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Furcht vor Handelsstreit Umfrage unter Fondsmanagern zeigt steigende Angst vor Rezession

Unter institutionellen Anlegern ist die Angst vor einer Rezession so groß wie zuletzt vor fast acht Jahren. Das zeigt sich auch in den Portfolios.
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Überraschende Pause im Handelsstreit zwischen China und den USA. Quelle: Reuters
Annäherung?

Überraschende Pause im Handelsstreit zwischen China und den USA.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat an diesem Dienstag eine überraschende Pause eingelegt. Die USA verschieben die Einführung einiger zusätzlicher Zölle vom 1. September auf den 15. Dezember. Bei Anlegern sorgte das für Erleichterung, die Börsen in den USA und Europa drehten umgehend ins Plus.

Positive Nachrichten im Handelsstreit kommen gerade zur rechten Zeit. Denn institutionelle Anlegern sorgen sich zunehmend um die Entwicklung der Wirtschaft. Das zeigt die jüngste Umfrage der US-Großbank Bank of America Merrill Lynch, an der zuletzt 171 Fondsmanager teilgenommen haben, die zusammen 455 Milliarden Dollar verwalten.

34 Prozent der Investoren fürchtet demnach in den nächsten zwölf Monaten eine Rezession, also ein zwei Quartale infolge sinkendes Bruttoinlandsprodukts. So groß war die Angst vor einer Rezession zuletzt im Oktober 2011 und damit inmitten der Staatschuldenkrise im Euro-Raum.

Der Handelsstreit taucht in 15 der letzten 18 Umfragen der Merrill Lynch als das größte Risiko für die Märkte auf – die Gefahr einer dadurch ausgelösten Rezession galt bislang aber als gering.

Auch an den Märkten lassen sich die zunehmenden Ängste ablesen. Die US-Börsen haben gemessen am S&P 500 in den vergangenen vier Wochen unter dem Strich mehr als vier Prozent verloren, Deutschlands Leitindex Dax gab seither über sechs Prozent ab.

Das spiegelt sich auch in den Portfolios der Investoren wider. Netto sind zwölf Prozent der befragten Investoren in Aktien untergewichtet. Sie halten also weniger Aktien als es ihr Vergleichsindex vorgibt, wobei netto bedeutet, dass es zwölf Prozent mehr Investoren gibt, die Aktien untergewichten als solche, die das nicht machen. Vor einem Monat gewichteten unter dem Strich noch zehn Prozent der Fondsmanager Aktien gegenüber ihrer Benchmark über.

Die Not treibt Anleger in Aktien

Besonders deutlich untergewichtet sind Investoren in Europa, hier spielen auch die Ängste vor einem ungeregelten Brexit eine Rolle. In den USA sind noch zwei Prozent der Investoren übergewichtet, im Juni waren es neun Prozent.

Doch wirklich überzeugt sind Investoren angesichts der Rezessionsängste von US-Aktien wohl nicht. Dass 78 Prozent der Investoren die US-Aktien inzwischen für zu hoch bewertet halten, spricht nicht gerade für US-Werte. Aber es ist die Not, die Anleger in Aktien treibt. Anleihen sind noch höher bewertet.

Wer heute Anleihen kauft, handelt sich damit in Europa zum großen Teil negative Renditen ein. In den USA sind die Renditen zumindest real, also abzüglich der Inflationsrate, negativ.

Ein Treiber für die Anleihe-, aber auch die Aktien- und Immobilienmärkte ist der Schwenk der Notenbanken hin zu einer lockeren Geldpolitik. Die US-Notenbank hat Ende Juli den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf ein Band zwischen zwei und 2,25 Prozent gesenkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt die Senkung ihres Einlagenzinses ebenso wie neue Anleihekäufe. Auch in vielen Schwellenländern haben die Zentralbanken die Zinsen gesenkt.

Viele Fondsmanager gehen davon aus, dass dies so weitergeht. 43 Prozent der befragten Investoren gehen unter dem Strich davon aus, dass die Leitzinsen innerhalb der nächsten zwölf Monate sinken werden. Das klingt nach gar nicht so viel, aber da nur neun Prozent der Investoren Zinserhöhungen erwarten, sind die Anleger laut BofA Merrill Lynch mit Blick auf Zinssenkungen so optimistisch wie seit mehr als zehn Jahren nicht.

Ganz ohne Sorge sehen Investoren aber auch das nicht. Ein Drittel fürchtet durch die aufgeblähte Geldpolitik eine Blase bei Unternehmensanleihen, 30 Prozent fürchten eine Blase bei Staatsanleihen und immerhin 26 Prozent bei US-Aktien.

Doch Investoren scheinen davon auszugehen, dass die Blasen noch nicht platzen, sondern sich zunächst weiter aufblähen. Besonders deutlich zeigt sich das bei US-Aktien: 15 Prozent der Fondsmanager wollen US-Aktien in den kommenden zwölf Monaten übergewichten. Das lässt darauf schließen, dass zumindest einige der Investoren Rücksetzer zum Einstieg nutzen wollen.

Mehr: Wer Staaten Geld leiht, bekommt derzeit dafür keinen Zins, sondern zahlt drauf: In Deutschland wirft keine Bundesanleihe eine positive Rendite ab. In anderen Staaten ist das ähnlich.

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