Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fondsbranche Großkonferenz für Fondsvermittler bietet Anlegern wenig Trost

Beim großen Treffen der Investmentprofis ist die Stimmung schlecht. Denn die Sorge ist groß, dass die Kunden mit ihrem Geld davonlaufen könnten.
Kommentieren
Der ehemalige EU-Kommissionspräsident mahnt, dass auch Bekenntnisse zu Europa die Sorgen der Branche nicht vertreiben können. Quelle: Christoph Hemmerich / FONDS professionell
José Manuel Barroso

Der ehemalige EU-Kommissionspräsident mahnt, dass auch Bekenntnisse zu Europa die Sorgen der Branche nicht vertreiben können.

(Foto: Christoph Hemmerich / FONDS professionell)

MannheimDas katastrophale Jahr an den Aktienmärkten wirkt nach in der Fondsbranche. Gut 18 Prozent Minus im deutschen Leitindex Dax, kaum weniger im führenden Euro-Zonen-Barometer Euro Stoxx 50, das drückt auf die Stimmung bei der jährlichen Großkonferenz für Fondsvermittler in Mannheim. Die Profis haben ihren Kunden, den Anlegern, wenig Trost zu bieten. „Immerhin nur ein einstelliges Minus, mehr war eben nicht drin“, erzählt man sich am Rande von Fachvorträgen.

Zusätzlich im Magen liegt den Finanzprofis, dass die Anleger in nächster Zeit Post mit ihren Jahresdepotabrechnungen erhalten. Darin werden ihnen erstmals die Kosten in Euro und Cent statt nur als Prozentangabe aufgeschlüsselt – das verlangt eine neue Vorschrift der EU. „Das wird Begeisterung auslösen, wenn Fondsbesitzer feststellen, dass ihr Vermögen nicht nur deutlich an Wert eingebüßt hat, sondern sie konkret sehen, dass sie dafür auch noch satte Gebühren zahlen“, sorgt sich der Vertreter eines großen Fondshauses.

Je mehr die Kosten ins Bewusstsein der Anleger rücken, desto größer wird aus Sicht vieler Anbieter die Gefahr, dass die Kunden auf Produkte mit niedrigen Gebühren ausweichen, etwa auf börsengehandelte Fonds. Solche Produkte ernähren aber keine ausgedehnten Vertriebsnetze.

Doch einer versucht, den rund 8.500 Besuchern Mut zu machen: Friedrich Merz, der sich nach einem kurzen Ausflug in die hohe Politik wieder auf seine Tätigkeit als Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland konzentriert. „Um dauerhaft zur Sicherung des Wohlstandes in der Breite der Gesellschaft beizutragen, braucht es ein besseres Verständnis für die Funktion des Kapitalmarktes“, fordert er.

Die Zahl der Aktionäre von heute gerade mal rund zehn Millionen im Land sollte sich innerhalb von zehn Jahren verdoppeln, mahnt Merz. Wenn nicht breite Teile der Gesellschaft am Produktivkapital der Volkswirtschaft beteiligt werden könnten, drohten Verteilungskämpfe und Unfrieden. „Überzeugen Sie die Bevölkerung, dass sich Werte nicht nur in Beton schaffen lassen, sondern am Kapitalmarkt“, ruft der Blackrock-Mann.

Die Kongressbesucher verstehen den Kollegen wohl, doch sie müssen ihre von den Verlusten 2018 verunsicherten Kunden zunächst davon abhalten, ihre Fonds aus dem Depot zu werfen. Oben auf der Themenliste des Kongresses stehen daher die nach wie vor beliebten Mischfonds, die verschiedene Wertpapierarten vereinen und somit Verluste einzelner Anlageklassen wie Aktien abfedern sollen. Zudem geht es um Risikomanagement-Modelle, aber auch um die dafür oft nicht geringen Kosten.

