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Fondsmanager-Umfrage Profianleger kaufen Aktien gegen die eigene Überzeugung

Internationale Investoren setzen auf die Zinssenkungen der US-Notenbank und kaufen mehr Aktien. Doch sie investieren womöglich wider besseres Wissen.
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Viele Investoren laufen den steigenden Kursen hinterher. Quelle: Imago
Händler in New York

Viele Investoren laufen den steigenden Kursen hinterher.

(Foto: Imago)

Frankfurt Jerome Powell hat geliefert und die Investoren auf seine Seite gezogen. Der Chef der US-Notenbank (Fed) hat vor einem Monat mehr oder weniger explizit eine Zinssenkung für Ende Juli angekündigt. Seither geben internationale Investoren Aktien in ihren Portfolios wieder mehr Gewicht.

Das zeigt die aktuelle Fondsmanagerumfrage der US-Großbank Bank of America (BofA) Merrill Lynch, auf die in der vergangenen Woche 162 Investoren geantwortet haben. Zusammen verwalten sie 489 Milliarden Dollar.

Der Sprung ist deutlich. Vor der Powell-Ankündigung waren die Investoren trotz der schon sehr gut gelaufenen Aktienmärkte skeptisch. Netto waren damals 21 Prozent der Investoren in globalen Aktien untergewichtet, hielten also weniger Aktien als es ihre Vergleichsindizes vorgaben. Jetzt sind netto zehn Prozent in Aktien übergewichtet. Netto bedeutet, dass es zehn Prozent mehr Investoren gibt, die übergewichtet sind, als solche die das nicht sind.

Es ist allerdings ein Umschichten gegen die eigene Überzeugung. Denn mit Blick auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen sind die Investoren nach wie vor skeptisch. Unter dem Strich rechnet zwar „nur“ knapp ein Drittel der Investoren damit, dass sich die Wirtschaft in den nächsten zwölf Monaten deutlich abschwächt. Vor einem Monat hatte dies noch die Hälfte der befragten Portfoliomanager erwartet.

Mit einem leichten Wachstumsabschwung, einem „Wachstum unter Trend“ rechnen aber 79 Prozent der befragten Investoren. Und unverändert gehen 41 Prozent davon aus, dass die Gewinne der Unternehmen im nächsten Jahr sinken werden.

Im Umschwung der institutionellen Anleger sieht Michael Hartnett, Chefanlagestratege bei der BofA Merrill Lynch einen klassischen „Pain Trade“. Das bedeutet, dass Investoren bei steigenden Märkten irgendwann realisieren, dass sie zu viel verpasst haben.

Irgendwann ist es ihnen zu schmerzlich den steigenden Kursen zuzusehen und vom Kursaufschwung nicht so deutlich zu profitieren, wie es möglich wäre. Deshalb beginnen mehr und mehr Investoren zu kaufen und machen das Zusehen für die Anleger an der Seitenlinie noch schmerzlicher.

Aktienindizes legen kontinuierlich zu

Seit Jahresanfang haben der globale Aktienindex MSCI World, der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum, der deutsche Leitindex Dax und der US-Standardwerteindex Dow Jones rund 17 Prozent zugelegt. Beim US-Leitindex S&P 500 waren es sogar 20 Prozent, und der S&P 500 übersprang erstmals die Marke von 3.000 Zählern.

Auch die Schwellenländer legten gemessen am MSCI Emerging Markets mit 9,5 Prozent deutlich zu. Doch die Rally verliert an Fahrt. In den vergangenen vier Wochen betrugen die Zuwächse lediglich noch zwischen knapp einem halben Prozent beim Dax und 3,3 Prozent beim S&P 500.

Dass Investoren wieder mehr Risiken eingehen, zeigt sich auch mit Blick auf europäische Aktien. Unter dem Strich sind jetzt neun Prozent in Aktien der Euro-Zone übergewichtet. Im Juni hatten noch acht Prozent der Investoren weniger Aktien aus dem Euro-Raum als es ihre Benchmark-Indizes vorgeben.

