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European Private Equity Summit Die Zeiten für Firmenkäufer werden härter

Börsenturbulenzen und politischen Risiken wirken sich auf Finanzinvestoren aus. Sie erwarten niedrigere Bewertungen und geringere Erlöse.
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Gäste der Handelsblatt-Tagung zur Zukunft der Private-Equity-Branche verfolgen das Gespräch zwischen KKR-Chef Johannes Huth (vorn) und Handelsblatt Ressortleiter Daniel Schäfer. Quelle: Martin Leissl
European Private Equity Summit 2018

Gäste der Handelsblatt-Tagung zur Zukunft der Private-Equity-Branche verfolgen das Gespräch zwischen KKR-Chef Johannes Huth (vorn) und Handelsblatt Ressortleiter Daniel Schäfer.

(Foto: Martin Leissl)

FrankfurtDie goldene Ära für Firmenkäufer neigt sich dem Ende zu. Private Equity, also die außerbörsliche Beteiligung an Unternehmen, steht nach der Überzeugung von Finanzinvestoren und Investmentbankern vor härteren Zeiten. Knapp drei Viertel der Profis rechnen in den kommenden zwei Jahren mit einer Trendwende am Markt und fallenden Bewertungen. Das geht aus einer Umfrage auf dem „European Private Equity Summit“ des Handelsblatts in Frankfurt hervor. Nur sechs Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass sich nichts verändert.

Getrieben vom Anlagenotstand und auf der Suche nach Profit, stürzen sich Pensionskassen, Versicherungen, Staatsfonds und Family Offices auf Beteiligungsfonds. Nur so können sie ihre Renditeversprechen halten. Seit der Finanzkrise 2008 stellt die Branche beim Geldeinsammeln einen Rekord nach dem anderen auf. Mittlerweile verwalten die Fonds weltweit 3,921 Billionen Dollar, wie das Analysehaus Preqin errechnet hat. Das nicht investierte Kapital liegt bei 1,14 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Der Haushalt der Bundesrepublik betrug zuletzt rund 344 Milliarden Euro.

Die Finanzinvestoren, wozu in der Öffentlichkeit wenig bekannte Unternehmen wie EQT, KKR, BC Partners, CVC und Ardian zählen, kontrollieren damit einen großen Teil der deutschen Wirtschaft. Sie sind an über 5000 Unternehmen beteiligt, beschäftigen rund 960 000 Mitarbeiter und setzen insgesamt 171 Milliarden Euro um, hat der Branchenverband BVK ausgerechnet.

Vorbereitung auf den Abschwung

Noch sind die Rahmenbedingungen positiv, aber es gebe ernst zu nehmende politische Risiken, analysiert Johannes Huth, Europachef von KKR. Die größte Gefahr sieht er in einem harten Brexit. Der Bullenmarkt sei jetzt zehn Jahre alt, deshalb müsse Private Equity auf einen Abschwung vorbereitet sein. Das goldene Szenario gehe zu Ende, in dem sich das Konjunkturumfeld global nachhaltig positiv entwickelt hat, die Bewertungen kontinuierlich stiegen und günstiges Fremdkapital erhältlich war, sagt Sven Baumann, Co-Chef für das deutsche Investmentbanking bei der Citi.

Für Huth ist es die wichtigste Aufgabe, die Verschuldung der Portfoliounternehmen im Blick zu behalten. „Die Kreditkonditionen und die Auflagen für die Schuldner sind heute so locker, wie ich es in meiner langen Karriere noch nicht erlebt habe“, so der Manager. Momentan würden nicht mehr die Banken, sondern private Kreditfonds 80 Prozent der Schulden halten. Es gebe derzeit über 100 Kreditfonds in Europa, die keine lange Erfahrung vorweisen könnten. Ob sie einen Abschwung meistern, ist eine offene Frage“, meint der Beteiligungsmanager.

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Die Renditenot treibt die Anleger schon rund ein Jahrzehnt lang in die Private-Equity-Fonds. Weil mit klassischen Anlagen in Staatsanleihen und anderen Zinspapieren kein Geld mehr zu verdienen ist, fließen seitens der Großinvestoren viele Milliarden in die Beteiligungsfonds. Doch diese haben ein Problem: Sie finden nicht genügend Übernahmeziele.

