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Geldanlage Sechs attraktive Alternativen für Privatinvestoren zu Aktien und Anleihen

Die Vorzeichen für einen Abschwung mehren sich, das Risiko von Investments in Aktien und Anleihen ist hoch. Welche Alternativen gerade in unsicheren Zeiten attraktiv sind.
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Investments in Flughäfen, Mautstraßen, Wasserwerke, Stromnetze und erneuerbare Energien sind ein Anlagethema, das im Trend liegt. Quelle: dpa
Stromnetz

Investments in Flughäfen, Mautstraßen, Wasserwerke, Stromnetze und erneuerbare Energien sind ein Anlagethema, das im Trend liegt.

(Foto: dpa)

Frankfurt„Guten Morgen Deutschland – der Tag fängt ja gut an“, startete die Liechtensteiner VP Bank leicht ironisch ihren Kommentar nach der Veröffentlichung der Auftragsdaten für Dezember, die mit minus 1,6 Prozent gegenüber November enttäuschend ausfielen. Alle Volkswirte dürften danach hellwach gewesen sein, urteilt Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.
An Vorzeichen für einen Abschwung in Deutschland herrscht kein Mangel. Dazu rückt ein Ausstieg der Briten ohne Einigung mit der EU immer näher. Und der Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt bislang ungelöst. Gleichzeitig schocken Konzerne wie Daimler mit einem Gewinneinbruch die Anleger und bremsen den hoffnungsvollen Börsenstart vom Januar wieder aus.

Angesichts der vielen Warnzeichen erscheinen Investments in Aktien und Anleihen sehr risikoreich. Für Anleger, die nach Alternativen suchen, bieten sich sechs Themen wie Tagesgeld, Gold, Hedgefonds, Immobilien, Private Equity und Infrastruktur an. Mit ihnen kann er Risiken abfedern.

Tagesgeld

Erstmals seit sieben Jahren sind die Zinsen für Tagesgeld in der Euro-Zone gestiegen. Wie der Berater Barkow Consulting ausgerechnet hat, sind sie im Dezember von 0,01 auf 0,04 Prozent gewachsen. „Mit einer Zinswende ist allerdings nicht zu rechnen“, betont zwar Geschäftsführer Peter Barkow. Dennoch ist der Anstieg ein gutes Signal, da in dem abgebildeten breiten Markt für täglich fällige Einlagen viele Anbieter eingeschlossen sind, die gar keine Zinsen bezahlen.

Bei den besten Tages- und Festgeldkonten gibt es da deutlich mehr. Für Neukunden zahlt etwa die Advanzia Bank 0,751 Prozent und garantiert den Zins für drei Monate, die Banca Progetto liegt laut FMH Finanzberatung bei 0,701 Prozent und ING-Diba im Tagesgeldvergleich bei 0,670 Prozent. Allerdings: „Lockangebote laufen meist nach drei bis vier Monaten aus. Bestandskunden erhalten oftmals deutlich schlechtere Konditionen“, warnt Sigrid Herbst von FMH.

Bank M liegt bei Bestandskunden mit 0,55 Prozent an der Spitze im FMH-Ranking. Bei Festgeldanlage für ein Jahr bezahlen Banca Progetto und Banca Sistema mit 1,25 Prozent am meisten. Beachten sollten Anleger, ob die Institute zumindest der EU-weiten gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen, die Spareinlagen bis zur Höhe von 100 000 Euro absichert. Wer noch mehr Sicherheit sucht, muss Banken wählen, die der erweiterten deutschen Einlagensicherung unterliegen wie das zum Beispiel bei Banca Progetto der Fall ist.

Gold

Das Muster der letzten beiden Jahre scheint sich am Goldmarkt zu wiederholen. „Der Goldpreis beginnt das Jahr mit kräftigem Aufwind“, konstatiert Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Die drohende Abwertung des Dollars im Zuge der vorsichtigeren Zinspolitik der US-Notenbank Fed und die politischen Unsicherheiten dürften nach Meinung der Expertin das Edelmetall vorerst unterstützen. Gold gilt als sicherer Hafen für stürmische Zeiten.

„Wenn die Aktienmärkte turbulent bleiben, könnten Anleger Gold wieder stärker zur Risikostreuung einsetzen“, urteilt Hans-Günter Ritter, Leiter des Edelmetallhandels von Heraeus. Dass sich die Notenbanken derzeit im Goldrausch befinden und im vergangenen Jahr so viel gekauft haben wie seit 50 Jahren nicht mehr, hilft ebenfalls. Insgesamt wurden die Vorräte um über 651 Tonnen aufgestockt, wie das World Gold Council ausgerechnet hat.

Ritter prognostiziert deshalb einen Spitzenpreis von 1 450 (aktuell: 1 306) Dollar je Feinunze (31,103 Gramm) in diesem Jahr und zählt damit zu den größten Optimisten. Seit August vergangenen Jahres ist Gold bereits um rund zwölf Prozent teurer geworden. An einem Aufschwung können Anleger etwa über den Kauf von Münzen wie dem Krügerrand oder aber dem amerikanischen Eagle teilhaben. Sie können aber auch Goldbarren kaufen.