Die Krise an den Finanzmärkten, die sich gegen Ende 2018 zuspitzte, hat allerdings erneut gezeigt, wie schwer es für die Fondsmanager ist, ihre Kunden zu schützen: Zeitweise gingen Aktien und Anleihen zugleich in die Knie, sodass der Risikoausgleich nicht funktioniert. Weitere Themen auf dem Kongress sind Nachhaltigkeit, Rohstoffe, Sachwerte und die Digitalisierung. Aber vor allem machen die Diskussionen und angebotenen Produkte den Eindruck, dass es keine wirklich neuen Trends gibt, die die Branche aus der Schwermut reißen könnten.

Und das neue Jahr bringt außer einer gewissen Erholung der Kurse auch nur wenig Anlass zu Optimismus. Die Konjunkturprognosen für Deutschland und Europa sind relativ schwach. Politische Störfaktoren wie der Brexit, aggressiver Nationalismus in Europa und der weltweite Handelsstreit hellen die Mienen der Finanzexperten nicht gerade auf.

Kein Wunder, dass Politik eines der zentralen Themen auf dem Kongress war. Merz, der vergeblich für den Parteivorsitz der CDU kandidiert hat, ist hier in seinem Element: „Wir befinden uns mitten in einem Kulturkampf um die freiheitlich-liberale Ordnung – und es ist nicht sicher, ob wir diesen gewinnen angesichts autoritärer Kräfte ringsumher.“ Nach Ansicht des 63-Jährigen wird der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der EU, größere Folgen haben als erwartet.

Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU geht, verschieben sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der Südländer, befürchtet er. Unter deutsch-französischer Vorherrschaft „muss Europa nun schnell zu sich selbst finden und handlungsfähig werden“, fordert Merz.

Dabei sei wichtig zu definieren, was zentral und was in den Ländern geregelt werde: „Brüssel muss nicht alles machen.“ Deutschland mit seinen exportstarken Firmen als ein Hauptprofiteur des Euros sieht er in einer besonderen Verantwortung: „Wir müssen einen überproportionalen Beitrag dazu leisten, dass die politische Union ein Erfolg wird.“

Aufzurütteln versuchte auch José Manuel Barroso, der im Eröffnungsvortrag mehr Zusammenhalt in Europa anmahnte. Der ehemalige EU-Kommissionspräsident räumte ein, dass die Zeiten nicht einfach seien. „Aber wäre die Lage besser ohne die EU?“, ruft er den Finanzprofis im Saal zu. Auch die jüngste Finanz- und Schuldenkrise hätte ohne den Euro in Europa größeren Schaden angerichtet, gibt sich der 62-jährige Portugiese überzeugt. „Europa hat die ökonomische Kraft, braucht aber den politischen Willen, seine Werte wie die Soziale Marktwirtschaft zu verteidigen“, sagt der heutige Berater der Investmentbank Goldman Sachs.

Geopolitischer Rundschlag

Ohne die oft in der EU führend gewesenen Briten werde es noch wichtiger, die gemeinsame Verteidigung zu stärken, sagt der Ex-Politiker. Das auch, weil Ländern im Baltikum, in Skandinavien und auch Polen Russland immer weniger geheuer sei. „Die EU ist immer ein Projekt für Frieden gewesen.“ Dringend muss seiner Ansicht nach die EU-Außengrenze stärker geschützt werden, auch damit in der Gemeinschaft der Binnenmarkt vollendet werden kann. Dies alles brauche Europa, um den Weltmächten USA und China etwas entgegensetzen zu können.

Seine Zuhörer können sich trösten, dass es größere Probleme als ihre eigenen gibt. Aber die Stimmung hellt das auch nicht weiter auf.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Fondsbranche - Großkonferenz für Fondsvermittler bietet Anlegern wenig Trost

0 Kommentare zu "Fondsbranche: Großkonferenz für Fondsvermittler bietet Anlegern wenig Trost"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.