Geldanlage Beraten und verkauft - die teuren Fehler der Banker

Die Empfehlungen vieler Anlageberater sind katastrophal. Depotauszüge zeigen: Die Kunden leiden unter Unwissen, Provisionsschinderei und Risikolust ihres Bankers. Woran Vermögende einen schlechten Berater erkennen.
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Depotauszug: Wenn der Berater einen Fehler macht, drohen unnötige Risiken und schwache Renditen. Quelle: gms

Depotauszug: Wenn der Berater einen Fehler macht, drohen unnötige Risiken und schwache Renditen.

(Foto: gms)

Die Politik nimmt wieder mal die Banker ins Visier. Auf Antrag der SPD-Fraktion tagt der Bundestag heute zu möglichen Vorgaben für eine provisionsunabhängige Beratung in allen Finanzangelegenheiten. Berater sollen nicht mehr auf Verkaufsanreize schauen, sondern wirklich unabhängig beraten. Das Honorar für diese Dienstleistung soll vom Kunden und nicht vom Anbieter der Finanzprodukte kommen.

Die Opposition macht der Regierung Druck. Denn die CDU hat schon längst Pläne, die in eine ähnliche Richtung gehen. Für Banker wie Kunden dürfte klar sein: Egal in welcher Regierung - die Honorarberatung wird von der Legislative gefördert.

Das Problem schlechter Empfehlungen in der Geldanlage dürfte aber auch damit nicht gelöst sein. Neben vermeintlicher Provisionsschneiderei gibt es zahlreiche weitere Mankos bei der Beratung. „Wenn Kunden der Großbanken zu uns kommen finden wir in den Depots häufig gravierende Fehler“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner in Düsseldorf, Hamburg und Hannover . „Einseitige Ausrichtung, viel zu hohe Kosten und mangelndes Risikomanagement sind nur einige Punkte, die wir kritisieren."

Doch woran erkennen Kunden, ob der Banker nicht in ihrem Interesse handelt? Handelsblatt Online liegen vier Depotauszüge von Privatkunden vor, die exemplarisch die wichtigsten Fehler der Banker zeigen. Eine genaue Auswertung der echten Depots zeigt typische Schwächen in der Beratung und Anlageverhalten der Kunden. Die Analyse erfolgt mit Unterstützung der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann & Partner.

Commerzbank: 40 Prozent Hausprodukte, mangelnde Diversifikation

Mehr als 1,5 Millionen Euro hatte der Unternehmer der Commerzbank anvertraut und wollte das Geld in guten Händen sehen. Das Depot sollte ausgewogen sein, der Mann war mit 65 Jahren nahe an der Rentengrenze. Der Blick auf den Depotauszug zeigt aber typische Fehler vieler Berater, die für Kunden unnötige Risiken verursachen, die Rendite absinken lassen und unnötige Kosten verursachen.

58 Prozent des Depotwertes hat der Kunde nach dem Gespräch mit dem Berater in Anleihen investiert, was zwar sehr viel ist, bei konservativen Depots aber nicht ungewöhnlich ist. „Bei der Mischung fehlt aber der rote Faden“, sagt Heiko Löschen, Geschäftsführer von Packenius, Mademann & Partner.

Der Anteil an Unternehmensanleihen beträgt nur ein Prozent des Portfolios, es gibt lediglich eine Anleihe von Roche. Ansonsten dominieren deutsche Geldmarktkonten, Staats- und Länderanleihen sowie Pfandbriefe das Anleihe-Portfolio. Es gibt keine Diversifikation über verschiedene Emittenten, Währungen und Länder, ein Großteil des Vermögens ist daher einem unnötig hohen Risiko ausgesetzt.

Verdacht auf Provisionsschinderei
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46 Kommentare zu "Geldanlage: Beraten und verkauft - die teuren Fehler der Banker"

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  • Sie haben recht, Norbert. Die Bank verdient am Geschäftsabschluß (Ausgabeaufschlag bei Fonds), das Anlagerisiko muß der Kunde aber selber tragen.

  • Gegenfrage: Ich weiß nicht, womit Sie Ihr Einkommen erzielen. Aber erhalten Sie vom Media Markt die Auskunft, wieviel an dem letzten TV-Gerät verdient wurde?
    Tut das auch wirklich (WIRKLICH) was zur Sache?

    Ich meine, wenn das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, dann ist der Preis nicht entscheidend - wohl aber die Qualität. Auch die von Beratungen bzw. Bankgeschäften.

  • @norbert: Kann es denn wirklich überraschen, dass auch eine Bank Geld verdienen will bzw. muß?
    Auch eine Bank ist ein Unternehmen, wie jedes andere, auch wenn hier mit "Geld" gearbeitet wird.

    Ihre Strategie wäre langfristig interessant.
    Beispiel: Wer hat Ihre Wohnung/Haus etc. finanziert? Wo würden Sie dann wohnen, wenn es nicht eine Bank getan hätte?
    Und glauben Sie im Ernst, Banken würden dies tun, ohne für ihr sehr wohl vorhandenes Risiko einen Gewinn zu erzielen?
    Also bitte...

    Es wäre halt schön, wenn beide Seiten ihren "Schnitt" machen würden. Dann wäre die Aufregung gleich weg.