Und um die wenigen lukrativen Deals buhlen zudem immer mehr Adressen. „Die Zahl der Wettbewerber um die guten Unternehmen nimmt zu“, sagt Baumann. Neben den Private-Equity-Fonds würden mittlerweile vermehrt Family Offices der wohlhabenden Familien sowie Pensionskassen auftreten, die ebenfalls Direktbeteiligungen anstreben und mittlerweile auch gut managen können. Und die Strategen aus der Industrie seien finanziell gut gerüstet für Übernahmen – sprich: Sie machen den Finanzinvestoren weiter das Leben schwer.

Finanzinvestoren kaufen mit ihrem Geld Konzerne oder Mittelständler, oder sie gehen Minderheitsbeteiligungen ein. In drei bis sieben Jahren werden die Firmen restrukturiert und dann zu einem höheren Preis weiterverkauft oder an die Börse gebracht. „Die Finanzinvestoren erleben derzeit einen Verkäufermarkt. Wenn sie zum Zuge kommen wollen, müssen sie viel Geld in die Hand nehmen“, betont Ekkehard Franzke, Partner beim Beratungsunternehmen AT Kearney.

Es wird schwierig, die oftmals angepeilte Rendite von 20 Prozent tatsächlich zu erreichen. Sie werde künftig eher niedrig zweistellig ausfallen oder sogar darunter, befürchtet der Experte. Der Anteil von Private Equity an Fusionen und Übernahmen ist im laufenden Jahr eingebrochen. Nach Berechnungen des Finanzdatendienstleisters Refinitiv befindet sich Deutschland bei M&A auf Rekordkurs. Der Anteil der Beteiligungshäuser ist allerdings auf 7,9 Prozent gefallen. In guten Zeiten wie im Jahr 2004 waren das einmal knapp 30 Prozent. In Europa sieht es ähnlich aus.

Neben der Geldflut im Markt und einem stärkeren Wettbewerb sorgen auch die Turbulenzen an den Börsen für einen nachlassenden Optimismus, erklärt Jörg Rockenhäuser, Deutschlandchef von Permira. Gleichzeitig machten geopolitische Risiken wie die Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China, die Situation in Italien und der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die Anleger nervös.

„In den kommenden zwölf Monaten wird die Lage herausfordernder. Wir sind in der Endphase eines Bullenmarktes, und auch im Private-Equity-Markt sind neue Rekorde eher unwahrscheinlich“, meint Birger Berendes, Chef für den deutschen M&A-Markt bei der Bank of America Merrill Lynch.

Defensive Investments gesucht

Megadeals mit Beteiligung von Private Equity sind eher selten geworden. In den USA stemmte Blackstone im Februar die Übernahme einer Sparte des Datenlieferanten Thomson Reuters für 20 Milliarden Dollar. Dass es teuer wird, bekam der Finanzinvestor Partners Group zu spüren, der 4,6 Milliarden Euro einschließlich Schulden für den Energiedienstleister Techem bezahlte.

Bereits im vergangenen Jahr war über einen möglichen Verkauf von Techem spekuliert worden. Die große Herausforderung für Private Equity ist die Digitalisierung der Branche, um auch in Zukunft bei den Portfoliofirmen eine wichtige Rolle zu spielen, wie Levin Holle, Abteilungsleiter im Finanzministerium, betonte. Das gilt auch im Fall Techem.

Angesichts der Unsicherheiten suchen die Beteiligungshäuser lieber defensive Investments, wie der Kauf von Ada Cosmetics durch Moonlake Capital für 300 Millionen Euro zeigt. „Kommt es zu einer Krise, stellen sich Investments wie hier in Hotelkosmetika als stabiler heraus“, betont Berater Franzke. Die Umsätze würden nicht so schnell einbrechen, wenn die Konjunktur schwächelt, auch wenn es insgesamt an Deals fehle.

Aktuell sind rund zehn größere Deals ab einem Transaktionswert von 500 Millionen Euro im deutschsprachigen Raum geplant, wie eine Umfrage des Handelsblatts unter Investmentbankern ergab. Der Chemiekonzern Evonik verkauft etwa einen Teil der Tochter Performance Materials. Großes Interesse gibt es auch an Bosch Packaging.

Kommt es tatsächlich zu einem Einbruch des Marktes, dann bieten sich attraktive Möglichkeiten. „Gehen die Bewertungen nach unten, eröffnet das Chancen für günstige Übernahmen“, erklärt Robert Seminara, Europachef von Apollo. Außerdem wachse die Bereitschaft von Unternehmen, sich von Finanzinvestoren von der Börse nehmen zu lassen.

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