Frankfurter Gespräch „Die zweite Verkaufswelle droht“

Die Turbulenzen an den Börsen könnten weitergehen. Im Interview verraten drei Anlageexperten, wie sich die Depots sichern lassen, ob der Einstieg wieder lohnt oder ein neuer Crash kurz bevor steht.
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Frankfurter Gespräch (v.l.): Ingo Mainert (Allianz), Andreas von Loon (Hauck und Aufhäuser) und Gustav Holtkemper (Commerzbank) Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Frankfurter Gespräch (v.l.): Ingo Mainert (Allianz), Andreas von Loon (Hauck und Aufhäuser) und Gustav Holtkemper (Commerzbank)

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Herr Holtkemper, was würden Sie in den turbulenten Zeiten einem Anleger raten, der 20 000 Euro anlegen möchte?

Gustav Holtkemper: Man muss differenzieren, mit welcher grundsätzlichen Haltung der Anleger den Märkten gegenübersteht. Wenn er meint, die Märkte sind zu nervös und haben nach unten übertrieben, dann sind das durchaus Kaufkurse. Wenn er denkt, wir haben eine krisenhafte, zugespitzte Situation, dann sollte er sein Geld liquide parken und warten.

Und wenn es sich um einen konservativen Anleger handelt?

Holtkemper: Dann empfehlen sich zum einen kurzlaufende Liquiditätsanlagen, etwa Tagesgeld und Festgeld, zum anderen Rentenpapiere, etwa Anleihen mit kurzer Laufzeit von zwei oder drei Jahren, um bei der Wiederanlage von steigenden Zinsen zu profitieren. Mit der Zeit kann man darüber nachdenken, wie man sinnvoll weiter vorgeht.

Stimmen Sie zu, Herr van Loon?

Andreas van Loon: Längerfristig machen beispielsweise Pfandbriefe als Parkplatz Sinn. Die als sicherer Hafen gern gekauften Bundesanleihen sind für mittlere Laufzeiten keine Alternative. Denn sie bringen aktuell weniger ein als Festgeld für drei Monate. Der Anleger verliert damit nach Inflation und Steuern Vermögen und geht noch ein Zinsänderungsrisiko ein. Das wäre spekulativ.

Wie verhalten sich private Anleger angesichts der Börsenverluste?

Van Loon: Unsere Privatkunden reagieren relativ entspannt. Viele haben Aktien verkauft, als bestimmte Kursniveaus durchbrochen wurden, und diskutieren mit uns Möglichkeiten, Geld zu parken, oder etwa auch Anlagen in Immobilien.

Bei Ihnen Herr Holtkemper?

Holtkemper: Es gibt Kunden, die sagen, die Fundamentaldaten haben sich in den vergangenen zwei Wochen nicht geändert, die Auftragsbücher von Konzernen wie Siemens oder Daimler sind immer noch voll. Es gibt aber auch viele Kunden, die beunruhigt sind. Diese Kunden haben einen Teil ihres Depots liquidiert. Von panikartigen Verkäufen kann man aber nicht sprechen. Wenn eine gesunde Mischung an Anlageformen vorhanden ist, dann gibt es auch kein panikartiges Verhalten. Der risikobewusste Kunde sollte aktuell nicht mehr als 30 bis maximal 50 Prozent Aktien im Depot haben.

Herr Mainert, nach dem Börseneinbruch – sehen wir derzeit Kaufkurse?

Ingo Mainert: Das kommt auf den Anlagehorizont an. Grundsätzlich sagen die meisten Anleger, sie seien strategische Investoren und würden ihr Geld langfristig anlegen. In der Realität sprechen wir nach Umfragen aber nur von sechs Monaten. Doch um auf Aktien zu setzten, muss der Anleger viel Zeit mitbringen – mindestens zwei Jahre. Er braucht tiefe Taschen.

Wie weit kann der Dax fallen?

