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Geldanlage Wenn sich der Mut von Fondsmanagern auszahlt

Kühne Fondsmanager streichen oft höhere Erträge ein als Konkurrenten, die ihre Gelder breit streuen. Doch wenige können den Vorsprung auf Dauer verteidigen.
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Fondsmanager, die stärker vom Vergleichsindex abweichen, haben mehr Chancen auf bessere Erträge, sagen Experten. Quelle: imago/Ikon Images
Drahtseilakt

Fondsmanager, die stärker vom Vergleichsindex abweichen, haben mehr Chancen auf bessere Erträge, sagen Experten.

(Foto: imago/Ikon Images)

FrankfurtDennis Lynch kann sich die Hände reiben. Der Aktienstratege von Morgan Stanley Investment Management liefert fast jedes Jahr mehr Ertrag an seine Anleger als die meisten Konkurrenten. Mit seinem viele Milliarden Dollar großen Fonds für US-Aktien schaffte er in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 20 Prozent jährlich. In den ersten vier Monaten des neuen Jahres holte er sogar ein Plus von 26 Prozent heraus.

Lynch sucht gezielt wenige Firmen aus, denen er viel zutraut. Rund 38 hat der Amerikaner derzeit für den „US Growth Fund“ ausgewählt. Seine Konkurrenten sind da wesentlich scheuer, verteilen die Risiken oft auf eine dreistellige Zahl von Unternehmen. Typischerweise orientieren sie sich bei ihrer Depotzusammensetzung auch stärker an breiten Marktindizes wie einem S&P 500.

Im ersten Moment scheint Lynch zu handeln wie ein Hasardeur. Die Konzentration von vielen Milliarden Dollar auf einige wenige Firmen ist mit höheren Wertschwankungen erkauft. Der unbedingte Wagemut erinnert an einen Kommentar von Börsenaltmeister André Kostolany: „Es gibt alte Piloten und es gibt kühne Piloten, aber es gibt keine alten, kühnen Piloten.“

Lynch dagegen ist kein unerfahrener Pilot, der mit tollkühnen Manövern auf seinen Absturz zusteuert. Er betreut den auch in Deutschland angebotenen Fonds schon seit 15 Jahren. „Wir wollen anders sein und damit mehr Ertrag für unsere Anleger herausholen“, erklärt der Amerikaner.

Sein Ansatz: „Wir suchen die wenigen außergewöhnlichen Firmen, die einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil haben, auch eine Umwälzung in ihrem Bereich überleben können oder genau davor geschützt sind.“ Für Indizes und ihre Zusammensetzungen als Vergleichsmaßstab interessiere er sich kaum.

Der Morgan-Stanley-Mann hat mit seinem Mut zumindest die Statistik auf seiner Seite. Das belegt eine Studie von Marlene Hassine Konqui.

„Wer sich mehr traut und mit seiner Titelzusammenstellung stärker vom Index abweicht, der hat auch mehr Chancen auf bessere Erträge“, sagt die Expertin vom französischen Vermögensverwalter Lyxor, in Europa ein großer Anbieter börsengehandelter Indexfonds. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen dem Handelsblatt vor.

Die Französin nahm sich rund 7000 aktiv verwaltete Fonds mit einem Kapital von 1,6 Billionen Euro vor. Sie untersuchte die Aktienangebote für Standardwerte mit Anlage in Europa, den USA, Japan und den Schwellenländerbörsen.

Die Expertin bildete Gruppen je nachdem, wie deutlich die Fondserträge von der Entwicklung ihrer Vergleichsindizes abwichen. Mit zunehmender Abweichung unterscheiden sich auch die Depots stärker von den Messgrößen und sind stärker auf einzelne Werte konzentriert.

Das Ergebnis für das vergangene Jahr: Defensive Manager mit einer Fondsstruktur nahe am Index lieferten nur in wenigen Fällen einen Mehrertrag; je größer die Abweichung und damit der Mut, desto höher war auch die Quote der erfolgreichen, die also mehr Rendite einspielten als die Messlatte. Bei den extrem mutigen Managern mit wenigen Aktien übertrumpfte fast jeder zweite den Vergleichsindex.

