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Fonds unter der Lupe Warum Profis trotz des Handelsstreits an chinesische Aktien glauben

Zwei Fondsmanager von Aberdeen Standard und E. I. Sturdza investieren erfolgreich in chinesische Aktien. Das soll trotz des Handelsstreits so bleiben.
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Innerhalb eines halben Jahrhunderts hat sich die Wirtschaftsleistung Chinas pro Kopf mehr als verhundertfacht. Quelle: Bloomberg
Anleger in Peking

Innerhalb eines halben Jahrhunderts hat sich die Wirtschaftsleistung Chinas pro Kopf mehr als verhundertfacht.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die spektakulären Erträge im ersten Quartal sind fast vergessen: Chinas Inlandsaktien gewannen ein Drittel an Wert – ein Spitzenergebnis im internationalen Vergleich. Doch der schwelende Handelsdisput mit den US-Amerikanern schreckt viele Investoren vor Anlagen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ab.

Großanleger sehen darin laut einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch das größte Börsenrisiko. Den China-Aktiencrash vor vier Jahren und die Talfahrt im vergangenen Jahr haben die Investoren ebenfalls noch in Erinnerung.

Optimistischer sind die erfolgreichen Fondsmanager vor Ort, die mit Aktien in Hongkong oder an den Festlandsbörsen in Schanghai und Shenzhen Geld verdienen wollen. Die Fondsmanagerin Lilian Co hat mit dem „Strategic China Panda“ in drei Jahren über 16 Prozent Gewinn jährlich eingefahren. Sie steuert das Produkt für den kleinen Anbieter E. I. Sturdza Strategic Management und konzentriert sich auf die in Hongkong notierten Titel.

Nicholas Yeo vom großen britischen Verwalter Aberdeen Standard Investments schaffte mit chinesischen Inlandsaktien über den gleichen Zeitraum sogar mehr als 21 Prozent Ertrag jährlich. Sein Managerteam betreut mit dem 2,3 Milliarden Euro schweren „China A Share Equity“ den größten Fonds in seiner Konkurrenzgruppe.

Von unabhängigen Experten bekommen die Geldlenker gute Noten. Co hatte Anfang des Jahrtausends für den Geldverwalter Barings einen Chinafonds betreut. „Mit ihren Topergebnissen ließ sie viele Wettbewerber ziemlich blass aussehen“, sagt Robert Habatsch, Vorstand beim Asset-Manager Greiff Capital Management. Später habe sie sich selbstständig gemacht. Habatsch urteilt: „Co ist nicht in jeder Marktphase erfolgreich, aber aus unserer Sicht ist sie nach wie vor eine der interessantesten Managerinnen für chinesische Aktien.“

Chance für Inlandsbörsen

Die Experten des Finanzdienstleisters Citywire geben beiden Managern gute Noten. „Sie haben bewiesen, dass sie mehr Ertrag liefern können als die Märkte, in denen sie investieren“, meint Analysechefin Nisha Long in London. Doch mit Blick auf die für beide unterschiedlichen Anlagemärkte gibt sie Yeo gegenüber Co einen Vorteil: „Mit den vielen Chancen an den Inlandsbörsen kann er mehr daraus machen.“

Die guten Erträge und Beurteilungen der Manager sind allerdings überschattet vom anhaltenden politischen Streit zwischen den USA und China. Im Ringen der Weltmacht Nummer eins mit ihrem aufstrebenden Konkurrenten geht es um mehr als Strafzölle. „Der Handelskrieg ist eher ein Kampf um die Führerschaft im Technologiebereich“, urteilt Yeo. So deutet auch Co den Streit: „Deshalb haben die USA Huawei auf die schwarze Liste gesetzt.“

Die US-Strafzölle auf chinesische Importe scheinen auch Wirkung zu zeigen. So meinen die Analysten des Bankhauses Metzler: „Der Handelskrieg mit den USA hat dunkle Wolken über Chinas Wirtschaft aufziehen lassen und das Wachstum im zweiten Quartal auf 6,2 Prozent gedrückt.“ Das sei die geringste Rate seit fast drei Jahrzehnten. Und der Disput werde anhalten: „Es droht eine längere Auseinandersetzung.“

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Die Fondsstrategen Co und Yeo glauben jedoch an eine Lösung. „Es wird einen Deal geben, ansonsten verlieren alle“, ist der Aberdeen-Mann überzeugt. Entscheidend seien die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr. Auch Co glaubt an eine politische Taktik von Donald Trump: „Eine Vereinbarung erwarte ich Ende des Jahres, gerade rechtzeitig, um vor den Wahlen Eindruck zu machen.“

