Frank Lehmann „Ich kann Ihnen sagen, wie Sie schnell arm werden“

Die Deutschen gehen viel zu fahrlässig mit Geld um, sagt Ex-Fernsehmoderator Frank Lehmann. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, worauf es an der Börse ankommt und wie sich Anleger vor Bankverkäufern schützen können.
12 Kommentare

FrankfurtHerr Lehmann, wie ist es um das Finanzwissen der Deutschen bestellt?

Nicht gut, um es vorsichtig auszudrücken.

Woran liegt das?
Da gibt es verschiedene Gründe. Wir Deutschen sind viel zu lange gepampert worden. Altersvorsorge? Da haben wir unsere gesetzliche Rentenversicherung, müssen wir uns also nicht drum kümmern. Geld anlegen? Macht alles unser werter Herr Bankberater, unsere werte Frau Bankberaterin! Viele Anleger sind einfach zu bequem. Sich mit den eigenen Finanzen auseinander zu setzen, erfordert sehr viel Geduld. Das ist harte Arbeit – und viele drücken sich lieber davor.

Aber wer sich auf seinen Bankberater verlässt …
Der ist verlassen, wollten Sie sagen. Und das stimmt in vielen Fällen; die Beratung an deutschen Bankschaltern ist mitunter erbärmlich! Was da an so genannten innovativen und angeblich erfolgreichen Finanzprodukten über die Theke geht, ist schon abenteuerlich. Einem 84-jährigen etwa einen geschlossenen Fonds mit Laufzeit von 20 Jahren an die Backe zu kleben und seriöse Beratung zu nennen, das schreit förmlich nach Anruf der Gerichte. Aber: Die Pleite von Lehman Brothers war vielleicht doch auch ein heilsamer Schock.

Warum das denn?
Weil Anleger nach dem Absturz der Finanzwirtschaft in ihrem Depot nur Minus-Zeichen gesehen und dann zum ersten Mal geprüft haben: was hab ich denn überhaupt in meinem Depot? Und mit großen Kulleraugen zu der bitteren Erkenntnis kamen: Da sind ja Dinge drin, die hat mir mein Berater nicht richtig erklärt. Wer sich übervorteilt fühlt, schaut seinem Banker auch genauer auf die Finger, der kümmert sich wieder intensiver um sein eigenes Depot, fragt nach – und lässt nicht nur machen. So müsste es eigentlich sein.

Ist es aber nicht…
Die Deutschen sind immer noch zu unbedarft, was die eigenen Finanzen angeht. Wenn sie ich eine Waschmaschine oder ein neues Auto kaufen wollen, dann wird verglichen und verhandelt, was das Zeug hält, wochenlang. Um jeden Cent wird da gefeilscht! Und beim eigenen Depot? Zu anstrengend, zu kompliziert, lieber nicht.

Also sind die Anleger selbst Schuld – und nicht die Berater?
Beide sind schuld. Die Anleger, weil viele zu bequem sind, die Banker, weil sie die Bequemlichkeit schamlos ausnutzen.

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12 Kommentare zu "Frank Lehmann: „Ich kann Ihnen sagen, wie Sie schnell arm werden“"

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  • Endlich einmal ein wirklicher Experte ! Dem würde viele ihr Vermögen anvertrauen. Schade, von denen gibts es sehr wenige.

  • Herr Lehmann: Der Artikel ist einfach wunderbar, genau so sehe ich es auch.

  • Bin ganz Ihrer Meinung. Es gibt aber neben den Briefen an Politerfreunde des Herrn M noch einen, vermutlich auch effizienteren Weg: Klage einreichen. Ist in Österreich so geschehen und hat dem AWD ziemlich weh getan :-)

  • Spitze! Alles richtig. Ein echter Lehmann!

  • die Deutschen können nicht mit Geld umgehen - ist doch eigentlich klar - wieso sollte es im "Kleinen" anders sein als im "Großen", Stichwort Rettungsschirm - wäre das Wissen zum Thema Geld nur halbwegs solide, hätte es schon längst eine Revolution gegeben. So aber kann Mama Merkel unbekümmert weitermurksen und das Volk ereifert sich derweil über so wichtige Themen wie gefälschte Doktorarbeiten und Biosprit.

