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Finanzielle Repression Wie der Staat die Anleger ausquetscht

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Entschuldung über Inflation

In den Industrieländern gibt es inzwischen einige Befürworter einer höheren Inflation. Seit der Finanzkrise ist ihre Zahl stark gewachsen. Zur Bekämpfung der Krise haben die Notenbanken viele alte Grundsätze über Bord geworfen. Statt sich ausschließlich auf die Inflationsbekämpfung zu konzentrieren, gilt ihr Augenmerk im Moment vor allem der Stabilisierung des Finanzsystems. Dafür hat die Europäische Zentralbank Maßnahmen in Kauf genommen, die das langfristige Inflationsrisiko deutlich erhöhen. Sie hat zum Beispiel für über 200 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Krisenländer gekauft und mehr als eine Billion Euro zu Billigzinsen für drei Jahre an die Banken verliehen. Die Fed ist mit ihrem Programm zum Aufkauf von Wertpapieren sogar noch weiter gegangen.

Gerade auf internationaler Ebene gibt es einige renommierte Ökonomen, die für eine höhere Inflationsrate eintreten. Zu den Befürwortern gehören zum Beispiel der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff und die Nobelpreisträger Greg Mankiw und Paul Krugman. Rogoff argumentiert, dass die westlichen Staaten die enorme Verschuldung durch die Finanzkrise nur schwer schultern könnten. Der einfachste Weg um das Problem zu lösen, sei eine höhere Inflation.

Für viele Deutsche ist Inflation dagegen ein Schreckgespenst. Die Erinnerungen an die Hyperinflation der Weimarer Republik sitzen auch fast 90 Jahre später noch tief. Für den Staat hat Inflation jedoch auch eine verlockende Seite. Das liegt daran, dass Inflation den realen Wert der Staatsschulden senkt: Je stärker die Preise steigen, desto mehr schmälert sich die hinter den Staatsschulden stehende Kaufkraft.

Der Staat profitiert von Inflation außerdem dadurch, dass sich seine Position gegenüber den Gläubigern verbessert. Da die Inflation eins zu eins auf die Steuereinnahmen des Staates durchschlägt, erhöht sie die nominalen Steuereinnahmen. Wenn auf der anderen Seite die Zinsen, die Staat für seine ausstehenden Anleihen zahlen muss, nicht im selben Maße steigen, verbessert sich seine Haushaltsposition.

Bei einem progressiven Steuersystem führt Inflation außerdem dazu, dass die Menschen mehr Steuern zahlen. Schließlich basiert das Steuersystem auf nominalen Größen. Wenn sich das Durchschnittseinkommen auf dem Papier erhöht, muss ein höherer Anteil an Steuerpflichtigen den Maximalsatz bezahlen; Stichwort: „kalte Progression“.

Schon viele Politiker sind der Verlockung der Inflation erlegen. Aktuellstes Beispiel ist Argentiniens Präsidentin Christina Kirchner. Sie und ihr verstorbener Ehemann und Amtsvorgänger Nestor Kirchner hatten das Wort Inflation einst zum Tabu erklärt. Um dieses Tabu aufrecht zu erhalten, griff die Regierung zu obskuren Methoden. Die Präsidentin drängte den Burgerbrater McDonald's dazu, die Preise für seinen BigMac zu senken. Warum? Weil mit dem sogenannten Big-Mac-Index weltweit die Kaufkraftparität verschiedener Währungen verglichen wird - anhand der Preise für en weltbekannten Burger. Der Big-Mac-Index zeigte jedoch für Argentinien einen doppelt so hohen Preisanstieg an wie die offiziell ausgewiesene Inflationsrate. Weil das nicht sein durfte, musste eben der Big Mac billiger werden. Unabhängige Institute schätzen die Inflation in dem Land auf 25 Prozent.

So weit muss in Europa nicht kommen. Aber selbst eine etwas höher Inflationsrate als aktuell reicht aus, um den Anlegern Verluste zu bescheren. Schließlich werden die Zinsen gleichzeitig niedrig gehalten. „Mit der ‚Abschaffung‘ des Zinses für Staatsanleihen senken die Notenbanken die Finanzierungskosten der Staaten und schaffen zum Abbau der hohen Staatsschuldenquote erforderliche ‚unverzinste Inflation‘“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. „Die Zinsen werden in den meisten Jahren nicht einmal die Inflation ausgleichen“, meint Krämer von der Commerzbank.

Die Frage ist nur: Wie bringt man die Anleger dazu, trotzdem in Staatsanleihen zu investieren, obwohl sie damit Geld verlieren?