Das Thema Exportsorgen sieht Co gelassen: „Ausfuhren sind für China weniger wichtig als früher.“ Falls es doch größere Belastungen für die Wirtschaft gebe, habe die Regierung genügend Möglichkeiten, die Wirtschaft anzukurbeln – etwa durch Erleichterungen für die Immobilienbranche. Der Aberdeen-Fondsmanager erinnert an die bereits umgesetzten Steuersenkungen. „Außerdem können wir uns auf Aktien von Firmen konzentrieren, die ihre Geschäfte im Inland machen“, ergänzt er.

Für beide Manager ist der wachsende inländische Konsum ein wichtiges Auswahlkriterium für die Aktien. In rund einem halben Jahrhundert hat sich die Wirtschaftsleistung Chinas pro Kopf mehr als verhundertfacht. Die Inländer verdienen immer mehr Geld und geben es auch aus. Deshalb hat Co im Fonds neben den Börsen-Dickschiffen Alibaba und Tencent auch Werte wie Kasinoaktien aus Macau oder den Immobilienentwickler Times China.

Gerade mit Times China „wagen wir eine Wette, von der wir absolut überzeugt sind“, sagt Co. Sie pocht auf ein jährliches Gewinnwachstum von bis zu 30 Prozent, sieben Prozent Dividendenrendite und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur vier.

Yeo knüpft ebenfalls beim Konsum an. „Wir schauen vor allem auf die Bedürfnisse der jungen Leute“, sagt er. Dabei spielten Versicherungen und Geldanlagen eine wichtige Rolle. So kommt er auf Unternehmen wie den Versicherer Ping An Insurance und den Finanzdienstleister China Merchants Bank. Er nennt außerdem den Spirituosenhersteller Kweichow Moutai und den Flughafenbetreiber Shanghai International Airport.

Dabei steuert Yeo den Fonds sehr mutig: Der Aberdeen-Mann hat in die zehn größten Positionen über die Hälfte des Kapitals gesteckt.

Für ihre Strategie haben beide Manager Rückenwind von den wichtigen Indexanbietern. Die chinesische Wirtschaft ist groß und wächst im Vergleich zu den westlichen Ländern weiter rasant. Aber das spiegeln die Zusammensetzungen wichtiger Börsenindizes nicht wider. So hat China einen Anteil am Weltsozialprodukt von 19 Prozent, im MSCI-Weltaktienindex aber nur von weniger als vier Prozent. Doch allmählich bekommt China mehr Gewicht.

Indizes lenken Kapital

Interessant sind vor allem die Emerging-Markets-Messlatten. In der wichtigen Benchmark von MSCI für Schwellenländerbörsen liegt die Quote chinesischer Inlandstitel bei sehr geringen 0,7 Prozent. Sie wird sich aber bis zum Frühjahr kommenden Jahres vervielfachen.

Schon heute kommen die rund 3500 Inlandsaktien laut Aberdeen Standard auf einen Börsenwert von rund sechs Billionen Dollar – nur die US-Börse ist größer. „Die Chinaquote insgesamt könnte im Index längerfristig sogar Richtung 45 Prozent steigen“, meint Yeo.

Laut Analysten lenken die Indexanpassungen Kapital internationaler Investoren in mindestens zweistelliger Milliarden-Dollar-Höhe in die Volksrepublik. Der Grund: Investoren orientieren sich bei ihren Anlagen an solchen Messlatten.

Wachsender Einfluss der Ausländer dürfte die erratischen Bewegungen an den Festlandsbörsen dämpfen. Bislang bewegen spekulationsfreudige Chinesen die Kurse – nach oben und nach unten. „Die Märkte sind deshalb ineffizient, und auch aus diesem Grund konnten wir als Profis so gute Performance machen“, räumt Yeo ein.

Chinas Unternehmen würden mehr Auslandsinvestoren und damit geringeren Einfluss der einheimischen Spekulanten auf jeden Fall begrüßen, meint Yeo: „Die freuen sich über eine längerfristige Bindung der Aktionäre.“

Mehr: Internationale Investoren setzen auf die Zinssenkungen der US-Notenbank und kaufen mehr Aktien, zeigt die zeigt die aktuelle Fondsmanagerumfrage der Bank of America Merrill Lynch. Doch sie investieren womöglich wider besseres Wissen.

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