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Gefährlicher Glanz Anleger werden bei Edelmetallsparplänen falsch beraten

Edelmetallsparpläne sind bei Anlegern gefragt. Doch die Produkte lohnen sich nicht für alle. Die Gefahr gelinkt zu werden, ist ebenfalls groß.
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Nicht immer wird auch über die Risiken eines Gold-Investments aufgeklärt. Quelle: imago/blickwinkel
In Gold investiert

Nicht immer wird auch über die Risiken eines Gold-Investments aufgeklärt.

(Foto: imago/blickwinkel)

FrankfurtGegen Ende des Gesprächs zückt der Berater ein Papier mit der Aufschrift „Eigentumsurkunde“. Es soll Anlegern versichern: Wenn sie einen Goldsparplan über die Frankfurter Firma Multi-Invest Sachwerte abschließen, gehört das angekaufte Gold auch wirklich ihnen. Unterzeichnet ist die Musterurkunde von Bernd Walleczek, dem früheren Chef der Multi-Invest Sachwerte.

In der Frankfurter Graumarkt-Szene ist Walleczek ein schillernder Name. Im November vergangenen Jahres wurde er vom Landgericht Frankfurt zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Walleczek als Chef einer inzwischen geschlossenen Gesellschaft Einlagengeschäfte betrieben hat, für die eine Banklizenz nötig gewesen wäre.

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, Walleczek selbst hat Revision eingelegt. Seine Anwälte hielten das Urteil für fehlerhaft, teilt sein Sohn Alexander Walleczek mit. Das Urteil stehe jedoch in keinem „Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit der Multi-Invest“.

Doch auch über die inzwischen von Walleczeks Sohn Alexander geführte Multi-Invest Sachwerte häufen sich in Internetforen, bei Verbraucherschützern und Anlegeranwälten die Beschwerden – insbesondere über die Edelmetallsparpläne, die das Unternehmen vertreibt. „Zur Multi-Invest erreichen uns sehr viele Anfragen“, sagt etwa Patrick Wilson, Experte für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Münchener Kanzlei Herfurtner.

Viele Kunden klagen beispielsweise in Internetforen über unseriöse Beratung sowie hohe Gebühren und Provisionen. Die Multi-Invest erklärt, sämtliche Vermittler seien vertraglich verpflichtet, die Anleger wahrheitsgemäß über die Produkte und insbesondere über die Kosten und die mit der Anlage verbundenen Risiken aufzuklären.

Bei Edelmetall-Investments ist es für Verbraucher besonders schwer, fragwürdige Vertriebsmaschen von seriösen Angeboten zu unterscheiden. Bei An- und Verkaufspreisen, Depot-, Verwahr-, oder Liefergebühren und Provisionen ist es nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Obwohl der Markt wenig transparent ist, werden Edelmetall-Investments immer beliebter.

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So hat der Goldpreis in den vergangenen sechs Monaten rund vier Prozent zugelegt. Europas wichtigstes Gold-Wertpapier, Xetra Gold, vermeldete jüngst einen Anstieg der Goldbestände um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dass Anleger jedoch sehr genau aufpassen müssen, was Vermittler ihnen versprechen, zeigt ein Werbegespräch für einen Goldsparplan, das das Handelsblatt verdeckt mit einem Vermittler der Multi-Invest geführt hat. Der Berater wollte einen Sparplan vermitteln, über den monatlich Gold in Form von Ein-Gramm-Barren angekauft und eingelagert werden sollte.

Er warb unter anderem damit, Gold habe in den vergangenen 20 Jahren zwischen sechs und acht Prozent Rendite pro Jahr eingefahren. Tatsächlich entspricht dies ungefähr dem annualisierten Kursgewinn von Gold seit 1998. Doch bei unerfahrenen Anlegern könnte der Eindruck entstehen, Gold sei eine Anlageklasse, die regelmäßige Erträge erwirtschaftet.

Verbraucherschützer warnen die Anleger

Wolf Brandes, Graumarkt-Experte bei der Verbraucherschutzorganisation Marktwächter Finanzen, warnt: „Gold wirft keine Zinsen und keine Dividenden ab.“ Wer beispielsweise 2011 zum Kurs von rund 1.900 Dollar pro Feinunze eingestiegen ist, hat bis heute einen zweistelligen Verlust im Portfolio.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt verneinte der Berater zudem die Frage, ob die Multi-Invest einen Aufschlag für den Ankauf des Goldes verlangt. „Es gibt keinen Spread“, so der Berater wörtlich. Doch die Preisliste auf der Internetseite des Unternehmens zeigt, dass der Ankaufspreis der Multi-Invest pro Gramm Gold um 10,50 Euro höher liegt, als der Rücknahmepreis.

