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Geldanlage Die Lage an den Börsen ist besser als die Stimmung

Der historisch lange Konjunkturaufschwung ist womöglich noch nicht am Ende. Die Besorgnis werde in der zweiten Jahreshälfte abnehmen, glauben Experten.
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Die Auswirkungen des Handelsstreits auf die Wirtschaft sind nach Meinung von Experten eingeschränkt. Quelle: dpa
Container in Virginia

Die Auswirkungen des Handelsstreits auf die Wirtschaft sind nach Meinung von Experten eingeschränkt.

(Foto: dpa)

FrankfurtSeit Tagen warnen Ökonomen vor einem Ende des längsten Konjunkturaufschwungs seit Beginn der Aufzeichnungen: Das Kieler IfW sowie Volkswirte der Bundesbank erwarten für das deutsche BIP nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent.

Und die Finanzmärkte beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im Weltkonjunkturmotor USA in absehbarer Zukunft auch wegen des Handelsstreits auf teils mehr als 50 Prozent.

Doch aus Sicht von David Kohl, Chefvolkswirt der Bank Julius Bär, überschätzen die Börsen die Gefahr. „Der Konjunkturzyklus ist weltweit noch nicht am Ende“, betont Kohl. Die Besorgnis werde in der zweiten Jahreshälfte abnehmen. Für Anleger bedeutet das: Es gibt Kaufimpulse für Aktien und Anleihen.

Zwar seien die Lieferketten ein Problem: Sanktionen, Boykotts oder schwarze Listen bedrohen Produktivität und Effizienz der stark verflochtenen globalen Technologieunternehmen.

Bleibt es nicht nur bei Drohungen, wären beispielsweise Intel mit seinen Server Chips, ASML durch die Lithographie-Ausrüstung und Arm Holdings als Chip-Designer für Smartphones – alle mit einem Marktanteil von mindestens 90 Prozent – besonders betroffen.

Trotzdem seien jedoch die unmittelbaren Auswirkungen des Handelskrieges auf die Wirtschaft stark eingeschränkt. Die USA geben gerade einmal rund 2,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Importe aus Chinas aus, in China addieren sich die Exporte in die USA ungefähr auf ebenfalls niedrige 3,5 Prozent.

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Stabilisierend wirken sich außerdem die niedrigen Arbeitslosenzahlen aus. In Deutschland etwa stehen sie auf dem niedrigsten Stand seit 1982, in den USA seit den 60iger Jahren. Das „unbeachtete Jobwunder“ erlaube es angesichts der hohen Anzahl offener Stellen, die aktuelle Wachstumsabschwächung zu bewältigen und setze die Schwelle für eine Abwärtsspirale sehr hoch, analysiert Kohl.

Auch die trüben Aussichten des Ifo-Geschäftsklimaindex erschrecken den Experten nicht, da andere Faktoren die Wirtschaft unterstützen. Die Konsumentenstimmung ist besser als die Industriedaten in Deutschland. Und niedrige Ölpreise helfen ebenfalls. Allerdings würden gerade in Deutschland Investitionen trotz rekordtiefer Zinsen und hoher Steuereinnahmen vernachlässigt.

Positive Impulse könnten hingegen noch von der Fed kommen. Von der Inflation geht in den USA derzeit keine Gefahr aus. Sowohl die Finanzmärkte als auch US-Präsident Donald Trump fordern Zinssenkungen. Die niedriger als erwartet ausgefallene Teuerung bestärkt Banken in der Hoffnung auf niedrigere Zinsen in den nächsten Monaten.

Auch China verstärkt seine Konjunkturunterstützung durch eine aktivere Wirtschaftspolitik, selbst wenn die hohe Privatverschuldung die Spielräume begrenzt. Aber für Georg Graf von Wallwitz, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement, befindet sich die dortige Zentralbank in der „komfortablen Lage, die Zinsen zu senken und die Kreditvergabe auch auf andere Weise erleichtern zu können“.

Dass der Konjunkturzyklus womöglich noch nicht am Ende ist, glaub indes auch Lutz Welge, Leiter Portfolio Management bei Julius Bär. Für ihn ist die massive Korrektur um 23 Prozent im Deutschen Aktienindex zum Jahresende 2018 kein großes Warnzeichen.

Seit 1990 habe es 40 Rückgänge von mehr als zehn Prozent gegeben. „Aber nur dreimal stand der Dax auch zwölf Monate später tiefer“, betont er. Seine Zuversicht drückt sich etwa auch im sogenannten ausbalancierten Portfolio von Julius Bär aus, wo die Aktienquote bei knapp 50 Prozent liegt. Als Wachstumstreiber in den USA hat Welge die Technologieaktien ausgemacht.

Ausschüttungen von Unternehmen stabil

Einen Vergleich der hoch bewerteten Aktien mit der Bewertung der Technologietitel zur Jahrtausendwende, als die Bewertungsblase platzte und die Kurse einbrachen, hält Welge für verfehlt. Kennzahlen wie die Nettogewinne der Unternehmen im Vergleich zu den Kursen fielen heute deutlich besser aus.

Auch der angedrohten Aufspaltung von Mega-Konzernen wie Alphabet und Facebook kann er viel Gutes abgewinnen. Kommt es so weit, erwartet er gut 30 Prozent Kurspotenzial bei Alphabet und 35 Prozent bei Facebook.

Um Sicherheit ins Depot hineinzubringen, setzt der Portfolio-Manager Laurent van Tuyckom vom Asset Manager Degrooff Petercam auf Dividendenaktien, also Aktien, die mutmaßlich eine besonders hohe Dividende einbringen.

Sie seien deutlich risikoärmer als der breite Aktienmarkt, urteilt van Tuyckom. „Wenn Anleihen keine oder nur sehr geringe Zinsen abwerfen, muss sich der Blick der Anleger zwangsläufig auch auf die Aktienmärkte richten“, sagt der Aktienexperte.

Ohnehin seien die Ausschüttungen von Unternehmen langfristig und auch in Abschwüngen stabil. Mit sechs Prozent durchschnittlicher Dividendenrendite in Europa haben sie eine überaus attraktive Ertragsquelle ausgemacht.

Didier Saint-Georges, Mitglied des Investment-Komitees des Vermögensverwalters Carmignac, bevorzugt in den Aktienportfolios wenig konjunkturabhängige Wachstumswerte. Carmignac konzentriert sich auf die Sektoren Gesundheit und Technologie sowie auf einige Bereiche des Konsumgütersektors, etwa Luxusgüter.

So haben die Franzosen den US-Schmuckhersteller Tiffany hinzugenommen und setzen auf eine überarbeitete Strategie des Unternehmens. Bär-Banker Welge kann sich für chinesische Aktien erwärmen, die aus seiner Sicht noch nicht ausreichend in den internationalen Indizes berücksichtigt werden und damit Kurspotenzial besitzen. Großanleger schöpfen wieder Hoffnung trotz der pessimistischen Märkte.

Mehr: In nur einem Monat haben Anleger 19 Milliarden Dollar aus Aktien-ETFs abgezogen. Lesen Sie hier, warum die Investoren im Mai auf Nummer sicher gingen.

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