Hedgefonds

Was lange Zeit Großinvestoren vorbehalten war, ist inzwischen auch für Privatinvestoren möglich – der Einstieg in Hedgefonds. Diese alternativen Anlagen, die nicht wie Aktien und Anleihen an der Börse gehandelt werden, sind in Europa in der Form von speziellen Fonds, sogenannten Ucits, für Kleinanleger erwerbbar. Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Wertpapierkurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus oder versuchen, aus Fusionen Gewinn zu ziehen. Allerdings machen Hedgefonds meist nur für Anleger Sinn, die einen fünf- bis sechsstelligen Betrag auf der hohen Kante haben.

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Grundsätzlich gilt hier: „Ein langweiliger Hedgefonds ist ein guter Hedgefonds“, wie Brooks Ritchey, Head of Portfolio Construction bei K2 Advisors betont, der Hedgefonds-Tochter von Franklin Templeton. Er rät Anlegern dazu, sich auf einen Einstieg bei Hedgefonds vorzubereiten, wenn die Kursschwankungen hoch sind. Bei Investments in derartigen Situationen würden die Fonds in der Regel besser abschneiden.

Für Reinhard Panse, Geschäftsführer von HQ Trust, dem Vermögensverwalter der Familie Harald Quandt, sollten Privatanleger immer in Hedgefonds-Portfolios mit unterschiedlichen Strategien investieren. Dabei sei eine Auswahl von bis zu 20 verschiedenen Fonds sinnvoll, um die Risiken zu verteilen. Das bieten etwa der Sauren Global Hedgefonds oder der Franklin K2 Alternative Strategies Fund. Anders als bei diesen beiden liquiden Fonds, müssen Anleger im Extremfall allerdings berücksichtigen, dass es bei manchen Hedgefonds Wochen dauern kann, bis sie bei einem Verkauf ihr Geld wieder zurückbekommen

Immobilien

Angesichts der in den vergangenen Jahren rasant gestiegenen Preise für Wohnimmobilien bleiben das eigene Haus oder die eigene Wohnung für viele Anleger lediglich ein Traum. Mit offenen Immobilienfonds (OIF) bietet sich ihnen jedoch eine Möglichkeit, in Betongold zu investieren, was insbesondere eine Alternative zu Anleihen ist. Offene Immobilienfonds funktionieren wie Aktienfonds. Viele Anleger investieren kleine Beträge in einen gemeinsamen Topf.

Das Fondsmanagement kauft von diesem Geld verschiedene Immobilien, oftmals in unterschiedlichen Regionen der Welt. Meist handelt es sich um Gewerbeimmobilien. Beispielsweise hat die Deka Immobilien Mitte Dezember eine Einzelhandelsimmobilie in New Jersey, USA, erworben. Wer Anfang vergangenen Jahres in OIF investiert hat, ist damit gut gefahren. Der Helaba OIF-Index hat bis Ende Januar 2019 etwa um 2,8 Prozent zugelegt.

Der Index spiegelt die durchschnittliche Wertentwicklung von neun großen OIFs wider. Damit reicht nach der Analyse von Stefan Mitropoulos von der Helaba die Ertragsentwicklung zwar immer noch nicht an den langjährigen Durchschnitt heran, der seit 2002 bei 3,3 Prozent liege. Andererseits sei der Abstand zur Rendite von Bundesanleihen zuletzt sogar noch gestiegen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit 0,12 Prozent.

Bis Jahresende 2019 rechnet Mitropoulos „insgesamt mit einer durchschnittlichen Performance der OIFs um 2,5 Prozent. Zuletzt seien die offenen Immobilienfonds zu 35 Prozent in Deutschland investiert gewesen. Mit 11,6 Prozent und etwa einem Zehntel seien Großbritannien und die USA ebenfalls prominent in den Portfolios vertreten gewesen. Bei den OIFs handelt es sich um langfristige Investments. Es gibt hier eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren. Zudem gilt eine einjährige Rückgabefrist.

Anleger müssen also bereits ein Jahr vor der geplanten Rückgabe unwiderruflich erklären, dass sie ihre Anteile zurückgeben wollen. Mit Blick auf die Qualität der Immobilienportfolios hat die Ratingagentur Scope den Deka-Immobilien-Global am besten eingestuft. Danach folgen der Uni-Immo Deutschland von Union Investment.

Private Equity

Die Anlageklasse Private Equity gehört zu den am schnellsten wachsenden Segmenten innerhalb der „Alternatives“. In den vergangenen Jahren haben die Beteiligungsfonds, die Unternehmen kaufen, restrukturieren und nach vier bis sieben Jahren weiterveräußern, einen Boom erlebt. Allerdings fällt Privatinvestoren der Einstieg schwer. Dabei sind die Renditechancen besser als bei der klassischen Anlage in Aktien und Anleihen, die Investments aber weniger liquide.