 

Zwangsanleihen für die Reichen
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60 Kommentare zu "Finanzielle Repression: Wie der Staat die Anleger ausquetscht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vielleicht sollte man mal daran erinnern,wer der Staat eigentlich ist und wer den Staat dahin gebracht,dass er bei seinen Bürgern Geld einsammeln muß?
    Na,weiß es noch jemand?

  • Deutschland hat das repressivste Abgabensystem der Welt mit Kontrollmitteilungen, Sonderprüfungen und einem hochkompliziertem Steuersystem, das die Beschäftigung eines Steuerberaters zwangsläufig erfordert und die Sache damit nur noch teurer macht.
    Anstatt hunderte von Milliarden in Richtung Europa zu verpulvern, sollten wir über Reformen und Erleichterungen nachdenken - es wäre höchste Zeit!!!!

  • die Abgeltungssteuer ist dafür verantwortlich. Solange auch Kleinsterträge von 0,16€ mit der vollen Abgeltungssteuer belegt werden, hinzu kommen noch Soli und Kirchensteuer, werden Anleger versuchen dies zu umgehen. Die "Reichen" werden deswegen immer reicher, da sie Wege finden, die Arme wegen zu geringen Anlagekapital nicht nutzen können. Vor Einführung der
    Abgeltungssteuer waren Erträge bis 20€ nicht meldepflichtig.

  • Die Abgeltungssteuer vertreibt viele Anleger vom Deutschen Kapitlmarktund macht die Armen noch ärmer. Nicht die "Reichen" sind die Schuldigen, sondern der Steuerstaat.

  • Irgendwie sind die da oben alle etwas geistig benebelt oder nicht mehr zurechnungsfähig.
    Wir hätten nicht diese enormen Schulden wenn sie (der Staat)ordentlich und bewußt mit den Steuergeldern umgehen würden. Da aber allen möglichen Großkonzernen und vielen Ländern Geschenke gemacht werden die sie nicht brauchen sind wir also die Leidtragenden.
    Ein Blick zu den Handelnden im Bundestag sagt doch alles.
    Ich würde mich gerade noch so an einem Türkensoli beteiligen, aber mehr kommt nicht in Frage.
    Übrigens habe ich noch nie in meinem Leben einen Pfennig/Cent an Sozialleistungen bekommen und ich arbeit hart für mein Auskommen.

  • WWenn ich als Politiker den Menschen das Geld aus der linken Tasche ziehe, um ihnen ein Teil davon in die rechte Tasche als "Subvention" oder "Sozialleistung" zu stopfen und mit der Differenz eine Bürokratiekaste bezahle, ist der Machtgewinn nicht mehr zu toppen.

  • Tolle Idee - und wie sichern Sie Ihr Alter ab? Wollen Sie dann dem Staat auf der Tasche liegen?

  • @Gemeinderat
    Leider ist das der bescheuertste Vorschlag, den ich je gehört habe. Ein Euro-Soli? Dann lassen der Kita-Soli, der Straßenbau-Soli, der Hartz IV-Soli und wer weiß wie viele Solis nicht lange auf sich warten. Und Solis sind dauerhaft. Der heute noch geltende Ost-Soli sollte auch erst nur 2 Jahre gelten.

  • Zitat Enrico: "Mehr als die Hälfte lebt über ihre Verhältnisse und hassen die, die vernünftig mit ihrem Geld umgehen."
    Es geht hier wohl kaum um diejenigen,die sich ihr Häuschen oder ihre Eigentumswohnung buchstäblich vom Munde abgespart haben.
    Was sind den genau "ihre Verhältnisse"?
    Wer oder was definiert, wem welche Verhältnisse zustehen? Das Einkommen desjenigen bestimmt das.
    Dummerweise steigt aber nur das Einkommen und das Vermögen der oberen 10% allen Krisen zum Trotz weiter kräftig an, während es am anderen Ende der Skala bestenfalls nur stagniert. Da brauchen sich die Reichen und Superreichen dieser Welt nicht zu wundern, daß radikale Ideen und der Volkszorn angesichts solcher offensichtlichen Mißverhältnisse zunehmen.

    Die Reichen täten gut daran, zu zeigen, daß Sie dem Gemeinwesen, dem sie Ihren Reichtum zu großen Teilen verdanken, auch wieder etwas zurückgeben, anstatt den Reichtum in Steueroasen zu verstecken, um genau das zu verhindern.

    Übrigens: Ich bin selbst Unternehmer, wenn auch nicht gerade reich.

  • Danke.

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