Zur neuen Zuversicht für die Euro-Zone dürfte Mario Draghi einen Großteil beitragen. Einen Tag vor Powell hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni angedeutet, dass die EZB zu einer extrem lockeren Geldpolitik zurückkehren will, wenn die Inflationsrate in der Euro-Zone nicht steigt. Lockere Geldpolitik in der Euro-Zone, wo der Leitzins bei null Prozent liegt, bedeutet eine weitere Senkung des Satzes für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB von aktuell minus 0,4 Prozent ebenso wie eine mögliche Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms.

Ebenfalls netto neun Prozent mehr als in den Vergleichsindizes halten Fondsmanager in US-Aktien, hier stieg die Allokation um vier Prozentpunkte. Noch deutlich mehr Potenzial sehen die Investoren in den Schwellenländern, wo sich die Übergewichtung unter dem Strich im Schnitt um zwei Prozentpunkte auf bei 23 Prozent erhöhte.

Laut Chefanlagestratege Hartnett kann der „Pain Trade“ noch über den Sommer anhalten. Dafür spricht zum einen, dass die globale Aktienübergewichtung von zehn Prozent noch nicht sehr ausgeprägt ist. Außerdem halten die Investoren im Schnitt immer noch 5,2 Prozent ihres Portofolios in Cash. Diese Quote liegt deutlich über dem Zehnjahres-Schnitt von 4,6 Prozent und bedeutet, dass die Investoren noch genügend liquide Mittel haben, um ihre Aktienquoten aufzustocken. Laut BofA Merrill Lynch signalisiert eine Bargeldquote von über 4,5 Prozent ein Kaufsignal.

Neben der Fed haben nach Ansicht der US-Bank auch die jüngsten Entspannungssignale im Handelsstreit die Investoren ihren Widerstand gegen höhere Aktienanteile aufgeben lassen. Auf dem G20-Gipfel Anfang Juli haben US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping wieder miteinander gesprochen und beschlossen die Handelsgespräche erneut aufzunehmen. Außerdem hat Trump den Bann gegen Chinas Technologiegiganten Huawei zunächst gelockert.

Dennoch ist für 36 Prozent der Investoren ein eskalierender Handelskrieg immer noch das größte Risiko – auch das zeigt, dass die Investoren noch viele Zweifel haben. „Beim Handelskonflikt geht es nicht nur um ein Abflauen der wirtschaftlichen Dynamik und damit um weniger Möglichkeiten für Unternehmen ihre Umsätze zu steigern“, erklärt Axel Cron, Chefanlagestratege bei HSBC Global Asset Management Deutschland. Vielmehr drohten Störungen der globalen Lieferketten und damit steigende Lohnkosten die Unternehmen und ihre Gewinne zu belasten.

Dass viele Investoren womöglich wider besseres Wissen mehr investieren, zeigt auch ein Blick auf ihre Einschätzung der US-Notenbank. Sie trauen der Fed nicht wirklich. 22 Prozent der befragten Fondsmanager – und damit doppelt so viele wie im Juni – sehen eine Machtlosigkeit der Notenbanken als größtmögliches unerwartetes Risiko für die Märkte. Übersetzt bedeutet das: Auch wenn die Fed die Zinsen senkt – die Wirtschaft kann sie damit nicht wirklich ankurbeln.

Mehr: Fondsanleger können sich über ein gutes Halbjahr freuen. Als nächstes hoffen die Investoren auf Gold-Produkte.

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1 Kommentar zu "Fondsmanager-Umfrage: Profianleger kaufen Aktien gegen die eigene Überzeugung"

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  • Sehr geehrte Frau Cünnen,

    was es so alles gibt: ""Aktienkäufe gegen die eigene Überzeugung". Vielleicht sogar mit dem Untertitel "...denn sie wissen nicht, was sie tun".

    Gott sei Dank ist die Zahl der Orientierungslosen gering. Gerade einmal 162 Fondsmanager haben die Fragen der Bank of America beantwortet. Der Eindruck, dass sie streng nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, drängt sich nicht auf. Damit wäre die Umfrage dann aber auch nicht repräsentativ. Sie würde nicht "Die amerikanischen Fondsmanager" abbilden, sondern nur einen winzigen Randbereich dieser Berufsgruppe.

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