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Finanzmarktforum Investment Live Experten raten Anlegern, ihr Kapital breit zu streuen

Handelsstreit, Energiewende und Digitalisierung bewegen die Märkte. Finanzexperten raten Anlegern, auf Ausgewogenheit im Depot zu achten.
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Volker Heischkamp (Innogy), Hans-Jürgen Jakobs (Handelsblatt), Dirk Steffen (Deutsche Bank) und Börsen-Experte Markus Koch (Moderator) (v.l.). Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Expertenrunde des Finanzmarktforums „Investment Live“

Volker Heischkamp (Innogy), Hans-Jürgen Jakobs (Handelsblatt), Dirk Steffen (Deutsche Bank) und Börsen-Experte Markus Koch (Moderator) (v.l.).

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

BochumAktienanleger brauchten in den vergangenen zwölf Monaten gute Nerven: erst ein kräftiger Abschwung, dann ein mächtiger Aufschwung und zuletzt im Mai wieder ein Einbruch. Wall-Street-Berichterstatter Markus Koch kennt dies seit mehr als 25 Jahren, doch er blickt darüber hinweg.

Der Aktienmarkt sei langfristig weniger riskant als die Ehe, verriet er den rund 500 Gästen im „Finanzmarktforum Investment Live“ des Handelsblatts und der Deutschen Bank in der Jahrhunderthalle in Bochum. Statistisch ende eine Ehe nach 13 Jahren, mit einem Dax-Portfolio habe man dagegen nach zwölf Jahren unterm Strich kein Geld verloren.

Diese Erfahrung haben offenbar viele der Zuhörer schon gemacht, denn eine Blitzumfrage ergab überraschend: 89 Prozent besitzen Aktien, und trotz des jüngsten Auf und Ab würden 71,5 Prozent aktuell sogar wieder 50.000 Euro in den Aktienmarkt investieren.

Und dies ist angesichts der weltwirtschaftlichen Risiken keineswegs leichter geworden, wie der Leiter Anlagestrategie der Deutschen Bank, Dirk Steffen, feststellte. Vor allem der Handelsstreit, den US-Präsident Donald Trump forciert, belastet die Märkte. So ist seiner Ansicht nach auch das Risiko gestiegen, dass die USA und Deutschland in eine Rezession rutschen.

Steffen sieht eine „neue Qualität“ im Handelskonflikt, weil sich die chinesische Position im Mai gewandelt habe. Chinas Präsident Xi Jinping habe das Bild des langen Marsches heraufbeschworen, also einen langen Leidensweg angedeutet. Deutschland als Exportnation sei in einer schwierigen Situation: „Es geht nicht nur um Handel, sondern auch um die Technologieführerschaft“, nannte Steffen den zentralen Punkt des Konflikts zwischen den USA und China.

Über 70 Prozent der 500 Teilnehmer würden aktuell in Aktien investieren, ergab eine Blitzumfrage. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Investment Live

Über 70 Prozent der 500 Teilnehmer würden aktuell in Aktien investieren, ergab eine Blitzumfrage.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Von einem Systemwettbewerb zwischen beiden Nationen sprach Hans-Jürgen Jakobs, Chief Editor des Handelsblatts: Die USA seien erstmals als Weltmacht auf dem Globus herausgefordert. Von den Chinesen würden systematisch die Marktplätze der Zukunft besetzt.

Jakobs glaubt, dass das zweite Halbjahr 2019 wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China wirtschaftlich schwierig werde. Pünktlich zum Wahljahr 2020 würden die USA – dank der US-Notenbank – aber durch niedrige Zinsen einen Aufschwung erleben. Das werde dem US-Präsidenten bei der Wahl helfen.

Auch Steffen will die Hoffnung nicht komplett aufgeben. Sein Argument zielt jedoch auf die US-Börse, an der Trump gerne steigende Kurse sieht: „Je stärker der Markt fällt, umso wahrscheinlicher könnte ein Kompromiss im Handelskonflikt gefunden werden“, prognostiziert er.

Solch ein Verhalten würde zu Trump passen, wie Handelsblatt-Experte Jakobs feststellte. Denn der US-Präsident verfolge offenbar keine langfristige Strategie, sondern verhalte sich situativ. Damit zerstöre er allerdings in vieler Hinsicht die gewachsene Infrastruktur in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen: „Es gibt kein Vertrauen mehr, sondern nur noch das Ringen wie im Boxkampf, um den richtigen Schlag anzubringen“, analysierte Jakobs.

Wichtig sei daher, dass die Politik sowohl in Europa als auch in Deutschland ihre Hausaufgaben mache. Deutschland und Frankreich seien gefragt, um eine europäische Position zu formulieren. Hier hält er eine Einheit für dringend nötig. Der Staat müsse überdies sowohl bei der Energiewende als auch der Digitalisierung Vorreiter sein, forderte Jakobs und nannte ein Beispiel: „Warum fahren nicht mehr E-Busse in Deutschland?“

Vielleicht weil Strom in Deutschland teurer ist als anderswo in Europa? Im Fall öffentlicher E-Busse wohl nicht, weil diese von einer reduzierten Stromsteuer profitieren. Grundsätzlich konnte Volker Heischkamp, der Treasury-Chef des Stromanbieters Innogy, dies jedoch bestätigen.

Preistreiber seien die Umlagen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), Netzumlagen, die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer, die auch auf Strom und Umlagen erhoben wird. Heischkamp forderte mehr Effizienz bei der Energiewende. 270 Milliarden Euro pro Jahr müssten allein in der EU zusätzlich im Energie-, Transport- und Wasserbereich investiert werden, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, stellte er fest.

Was raten die Experten Anlegern, die jetzt investieren möchten? Energieexperte Heischkamp sieht zwar keine hochsubventionierten Überrenditen mehr für Neuanlagen. Ein Megatrend für Anleger blieben die Erneuerbaren jedoch genauso wie die drei Nachhaltigkeits-Investitionskriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, im Anlagejargon kurz ESG genannt (Environment, Social, Government).

Als Investor sollte man mit einer breiten Streuung des Anlagekapitals reagieren: „Regulatorische Systeme mischen, die verschiedenen Technologien mischen (Wind/Sonne) sowie Green Bonds oder ,grüne‘ Aktien.“ Bei offenen oder geschlossenen Fonds sei er eher skeptisch, weil Risikostreuung fehle.

Deutsche-Bank-Stratege Steffen ist defensiv positioniert. „Wir empfehlen eine Goldallokation, wir setzen auf Renten und moderat auf Aktien.“ Die Herausforderung für Anleger sei: „Wie viel Risiko können sie tragen, wie viele Chancen wollen sie nutzen?“ Die Deutsche Bank glaube grundsätzlich nicht, dass es eine US-Rezession gebe, aber wenn die Situation eskaliere, könnte sie kommen.

Daher sollte man sich vorsichtig aufstellen und gezielt in Sektoren investieren, die stark gefallen seien, etwa in den Halbleiterbereich. „Wir schauen jetzt nach vorne: ein Drittel Aktien, ein Drittel chancenorientierte Bonds, ein Drittel sichere Anleihen und Gold. Da fühlen wir uns sicher mit Blick auf den langen Marsch“, sagte Steffen. Mit einem solchen Portfolio positionierten Anleger sich sehr ausgewogen.

Mehr: Besonders viel oder besonders wenig RisikoEdmund de Rothschild versucht, an Schwellenländern mit speziellen Risiken zu verdienen. Eurizon dagegen will Rendite mit relativ hoher Sicherheit verbinden.

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