Mainert: Das ist aktuell nicht zu beantworten. Bei einem zwischenzeitlich erreichten Niveau von 5 500 nähern wir uns dem Buchwert der 30 Unternehmen aus dem Dax, der aktuell bei 5 200 Zählern liegt und durch das Eigenkapital der Konzerne gedeckt ist. Bevor es zu einer Bodenbildung kommt, sehen wir aber meist Panikverkäufe. Mitte der Woche waren erste Ansätze zu erkennen.

„Das Geld ist verloren“
Chairman of Soros foundation George Soros attends the Avoided Deforestation Partners organization conference on a sidelines of the UN climate talks in Cancun
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George Soros, Großinvestor und Präsident von Soros Fund Management

„Seien wir mal ehrlich: Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann.“

Hauptversammlung der Deutschen Bank AG
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Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank

„Ein Schuldenerlass führt zu falschen Anreizen. [...] Wer dies fordert, verkennt, dass Griechenland mit seinen Problemen nicht allein ist. Dann sagen andere Länder: ich auch. [...] Es ist noch viel Arbeit notwendig. Wir brauchen alle Investoren im Boot.“

Jens Weidmann - Präsident der Deutschen Bundesbank
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Jens Weidmann, Bundesbankpräsident

„Auch in diesem Fall [die Zahlungsfähigkeit Griechenlands, Anm. der Redaktion] werde der Euro stabil bleiben“ (Quelle: "Welt am Sonntag")

TradeTech 2010 Conference
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Jim O'Neill, Chef von Goldman Sachs Asset Management

„Griechenland ist nicht das einzige Land mit Problemen. Neben Irland und Portugal gibt es da noch Spanien mit seinen Immobilienschwierigkeiten und allem was dazu gehört. Und im Hintergrund lauert Italien, dessen Verschuldung mit 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes groß genug ist um wichtige globale Probleme verursachen, wenn es in diese Situation verwickelt werden sollte.

Central Bankers Speak In Hong Kong.
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Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank
„Solidarität darf nicht in der Weise missverstanden werden, dass die europäischen Partner und die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl hätten, als die Finanzierung fortzusetzen. Niemand ist erpressbar und niemand darf erpressbar sein. [...] Das Schicksal des Euro hängt nicht an Griechenland.“

Mohamed El-Erian, CEO and Co-Chief Investment Officer of PIMCO, speaks at the 2011 The Milken Institute Global Conference in Beverly Hills
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Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pacific Investment Management Co (Pimco)

„Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind. [...] Das Land wird um eine Umschuldung nicht herumkommen.

Wen Jiabao
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Wen Jiabao, chinesischer Ministerpräsident

„Wir habe Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung Europas und sehen uns als langfristigen Investor in Staatsschulden.“

"Bis Vertrauen aufgebaut ist, vergehen Monate."
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7 Kommentare zu "Frankfurter Gespräch: „Nach der Korrektur droht die zweite Verkaufswelle“"

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  • Ja,das sind Finanzexperten.Ich würde es auch für mich behalten,wenn ich einen brauchbaren Tip für rentable Anlage hätte und dem Pöbel nur dieses unverbindliche,abwiegelnde Banken- und Versicherungsblabla hinschmeißen.

  • Die Fundamentaldaten haben sich in den vergangenen kurzen Jahrzehnten nicht geändert. Banker (sind keine Experten und nur an Profit interessiert)haben es geschafft alle Währungen der letzten Jahrhunderte durch Schulden, die nie zurückgezahlt werden können, crashen zu lassen. Jetzt ist de Euro an der Reihe. Wann werden denn hier denn mal endlich Experten statt Banker und Politiker zu Wort kommen? Wer jetzt nicht aus Aktion, Anleihen, Pfandbriefen aussteigt, dem bleibt, wie nach allen vorhergegangenen Crashs nur noch die Armut. Es sei denn man hat Gold. Diese Währung hat Jahrtausende überstanden. Leider verdienen aber die Banken nicht so viel beim Verkauf von Gold.

