Geldanlage und die Politik Nicht von Italien verrückt machen lassen

Die Börsen im Höhenflug – weder ein US-Präsident Trump noch der Brexit können die Rally bremsen. Und das Italien-Referendum? Abwarten. Experten warnen. Die Börse reagiert auf Ereignisse, die noch nicht eingetreten sind.
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Italiens Referendum „ist eine große Gefahr für Europa, Europa bricht auseinander“

DüsseldorfBörse verrückt: Die Amerikaner wählen den Populisten Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten und die Wall Street markiert neue Höchststände. Dabei hatten doch so gut wie alle Investoren für diesen Fall mit massiven Einbrüchen an den Märkten gerechnet. Doch es kam anders. Aber ist das auch nachhaltig?

Und was ist mit der Brexit-Abstimmung? Das „Ja“ der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) hatten die Märkte nicht erwartet und waren in den Tagen nach der Abstimmung kräftig eingebrochen. Schließlich ist die EU in Gefahr, oder nicht? Doch kaum war der erste Schock verdaut, ging die seit Jahren andauernde Rally an den Jahren munter weiter, die Verluste waren schnell wettgemacht. Nun droht das Verfassungsreferendum in Italien. Die Nervosität ist groß, wieder steht – wenn auch indirekt – die Zukunft der EU auf dem Spiel. Oder nicht?

Mit italienischen Luxusaktien überwintern

BPER BANCA S.P.A. AZIONI NOM. EO 3

WKN
ISIN
IT0000066123
Börse
L&S

-0,19 -4,16%
+4,07€
Chart von BPER BANCA S.P.A. AZIONI NOM. EO 3
Banca Popolare dell'Emilia Romagna
1 von 12

Flop-Wert

Der Index Dow Jones Titans 30 mit den wichtigsten italienischen Aktien liegt seit Jahresbeginn ein Viertel im Minus. Das liegt vor allem am hohen Anteil von bedeutenden Finanztiteln in Italien.
Mit einem Kursabschlag von über 40 Prozent kommt die Banca Popolare dell'Emilia Romagna noch glimpflich davon im Vergleich zur Konkurrenz.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 42,67 Prozent

Saipem

WKN
ISIN
Börse

Chart von Saipem
Saipem
2 von 12

Flop-Wert

Eine große Kapitalerhöhung hat den Kurs der auf die Erschließung von Offshore-Gas- und Ölfeldern der Eni-Tochter Saipem herabgesetzt. Der Konzern hat in diesem Jahr auch ein Sparprogramm mit Stellenabbau beschlossen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 54 Prozent

Unicredit

WKN
ISIN
Börse

Chart von Unicredit
Unicredit
3 von 12

Flop-Wert

Die Muttergesellschaft der deutschen Hypo-Vereinsbank, Unicredit, gehört zu den hart getroffenen Bankaktien. Der Konzern will noch im Dezember eine neue Strategie verkünden.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 59,7 Prozent

UNIO.DI BANCHE ITALIANE S.P.A. AZIONI NOM. EO 2,50

WKN
ISIN
IT0003487029
Börse
L&S

+0,09 +2,73%
+3,28€
Chart von UNIO.DI BANCHE ITALIANE S.P.A. AZIONI NOM. EO 2,50
Ubi Banca
4 von 12

Flop-Wert

Viele italienische Banken – wie auch Ubi Banca – leiden unter hohen Beständen an Problemkrediten, deren Zinsen nicht regelmäßig von den Kunden bedient werden.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 65,6 Prozent

Banca Popolare Di Milano

WKN
ISIN
IT0000064482
Börse
n. a.

Chart von Banca Popolare Di Milano
Banca Popolare di Milano
5 von 12

Flop-Wert

Die Aktie der Banca Popolare di Milano ist schon seit langem ein Penny-Stock, der also weniger als ein Euro wert ist. Doch auch dann kann man noch deutlich an Wert verlieren.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 65,7 Prozent

Banco Popolare Societa Cooperativa

WKN
ISIN
Börse

Chart von Banco Popolare Societa Cooperativa
Banco Popolare Societa Cooperativa
6 von 12

Flop-Wert

Die Banco Popolare Societa Cooperativa hat es in diesem Jahr sehr hart getroffen, nur ein wichtiger Titel steckt noch weiter in den Minuszahlen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 78,9 Prozent

Banca Monte dei Paschi di Siena

WKN
ISIN
Börse

Chart von Banca Monte dei Paschi di Siena
Banca Monte dei Paschi di Siena
7 von 12

Flop-Wert

Den stärksten Kursrückgang hat die Banca Monte dei Paschi di Siena zu verzeichnen. Sie ist dabei, über eine Kapitalerhöhung Milliarden einzusammeln, um eine staatliche Rettung zu vermeiden. Doch ob das Kunststück gelingt, dürfte auch mit dem Ausgang des Verfassungsreferendums am 4. Dezember zusammenhängen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 83,5 Prozent

Die Börsen jedenfalls scheinen unlogisch zu reagieren. Weder Brexit noch Trump-Wahl konnten Investoren nachhaltig schockieren. Aber vielleicht ist das auch zu kurz gedacht. Der legendäre Benjamin Graham sagte einst: „Kurzfristig ist die Börse ein Abstimmungs-Mechanismus, langfristig ist sie ein Wäge-Mechanismus.“

Der Börsenweisheit des einstigen Professors und Lehrmeisters keines geringeren als Warren Buffett können Anlageprofis einiges abgewinnen. „Sie besagt, dass die Börse kurzfristig von der Psychologie getrieben wird, langfristig aber von den Fundamentaldaten“, erklärt Max Otte, Fondsmanager, Bestsellerautor und Börsenprofessor. „Das ist für mich die wichtigste Weisheit überhaupt.“

So sieht es auch Volker Engelbert. „Ohne Zweifel glauben wir fest daran, dass die fundamentalen Kennzahlen langfristig die Rendite der Unternehmen und damit auch die des Marktes bestimmen“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter und Chief Investment Officer bei Lingohr & Partner. „Kurzfristig spiegelt der Markt jedoch lediglich die Gefühlslage der Investoren wider – eine Abstimmung über die momentanen Hoffnungen, Ängste und Sorgen der Investoren, daher lohnt es sich auch nicht den kurzfristigen Marktschwankungen eine Ratio entnehmen zu wollen oder diese interpretieren zu wollen.“

Auch Hendrik Leber ist davon überzeugt, dass Benjamin Graham recht hat. Kurzfristig reagiert die Börse auf Stimmungen, doch langfristig muss die Börse die ökonomische Realität widerspiegeln, und die ist zäher und langwieriger als die momentane Stimmung, glaubt der Acatis-Fondsmanager. „Aktuell reagiert die Börse auf Brexit und Trump, obwohl beide Ereignisse, also UK-Austritt und Trumps Amtsantritt noch gar nicht eingetreten sind“, sagt er. „Die wirklichen Kosten von Brexit und Trump sind noch gar nicht sichtbar, doch die Börse reagiert euphorisch.“ Und genau das könnte ein Fehler sein.

Die Folgen von Brexit und Trump sind noch gar nicht sichtbar
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