  • Hat sich mal jemand das Depot der Raiffeisenbank genauer angeschaut??? Der Artikel suggeriert ein grottenschlechtes Ergebnis, Inkompetenz und keine Chance auf Wertsteigerung... M. E. kann das Resultat nicht so schlecht sein, wenn 15 von 15 Positionen einen Kursgewinn ausweisen. Es ist zwar nicht zu erkennen, welchen Zeitraum es gebraucht hat um diese Gewinne auflaufen zu lassen, ich würde mich jedoch nicht beschweren, wenn aus 611 TE mit über 100 TE Kursgewinn 713 TE werden. Ggf. war doch Fachwissen vorhanden um eben diese Auswahl zu treffen und die richtigen Märkte zu lokalisieren. Und möglicherweise war der vietnamesische Finanzdienstleister als Anlageidee auch gut recherchiert. Zur Anleihe: ja, eine Diversifikation wäre schon eine gute Idee, aber auch hier sind 6 % nom. Zinsen und 10% Kursgewinn nicht das schlechteste Ergebnis. Somit sind hohe Rediteerwartungen (die man bei diesem Depot durchaus haben kann) erfüllt. Die Ausprägung des Wunsches nach Sicherheit kann hier nur der Inhaber selber beantworten...

    Mit diesem Artikel disqualifiziert sich das Handelsblatt in meinen Augen und kann keinesfalls mehr als seriöses Informationsmedion genutz werden. Es zeigt, dass auch hier nur auf Kosten von Bankern die Auflage erhöht bzw. Klicks erreicht werden sollen. Mir stellt sich die Frage, ob es nicht eine Paralelle zum allgemeinen Vorwurf der Schlechtleistung an die Banken gibt und hier nicht mal ein Ansatz für die Politik wäre, ein neues "Böse-Buben-Betätigungsfeld" aufzutun...

  • Hat sich mal jemand das Depot der Raiffeisenbank genauer angeschaut??? Der Artikel suggeriert ein grottenschlechtes Ergebnis, Inkompetenz und keine Chance auf Wertsteigerung... M. E. kann das Resultat nicht so schlecht sein, wenn 15 von 15 Positionen einen Kursgewinn ausweisen. Es ist zwar nicht zu erkennen, welchen Zeitraum es gebraucht hat um diese Gewinne auflaufen zu lassen, ich würde mich jedoch nicht beschweren, wenn aus 611 TE mit über 100 TE Kursgewinn 713 TE werden. Ggf. war doch Fachwissen vorhanden um eben diese Auswahl zu treffen und die richtigen Märkte zu lokalisieren. Und möglicherweise war der vietnamesische Finanzdienstleister als Anlageidee auch gut recherchiert. Zur Anleihe: ja, eine Diversifikation wäre schon eine gute Idee, aber auch hier sind 6 % nom. Zinsen und 10% Kursgewinn nicht das schlechteste Ergebnis. Somit sind hohe Rediteerwartungen (die man bei diesem Depot durchaus haben kann) erfüllt. Die Ausprägung des Wunsches nach Sicherheit kann hier nur der Inhaber selber beantworten...

    Mit diesem Artikel disqualifiziert sich das Handelsblatt in meinen Augen und kann keinesfalls mehr als seriöses Informationsmedion genutz werden. Es zeigt, dass auch hier nur auf Kosten von Bankern die Auflage erhöht bzw. Klicks erreicht werden sollen. Mir stellt sich die Frage, ob es nicht eine Paralelle zum allgemeinen Vorwurf der Schlechtleistung an die Banken gibt und hier nicht mal ein Ansatz für die Politik wäre, ein neues "Böse-Buben-Betätigungsfeld" aufzutun...

  • @marktbeobachter
    Man kann das auch anders sehen: In einer Zeit, wo jeder nach einem Verantwortlichen schreit, dem man eigene Verantwortung weitergeben kann, bin ich bereit, für das, was ich mache, den Kopf hinzuhalten und diese Verantwortung zu übernehmen. Mit all' meinem Vermögen.

  • Dann hoffe ich mal für Sie, dass sie wirklich nie eine Situation verursachen, bei der Andere zuerheblichem Schaden kommen. Dann können Sie nämlich Ihr erspartes Haus vergessen. Sorry, aber das ist fahrlässig, keine private Haftpflicht zu haben, die vielleicht im Jahr so um die hundert Eur kostet.... nicht nur Ihnen gegenüber, sondern auch einem evtl Geschädigten.

  • Dem kann ich mich nur anschließen.... Es ist schwer hier einen Schuldigen auszumachen. Aber wer sein Geld in drei Jahren wieder braucht um eine Immobilie zu erwerben und halbwegs vernünftig denken kann, der legt sein Geld niemals in einen Fonds mit hohem Risiko an....

  • Ein Grund ist sicherlich die Berichterstattung, ein anderer aber auch die z.T. grottenschlechte Beratungsleistung Einzelner! Ein Kollege im Raum München eines anderen Instituts war Testkunde bei einer Sparkasse. Kurzversion: Zinsen? Europäische Aktien (BASF, die mit den Video-Kassetten)...

  • Sorry, aber der Artikel ist einfach schlecht recherchiert....die fehlende Diversifikation liegt leider auch an der fehlenden Bereitschaft den Kunden, neues Terrain zu beschreiten. Jeder, der ein bischen Ahnung hat, dürfte der Begriff "Home Bias" etwas sagen. Die mangelnde Streuung ist sicherlich nicht auf die Beratungsleistung zurückzuführen. Leider geht die Tendenz der Anleger immer mehr in die Richtung Festgeld(-falle), weil sie selbst orientierungslos sind und dem Berater dank der einseitig negativen Berichterstattung nicht mehr vertrauen

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