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Exxon, Standard Oil & Co. Rockefellers verlieren die Lust am Öl

Einst ist John D. Rockefeller dank Öl zum reichsten Menschen der Welt aufgestiegen. Jetzt will ein Stiftungsfonds seiner Nachfahren nichts mehr von fossilen Brennstoffen wissen – und folgt damit einem globalen Trend.
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Während der Titan Atlas aus der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe weiter auf seinen Schultern trägt, wurde dem Rockefeller Family Fund die Last der Investments in fossilen Brennstoffen zu schwer. Quelle: Imago
Rockefeller Building in New York

Während der Titan Atlas aus der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe weiter auf seinen Schultern trägt, wurde dem Rockefeller Family Fund die Last der Investments in fossilen Brennstoffen zu schwer.

(Foto: Imago)

DüsseldorfEs ist nicht irgendeine Familie, die sich am Mittwoch öffentlichkeitswirksam von ihren Investments in Öl und Kohle verabschiedet hat. Es sind die Rockefellers. Der gigantische Reichtum dieser Dynastie fußt auf der Ölindustrie. Das von John D. Rockefeller gegründete Unternehmen Standard Oil und der Nachfolgekonzern Exxon Mobil waren lange die größten Konzerne der USA und auch der Welt. Der Erfolg der Rockefellers hat selbst Eingang in den deutsche Sprachgebrauch gefunden: „Ich bin doch nicht Rockefeller“, sagt, wer vermeintlich verschwenderische Ausgaben ablehnt.

Doch jetzt bricht ein Teil der Familie mit der Branche. Genauer genommen, der von der vierten Nachfahren-Generation gegründete Rockefeller Family Fund. Dieser stößt seine Anlagen in fossilen Brennstoffen ab – und damit auch die an Exxon. Das Ganze solle so schnell wie möglich umgesetzt werden, heißt es auf der Homepage des Fonds. Der Rockefeller Family Fund verwaltet 130 Millionen Dollar, die er vor allem in Werte steckt, die sich auf die Umwelt, Frauenrechte und Zivilrechtsorganisationen spezialisiert haben. Sechs Prozent der Summe seien bislang in fossilen Brennstoffen angelegt. Künftig soll es weniger als ein Prozent sein.

Frei übersetzt lautet die Begründung: „Wir können diese Investments mit unserem Gewissen nicht mehr vereinbaren.“ Offiziell liest sich das etwas ausführlicher: „Wir müssen den Großteil der bereits erkundeten Reserven im Boden lassen, wenn wir auch nur irgendeine Hoffnung für das Überleben und Gedeihen der Menschheit sowie der natürliche Ökosysteme in den kommenden Jahrzehnten erhalten wollen“. Deswegen sei der Family Fund „stolz“ auf seine Entscheidung. Es gebe weder aus ethischer noch aus finanzieller Sicht einen „vernünftigen Grund, weiter nach neuen Kohlenwasserstoff-Quellen zu suchen“.

Die Entscheidung der Rockefellers ist ein Paukenschlag in einer Entwicklung, die unter dem sperrigen Begriff „Dekarbonisierung“ in der Welt professioneller Geldanleger diskutiert wird. Die Idee: Wenn Investoren nicht in klimaschädliche Industriezweige investieren, wächst der Druck, einen CO2-neutralen Wirtschaftskreislauf zu schaffen.

So steckt etwa die Allianz, Deutschlands größter Versicherungskonzern, bereits kein Geld mehr in Kohle. Weltweit verwalten die Münchner ein Vermögen von mehr als 1,7 Billionen Euro.

Mit ihrer Entscheidung folgte die Allianz wiederum einem Beispiel aus Skandinavien, wo der größten Staatsfonds der Welt beheimatet ist: der norwegische Ölfonds mit einem Volumen von aktuell 760 Milliarden Euro. Ausgerechnet jener Fonds, der es überhaupt erst mit fossilen Brennstoffen zu Größe gebracht hat, hält Kurs auf die Dekarbonisierung – und will ebenfalls nichts mehr von Kohle wissen. Kurios ist das schon. Schließlich soll der „Statens pensjonsfond utland“ (Staatlicher Rentenfonds Ausland), wie der Staatsfonds offiziell heißt, den Reichtum aus der Ölbranche für zukünftige Generationen sichern.

Wo man den Rockefeller-Reichtum bis heute bewundern kann
John D. Rockefeller
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Das Ölgeschäft hat John D. Rockefeller zum reichsten Mann der Welt gemacht. Mit seinen Milliarden unterstützte der Philanthrop zahlreiche Bauprojekte. Unter anderem entstanden mit seinen Geldern das Museum of Modern Art und das weltbekannte Rockefeller Center, das er während der Weltwirtschaftskrise erbauen ließ. Doch die enge Verbindung zwischen dem Namen Rockefeller und dem Rohöl ist mittlerweile zu Ende. Der von der vierten Nachfahren-Generation gegründete Family Fund hat einen großen Teil der Anlangen in fossilen Brennstoffen abgestoßen.

(Foto: Imago)
Rockefeller Center
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Das wohl berühmteste Gebäude der ehemaligen Öl-Dynastie: Das Rockefeller Center im Herzen von New York. Jedes Jahr wird dort zu Weihnachten der weltbekannte New Yorker Weihnachtsbaum aufgestellt. Ursprünglich sollte auf dem Rockefeller Center eine Oper erbaut werden. Doch nach dem Schwarzen Freitag 1929 wurden diese Pläne auf Eis gelegt. Stattdessen wurde ein Wolkenkratzer mit einer Höhe von 259 Metern hochgezogen. Seit 1999 ist das Rockefeller Center im Besitz von Tishman Speyer Properties.

