Gary Shilling im Interview „Aktien werden um ein Drittel fallen“

Die Börsenrally der letzten Tage lässt Untergangsökonom Gary Shilling kalt. Im Interview verrät er, warum sich Geldanleger auf Rezession, Deflation und den tiefen Fall des Euro einstellen sollten.
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Gary Shilling ist ein bekannter US-Ökonom. 1978 gründete er seine Analysefirma Gary Shilling&Co. Quelle: Pressebild

Gary Shilling ist ein bekannter US-Ökonom. 1978 gründete er seine Analysefirma Gary Shilling&Co.

(Foto: Pressebild)

Handelsblatt: Sie erwarten Deleveraging und Deflation. Das bedeutet: Abbau der Verschuldung und sinkende Preise. Ist das nicht eine Minderheitsmeinung unter den Ökonomen?

Gary Shilling: Ja, nur wenige Ökonomen haben in ihrem eigenen Leben überhaupt eine Deflation erlebt, das mag dazu beitragen.

Aber wir haben Inflation. Das sehen wir an den veröffentlichten Raten…

Diese Raten werden schnell fallen. Bisher sind die Inflationszahlen vor allem durch die höheren Rohstoffpreise nach oben getrieben worden. Aber das ist es jetzt auch gewesen.

Warum erwarten Sie eine Deflation und ein Deleveraging?

Einen Grund habe ich eben genannt. Es gibt viele andere. Ich rechne mit einer harten Konjunkturlandung in China, einer schweren Rezession in den USA und wahrscheinlich schlittert Europa in eine Rezession. Die Industrieländer werden versuchen, ihre Verschuldung zu senken. Bereits das deutet auf Kontraktion, sinkendes Wirtschaftswachstum und fallende Preise.

Mit welchen Inflationsraten können wir Ihrer Meinung nach rechnen?

In einem Jahr erwarte ich Inflationsraten in den USA und Europa von Minus einem bis Minus zwei Prozent. Das ist getrieben vom Abbau der Verschuldung der Konsumenten, der Banken und der Staaten. Banken etwa können rückzahlen oder abschrieben. Wie schwer die Geldaufnahme zur Stärkung der Kapitalkraft fällt, zeigt das aktuelle Beispiel Unicredit in Italien.

Wie lange wird diese Periode des Deleveraging dauern?

Sie begann mit dem Start der Finanzkrise 2007. Wir haben wahrscheinlich noch fünf bis sieben Jahre vor uns. Das ist noch die gute Nachricht, denn würde es schneller gehen, wäre das nur um den Preis einer Depression zu haben.

Weiterhin gute Aussichten für Anleihen
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13 Kommentare zu "Gary Shilling im Interview: „Aktien werden um ein Drittel fallen“"

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  • @Wolf
    "Was das Wanderungverhalten der Bevölkerung angeht, sind Sie, zumindest auf D bezogen, auf dem falschen Fuss. Es wird eine Abwanderung AUS den Ballungsräumen ins Land geben"
    so ein Blödsinn....

  • So einen herrlichen Unfug habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen. Inflation und Deflation gleichzeitig. Das sind nämlich einfach Gegensätze. Entweder steigen die Preise der Güter (Inflation) ODER sie sinken. Es kann auch nicht gleichzeitig draußen +20 Grad und -20 Grad Celsius sein. Natürlich kann man sich über die Erfassung der Preisindices streiten, denn die offizielle Inflationsrate ist (meist) niedriger als die tatsächliche, weil der Warenkorb zu viel alte Produkte enthält, die dann billiger werden, weil sie nicht mehr nachgefragt werden (z.B. VHS-Cassetten). Und selbstverständlich gibt es auch in verschiedenen Branchen unterschiedliche Preisentwicklungen, aber DIE Inflationsrate ist dann immer die (gewichtete) Summe aller Einzelwerte.

  • Was das Wanderungverhalten der Bevölkerung angeht, sind Sie, zumindest auf D bezogen, auf dem falschen Fuss. Es wird eine Abwanderung AUS den Ballungsräumen ins Land geben. Das hat aber keine primär monetären Gründe, sondern ethnisch-kulturelle.

    Was den Gelddruckmodus angeht, der wird so lange anhalten, bis "die Pferde endlich saufen". Das kann man an den 3-Jahrestendern schon deutlich erkennen.

  • rein technisch: wie geht das?