  • Es ist mir wirklich neu, daß der "Babbel-Lehmann" etwas von Finanzen versteht. Er wird zum "Experten" erklärt, obwohl er doch nur Allerweltszeug in hessischer Sprachfärbung unter die Leute bringt. Die These "Bankberatung" ist mies, kann man doch auch nicht mehr hören. Die Leute, die keine Ahnung haben sollen Bausparen und ihr Geld auf's Sparbuch legen. Alle anderen sind für ihre Geldanlagen selbst verantwortlich, Ende der Durchsage. Lustig auch die "Theorie" mit den Expontialfunktionen. Nur mal so als Tipp: Betrachten Sie Zinsen mal von ihrem Realwert und nach Steuern, dann werden Sie sehen, daß der "sichere" Netto-Zins derzeit deutlich negativ ist. Um überhaupt "etwas" zu verdienen, muß man ganz schön ins Risiko gehen. Daß man dabei "etwas" verdienen will, liegt doch auf der Hand. Wo ist das Problem?!

  • „Ruhe bewahren!“ Das ist also Lehmanns „Devise“. „Dann klappt’s auch mit den Gewinnen.“ Wie noch heißt sein neues Buch? „Über Geld spricht man nicht.“ Hättest du denn auch hier geschwiegen.

  • Recht hat der Mann! Schönes Beispiel mit den Deutschen und ihren Waschmaschinenfeilschereien. Das trifft es auf den Punkt!!!
    Hätten wir nur mehr Frank Lehmänner und Dirk Müller, dann wäre der Börsendschungel etwas übersichtlicher und für viele mit nicht so viel Ängsten behaftet.

  • Der eigentliche Sinn des Geldes als Tauschmittel wurde perfertiert, weil es Anlegern nur noch zur reinen Spekulation dient.
    Man darf nie vergessen, das der gewinnbringende Zins für den Gläubiger von irgend jemand anderem erwirtschaftet werden muss. Dieser jemand begibt sich dann in das globalisierte Hamsterrad, ackert sich ab oder betrügt und bescheisst, um irgend einem anderen den zu zahlenden Zins abzujagen. Der Dumme ist immer der, der diesen Zins letzten Endes erwirtschaften muss, besser gesagt der Schuldner.
    Das Spiel geht nach einem Geld-Reset (1929) des Schuldgeldsystems ca. 80 Jahre lang gut. Danach sorgt die Exponentialfunktion dafür das die Schuldenkurve massiv nach nach unten wegtriftet, während die Vermögenskurve exponentiell nach oben schiesst. Deshalb werden die Reichen noch reicher, während Ärmere immer weniger haben.
    Wir brauchen ein anderes Geldsystem!
    Dieser ganze Börsen- und Spekulationsfirlefanz ist zum Kotzen und absolut menschenverachtend.

  • Es gibt eine Liste von ca. 34.000 Kunden des AWD, die in der Mehrzahl mit der Anlage ihres Ersparten bei der Maschmeyer Firma ein Fiasko erlebt haben.
    ...
    Menschen, die ihr Erspartes meist im Blick auf ihre Altersversorgung in Geschlossenen Fonds angelegt haben, haben auf den AWD und Maschmeyer vertraut. Das Vertrauen war auch ein von Dritten bezeugtes Vertrauen – von Gerhard Schröder und vom jetzigen Bundespräsidenten zum Beispiel.
    ...
    Fragen zu stellen ist dringlich, hier eine Auswahl, die Sie nach eigener Fantasie ergänzen sollten:

    *Was wusste der Bundespräsident und frühere Ministerpräsident von den Methoden seines Freundes Maschmeyer?

    *Wusste er von den Ursachen und Hintergründen von Maschmeyers märchenhaftem Vermögen, als das Ehepaar Wulf noch nach der Wahl zum Bundespräsidenten in Maschmeyers Villa auf Mallorca Ferien machte?

    *Ist der Bundespräsident bereit, seinen Einfluss auf Maschmeyer zu nutzen, damit Maschmeyer mit den vielen 100 Millionen, die er mit fragwürdigen Methoden verdient hat, irgendwann seine Opfer entschädigt?

    ... Äußerung der Vertreterin der Stiftung Warentest, Ariane Lauenburg: „Ich glaube, dass Carsten Maschmeyer mit dem Geld der Anleger sehr gut lebt. Er hat seinen Wohlstand auf dem Leid der Anleger aufgebaut.“

    Das ist wohl richtig gesehen und deshalb ist es auch berechtigt, dem Bundespräsidenten die notwendigen Fragen zu stellen. Vor allem auch jene nach der Bereitschaft, seinen Einfluss auf Maschmeyer geltend zu machen, um eine Entschädigung der Opfer zu erreichen.
    ...
    Schreiben Sie ihm per E-Mail: poststelle@bpra.bund.de oder bundespraesident@bpra.bund.de

    Oder per Post:
    Bundespräsidialamt
    11010 Berlin
    ...

    Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=8638

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