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Gebühren So teuer sind Fonds für Anleger wirklich

Manche Fonds sind teurer als auf den ersten Blick erkennbar. Erfolgsgebühren und Handelskosten können die Gesamtrendite deutlich schmälern.
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So teuer sind Fonds für Anleger wirklich Quelle: Reuters
Börse in Frankfurt

Wer über Jahrzehnte zu hohe Gebühren für seine Geldanlage zahlt, hat im Alter weniger Geld zur Verfügung.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDas ist die gute Nachricht: So viel Transparenz bei Finanzprodukten gab es noch nie. Neue EU-Regeln geben jetzt besseren Einblick in die Kosten, auch bei Fonds. „Jetzt wird viel klarer, was der Anleger wirklich zahlt“, sagt Ali Masarwah. Der Analyst der Ratingagentur Morningstar hat die Gesamtkosten von Fonds untersucht und verglichen.

Es sind nach seiner Darstellung die ersten Kalkulationen dieser Art mit der Bündelung in einer Zahl. Es geht um die laufenden Kosten, die vom Fondsvermögen abgezogen werden. Die Anbieter informieren darüber etwa im Produktprospekt, in Fondsbroschüren und Geschäftsberichten, allerdings nicht in gebündelter Form – und das ist die schlechte Nachricht.

„Zwei wichtige Teilposten sind Erfolgsgebühren und Handelskosten, wenn der Manager für den Fonds Papiere kauft und verkauft“, erklärt Masarwah. Gängige Performance-Ranglisten berücksichtigen zwar alle diese Kosten, weisen sie aber nicht konkret aus. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die laufenden Kosten.

Denn seit einigen Jahren bringen zum Beispiel Anleihen als wichtige Anlageklasse keinen Ertrag mehr, und Experten senken die Renditeprognosen für andere Vermögensformen wie Aktien: Kosten werden zwangsläufig wichtiger. Denn bei sinkenden Bruttoerträgen an den Märkten fallen die teils fixen Kosten stärker ins Gewicht.

„Die Unterschiede der echten Kosten sind zwischen manchen Produkten enorm“, sagt Masarwah. Der bekannteste Kostenposten bei den regelmäßig anfallenden Gebühren ist das Entgelt für die Fondsmanager, die jährliche Management- oder Verwaltungsgebühr. Die liegt bei aktiv betreuten Aktienfonds laut Morningstar im Schnitt bei 1,3 Prozent, bei den Anleiheprodukten bei 0,7 Prozent.

Grafik

Darüber hinaus fallen andere Kosten an, die vom Fondsvermögen abgezogen werden und so auch die Rendite schmälern. Ein wichtiger Posten sind Erfolgsgebühren. Der Anbieter kann vorsehen, dass er beispielsweise ein Fünftel des Mehrertrages oberhalb eines Geldmarktsatzes für sich behält – wenn er diese Hürde schafft. „Alles inklusive sind die endgültigen Kosten für den Anleger etwa über die Hälfte höher als die reine Managementgebühr“, sagt Masarwah.

Danach erreicht die Durchschnittsbelastung bei Aktienprodukten jährlich 1,9 Prozent. Alternative Investmentfonds mit teilweise Hedgefonds-ähnlichen Strategien kommen sogar auf 2,3 Prozent. Der Morningstar-Mann verwendet in seinen Kalkulationen ausschließlich Daten der Fondsanbieter. Bei den wichtigen und oft schwankenden Posten Erfolgsgebühr und Handelskosten im Fonds verwenden die Investmentgesellschaften Durchschnittswerte der vergangenen Jahre.

Das fordern die jüngsten EU-Finanzmarktrichtlinien, etwa die im Branchenjargon Mifid II genannte Richtlinie sowie die Regeln zu den Finanzproduktgruppen Fonds, Versicherungen und Zertifikate („Priips“). „Die Werte werden regelmäßig angepasst, sodass auch die Gesamtkostenziffer im Zeitablauf schwankt“, sagt Masarwah.