(Foto: AFP)
Museum of Modern Art
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Auch das Museum of Modern Art (MoMA) geht auf die Rockefellers zurück. Abby Aldrich Rockefeller ließ das MoMA erbauen. Eröffnet wurde das Museum der zeitgenössischen Kunst im Jahre 1929. 75 Jahre später wurde das Museum für rund 860 Millionen Dollar aufwendig umgebaut und erweitert.

(Foto: AP)
Rockefeller-Anwesen in Seal Harbor
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Auf dem Foto ist Abby Rockefeller mit ihrem Sohn David zu sehen, der am 12. Juni seinen 101. Geburtstag feiert. Sie stehen vor dem Rockefeller-Anwesen in Seal Harbor.

(Foto: rockarch.org)
Landschloss „Kykuit“
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Die Vorfahren der Rockefellers stammen aus Rheinland-Pfalz. Neben dem Anwesen in Seal Harbor besaßen die Rockefellers mit dem Landschloss „Kykuit“ auch das damals größte Privatanwesen New Yorks. Prominente Gäste wie zum Beispiel General George Marshall und Charles Lindbergh waren regelmäßige Gäste in dem Anwesen, in dem David Rockefeller aufwuchs.

(Foto: Wikimedia / Creative Commons)
The Cloisters
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Im Fort Tyron Park im Norden Manhattans erwarben die Rockefellers 1917 auch „The Cloisters“. Der Gebäudekomplex ist archetektonisch an den Baustil französischer Klöster angelehnt. Innerhalb des Gebäudes befindet sich eine Sammlung mittelalterlicher Kunstwerke. John D. Rockefeller hat das Baugelände bereits 1925 zum Museum umfunktioniert.

(Foto: Wikimedia / Creative Commons)
Riverside Church
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Vom modernen, weltlichen Christentum inspiriert, gründete John D. Rockefeller zusammen mit dem baptistischen Pfarrer Harry Emerson Fosdick 1922 eine Kirchengemeinde in New York. Ein entsprechendes Kirchengebäude fehlte allerdings. Deshalb erwarb Rockefeller ein Grundstück zwischen dem Riverside Drive und Claremont Avenue, auf dem 1927 mit dem Bau der Riverside Church begonnen wurde. Sechs Jahre später wurden die Bauarbeien beendet. Seitdem ist die Kirche ein touristische Anziehungspunkt.

(Foto: Imago)

Kohle sehen die Norweger aber seit Juni 2015 nicht mehr als Zukunftsgeschäft. Deshalb veräußern sie ihre Beteiligungen an Unternehmen, die ihre Einnahmen zu mehr als 30 Prozent mit Kohle erwirtschaften. Das Investment in Öl, dem Hauptquell seiner Einnahmen steht übrigens nicht in Frage. Doch wegen der fallenden Ölpreise steht der Fonds derzeit ohnehin schwer unter Druck. Da kann er sich Kapitalvernichtung durch leidende Kohleinvestments nicht auch noch leisten.

Grundlegend für die Entscheidungen, ob Investments abgestoßen werden, ist ein sogenannter „Ethikrat“. Der hat unlängst auch die brasilianische Ölfirma „Petrobras“ auf die Beobachtungsliste gestellt – allerdings nicht wegen seiner Petroleum-Aktivität, sondern aufgrund des Korruptionsskandals, der dem Konzern aktuell anhaftet.

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6 Kommentare zu "Exxon, Standard Oil & Co.: Rockefellers verlieren die Lust am Öl"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • hihi, das machen alle Unternehmen schon so seit Jahren, also dort einen VV ein zu reichen, bringt eh nix. "Eulen nach Athen tragen".

  • Frau ke Schludewig,

    dass ist ja eine tolle Idee. Sollten Sie als Verbesserungsvorschlag an die relevanten Unternehmen einreichen. Wäre interessant zu hören, wie hoch die Prämie ausfällt.

  • In Zeiten, in denen das Öl billig ist setzt man den Handel aus. Wenn die Preise wieder steigen, dann setzt man auch den Handel wieder in Gang und hat genügend Reserve die man zu besseren Preisen verkaufen kann. So sieht das aus....mit dem grünen getue kann man noch bissl sein Image aufpolieren

  • Wen interessierts ? Solange Buffett noch in Ölaktien investiert ist alles okay.

  • Was soll jetzt schon wieder diese "Grüne Propaganda" Masche! Unser Wohlstand basiert auf fossilen und nuklearen Energieträgern. Das ist nun mal Fakt!
    Wind, Sonne und Faulgas können keinen Wohlstand und keine zukunftsfähige Gesellschaft aufrecht erhalten. Dies ist wirtschafltich und physikalisch unmöglich!

    Und noch eines zu dieser Rockerfeller Stiftung. Das HB schreibt...

    Der Rockefeller Family Fund verwaltet 130 Millionen Dollar, die er vor allem in Werte steckt, die sich auf die Umwelt, Frauenrechte und Zivilrechtsorganisationen. Sechs Prozent der Summe seien bislang in fossilen Brennstoffen angelegt. Künftig soll es weniger als ein Prozent sein.

    Was sind also 6% von 130 Millionen und wieviel von diesen 6% sind dann 5% die evtl aus den Fund herausgenommen werden sollen....das ist KEIN PAUKENSCHLAG sondern nur noch lachhaft! Fossile Energieträger (Oel, Kohle und Uran) waren, sind und bleiben der Schmierstoff und die Basis für unseren marktwirtschaftlichen und sozialen Wohlstand. Das ist und bleibt physikalischer und wirtschaftlicher Fakt. Danke!



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