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Aussicht auf Mykonos-Stadt

Die Kykladeninsel zählt zu den beliebtesten Urlaubsorten Griechenlands – und steht auch bei Investoren oben auf der Liste.

(Foto: Photolibrary/Getty Images)

Ferienwohnungen Heiß begehrt – Ferienimmobilien in Griechenland erleben neuen Boom

Der Tourismusboom belebt den griechischen Immobilienmarkt – und zieht Anleger an. Dort können sie die höchste Rendite rund ums Mittelmeer einfahren.
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AthenDie griechische Tourismuswirtschaft eilt von einem Erfolg zum nächsten. Seit 2012 haben sich die Gästezahlen fast verdoppelt. Und für 2019 kündigt sich bereits ein neuer Reiserekord an. Der Fremdenverkehr wird zu einem immer stärkeren Motor, der Griechenlands Wirtschaft aus der Krise zieht.

Immobilienentwickler wollen mitverdienen. Sie investieren derzeit in Hellas Milliarden in neue Hotels. Allein auf Kreta wurden in den vergangenen zwei Jahren elf Fünf-Sterne-Hotels und 33 Vier-Sterne-Herbergen neu eröffnet. Auf Kos sind 16 neue Hotels im Bau, auf Rhodos 15, 14 auf Santorini und neun auf der Schickeria-Insel Mykonos.

An der Südwestküste des Peloponnes investiert die Temes-Gruppe der Reederfamilie Konstantakopoulos gerade weitere 250 Millionen Euro in den Ausbau des Golf- und Strandresorts Costa Navarino – nachdem sie zuvor bereits 650 Millionen Euro in die Entwicklung des weitläufigen Komplexes gesteckt hat.

Auf Skorpios, der einstigen Privatinsel des legendären Tankerkönigs Aristoteles Onassis, baut der russische Krösus Dmitri Rybolowlew für rund 120 Millionen Euro mehrere Luxusvillen, die er an zahlungskräftige Jetset-Gäste vermieten will. Gut 650 Millionen Euro lassen sich Investoren aus Abu Dhabi, Kuwait und der Türkei die Komplettrenovierung des Hotelkomplexes Astir Palace bei Athen kosten.

Unter dem Management von Four Seasons soll die aus zwei Fünf-Sterne-Hotels und 13 Villen bestehende Anlage zu einer der exklusivsten Topdestinationen am Mittelmeer werden. Aber auch private Anleger können vom Tourismusboom profitieren: Ferienhäuser in Griechenland werden zu interessanten Renditeobjekten. Anfang des Jahres hat Florian Z. 520.000 Euro in eine Villa auf Rhodos investiert: drei Schlafzimmer, 130 Quadratmeter Wohnfläche, ein Pool und fast 1000 Quadratmeter Grundstück.

Die Lage oberhalb der Bucht von Vlicha bei Lindos gilt als Toplocation auf der Insel. In den Wintermonaten nutzt der deutsche Pensionär die Immobilie selbst und genießt das milde Klima von Rhodos. Zwischen April und Oktober vermietet er das Anwesen. „In der Vor- und Nachsaison erziele ich 1500 Euro pro Woche, im Juli und August 3200 Euro“, sagt der Deutsche und freut sich: „Dieses Jahr war ich voll gebucht!“

Kein Einzelfall. Immer mehr ausländische Käufer, die sich für Ferienimmobilien in Griechenland interessieren, suchen nicht nur einen Zweitwohnsitz. Sie denken auch ans Vermieten. Aus gutem Grund. Denn griechische Ferienimmobilien der Luxusklasse werfen die höchsten Renditen rund ums Mittelmeer ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Immobiliendienstleisters Algean Properties.

Vermieter erzielen Spitzenrenditen

An der Spitze stehen die Kykladeninseln Mykonos mit einer Bruttorendite von 8,5 Prozent, Santorini mit 6,4 und Paros mit 6,3 Prozent. Die Studie stützt sich auf die Daten von rund 3000 Objekten mit durchschnittlich 250 Quadratmeter Wohnfläche, mindestens drei Schlafzimmern, privatem Pool und hochwertiger Ausstattung.

Für Mykonos ermittelte Algean eine wöchentliche Miete von durchschnittlich 11.500 Euro, für Santorini von im Schnitt 8000 Euro. In Orten wie St. Tropez oder auf Ibiza lassen sich zwar höhere Mieten erzielen. Bei den Renditen liegt Griechenland dennoch vorn – wegen der vergleichsweise niedrigeren Kaufpreise.

„Renditegesichtspunkte spielen inzwischen bei rund der Hälfte der Käufer eine große Rolle“, sagt Georg Petras, Lizenznehmer des Maklers Engel & Völkers auf Rhodos. „Durch die griechische Krise der vergangenen Jahre und den zeitgleich einsetzenden Touristenboom ergibt sich der Effekt, dass Käufer im internationalen Vergleich günstig kaufen, jedoch hochpreisig vermieten können“, erklärt er. Renditen zwischen vier und sieben Prozent seien realistisch, sagt Petras.