Das entspricht einem Aufschlag von rund 28 Prozent. Die Kursentwicklung muss also erst den Aufschlag des Ankaufspreises übertreffen, damit das Edelmetall-Investment für den Anleger nicht zum Verlustgeschäft wird. Der Aufschlag sei durchaus „handelsüblich“, teilt die Multi-Invest mit. „Wir bieten auch andere Produkte an, bei denen die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis deutlich geringer ausfällt.“

Die fehlerhaften Aussagen im Beratungsgespräch seien ein Einzelfall. Das Unternehmen arbeite mit 1.800 selbstständigen Beratern zusammen. „Es liegt auf der Hand, dass es sich bei dieser Anzahl nicht vollständig ausschließen lässt, dass auch schwarze Schafe unter diesen Vermittlern sind.“

Pflichtverletzungen würden jedoch sanktioniert, bei schweren Verstößen werde dem Berater sofort gekündigt, beteuert das Unternehmen. Die Rendite des Multi-Invest-Sparplans schmälert zudem eine jährliche Depotgebühr sowie die Abschluss-Provision von derzeit 1500 Euro. Allerdings wirbt das Unternehmen damit, dass es seinen Kunden die Provision zurückzahlt, wenn sie über 15.000 Euro angespart haben.

Verbraucherschützer Brandes wundert sich nicht über die Vertriebsmasche der Multi-Invest. Das sei bei vielen als Strukturvertrieb organisierten Finanzvermittlern ähnlich. „Die Beschwerden von Verbrauchern beziehen sich oft auf die Art des Verkaufs. Die Anleger fühlen sich übertölpelt“, berichtet Brandes. „Das spricht dafür, dass der Vertrieb bei einigen Anbietern nicht sauber läuft.“

Er sieht Gold-Investments als Sparplan generell kritisch. „Ob sich ein Investment in Edelmetalle lohnt, hängt auch vom Vermögen des Anlegers ab.“ Weniger vermögende Anleger seien mit Aktien besser bedient. Ein Sparplan sei eine Anlageform die zeige, „dass man eben kein großes Vermögen hat. Und bei kleinen Vermögen ergibt das keinen Sinn.“

Als Geldanlage ungeeignet

Auch Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sprecher der Geschäftsführung bei Degussa Goldhandel, rät von Edelmetall-Investments in kleinen Stückelungen ab. „Alles unter zehn Gramm Gold sind tolle Geschenke, aber ist als Geldanlage ungeeignet.“ Ein-Gramm-Barren seien teuer, weil die Kosten der Herstellung im Vergleich zu den Materialkosten hoch seien.

„Wenn Anbieter ihre Kunden gezielt in Ein-Gramm-Barren hineintreiben, ist das für mich unseriös“, sagt Wrzesniok-Roßbach. Wer einen Edelmetall-Sparplan abgeschlossen hat und seine Entscheidung bereut, hat verschiedene Möglichkeiten, sagt Anlegeranwalt Wilson. „Anleger können den Vertrag nach Abschluss innerhalb von zwei Wochen widerrufen.“

Wer diese Frist verpasst habe, könne seinen Vermittler wegen Falschberatung verklagen. Das sei in der Praxis jedoch oft schwer durchsetzbar: „Vor Gericht steht dann das Wort des Klägers gegen das Wort des Anlageberaters“, so Wilson. Anleger müssten zweifelsfrei belegen, dass sie falsch beraten wurden. Ob sich dieser Weg lohnt, müsse ein Anwalt im Einzelfall prüfen.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Formalie bei Vertragsunterschrift: „Häufig ist die Widerrufsbelehrung fehlerhaft“, sagt Wilson. In diesem Fall könne der Anleger auch nach Jahren aus dem Vertrag aussteigen. „Die Widerrufsfrist läuft erst nach einer korrekten Belehrung“, sagt Wilson. In der Vergangenheit habe das in vielen Fällen gegen die Multi-Invest zum Erfolg geführt.

Inzwischen seien die Verträge jedoch korrekt. „Doch alle Verträge, die von 2016 oder älter sind, sollten Anleger von einem Anwalt prüfen lassen“, rät er. Damit Anleger gar nicht erst den Anwalt bemühen müssen, empfiehlt Verbraucherschützer Brandes, keine Finanzprodukte bei sogenannten Strukturvertrieben abzuschließen. „Wenn über mehrere Hierarchieebenen mitverdient wird, geht das zulasten des investierten Geldes.“

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