusskriterien für Produkte am Aktien- und Anleihemarkt. Die Triodos Bank etwa bewertet mit einer eigenen Abteilung und externen Prüfern, ob Unternehmen ihre Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.
Weitere Sicherheit soll ein neues Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) geben. Es bewertet Fonds im Hinblick auf Transparenz und bestimmte Mindestanforderungen.

Bei diesen Versprechen ist Skepsis angesagt
„Nachhaltige und ökonomische Anlage“
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„Nachhaltige und ökonomische Anlage“

Ökologisch und nachhaltig sollen die Investments sein – Geld verdienen und dabei auch noch etwas Gutes für die Umwelt tun. So lautet das Versprechen vieler Anbieter. Belege dafür gibt es aber wenig. „Zur Nachhaltigkeit eines Investments gehört nicht nur die sozial-ökologische, sondern auch die finanzielle Komponente“, sagt Max Deml, Herausgeber des Börsendienstes Öko-Invest. (Bild: dpa)

„In Sachwerte investieren und damit den Regenwald schützen“
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„In Sachwerte investieren und damit den Regenwald schützen“

In der Forstwirtschaft gilt das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) als Gütesiegel für umweltfreundliche und sozialförderliche Bewirtschaftung von Wäldern. Für Holz, das in die EU importiert wird, ist es sogar Pflicht.

„Bei vielen anderen Siegeln ist jedoch Vorsicht geboten, diese stammen oft nicht von unabhängigen Stellen, sondern von Interessensverbänden oder gar den Unternehmen selbst“, sagt Deml. Finanzielle Nachhaltigkeit bedeute, dass ein Unternehmen so wirtschaftet, dass es auch am Ende des Investitionszeitraums – beispielsweise nach 20 Jahren – noch existiere.

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„Nachhaltig, ökologisch sinnvoll, krisensicher“

Viele Unternehmen geben sich einen grünen Anstrich, um damit auf Kundenfang zu gehen. „Aktuell sind nachhaltige Geldanlagen sehr gefragt, auf diese Welle springen leider auch viele unseriöse Unternehmen auf“, sagt Karsten Smid, Klimaexperte der Umweltorganisation Greenpeace. Öko-Invest veröffentlicht regelmäßig die sogenannte graugrüne Liste. Auf diese Liste setzt der Börsendienst solche Unternehmen, die Informationen zu ihrem Angebot verweigert haben. „Aus diesem Grund raten wir von einem Investment ab“, sagt Max Deml, Herausgeber von Öko-Invest. „Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass alle Unternehmen auf der Liste unseriös wären.“

UN-Verhandlungen für neues Klimaschutz-Abkommen
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„Naturgarantie – Bäume wachsen immer“

Die Teakhholz-Anbieter versprechen hohe Wachstumsraten und steigende Preise für Teakholz. Teils wird mit Preissteigerungen von jährlich sechs Prozent gerechnet. Michael Köhl, der am Zentrum Holzwirtschaft der Uni Hamburg das Institut für Weltforstwirtschaft leitet, hält diese Angaben jedoch für zu optimistisch. „Es stimmt zwar, dass auch langfristig Höchstpreise für Teakholz zu erwarten sind, aber das gilt nur für Naturwald-Teak, nicht für Plantagen-Teak.“

An Indonesian villager cuts timber illegally from a teak forest in the Bojonegoro district of East Java
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„Die Königsklasse der Rohstoffe“

Teak-Holz wird in den Prospekten gerne als „exklusiv, strapazierfähig und witterungsbeständig“ beschrieben. Es wird auf den Einsatz bei der Herstellung von Gartenmöbeln, Parkettböden, Schiffsdecks und luxuriöser Inneneinrichtung hingewiesen. „Bei Teak aus Plantagen von „Königsklasse“ zu sprechen ist wohl eher Wunschdenken als Realität“, sagt dagegen Forstexperte Michael Köhl. „Teakholz ist entweder robust oder es wächst schnell. Beides geht nicht. Und das Holz auf den Plantagen wächst sehr schnell.“ Zudem sei das Plantagen-Teak weniger widerstandsfähig als Edelholz aus Naturwald und „beispielsweise für den Einsatz im Außenbereich, der Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, nicht geeignet.“

Geldscheine
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„Lukrative Rendite“

Auf den Anzeige-Buttons wird die Rendite meist in Prozent pro Jahr (% p.a.) angegeben. Wer einmal in die Broschüren der Anbieter schaut, sieht jedoch, dass damit häufig die IRR (internal rate of return) gemeint ist. Diese gibt die theoretische mittlere jährliche Rendite an. Tatsächlich bekommt der Anleger oftmals gar nicht in jedem Jahr eine Auszahlung. Bei Holzinvestments etwa kann es bis zu zwanzig Jahre dauern, bis zum ersten Mal Geld fließt. Bei anderen Anbietern dagegen steht die beworbene Rendite nur für einen einzelnen Wert, der in einem der Anlagejahre erreicht werden kann.

AN INVESTOR'S SUNGLASSES REFLECTS SHARE PRICE MONITORS IN SHANGHAI
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„Hohe Sicherheit“

Die Grundregel jeder Geldanlage lautet: Je höher das Renditeversprechen, desto höher auch das Risiko. „Bei Anlagen mit zweistelligen Renditeankündigungen von sicheren Anlagen zu sprechen, ist schlichtweg falsch“, sagt Max Deml. Anleger sollten sich nicht blenden lassen, sondern die Broschüren genau lesen. Zumindest in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen findet sich üblicherweise ein Hinweis, dass der Anleger sein Kapital teilweise oder komplett verlieren kann.

Bringen nachhaltige Investments weniger Rendite?
Dass nachhaltige Fonds aus ethischer Sicht besser, aus finanzieller Sicht aber teurer seien, sei ein „Ammenmärchen“, sagt Christian Klein, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel. Er untersuchte 2014 in einer Meta-Studie 35 empirische Studien über nachhaltige Fonds. Das Ergebnis: 15 der Studien fanden keinen Unterschied in der Performance zwischen konventionellen und nachhaltigen Fonds. In 14 Studien schnitten nachhaltige Fonds besser ab, sechs Studien sahen konventionelle vorne. Nachhaltige Fonds sind Klein zufolge zudem etwas weniger riskant als konventionelle, da Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit achten, oft auch weniger riskant handeln.

  • afp
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