Fintechs Kleine Mittelständler setzen auf die Crowd

Der Hype um Fintechs ist ungebrochen, so auch bei der Kreditvergabe. Einige Firmen setzen nun auf Crowdlending statt Bankenkredite. Was es damit auf sich hat und wem es heute schon nutzt.
Beim Crowdlending („crowd“ ist englisch und heißt übersetzt „Schwarm“) sammeln Marktplätze Geld von Anlegern, um es nach Bonitätsprüfung Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Quelle: Imago
Schwarmintelligenz

Beim Crowdlending („crowd“ ist englisch und heißt übersetzt „Schwarm“) sammeln Marktplätze Geld von Anlegern, um es nach Bonitätsprüfung Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

(Foto: Imago)

BerlinProfessor Erik Maier von der HHL Leipzig Graduate School of Management wollte es genau wissen. Er nahm die Kunden von Funding Circle in Deutschland, ehemals Zencap, näher unter die Lupe. Die Studie, die ein Spin-Off einer Forschungsarbeit ist und in Kooperation mit Funding Circle entstand, liegt dem Handelsblatt vor. Das Ergebnis: Insbesondere kleine Unternehmen, die auf weniger als eine Million Euro Umsatz kommen und rund zehn Mitarbeiter beschäftigen, nutzen Crowdlending.

Die entsprechenden Marktplätze sammeln Geld von Anlegern, um es Unternehmen nach entsprechender Bonitätsprüfung zur Verfügung zu stellen.

In der Regel bleibe die Hausbank aber der erste Finanzierungspartner dieser Unternehmen, heißt es in der Studie. Crowdlending, so Maiers Einschätzung, werde von Unternehmen immer stärker als Alternative wahrgenommen. Diese Art der Kreditbeschaffung werde im Vergleich zur Finanzierung über die Hausbank als schneller, flexibler und einfacher angesehen. Auch fehlt der Hinweis nicht, dass Firmen, die auf Crowdlending zurückgreifen, ihre Finanzierungssituation als schwierig einstufen. Allerdings scheint das kein spezielles Problem der „Crowdlender“ zu sein. Untersuchungen der Staatsbank KfW belegen, dass Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu einer Million Euro deutlich größere Probleme haben, einen Bankkredit zu erhalten als größere.

Das sind die zehn größten Fintech-Firmen
Platz 10: OurCrowd
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Die Finanzdienstleistungsbranche steht infolge der Digitalisierung im Wettbewerb mit Start-ups aus der Internetwelt. Sieben der 50 erfolgreichsten Fintech-Firmen kommen aus China. Dies geht aus dem Ranking „Fintech 100“ hervor, das die Unternehmensberatung KPMG und die Investmentgesellschaft H2 Ventures für das Jahr 2015 erstellt haben. Doch auch deutsche Unternehmen sind vertreten.

Den Reigen der Top Ten eröffnet demnach OurCrowd, der weltweit führende Wagniskapitalgeber mit Sitz in Jerusalem. Das Unternehmen, das 2013 gegründet wurde, ermöglicht Investoren auf der ganzen Welt den Zugang zu und das Investment in vielversprechende Start-ups. Gründer Hon Medved zufolge haben bislang rund 1.500 Geldgeber insgesamt 170 Millionen Dollar in 80 Technologiefirmen investiert.

Platz 9: Klarna
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Das schwedische Unternehmen Klarna bietet Zahlungslösungen für Onlineshop-Betreiber in 18 Ländern an. Auch in Deutschland ist es möglich über „Klarna“ zu bezahlen. Das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen ist derzeit 2,25 Milliarden Dollar wert.

Platz 8: Atom
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Im Jahr 2014 gegründet, hat sich die britische Atom Bank zur Aufgabe gemacht, die Bankenbranche zu verändern. Das Ziel könnte bald erreicht werden: Bereits jetzt wird der Finanzdienstleister mit dem Online-Vermittlungsdienst Uber verglichen, der die Taxibranche aufmischte. Erst kürzlich hat die spanische BBVA 68 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert.

Platz 7: Avant
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Der im Jahr 2012 gegründete Finanzdienstleister AvantCredit bietet seinen Kunden Privatdarlehen an. Das Unternehmen konnte im Jahr 2014 Investitionen in Höhe von 75 Millionen Dollar verbuchen.

Platz 6: Kreditech
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Die Aufbauleistung der Kreditech-Gründer ist beachtlich: Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller haben in nur drei Jahren eines der wenigen deutschen Startups hochgezogen, das auch international wahrgenommen wird. Ende September verkündete das Unternehmen, im Rahmen der dritten Finanzierungsrunde bislang umgerechnet 85 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Das Startup gilt als heißer Börsenkandidat, doch das Geschäftsmodell ist umstritten. Zuletzt räumte Diemer seinen Posten als CEO.

Platz 5: Funding Circle
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Die Internet-Konkurrenz der Banken wächst rasant. Neben der US-amerikanischen Plattform Lending Club zählt Funding Circle zu den bedeutenden internationalen Spielern. Seit Oktober steht fest, dass das Unternehmen zudem den schnell wachsenden deutschen Online-Marktplatz für Unternehmenskredite, Zencap, übernimmt. Funding Circle wurde 2010 gegründet und hat nach eigenen Angaben in fünf Jahren Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vermittelt.

Platz 4: Qufenqi
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Die Kreditvergabe-Plattform bietet monatliche Ratenzahlungslösungen für Studenten und Berufstätige in China – und das mit Erfolg. Die meisten Investments in Asien flossen im vergangenen Jahr unter anderem in Qufenqi: 100 Millionen Dollar.

Tendenziell, so Maiers Eindruck, scheinen private und institutionelle Investoren eher bereit zu sein, bei angemessener Verzinsung ein höheres Risiko zu akzeptieren als Banken, die höhere Risiken mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen.

Der Crowdlending-Markt steckt in Deutschland zwar noch in den Kinderschuhen, allerdings wird ihm großes Wachstumspotenzial bescheinigt. Eine Studie, die das Bundesfinanzministerium in Auftrag gegeben hat, soll darüber Aufschluss geben, wie der Crowdfunding-Markt einzuschätzen ist und auf welche Weise Fintech-Unternehmen der Weg in die Selbständigkeit erleichtert werden soll.

110 Millionen versus 1300 Milliarden Euro
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