    €100 Anfang der 80er Jahre in Zerobons =$23000+19,7%
    in S&P =$2500 +11.5%
    durchschnittlich.
    Was war doch noch mal die X-Rate €/$ 1985?????
    Das Handelsblatt hat früher auch mal recherchiert bevor solch ein Artikel auf die Menschhheit losgelassen wurde,

  • Tja, zu den Experten gehören die Kommentatoren jedenfalls nicht.

    Ich kann garantieren, dass die Realität eine andere ist, wie sie hier von den Kommentatoren aufgezeigt wird. Eine Preissteigerung hat mit Inflation rein gar nichts zu tun. Ein Beispiel dazu: Wenn ich als Unternehmer davon ausgehe, dass im nächsten Jahr - wie alle Jahre wieder - das Inflationsmonster herausgeholt wird, dann wäre ich doch dumm, wenn ich nicht mindestens die Preise um die erwartete Steigerung erhöhe. Simpel und real.

    Des Weiteren sind allgemeine Inflationszahlen nur ein Indikator und bilden nicht die Realität ab, denn Inflation und Deflation können gleichzeitig präsent sein. Bestes Beispiel ist Japan. Dort druckt man seit über 20 Jahren Geld und kommt trotzdem einfach nicht vorwärts. Während im Großraum die Immobilienpreise - um ca. 80%, innerhalb von 20 Jahren bis 2010 - gefallen sind, ist Tokio heute die teuerste Stadt der Welt (Lebenserhaltungskosten).
    Das ist die Realität der Gegenwart. Mit anderen Worten, es wird zu Abwanderungen in die Großstädte kommen und demnach die Lebenserhaltungskosten dort steigern. Im ländlichen Raum dagegen wird radikal die Deflation vorherrschen.

    Und wenn sich dann mal jemand die Mühe hier machen würde die Vergangenheit zu analysieren (von 1919 an bis heute), und die Aktiencharts drüberlegt, der wird seine Meinung ändern. Eine Hausse hat nach jeder Gelddruckeuphorie immer erst mit 2 bis 4 Jahren Verspätung eingesetzt.
    Der Grund: Das Geld wurde gespart! Denn es setzte IMMER zuerst eine Baisse ein.
    Eine Grundregel während der Deflation (sparen, selbst bei 0% Zinsen).

  • ..nun.. das ist doch DIE FRAGE die man sich stlelen muss.. welche Firmen gibt es noch in 20 Jahren? ..von Quelle oder Karstadt hätte man das evtl. auch gedacht.. die sind nun weg..? ..Dresdner Bank ebenfalls..

  • „Aktien werden um ein Drittel fallen.“
    Nun ja, Shilling hat damit vermutlich ebenso Recht wie andere sogenannte Experten, die das Gegenteil behaupten:
    „Aktien werden um ein Drittel steigen.“

    Es war allerdings schon immer etwas schwieriger, solch sinnfreie Aussagen mit korrekten Zeitpunkten zu versehen.

  • Die Ralley geht weiter. Viele Große sind noch gar nicht investiert und werden jeden Rückgang zum Aufspringen nutzen.

  • Aktien von Firmen, die es auch nich in 20 Jahren gibt sind währungs-neutral und so gute Anlagen wie Immobilien in guter Lage. Ich denke eher, es wird weiter gehen mit den Aktien nach oben. Als Aktien-Inhaber gehört einem ein Teil eines gesunden Unternehmens. Die Ralley geht weiter !

  • Seit Jahren werden (im bildlichen Sinne) die Notenpressen angeworfen und so viel Geld wie nie zuvor auf den Markt geschmissen. Die Wertschöpfung kommt da schon lange nicht mehr mit. Immer mehr Geld und nicht mehr Produktion. Wer daraus eine Deflation herleitet hat wahrlich eine eigene Sichtweise auf die Welt.
    Außerdem: Bevor wir überhaupt davon reden, dass Schulden abgebaut werden, sollten (selbst die wohlhabenden) Länder erst ein Mal in der Lage sein, keine NEUEN Schulden zu machen. Die Bundesregierung bekommt dies in besten wirtschaftlichen Zeiten nicht hin - da braucht man nicht von Deleveraging fabulieren. Für "schmerzhafte" Einschnitte gibt es gar nicht die nötigen Mehrheiten und wenn doch, dann wird dies nach der nächsten Wahl abgestraft. Jeder hat die Regierung, die er verdient (selbst wir mit der FDP).

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