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Fondschef Magnus Billing „Nachhaltig ist nicht immer auch erfolgreich"

Der Chef des Pensionsfonds Alecta sieht ungelöste Probleme in den Plänen der EU zur nachhaltigen Neuausrichtung der Finanzmärkte. Sein Ziel: Mehr Transparenz.
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Er verlässt sich bei der Bewertung von Nachhaltigkeit von Firmen nur auf die eigenen Analysten. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Magnus Billing

Er verlässt sich bei der Bewertung von Nachhaltigkeit von Firmen nur auf die eigenen Analysten.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

FrankfurtMagnus Billing fordert transparentere Firmendaten und bessere Standards bei der Nachhaltigkeitsbewertung. Als Leiter der schwedischen Alecta, mit 80 Milliarden Euro an verwaltetem Kapital der fünftgrößte Pensionsfonds in Europa, kennt er das Problem aus der Praxis. Als Mitglied einer Expertengruppe war er außerdem an den Vorarbeiten zum EU-Aktionsplan für einen Umbau zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft beteiligt.

Herr Billing, Sie legen sehr viel Wert auf etwas, dass in der Anlagebranche zu einem Modewort geworden ist: Nachhaltigkeit. Ist das ein echter Trend oder nur ein Hype?
Ein bleibender Trend. Nachhaltigkeit ist wie unser Investmentansatz: langfristig. So finden wir Anlagechancen und managen gleichzeitig unser Investmentrisiko. Natürlich gibt es die Gefahr des sogenannten „Greenwashing“, dass sich Unternehmen aus Imagegründen besser darstellen, als sie wirklich sind. Aber dieses Risiko wird schrumpfen, wenn sich bessere Standards für grüne Kriterien durchsetzen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit konkret für Ihren Pensionsfonds?
Bei der Risikoeinschätzung der Unternehmen auch externe Faktoren zu berücksichtigen. Außerdem legen wir in sogenannten Green Bonds an und machen Stresstests unserer Anlagen mit verschiedenen Klimaszenarien.

Im Frühjahr veröffentlichte eine Expertengruppe der EU Empfehlungen zur Gestaltung eines an Nachhaltigkeit orientierten Finanzmarkts. Sie waren Mitglied dieser Gruppe ...
Ich unterstütze die Empfehlungen voll. Die Umsetzung wäre natürlich eine komplexe Sache. Wir brauchen eine Klassifizierung, was grün ist und was nicht, müssen treuhänderische Pflichten klären, Standards für grüne Anleihen entwickeln, das Problem fehlender und intransparenter Daten lösen.

Das klingt so, als wäre die Aufgabe zu komplex und hätte das Potenzial für ein bürokratisches Monster …
Wir müssen vorsichtig sein. Es gibt das Risiko der Überregulierung. Wir sollten das Funktionieren der Finanzmärkte nicht im Kern gefährden. Ich gebe ein Beispiel für eine meiner Meinung nach falsche Aufsichtsregel: Wenn eine Anlage regulatorisch als grün eingestuft ist, reicht dem Investor eine geringere Kapitalunterlegung. Risiko muss weiter wie Risiko behandelt werden, sonst gefährden wir die Finanzstabilität.

Ein Grundproblem ist bereits die Definition von „grün“ ...
Genau, es gibt keine klare Einteilung. Es gibt viele „shades of green“, um es so zu sagen.

Wie verlässlich sind die schon existierenden Nachhaltigkeits-Ratings verschiedener Anbieter?
Wie ich sagte, brauchen wir mehr Transparenz bei den Unternehmensdaten, und das Kategorisierungsthema ist bisher ungelöst.

Häufig folgen Investoren simplen Ausschlusskriterien und meiden Unternehmen aus nicht nachhaltigen Branchen. Dann bleibt wenig übrig, weil man Energie, Autos, auch Banken nach diversen Skandalen nicht berücksichtigen dürfte. Am Ende hätte man ein hochkonzentriertes und damit risikoreiches Depot …
Meiner Meinung nach wäre das mit den treuhänderischen Pflichten gegenüber unseren Kunden nicht zu verantworten.

Die Alternative wäre der sogenannte „Best in class“-Ansatz, bei dem man aus allen Branchen die nachhaltigsten Firmen wählt.
Für uns als Alecta ist weder der eine noch der andere Ansatz überzeugend. Wir handeln, wenn Nachhaltigkeitsfaktoren spürbaren finanziellen Einfluss auf die Unternehmen haben, in die wir investiert sind. Wir glauben an Veränderung und daran, dass wir die 100 Firmen, deren Aktien wir halten, in unserem Sinne in die richtige Richtung lenken können.

Indexanbieter offerieren angepasste, auf Nachhaltigkeitskriterien zugeschnittene Messlatten. Zumindest einige Investoren glauben, hier falsche Bewertungen von Firmen entdeckt zu haben …
Es gibt so viele dieser Bewertungen. Auch das macht es für den Endanleger so schwierig, sich zu orientieren. Die EU kann hier bei der Etablierung von Standards helfen. Außerdem warne ich vor einem grundsätzlichen Missverständnis: Eine gute Nachhaltigkeitsnote für ein Unternehmen heißt nicht, dass die Firma deshalb auch finanziell erfolgreich und solvent ist.

Rund um die Welt gibt es vielleicht an die 10.000 Aktien mit hinreichender Größe für eine Anlage. Ist es nicht unmöglich für einen Indexanbieter, so viele Unternehmen detailliert auf Nachhaltigkeit zu prüfen?
Für einen institutionellen Investor ist es schwierig, so eine Prüfung auszulagern. Ich bin deshalb zufrieden, dass wir bei Alecta diese Bewertungen für eine begrenzte Zahl von Firmen selber machen.

Die EU-Expertengruppe schlägt vor, eine Art grünes Prüfsiegel für Finanzprodukte einzuführen. Ist das nicht zu ehrgeizig angesichts der angesprochenen Probleme?
Ja, ehrgeizig ist der Plan, und er musste es ein. Er soll ja einen EU-weiten Finanzmarkt etablieren, der nachhaltigen Kriterien genügt – und das in ziemlich kurzer Zeit.

Herr Billing, vielen Dank für das Gespräch.

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