Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fonds unter der Lupe Automatisierte Anlagestrategie in der Findungsphase: UBS setzt Nachrichten in Formeln für Investoren um

Die UBS steuert die Zusammensetzung bestimmter Portfolios anhand eines quantitativen Modells. In den vergangenen zwölf Monaten hat das funktioniert.
Kommentieren
UBS hat sich Gedanken darüber gemacht, wie sich die schwankende Nachrichtenlage für Investoren in Formeln fassen lässt. Quelle: Bloomberg
UBS-Filiale in Zürich

UBS hat sich Gedanken darüber gemacht, wie sich die schwankende Nachrichtenlage für Investoren in Formeln fassen lässt.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die Nachrichten rund um die Börsen können Investoren großes Kopfzerbrechen bereiten. Es geht zwar wieder bergauf – vor allem dank der mehr oder weniger explizit avisierten Zinssenkungen der US-Notenbank und der europäischen Währungshüter. Aber die Konjunktur schwächelt, und die Risiken nehmen zu: Der Handelsstreit weitet sich aus – nach China nimmt US-Präsident Donald Trump jetzt wieder Europa stärker ins Visier. Konjunkturindikatoren wie Indizes zum Geschäftsklima und zum Verbrauchervertrauen sinken. Dazu kommen die Spannungen zwischen den USA und dem Iran mit der Gefahr eines Krieges.

Die Banker des schweizerischen Geldhauses UBS haben sich intensiv Gedanken darüber gemacht, wie sich die schwankende Nachrichtenlage für Investoren in Formeln fassen lässt. Oliver Malitius, Chefanlagestratege für die quantitative Analyse bei der UBS, hat mit seinen Kollegen dafür schon vor mehr als sieben Jahren ein Modell entwickelt.

Dieses steuert die Aktienquote in breit gestreuten Portfolios über die Anwendung von mathematischen Methoden rein quantitativ, also quasi automatisch. „Wir konzentrieren uns auf die Steuerung der Aktienquote, weil Aktien den Großteil des Risikos in einem Portfolio ausmachen“, erklärt Malitius: „Dafür haben wir einen Indikator gebaut, der auf die globale Gewinnentwicklung der Unternehmen schließen lässt und gleichzeitig die Stimmung an den Aktienmärkten misst.“

In das Modell, das sich „UBS CIO World Equity Market Indicator“ nennt, fließen rund 100.000 Datenpunkte rund um die Konjunktur- und Geschäftsentwicklung der Unternehmen und um die Entwicklung der Aktienmärkte ein. Dazu gehören konjunkturelle Frühindikatoren wie etwa Einkaufsmanagerindizes, harte Konjunkturdaten wie Industrieproduktion und Arbeitsmarktentwicklung, Gewinne der Unternehmen, Risikoprämien von Unternehmensanleihen oder Daten zur Volatilität und zum Momentum an den Aktienmärkten.

Aktienquote gesenkt

Berechnet wird der Modell-Indikator der UBS wöchentlich. „Anfang Juni haben wir aufgrund der Signale des Modells die Aktienquote in den Portfolios auf neutral, also ein mittleres Niveau gesenkt“, sagt Malitius. Das Momentum der Aktienmärkte sei zwar zuletzt wieder gestiegen, die Aussichten für Konjunktur und Unternehmen hätten sich aber deutlich verschlechtert.

Grafik

Konkret investieren die Portfolios in Aktien aus 20 Ländern, in Staats- und Unternehmensanleihen der Industrie- und der Schwellenländer und in alternative Investments wie zum Beispiel Hedgefonds. Gekauft werden dafür passive börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf Indizes in den verschiedenen Märkten. Die Aktienquote wird vor allem über den globalen Aktienindex MSCI World verändert. Je nach Aktienquote werden im Gegenzug die Anlagen auf ETF in US-Staatsanleihen gesenkt oder erhöht.

„Systematic Asset Allocation (S.A.P.)“, also systematische Vermögensaufteilung, heißt diese seit knapp viereinhalb Jahren betriebene Art der Portfoliosteuerung bei der UBS – und das Konzept kommt an. Bislang haben wohlhabende UBS-Kunden der Schweizer Großbank mehr als 35 Milliarden Dollar anvertraut, um sie nach der systematischen Strategie anlegen zu lassen. Auch entsprechende Publikumsfonds für Privatanleger gibt es inzwischen. Diese verwalten mehr als fünf Milliarden Dollar.

Drei Fondsvarianten

Die Publikumsfonds gibt es in drei Varianten, die sich nach der Risikoneigung der Anleger richten. Beim „UBS Systematic Allocation Portfolio Medium Fund“ für Anleger mit mittlerer Risikotoleranz liegt die Aktienquote auf dem aktuell mittleren Niveau bei 40 Prozent.

Wenn das Modell suggeriert, dass eine hohe Aktienquote sinnvoll ist, steigt der Aktienanteil im Medium Fund auf 55 Prozent, wenn das Modell für eine geringe Aktienquote spricht, sinkt der Anteil auf zehn Prozent. Bei der defensiven Fondsvariante liegt der Aktienanteil zwischen null und 30 Prozent, bei der dynamischen für risikofreudige Anleger zwischen 20 und 80 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten hat die systematische Strategie funktioniert.

Nach Daten des Fondsanalysehauses Scope von Ende Mai –aktuellere Daten gibt es nicht – hat der „UBS Systematic Allocation Portfolio Medium Fund“ unter dem Strich 6,7 Prozent zugelegt. In der Vergleichsgruppe global flexible Mischfonds, in die Scope den Fonds einordnet, lag er damit auf Platz 13 von 346 Fonds. Im Schnitt verloren die vergleichbaren Mischfonds laut Scope in diesem Zeitraum 0,3 Prozent.

Als Vorteil der systematisch gesteuerten Fonds der UBS sieht Scope-Analyst André Härtel, dass „sich ein durch menschliche Emotionen bestimmtes Entscheidungsverhalten vermeiden lässt“. In der Tat ist es auch für institutionelle Investoren nicht einfach, diszipliniert anzulegen und psychologische Fallstricke wie zum Beispiel zu langes Zögern mit dem Einstieg, aber auch ein zu langes Zögern mit dem Ausstieg in fallenden Märkten zu vermeiden.

Bei schwach ausgeprägten Trends, also in volatilen Seitwärtsmärkten, ist das quantitative Modell indes laut Härtel „in der Tendenz weniger effizient“. Dazu kommt, dass auch die statistischen Simulationen Fehlsignale generieren können. Auch Malitius räumt ein: „An den Märkten ist vieles unsicher, deshalb funktionieren auch quantitative Modelle nicht immer.“

Mehr: Andrea Orcel fordert 100 Millionen Dollar von der spanischen Bank. Der Grund: Santander hatte ihn zum neuen CEO auserkoren, dann aber einen Rückzieher gemacht.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Fonds unter der Lupe - Automatisierte Anlagestrategie in der Findungsphase: UBS setzt Nachrichten in Formeln für Investoren um

0 Kommentare zu "Fonds unter der Lupe: Automatisierte Anlagestrategie in der Findungsphase: UBS setzt Nachrichten in Formeln für Investoren um"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote