Geldanlage und Griechenland „Auf den Grexit zu wetten, ist sehr risikoreich“

Die drohende Staatspleite Griechenlands versetzt die Märkte in Aufregung. Die Reaktionen der Börse auf einen Grexit könnten heftig ausfallen. Einen Crash erwarten Experten nicht – aber starke Kursschwankungen.
45 Kommentare
Scheidet Griechenland aus dem Euro aus? Der Grexit wird zu einer realen Gefahr für Anleger. Quelle: Imago
Brüchige Verbindung

Scheidet Griechenland aus dem Euro aus? Der Grexit wird zu einer realen Gefahr für Anleger.

(Foto: Imago)

DüsseldorfDie Hoffnung auf eine rasche Lösung des Schuldenstreits mit Griechenland schwindet. Stattdessen müssen die Anleger der Gefahr eines Abschieds der Griechen aus der Euro-Zone ins Auge blicken. Die Grexit-Angst geht um. Das Schuldendrama hat auch den deutschen Aktienmarkt fest im Griff. Der Dax rutschte am Montag weiter ab und näherte sich wieder der Marke von 11.000 Punkten. Die Nervosität ist groß. „Bei einem Grexit handelt es sich für die Finanzmärkte um Neuland“, sagt Marcel de Gavarelli, Investmentmanager bei Laureus Privat Finanz, einer Tochter der Sparda-Bank. Neuland bedeutet Unsicherheit, und Unsicherheit mögen Börsianer nicht.

Über das Wochenende hatte sich die Lage im Schuldenstreit nochmals zugespitzt. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis dringt auf einen Schuldenerlass. Ein Vermittlungsversuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker scheiterte. Die Gespräche will die EU-Kommission nur dann wieder aufnehmen, wenn es neue Vorschläge aus Athen gibt. Die weiteren Verhandlungen müssen jetzt in der Euro-Gruppe geführt werden. Das nächste Treffen der Euro-Finanzminister ist am Donnerstag geplant.

Am 30. Juni läuft das Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus. Ohne Einigung droht dem Land der Staatsbankrott. Ende Juni muss Athen zudem rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Die Zeit für eine Einigung wird eng, eine Lösung ist nicht in Sicht. Trotzdem glaubt Philipp Dobbert nicht, dass der Grexit kommt. „Den aktuellen Seiltanz kennen wir schon aus den vergangenen Jahren“, sagt der Chefvolkswirt der Quirin Bank. „Das geht nur mit vorher hitzigen Debatten.“

Die Stimmung an den Märkten zeigt jedoch, dass die wenigsten Börsianer derart gelassen sind. Sollte der Grexit doch kommen, erwartet Laureus-Experte de Gavarelli noch deutlichere Schwankungen als aktuell und Verluste in vielen Segmenten des Kapitalmarktes. „Die Aktienmärkte werden vermutlich eine weitere Korrektur vollziehen und die Renditen und Risikoprämien im Anleihesegment weiter steigen“, sagt er. „Am Anleihemarkt könnten lediglich als ‚sicherer Hafen‘ eingestufte Länder wie Deutschland von einer erhöhten Nachfrage profitieren.“

De Gavarelli räumt allerdings ein, dass die Euro-Zone heute deutlich besser aufgestellt sei, als noch vor einigen Jahren zu Beginn der Euro-Krise war. „Europäische Banken halten kaum noch Staatsanleihen aus Griechenland“, sagt er. Zudem könnten die etablierten Sicherungsmechanismen wie die europäischen Rettungsfonds ESM und EFSF zur Stabilisierung beitragen.

Auch beim Bankhaus Metzler bleibt man relativ gelassen. „Es sind weder eine Destabilisierung des europäischen Finanzsystems, noch nachhaltige Verwerfungen bei südeuropäischen Staatsanleihen zu erwarten“, sagt Frank Naab, Leiter des Portfolio-Managements Private Banking. Die ökonomischen Konsequenzen eines Grexits für die Weltwirtschaft, aber auch für die europäische Wirtschaft würden verkraftbar erscheinen.

Kein Börsencrash, aber Einstiegschancen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Geldanlage und Griechenland - „Auf den Grexit zu wetten, ist sehr risikoreich“

45 Kommentare zu "Geldanlage und Griechenland: „Auf den Grexit zu wetten, ist sehr risikoreich“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Folgen eines GREXIT wären u. a. Prozesse vor dem EuGH.

