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Geldanlage Der Anleihemarkt spielt verrückt: Warum der Ansturm auf Bonds riskant ist

Tiefe Zinsen schrecken die Investoren nicht ab: Sie kaufen für Rekordbeträge Anleihen. Experten warnen: Anleger hätten den Blick für die Risiken verloren.
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Anleiheprodukte sind an den europäischen Fondsmärkten so gefragt wie selten. Quelle: dpa
Bär und Bulle

Anleiheprodukte sind an den europäischen Fondsmärkten so gefragt wie selten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Anleihemärkte sind in Unordnung geraten. Investoren kaufen Festverzinsliche in bisher unbekannten Größenordnungen. Der Ansturm spiegelt sich im Fondsgeschäft wider. Weltweit kauften Anleger im ersten Halbjahr für netto 479 Milliarden Dollar Bondprodukte. „Das ist ein Rekord“, sagt Ali Masarwah, Analyst bei der Fonds-Ratingagentur Morningstar.

Erste Indikationen für Juli zeigen, dass die immense Nachfrage anhält. Auch auf den europäischen Fondsmärkten sind Anleiheprodukte so stark gefragt wie selten.

Bonds erscheinen den Investoren plötzlich als Nonplusultra. Noch im vergangenen Jahr war die Lage ganz anders. Alles schien auf einen stetigen Zinssteigerungstrend in den USA hinzudeuten. Das hätte Kursverluste bei bestehenden Bondpositionen bedeutet.

Doch es folgte eine dramatische Stimmungswende. Die Eskalation des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China schürte Rezessionsängste. Unter dem psychologischen Druck brachen die Aktienmärkte Ende vergangenen Jahres ein.

Im neuen Jahr sind deshalb sichere Anlagen gefragt. Und das gleich aus drei Gründen: wegen der Aktienverluste, der Rezessionsängste, der Notenbankreaktionen. Die wichtigen Zentralbanker hatten nämlich signalisiert, dass sie eine Rezession geldpolitisch bekämpfen werden. Felix Herrmann, Investmentstratege beim größten Vermögensverwalter Blackrock, erkennt „einen starken Ansturm auf sichere Häfen, etwa deutsche, schweizerische, japanische Staatsanleihen“.

Einige Beispiele belegen, wie sehr das Geschehen die frühere Normalität eher gemächlicher Marktbewegungen außer Kraft gesetzt hat. Der bekannte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt nennt zwei außergewöhnliche Bewegungen. Vor zwei Jahren begab Österreich eine 100-jährige Anleihe mit 2,1 Prozent Kupon. Der Kurs des Bonds hat sich seither glatt verdoppelt.

Grafik

Noch krasser: Im März dieses Jahres emittierte das Bundesland Nordrhein-Westfalen einen Titel mit gleicher Laufzeit und jährlicher Ausschüttung in ähnlicher Höhe. Der Bond hat nur wenige Monate später zwei Drittel an Wert gewonnen.

Wenn die Marktzinsen fallen, dann steigen die Kurse dieser Titel mit extrem langen Laufzeiten spektakulär.

In so einem Umfeld schrecken sogar Negativzinsen Investoren nicht ab. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert mittlerweile mit rekordtiefen minus 0,7 Prozent. Herrmann rechnet vor: „Jetzt sind 60 Prozent des europäischen Staatsanleihemarkts im negativen Bereich.“ Weltweit gilt das für Anleihen mit einem Volumen von über 15 Billionen Dollar. Wer solche Anleihen kauft und bis zur Fälligkeit hält, der verbucht einen garantierten Verlust.

Vor diesem Hintergrund wirkt der jüngste Ansturm der Investoren verrückt – jedenfalls auf den ersten Blick. „Wenn die Marktrenditen so tief oder sogar unter null sind, dann gibt es dafür nur einen Grund: Das ist eine Spekulation auf weitere Kursgewinne“, sagt Tatjana Greil-Castro, Bondspezialistin beim Vermögensverwalter Muzinich & Co. in London. Fallen die Marktzinsen, steigen auch die Kurse von Titeln mit Minusrenditen.

Die Muzinich-Expertin glaubt deshalb: „Der Ansturm auf Anleihen wird anhalten.“ Wenn die globale Wirtschaft abrutsche, dann werden die Anleger laut Greil-Castro Schutz in Staatsanleihen suchen.

Die Strategen von Blackrock halten ebenfalls Wertzuwächse für möglich, argumentieren nur etwas anders. „Sollte die Europäische Zentralbank im September ein neues Anleihekaufprogramm auflegen, dann könnten wir durchaus weitere Kursgewinne erleben“, meint Herrmann.

Die Muzinich-Expertin ergänzt, dass gerade Großinvestoren ja irgendwo anlegen müssten. Sie glaubt deshalb nicht an ein baldiges Ende der verrückten Anleihewelt mit Minuszinsen: „Diese Absurdität kann uns noch Jahre begleiten.“

Finance Briefing
Risikoinvestition in Bonds
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