Viel kümmern muss sich der Immobilienbesitzer nicht: In allen gut frequentierten Ferienregionen gibt es qualifizierte Dienstleister, die von der Reinigung über die Poolpflege bis hin zur Übergabe der Häuser an Touristen und die Abnahme den kompletten Service übernehmen.

Immobilienkrise ließ Preise abstürzen

Wer heute in Griechenland kauft, profitiert von den Problemen der Vergangenheit. Die achtjährige Rezession hat auf dem griechischen Immobilienmarkt tiefe Spuren hinterlassen. Nach Berechnungen der griechischen Zentralbank fielen die Preise zwischen 2009 und 2017 um durchschnittlich 42 Prozent. In Touristenregionen war der Einbruch etwas weniger krass, der Rückgang betrug etwa 38 Prozent.

Während sich 2017 die Talfahrt bei Gewerbe- und Wohnimmobilien, wenn auch etwas abgeschwächt, weiter fortsetzte, war bei den Ferienimmobilien bereits eine Erholung zu verzeichnen, die sich in diesem Jahr fortgesetzt hat. „Die Anfragen steigen kontinuierlich“, berichtet Petras. Sein Umsatz lag im dritten Quartal 2018 um 23 Prozent über dem Vorjahr.

Getragen wird das hohe Wachstum in großem Maß durch Renditekäufer und Investoren. „Im Tagesgeschäft ist klar erkennbar, dass die Käufer wieder Vertrauen in Griechenland fassen“, sagt Immobilienexperte Petras. Er muss es wissen: Der in Stuttgart geborene Deutschgrieche hat die Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre hautnah miterlebt. Ausgerechnet 2010, zu Beginn der Krise, ließ er sich als Makler auf Rhodos nieder.

Wenig später brach der Immobilienmarkt zusammen. Die Immobilientransaktionen gingen in der Krise um 72 Prozent zurück. Inzwischen spürt Petras: „Es geht wieder aufwärts!“ Ende August konnte Griechenland den Euro-Rettungsschirm verlassen. Der Grexit, ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion, vor dem sich noch vor drei, vier Jahren viele Investoren fürchteten, ist kein Thema mehr. Die Wirtschaft legt seit neun Quartalen in Folge zu. Damit hat das Land die Rezession hinter sich gelassen.

Zum Wachstum trägt nicht zuletzt der Tourismus bei. Kamen im Krisenjahr 2012 noch 15,5 Millionen Besucher ins Land, dürften es in diesem Jahr nach vorläufigen Berechnungen fast doppelt so viele gewesen sein, nämlich gut 30 Millionen. Rechnet man die Kreuzfahrtpassagiere hinzu, die in griechischen Häfen an Land gehen, werden es sogar mehr als 35 Millionen sein. Inzwischen erwirtschaftet das Land im Tourismus fast ein Fünftel seines Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Der wachsende Fremdenverkehr beflügelt auch den Markt für Ferienimmobilien. Nach einer Studie der National Bank of Greece stellen Ausländer 57 Prozent der Erwerber. Das wachsende Interesse der ausländischen Käufer ist auch in der Zahlungsbilanz der griechischen Zentralbank abzulesen: Im Krisenjahr 2012 kamen gerade einmal 113 Millionen Euro für Immobilienkäufe aus dem Ausland.

Im vergangenen Jahr waren es bereits 503 Millionen Euro. Und in den ersten acht Monaten 2018 stiegen die ausländischen Immobilieninvestitionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 171 Prozent.

Das „goldene Visum“ lockt Käufer

Manche Käufer suchen nicht nur einen Zweitwohnsitz. Wer als Ausländer aus einem Nicht-EU-Staat in Griechenland mindestens 250.000 Euro in eine Immobilie investiert, bekommt für sich und seine Familie ein Visum, das zu Reisen in alle Staaten des Schengen-Raums berechtigt. Attraktiv sind diese „goldenen Visa“ vor allem für Käufer aus China und Russland.

Zunehmend machen auch Türken von der Möglichkeit Gebrauch, sich mit dem Erwerb einer Zweitimmobilie im benachbarten Griechenland einen Aufenthaltstitel zu suchen – Erdogan lässt grüßen. In den ersten acht Monaten 2018 hat Griechenland 3 154 dieser Visa vergeben. Die meisten gingen an Chinesen, gefolgt von Russen und Türken.

Auf Mykonos bringt eine hochwertige Wohnung mit 250 Quadratmetern durchschnittlich 11.500 Euro ein – pro Woche. Quelle: Engel und Völkers
Hochwertige Villa direkt am Strand von Pefkos

Auf Mykonos bringt eine hochwertige Wohnung mit 250 Quadratmetern durchschnittlich 11.500 Euro ein – pro Woche.

(Foto: Engel und Völkers)

Korruptionswächter kritisieren diese mittlerweile in mehr als einem Dutzend EU-Ländern übliche Praxis der Visumsvergabe. Aber dank des Programms sind in den vergangenen sechs Jahren rund 1,5 Milliarden Euro für Immobilienkäufe ins Land geflossen, schätzt Ilias Athanasiou, Vorstandschef der staatlichen Investitionsförderungsgesellschaft Enterprise Greece.