    Man könnte gegen GR wegen Verletzung des EU-Vertrags und wegen Betrugs aller EU-Mitglieder durch gefälschte Haushaltszahlen beim erschwindelten EU-Beitritt Klagen. Die Beweislast ist erdrückend.
    GR müsste dann das Schuldendesaster alleine ausbaden und die Gläubigerländer würden alle Kredite durch Pfändung griechischen Besitzes zurückbekommen.

  • Hier drängt sich mir eine Frage auf: Was bekommen Sie für solche Kommentare? :D
    WER ist bitte der Aggressor? Russland? Womit denn bitte? Inwiefern "spaltet" denn RU die EU? Das schafft die EU doch ganz allein - mit dem Euro und auch mit den unfassbaren Sanktionen, die mit etwas gerechtfertigt werden, das bis heute nicht bewiesen wurde und die daher auch nicht rechtmäßig sind. Die EU-Länder leiden unter diesen Sanktionen sehr viel mehr als RU. Und? Wer hat sie beschlossen?
    Und wem nützt denn so eine Aggression eigentlich? Haben Sie nicht auch gelesen, dass der Handel zwischen den USA und RU trotz der verhängten Sanktionen richtig schön brummt? Es proftieren die USA, während die EU leidet.

    Kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit der Krim. Falls doch, verweise ich auf das Völkerrecht, dem deutlich zu entnehmen ist, dass eine Volksabstimmung, wie sie auf der Krim stattfand, NICHT den Tatbestand des Völkerrrechtsbruchs erfüllt. Das wird zwar immer wieder gern behauptet, aber es wird auch durch die ständige Wiederholung nicht richtiger. Im Übrigen haben EU und USA haargenau das Gleiche mit dem Kosovo gemacht... DA war es natürlich kein Völkerrechtsbruch...
    Falls Sie bei Ihren Behauptungen bleiben möchten, darf ich um nähere Begründung bitten. Dankeschön.

  • Man kann vor der Verhandlungsakrobatik der Griechen eigentlich nur den Hut ziehen: Egal was passieren wird, Griechenland erhält einen guten Start in eine Zukunft, die wieder auf Pump aufbaut. Tolles Lehrstück für Italien und Spanien und....und...
    Entweder steigt GR aus dem Euro aus und startet mit > 100 Milliarden € an ELA-Geldern, respektive dem Geld das die Griechen im Ausland gebunkert haben plus den allfälligen Nothilfen der EU über die angesichts der großen Not in GR noch großzügig entschieden wird oder GR erhält einen Schuldenschnitt, der mehr oder weniger genauso gut ist und Ihnen wieder Spielraum für neue Schulden eröffnet.

    Super.. und wo bleibt die Umsetzung der Forderungen, dass Strukturen in GR geschaffen werden müssen, die finanziell tragfähig sind, inkl. der Eintreibung der Steuerschulden, dem Aufbau einer schlagkräftigen Steuerverwaltung, eines Katasteramtes....usw. Bis jetzt wurden doch nur Nebelkerzen gezündet und das Publikum ermüdet.
    Wenn Tsipras und Co. mit Ihrer Taktik durchkommen sollten, dann kann man das nur unter der Rubrik......Über den Tisch gezogen ....verbuchen. MItleid brauchen wir mit dem griechischen Staat aktuell nicht zu haben, mit den vielen Griechen, die unter Ihrem System leiden, wahrscheinlich sogar ohne die eigentlichen Übeltäter zu erkennen, schon.....

  • Herr Oliver Klima@
    Dann jubeln die Schweizer, ihr Problem der steigende Franken wäre gelöst.

  • @ Thomas Albers
    Bitte mal "Butter bei die Fische". Außer Polemik kann ich Ihrem Beitrag nichts Näheres entnehmen. Was genau bezeichnen Sie als"Verschwörungstheorie", was bezeichnen Sie als "Einfalt" und warum kann sich Europa diese "Einfalt" nicht leisten?

  • @ Huber

    Das ist sehr interessant, was Sie da schreiben, gerade auch im Hinblick Schweiz.

    Für die anderen Staaten haben wir zwar vielfach eine Wirtschaftserholung in den Statistiken und aus der Presse zu entnehmen. Aber das BIP steigt nicht in dem Umfang wie die Neuverschuldung dieser Staaten. Das gilt auch für die USA. Ich fand es etwas merkwürdig, als die USA die Q1-Zahlen für das erste Quartal 2015 in der ersten Runde veröffentlichten. Die Zahlen waren nicht berauschend, aber auch nicht erschreckend. In der zweiten Rund hat die USA dann aber das BIP für Q1 2015 plötzlich mit -0,7 % ausgewiesen. Das finde ich schon erschreckend, zumal die gelieferte Begründung etwas dünn war.

    Fakt ist, dass die Neuverschuldung der Industriestaaten im Verhältnis zum BIP ungehemmt zunimmt. Im Ergebnis bleibt also die nüchterne Feststellung, dass wir kein Problem seit der Subprimekrise gelöst haben.

    Und das Thema Schweiz dürfte dabei eines der spannendsten Themenbereiche sein, die hierzu existieren. Was würde passieren, wenn aus dem Franken sehr viel Geld abgezogen würde, weil es im Heimatland gebraucht wird?

  • Vollkommen richtig! Sollen wir lebenslang Milliarden an Steuergeld nach GR transferieren, damit die Börse bloß nicht unter 10.000 rutscht? Das ist ja lächerlich!!

  • Dazu summieren sich 2,2 Billionen Euro deutsche Staatsschulden, Tendenz weiter steigend. In den anderen EU-Mitgliedsländern sieht es nicht besser aus.
    Das Problem ist nicht Griechenland!
    Es sind Spanien, Italien und vor allem Frankreich.
    Sollte Frankreich sich wirklich auf den Kurs einer Reformagenda und Strukturreformen (sprich Sozial- und Lohnkürzungen) begeben, dann wird das zu einem massiven Wirtschaftseinbruch im gesamten Euroraum führen. Ich halte dies in Frankreich für politisch undurchsetzbar. Eher haben wir dann wieder einen Volksaufstand und die nächste französische Revolution. Dazu noch Madame Le Pen und ihr Front National, die geradezu darauf wartet, die Franzosen 2017 von der Euroknechtschaft zu befreien. Es wird jetzt interessant zu beobachten, wie sich die Schweiz nach der Abkopplung ihrer Eurobindung weiterentwickelt. Kommt es dort zur eidgenössischen Wirtschaftskatastophe oder werden die aus meiner Sicht cleveren Schweizer mit ihrem Franken gestärkt aus diesem Szenario hervorgehen. Sozusagen die Blaupause für einen DEXIT.

  • Jeder klar denkende und informierte Mensch, der sich mit dem Eurodrama und der weltweiten Überschuldungsproblematik beschäftigt hat weiss, das dieser Kunstwährung der Banken und exportorientiert agierenden Großkonzerne keine Existenzberechtigung mehr bescheinigt werden kann. Seit 2008 versucht man vergeblich, großflächige (T)Euro-Brandherde mit Benzin zu bekämpfen, was natürlich in einem kompletten Flächenbrand der Eurozone mit hinterlassener verbrannter Erde endet. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die politisch Verantwortlichen keine Konsequenzen aus den Fakten und Tatsachen ziehen, und das gescheiterte Währungsprojekt „Euro“ kontrolliert rückabwickeln. Die Bürger hat man damals ja eh nicht gefragt, da diese sich mehrheitlich gegen den Euro aussprachen. Dies aus gutem Grund, weil die D-Mark eine bewährte und starke Wäührung war. Warum sollte man etwas aufgeben, was sich als stabil und kaufkraftstark erwiesen hat? Was haben uns Politiker aus allen politischen Lagern nicht alles versprochen, so stark und stabil wie die D-Mark sollte der Euro werden, Kohls „blühende Euro-Landschaften“ und Blüms „sichere Renten“ sollten die Deutschen in glorreiche Wirtschaftszeiten führen. Stattdessen wachen Sie jetzt mit einer dauerhaften Weichwährung in einer Transferunion wieder auf. Auf der Strecke blieben dabei soziale und tarifvertragliche Errungenschaften, für welche Generationen von abhängig Beschäftigten gestritten und gekämpft haben. Das hat man alles innerhalb von 13 Jahren wieder vernichtet. Niedriglohn, Leiharbeit, Unterbeschäftigung, Sozial- und Rentenkürzung sind heute Realität. In Deutschland können wir ca. 8 Mio. Menschen keine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung anbieten, welcher Ihnen ihre Existenzgrundlage und ihre zukünftigen Rentenansprüche durch Beitragszahlungen absichert und Ihnen ohne staatliche Zuschüsse durch Aufstockung ihres Arbeitseinkommens ein unabhängiges Leben und die freie Lebensgestaltung ermöglicht.

  • Ohne radikalen Schuldenschnitt wird kein Investor sein Geld in Griechenland investieren.
    Falls einer das tut muss er damit rechnen dass er auch für Griechenlands Schulden mit dem eingesetztem Kapital haftet und ihm droht der totale Verlust.
    Die Banken, vor allem deutsche und französische, haben wir gerettet, Griechenland und vielleicht den EURO haben wir dafür geopfert! Toll!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%