  • Herr Mainert rät, das "Anlageuniversum in Richtung Schwellenländer zu verbreitern." Am 19.06.2011 schrieb das Handelsblatt "Investoren verlieren Vertrauen in Schwellenländer".
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/investoren-verlieren-vertrauen-in-schwellenlaender/4289024.html
    Damals hieß es u.a.: "Der Deutsche-Bank-Experte John-Paul Smith, der für die Aktienmärkte in Schwellenländern zuständig ist, erwartet, dass sich diese bis zum Jahresende sogar um rund 15 Prozent schlechter entwickelt haben werden als die in den Industrieländern. Er sieht die deutliche Gefahr eines größeren Ausverkaufs." (Was wir heute erleben, ist das Gegenteil, nämlich der Ausverkauf in den Industrieländern.) Am 21.04.2011 schrieb die FTD "Schwellenländerparty vor dem Aus". Monatelang brachten HB und FTD Meldungen, die Schwellenländerparty sei vorbei, und nun kommt der Rat zum Einstieg. Ich finde das irgendwie merkwürdig. Ich frage mich, wie es um die Experteneinschätzungen steht. Kann man zu jeder Zeit für jede Meinung einen Experten finden und wählt das HB einmal die einen Experten aus und dann wieder die anderen? Was sagt DB-Experte John-Paul Smith heute zu seiner Einschätzung von vor zwei Monaten? Und was hat Herr Mainert vor zwei Monaten zu Schwellenländern gesagt?

  • ...kann ich mich nur anschließen, wo waren die Experten vor dem crash, was tuen die experten überhaupt? Wenn der Markt steigt, erhöhen sie Kursziele, und wenn der Markt sinkt, korrigieren sie ihre Kursziele nach unten > Meisterleistung!!

  • Das ist so hanebüschend, was die "Experten" da so von sich geben. Für so ein Geschwätz würde ich nicht einen müden Euro ausgeben. Aber anscheidend gibt es immer noch genug einfältige Zeitgenossen, die diesen "Analysten" ihr Geld hintragen. Vollkommen nutz- und sinnloses Gerede. Beispiel: "Wenn Sie glauben, daß die Kurse nach oben gehen, kaufen Sie. Glauben Sie dagegen sie gehen nach unten, raten wir nicht zum Einstig." Geht es eigentlich noch dämlicher?! Interessant, daß ein Blatt wie das HB sich mit so einem Unfug abgibt. Was glauben die HB-Redakteure eigentlich, welche Art von Leser sie haben? Bei der BLÖD-Zeitung kann man wenigstens manchmal noch schmuzeln und sieht wohlgeformte Beauties, aber so...

  • Hahaha "Experten" zum Thema und als erste Antwort auf die Frage was empfehlen Sie:
    "Man muss differenzieren, mit welcher grundsätzlichen Haltung der Anleger den Märkten gegenübersteht"

    Finde ich immer wieder gut solche Aussagen mit dem Prädikat "Expertenmeinung" zu versehen. Zum Vergleich bringen Sie Ihr Kfz mit 120.000 Km zu Ihrem Händler und fragen ihn "Lohnt es noch hier Geld zu investieren oder gleich einen Neuen kaufen".
    Wenn Sie Glück haben antwortet der nicht "Da müssen Sie differenzieren, ich kenne ihre grundsätzliche Haltung gegenüber den Möglichkeiten der Fortbewegung nicht..."

    Bleibt immer aktuell:
    http://www.youtube.com/watch?v=RAKsMnAM8vk

  • Auch die Glaskugel dieser Weisen ist sehr trübe und ihre Prognose in welche Anlagen umgeschichtet werden soll ist ebenfall nicht mehr wert als 50 Prozent. Es gibt nur eine Strategie die immer gilt: Breit streuen über alle Anlageklassen hinweg und Kosten minimieren. Also keine Provisionspapiere der Banken kaufen usw. gut umgesetzt kann man dies unter anderem unter www.fonds-etf.de oder www.yavalu.de verwirklichen. Runter mit den Kosten.

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