Ein weiterer Faktor, der den griechischen Zweitwohnungsmarkt belebt, ist die Sharing-Economy, heißt es in einer Immobilienstudie der Alpha Bank. Web-Portale wie Airbnb oder Booking.com werden als Plattformen für Besitzer von Ferienimmobilien, die ihre Objekte vermieten wollen, immer wichtiger. „Durch diese Portale sind die erzielten Mieten für Ferienimmobilien in den vergangenen Jahren stark gestiegen und bringen mehr Rendite als Mietwohnungen“, sagt Marios Christodoulou.

Der in Berlin lebende Grieche hat mit seinem Studienfreund Konstantinos Tselis kürzlich das Start-up Ferimmo.de gegründet. Die Plattform ging im Oktober 2018 online und bietet einen direkten Zugang zu einer breiten Palette von inzwischen über 6 500 Immobilien in ganz Griechenland.

„Wir wollen Immobilienbesitzern und Maklern in Griechenland eine bedarfsgerechte Plattform für die Vermarktung ihres Eigentums auf dem deutschen Markt anbieten“, erklärt Christodoulou. „Auf deutscher Seite richten wir uns an alle, die sich für den Kauf einer Ferienimmobilie in Griechenland interessieren – sie sollen direkt und schnell ihre Traumimmobilie finden, ohne mehrmals nach Griechenland reisen zu müssen“, sagt der Gründer.

Die Website bietet Immobilieninteressenten auch komplementäre Dienstleistungen vertrauenswürdiger Partner an. Dazu gehören Rechtsanwälte, Architekten und Bauingenieure, Gutachter und Versicherungen. Ziel ist es, dem Kunden mit diesem ganzheitlichen Ansatz ein Full-Service-Paket rund um die Immobilie anzubieten. Die Nutzung des Portals ist kostenlos, es finanziert sich durch Werbung.

Deutsche sind wichtige Käufergruppe

Auf dem deutschen Markt sieht Christodoulou besondere Chancen. Schließlich stellen die Deutschen seit Jahren die meisten Urlauber in Griechenland. 3,5 Millionen waren es im vergangenen Jahr. „Marktstudien haben gezeigt, dass eines der wichtigsten Kriterien für den Erwerb einer Ferienimmobilie im Ausland die Bekanntschaft mit dem Standort als Urlaubsort ist“, sagt Christodoulou. Er schätzt, dass es in Deutschland mehr als 200.000 Interessenten für griechische Ferienimmobilien gibt.

Daraus ergibt sich nach seinen Hochrechnungen ein Investitionsvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren. Bei den deutschen Interessenten stünden vor allem Kreta, die Halbinsel Peloponnes und die Ionischen Inseln hoch im Kurs. Aber auch die Dodekanes-Inselgruppe, die Kykladen und die nordgriechische Halbinsel Chalkidiki kämen zunehmend in den Fokus deutscher Immobilienkäufer, sagt Christodoulou.

Auch die Gründer von Ferimmo.de sehen im deutlichen Rückgang der Immobilienpreise während der Krise einen besonderen Anreiz für ausländische Käufer. Um den Kauf von Immobilien in Griechenland attraktiver zu gestalten, hat die Regierung überdies bereits 2013 die Grunderwerbsteuer von zehn auf drei Prozent gesenkt.

Im Vergleich zu anderen südeuropäischen Ländern gilt das Preisniveau noch als günstig. „Auch deshalb entwickeln sich griechische Ferienimmobilien zu sehr interessanten Renditeobjekten“, meint Christodoulou. Engel-&-Völkers-Makler Petras sieht derzeit die interessantesten Objekte in der Preisspanne zwischen 250.000 und einer Million Euro. Die Preise variieren aber extrem, je nach Lage und Qualitätsstandard der Immobilie.

Das zeigen die Daten des größten griechischen Immobilienbewerters Geoaxis Property & Valuation Services. Danach ist Mykonos Griechenlands teuerstes Pflaster. Für Luxusvillen werden hier aktuell Quadratmeterpreise von durchschnittlich 12 425 Euro bezahlt, in bester strandnaher Lage auch bis zu 23. 810 Euro. Santorini ist mit Höchstpreisen von 20. 900 Euro nur wenig billiger.

Die Käufer für diese Immobilien der Oberklasse kommen überwiegend aus der Golfregion, den USA, Skandinavien, aber auch aus Deutschland. Marktbeobachter veranschlagen, dass derzeit in Griechenland etwa 30.000 bis 40.000 Ferienimmobilien auf dem Markt sind. Davon entfallen etwa 4000 Objekte auf das Segment mit Quadratmeterpreisen von 10.000 Euro und darüber.

Doch so viel muss es nicht sein. Wer jetzt zu vertretbaren Preisen kauft, kann nicht nur mit guten Renditen aus der Vermietung rechnen. Dem Käufer winkt auch eine Wertsteigerung seiner Immobilie. Darauf darf auch der Deutsche Florian Z. hoffen. Makler Petras veranschlagt, dass dessen 520.000-Euro-Villa bei Lindos in fünf bis sieben Jahren für mehr als 700.000 Euro gehandelt werden könnte.

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