Der Anleger wird sich am Ende für einen bestimmten Fonds entscheiden und dabei die Kosten auf seiner Checkliste haben. Wer ein aktiv gemanagtes Produkt wählt in der Hoffnung auf Mehrertrag im Vergleich zu einem Index, muss mit starken Kostenunterschieden rechnen. Morningstar-Mann Masarwah nennt einige Beispiele teurer Fonds mit großem Volumen von mindestens einer Milliarde Euro aus bekannten Häusern.

Ein sehr stark mit Derivaten arbeitender Anleihefonds, der zur französischen Natixis-Gruppe gehörenden H2O Asset Management beispielsweise, fällt auf. Der „H2O Multibonds“ erreicht jährliche Kosten der aktuellen Berechnung zufolge von 5,3 Prozent. Der größte Teil davon entfällt auf eine Erfolgsgebühr.

Der China-Aktienfonds „All China Equity“ von Investec ist mit 2,9 Prozent ebenfalls teuer, wobei hier hohe Handelskosten ein gewichtiger Grund sind. Beim „Franklin K2 Alt Strats“ von Franklin Templeton mit 3,7 Prozent schlagen die Handelskosten mit rund einem Prozentpunkt zu Buche.

Der Mischfonds „Privatfonds: Kontrolliert pro“ der Union Investment, das Fondshaus der genossenschaftlichen Bankengruppe, ist der Berechnung zufolge wegen der Erfolgsgebühr mit insgesamt 3,5 Prozent sehr kostspielig. Ein beliebtes Produkt des bekannten Managers Klaus Kaldemorgen von der DWS fällt ebenso auf.

Der „DWS Concept Kaldemorgen“ steht mit einer jährlichen Belastung von 2,7 Prozent da, wobei Handelskosten plus Erfolgsgebühr mit zusammen über einem Prozentpunkt die Gesamtgebühr erhöhen. Viele der Anbieter mit teuren Produkten rechtfertigen die hohen Gebühren mit guten Leistungen für den Anleger. Ein extremer Fall ist der erwähnte „H2O Multibonds“. Hier räumt Natixis-Deutschland-Chef Sebastian Römer zwar die beträchtlichen Gebühren ein.

Doch gleichzeitig schafften die Manager in zwölf Monaten rund 35 Prozent Netto-Ertrag für den Anleger. Deshalb urteilt Römer: „Die Performancegebühr wird ja nur im Erfolgsfall fällig, und da bin ich mir sicher, dass die meisten Kunden bei so einer starken Wertentwicklung die hohen Gebühren sehr gerne in Kauf nehmen.“

Fast identisch bewertet Aymeric Francois den hauseigenen China-Aktienfonds. Der Leiter von Investec in Deutschland bemerkt: „Der Fonds mag etwas teurer sein als andere, die Performance spricht jedoch für sich.“ Beim Kaldemorgen-Produkt äußert ein DWS-Vertreter: „Dass die Gebühren im Wettbewerbsumfeld hoch erscheinen können, liegt unter anderem gerade am hervorragenden Fondsmanagement. In den vergangenen Jahren waren erfolgsabhängige Gebühren fällig.“

Morningstar-Mann Masarwah gibt zu: „Die Manager um Kaldemorgen machen einen guten Job, aber es ist einfach so, dass die Hälfte des Brutto-Fondsertrages nicht beim Anleger ankommt.“ Entscheidend für den Anleger ist, was nach Abzug aller Kosten von der Brutto-Rendite übrig bleibt.

Wer den Kostenposten von vornherein gering halten will, kann stärker auf preiswerte Alternativen schauen. In der Auswahl von Morningstar findet sich beispielsweise der „Allianz Rentenfonds“ mit 0,7 Prozent Kosten oder das Aktienprodukt „Uni Deutschland“ von Union Investment mit 1,3 Prozent.

Für Vertreter der reinen Kostenlehre ist die Ultima Ratio allerdings der Indexfonds. In der börsengehandelten Variante sind sie im Schnitt für 0,1 bis 0,2 Prozent zu haben. Der Anleger muss sich jedoch darüber im Klaren sein: Er bekommt den Indexertrag – nicht mehr und nicht weniger.

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