Und die Qualitätsunterschiede sind gewaltig. „Spitzenfonds erzielen auch heute noch Nettorenditen von bis zu 18 Prozent. Aber die Spannweite zwischen guten und schlechten Fonds ist sehr groß, deshalb ist die Auswahl für den Erfolg entscheidend“, sagt Alexander Argyros, der Gründer von Moonfare, einem jungen Unternehmen, das Anlegern via Internet den Zugang zu großen Private-Equity-Fonds ermöglicht. Dieses Jahr sei es wichtig, die Mittel über verschiedene Fonds zu streuen. Neben klassischen Übernahmefonds seien etwa Fonds für notleidende Firmen – sogenannte Distressed Fonds – interessant, erläutert Argyros.

Ein weiterer Zugang zu Private Equity sind Dachfonds, zu den Anbietern zählen RWB, Circle Eleven und Astorius. Letzterer hat die Mindestanlagesumme für Investoren auf 200 000 Euro gesenkt. Die Dachfonds von Astorius investieren in einzelne Private-Equity-Fonds, die Spezialisten für mittelständische Firmen in Europa sind. Somit fließt das Geld in 50 bis 60 Mehrheitsübernahmen von Mittelständlern. Das streut die Risiken.

Ein Nachteil von Dachfonds sind aber die recht hohen Gebühren. Zudem kann sich die Auflösung von Fonds über Jahre hinziehen, während die Gebühren weiterlaufen. Wer keine sechsstellige Summe für Private Equity aufbringen kann, dem bleiben börsennotierte Lösungen, wie die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Das Papier notiert aktuell weit unter den Höchstständen von über 50 Euro, die Anfang 2018 erreicht worden waren. Auch die Schweizer Partners Group ist im Private-Equity-Geschäft etabliert, die Aktie liegt in der Nähe des Allzeithochs.

Infrastruktur

Investments in Flughäfen, Mautstraßen, Wasserwerke, Stromnetze und erneuerbare Energien sind ein Anlagethema, das im Trend liegt. Profianleger sehen hier vor allem die Möglichkeit, ihre Portfolios zu diversifizieren und stetige Einnahmen zu erzielen, wenn sich die Konjunktur abkühlt: Diese Märkte brechen nie ganz weg. „Die Rendite und Risikoprofile von Infrastrukturinvestments sollten wenig korreliert sein zu Aktien und Anleihen“, sagt Verena Kempe vom Vermögensverwalter Feri.

Großanleger könnten sich aus momentaner Sicht mit fünf bis zehn Prozent des Portfolios engagieren – an diesen Quoten sollten sich auch Privatanleger orientieren. Sie müssen ähnliche Risiken und Nachteile wie bei Private Equity beachten, unter anderem die Illiquidität bei vielen Investments in Infrastruktur sowie hohe Gebühren. Ähnlich wie beim Beteiligungskapital sind die Renditen breit gefächert.

„Die Infrastrukturanlageklasse inklusive Energie bietet ein breites Risiko-Ertrags-Spektrum“, sagt Feri-Expertin Kempe. Die Spanne reiche in der Regel von gut abgesicherten „Senior Kreditinvestments“ mit circa zwei Prozent bis zu Wertsteigerungsstrategien mit Eigenkapitaleinsatz mit mehr als zehn bis 15 Prozent Netto-Rendite auf Fondsebene.

Neben Dachfonds ist der Publikumsfonds Ve-Ri Listed Infrastructure ein Beispiel, wie Kleinanleger auch mit kleineren Beträgen das Thema spielen können. Laut dem Anbieter Veritas Investment konnte man mit dem Fonds seit Mitte 2014 jährlich eine Rendite von 8,92 Prozent nach Kosten erzielen. Der Fonds investiert ausschließlich in börsennotierte Unternehmen, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes als Betreiber von Infrastrukturnetzwerken erzielen. Eine Alternative ist auch der M&G (Lux) Global Listed Infrastructure Fund, der jüngst vom Analysehaus Scope als sehr gut bewertet wurde.

Der Bedarf an Investitionen in Infrastruktur ist laut den Experten von Veritas enorm. Fachleute gingen davon aus, dass das weltweite Investment bis 2040 rund 94 Billionen US-Dollar betragen dürfte. Das könnten die Staaten allein nicht leisten. Sie seien auf die Hilfe von privaten Unternehmen angewiesen. Schon heute klaffe eine Investitionslücke bis 2040 von etwa 15 Billionen Dollar. Entweder sei die bestehende Infrastruktur marode oder sie müsse erst geschaffen werden.

Direktinvestments in Infrastruktur besitzen allerdings ein Ausfallrisiko. Auch die Fertigstellung von Projekten kann sich massiv verzögern – wie der neue Berliner Großflughafen zeigt. Deshalb kommen für Privatanleger vor allem Fondslösungen infrage.
Der Stress an den Börsen muss also nicht dazu führen, das Geld einfach herumliegen zu lassen – es gibt bessere Alternativen.

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