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Finanzberatung Eine umstrittene DIN-Norm für die Finanzanalyse feiert Premiere

Der Heidelberger Finanzdienstleister Defino will mit der Norm Standards in der Finanzanalyse setzen. Verbraucherschützer halten sie allerdings für wenig sinnvoll.
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Die neue DIN 77230 soll Grundlage für eine strukturierte Finanzberatung sein. Quelle: ddp images
Abakus

Die neue DIN 77230 soll Grundlage für eine strukturierte Finanzberatung sein.

(Foto: ddp images)

FrankfurtDie Idee klingt zunächst plausibel: Erst lässt jemand seine finanzielle Lage und seinen Bestand an Versicherungen systematisch analysieren. Dann findet er mithilfe eines Fachmanns heraus, wo es unter Umständen Lücken gibt, die mit passenden Produkten geschlossen werden können.

Ab dem heutigen Freitag gibt es nun eine „DIN-Norm für Finanzanalyse“ mit der Nummer DIN 77230. Sie soll nach Aussage ihres Produzenten diesen Anspruch erfüllen will. Das Ziel: Damit sollen den mehr als 30.000 freien Finanzberatern im Land Hilfestellung geboten werden für eine strukturierte Untersuchung der Finanzlage ihrer Kunden. Außerdem können die Berater damit werben, dass sie nach einer solchen Standardisierung arbeiten.

„Wir hoffen, mit der neuen DIN-Norm der Branche und den Verbrauchern zu dienen“, sagt Klaus Möller, Vorstand bei Defino. In den vergangenen vier Jahren hat Defino zusammen mit Finanzanbietern wie der Allianz, Commerzbank, der Deutschen Bank, Signal Iduna und dem Finanzvertrieb OVB sowie Verbänden, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern an der Standardisierung gearbeitet.

Herausgekommen ist ein Finanzanalysemodell, dass anhand finanzieller Grundbedürfnisse persönliche Finanzlücken ermittelt und diese mit Soll-Größen abgleicht. Danach empfiehlt es bestimmte Produktarten, um die Lücke zu schließen, ohne jedoch konkrete Anbieter zu bevorzugen. Dies soll als Grundlage für Finanzberatung genutzt werden.

Freiwillige Standardisierungen, wie man sie etwa vom Papiermaß (DIN A4) kennt, bieten Firmen wie Verbrauchern Vorteile. Laut Angaben des DIN-Instituts ersparen sie der deutschen Wirtschaft 17 Milliarden Euro jährlich und sorgen für verlässlichere Produkte. Normen für den Finanzbereich gibt es bislang allerdings kaum.

Finanzberater können sich am dem 18. Januar bei einem Verlag des Deutschen Institutes für Normung (DIN) die Norm gegen eine Gebühr von gut 163 Euro herunterladen, eine zertifizierte Software kaufen oder sich nach der Norm zertifizieren lassen. Dafür müssen sie sich allerdings einer Prüfung bei Defino unterziehen. Defino-Chef Möller hofft, dass möglichst viele Finanzberater am deutschen Markt die neue Norm nutzen. Von rund 2000 Beratern hat er nach eigener Aussage bereits eine Zusage. Zudem ist Defino mit weiteren Banken und Versicherern im Gespräch.

Arbeitskreismitglieder etwa vom Verbrauchermagazin „Finanztest“ äußerten sich bereits positiv über die Standardisierung als methodisch transparente und beraterunabhängige Analyse. Auch in Regierungskreisen zeigte man sich generell aufgeschlossen gegenüber einer DIN-Norm zur Finanzanalyse.

Verbraucherschützer sind nicht überzeugt

Dagegen äußern Verbraucherschützer deutliche Kritik. „Die Norm macht für Verbraucher keinen Sinn“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Analyse sei zu wenig gründlich und nehme pauschal einen bestimmten Bedarf an. Genau das müsse aber im Beratungsgespräch meist individuell abgeklärt werden, sagt er. Auch schütze eine solche Analyse nicht davor, dass Sparern teure Produkte verkauft werden, die sie nicht wirklich brauchten.

Unterm Strich fürchten Verbraucherschützer, dass die Norm Finanzberatern und -anbietern vor allem als Werbung dienen könnte. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte den Arbeitskreis für die DIN-Norm aus diesen Gründen verlassen. Ein Gutes habe die Norm aber doch, meint Verbraucherschützer Nauhauser: Immerhin werde über das Thema diskutiert.

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