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Finanzmärkte DWS-Chefanlagestratege dämpft Erwartungen am Aktienmarkt: „Viel ist nicht mehr drin“

Im laufenden Jahr rechnen Experten nicht damit, dass die Aktienkurse noch kräftig ansteigen werden. Politische Konflikte dürften die Kursschwankungen erhöhen.
Update: 25.06.2019 - 18:00 Uhr Kommentieren
Aktienquote in den gemischten Portfolios zurückgenommen. Quelle: dpa
Schriftzug der DWS

Aktienquote in den gemischten Portfolios zurückgenommen.

(Foto: dpa)

FrankfurtFür Aktionäre könnte das Jahr mehr oder weniger gelaufen sein. Nachdem wichtige Aktienindizes wie der deutsche Leitindex Dax, der europäische Euro Stoxx 50 oder der US-Index S&P 500 in diesem Jahr um rund 15 Prozent geklettert sind, rechnen die Aktienexperten der DWS international nicht mehr mit großen Kursanstiegen. Politische Konfliktherde können dagegen für Erschütterungen sorgen.

Der größte Fondsanbieter für private Anleger am deutschen Markt, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, stellt sich daher bei der Anlagestrategie sicherer auf: Die Fondsexperten haben ihre Aktienquote in gemischten Portfolios zurückgenommen zugunsten von Anleihen, Gold und der Währung Yen.

„Viel ist nicht mehr drin“, konstatierte Stefan Kreuzkamp, DWS-Chefanlagestratege auf einer Konferenz in Frankfurt, mit Blick auf die weitere Entwicklung wichtiger Aktienindizes in diesem Jahr.

Der Dax wird sich seiner Einschätzung nach bis Ende Dezember kaum noch nach oben bewegen auf rund 12.300 Punkte. Dem breiten US-Index S&P 500 traut er noch ein kleines Plus von knapp zwei Prozent bis auf 3 000 Zähler zu. Zwar dürfte die Wirtschaft global weiterwachsen und die Notenbanken einen expansiven Kurs fahren.

Doch die Firmen dürften ihre Gewinnprognosen in dem Umfeld reduzieren, meinte Co-Aktienchef Andre Köttner. Zahlreiche politische Konflikte könnten zudem für deutlichere Kursschwankungen sorgen. Allen voran nennt Kreuzkamp die Spannungen zwischen den USA und dem Iran rund um das Thema Öl.

Immerhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent rechnet er damit, dass sich der Streit um Rohöl zuspitzt - etwa in der wichtigen Transportader Straße von Hormus, der Rohölpreis auf 80 US-Dollar je Fass hochspringt und die Kapitalmärkte erschüttert. „Über den Ölpreis hätte das dann Auswirkungen auf die Finanzmärkte, könnte sogar zu einer Rezession führen“, sagte Kreuzkamp.

Auch der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China, der weiterhin ungelösten Haushaltsstreit der EU mit Italien und der zähe geplante Ausstieg der Briten aus der EU sorgen seiner Ansicht nach weiter für Unsicherheit bei den Investoren.

US-Präsident Donald Trump befeuere den Handelskonflikt seines Landes mit China immer wieder, meint er – auch wenn er zum Ende der Woche bei dessen Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping keine Zuspitzung erwartet. Der dahinter stehende Streit um die Technologieführerschaft in der Welt beeinflusse aber sehr wohl bereits die internationale Wirtschaft, betonte Köttner.

So sorge der angeordnete Boykott des chinesischen Konzerns Huawei durch US-Firmen für breite Verunsicherung in der Wirtschaft, zumal die chinesische Firma sieben Prozent der weltweiten Nachfrage aller Halbleitern stelle. So hätten etwa Halbleiterunternehmen wie Broadcom und Qualcomm bereits ihre Ausblicke reduziert. Auch der Haushaltsstreit zwischen EU und Italien dürfte nach der Sommerpause wieder aufflammen, meint Kreuzkamp.

Die DWS, die nach eigener Aussage gut 700 Milliarden Euro managt, hat daher ihre Aktienquote in Fonds mit verschiedenen Anlagearten den Fonds um fünf bis 12 Prozent auf nun durchschnittlich 42 Prozent reduziert, Chef der Multi Asset genannten Portfolios mit verschiedenen Anlagearten bei der DWS.

Gold als Stabilisator

Im Gegenzug wurde der Anteil Anleihen und alternative Anlagen erhöht auf 52 Prozent und sechs Prozent. Interessant: Den Goldanteil hat die DWS in diesem Jahr in typischen gemischten Portfolios damit rund verdreifacht. Gold dient in den Augen von Hille, als Stabilisator und ist „aus mehreren Gründen zuletzt deutlich attraktiver geworden“: Im Vergleich zu den vielfach negativen Zinsen bei anderen als sicheren geltenden Anlagearten, den Staatsanleihen westlicher Länder, kostet Gold zumindest keine Rendite.

Außerdem gilt Gold als internationale Krisenwährung – was für Investoren aktuell wieder wichtiger wird angesichts des anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China, auch dem weiterhin ungelösten Haushaltsstreit der EU mit Italien und allen voran dem Konflikt mit dem Iran um Öl.

In Fall einer Zuspitzung geopolitscher Konfliktherde kann sich Hille vorstellen, den Anteil Gold in den gemischten Portfolios weiter hochzufahren auf bis zu zehn Prozent. Allerdings sei das eine rein taktische, also kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung, betonte auch Kreuzkamp.

Als strategische Anlageklasse hält er Gold nach wie vor für wenig attraktiv. Denn der Goldpreis kann ebenso schnell wieder sinken. Die Gründe liegen auf der Hand: Das Edelmetall wirft keine laufende Rendite ab und der Preis schwankt relativ stark. Aktien bleiben daher wichtiger Bestandteil in den Portfolios.

Aktuell setzen die Fondsmanager vor allem auf große US-Unternehmen etwa aus dem Technologiebereich, denen sie in einer sich abschwächenden Konjunktur weiter Kurszuwächse zutrauen. Auch globale Finanzaktien wie Börsenbetreiber, Versicherer oder Finanzdienstleister seien interessant, meinte Köttner.

Bankaktien kaufe er eher in den USA und Kanada, sagte er. In Europa litten die Institute dagegen stark unter der geringen Zinsmarge. Außerdem mag er international Softwareanbieter- und -dienstleister.
Bei Anleihen setzt die DWS zur Stabilisierung von Portfolios auf als sicher geltenden Staatsanleihen.

Um noch Rendite zu erzielen, kauft Anleihechef Jörn Wasmund aktuell etwa Hochzinsanleihen aus Europa und den USA sowie Staatsanleihen aus Schwellenländern etwa aus Afrika, der Türkei oder Argentinien, wo das politische Risiko derzeit die Kurse übertrieben drücke.

Mehr: Die Bilanz des vergangenen Jahres fiel für Anleger eher nüchtern aus. Für 2019 hofft man auf Aufschwung – dieser könnte aber ausbleiben.

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