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Dennoch warnen Experten vor einem unbedachten Kauf solcher Fonds für konzentrierte Wetten. Die Chance auf höheren Ertrag habe ihre Schattenseiten. „Eine sehr starke Abweichung vom Index ist für sich genommen kein Gütesiegel“, meint Ali Masarwah, Analyst bei der Ratingagentur Morningstar.

Wenn eine solche Strategie einmal schiefliege, dann drohten auch spiegelbildlich größere Verluste als bei einem Fonds mit breit gestreuten Risiken. „Das ist nur etwas für informierte Anleger als Zusatzinvestment“, empfiehlt der Analyst.

Eine Portion Skepsis liefert auch ein anderes Ergebnis der Lyxor-Rechnungen. Es geht um die Frage, ob ein guter Manager auch in Zukunft überdurchschnittlich gute Erträge bringt. Die Antwort ist ernüchternd: Die Erfolgsquote schrumpft sehr schnell.

Auf Dauer bleibt nur etwa jeder zehnte Stratege top. Da ähneln sich die Ergebnisse bei den Auswertungen für Aktien- und Anleihefonds. „Unsere Rechnungen zeigen, wie schwierig es ist, immer wieder aufs Neue besser zu sein als der Index“, resümiert Hassine Konqui.

Wegen dieser Risiken verschreiben sich nur wenige Asset-Manager dem mutigen Ansatz mit konzentrierten Wetten. Zu dieser kleinen Gruppe zählt die schottische Adresse Baillie Gifford mit 220 Milliarden Euro an verwalteten Kundengeldern.

„Wir orientieren uns überhaupt nicht an Indizes; Investieren ist eine Kunst, keine Wissenschaft“, sagt Baillie-Gifford-Partner Stuart Dunbar. Seine Analysten suchten die wenigen Firmen, die in Zukunft die großen Wertzuwächse schaffen würden.

Dunbar verweist auf die letzten einhundert Jahre an der Wall Street. Am größten Finanzmarkt hätten 0,4 Prozent der Aktien über diesen Zeitraum die Hälfte des Wertzuwachses erwirtschaftet. „Wenn man die nicht erwischt, bedeutet das schrecklich schlechte Erträge“, resümiert der Schotte.

Und genau diese Kursvervielfacher will er erwischen. Sein Paradebeispiel: „Wir haben schon 2003 in Amazon investiert, weil wir wussten: Das ist mehr als ein Buchladen. Und die Firma hat mit Jeff Bezos einen smarten Chef.“

Auch Lynch von Morgan Stanley hat übrigens das meiste Fondsgeld auf Amazon gesetzt. Fast ein Zehntel des Kapitals steckt in der Aktie. Es sind genau solche, eher seltene Hits an den Aktienmärkten, denen diese Manager hinterherjagen – besser gesagt: die sie früh aufspüren wollen, noch bevor die Hausse losgeht. Die Amazon-Aktie bietet ein Paradebeispiel. Sie ist heute mehr als 100 Mal teurer als zu Beginn des Jahrtausends.

Investoren orientieren sich bei ihrer Kaufentscheidung allerdings kaum an solchen Argumenten und den Ergebnissen der Lyxor-Statistik – im Gegenteil: Rund 85 Prozent des Kapitals der in die Studie einbezogenen Fonds stecken in Produkten mit minimaler und geringer Indexabweichung.

„Lediglich 15 Prozent der Gelder werden von wirklich aktiven Managern gesteuert. Es gibt also nur wenige mit starken Überzeugungen, die genau diese auch mit ihrer Strategie umsetzen“, sagt Hassine Konqui.

So bleibt die mutige Wette für Anleger ein zweischneidiges Schwert. Es scheint immerhin, als wären auch Börsenguru Kostolany mutige Investoren sympathischer gewesen.

Das klingt dann etwas anders als bei seiner ernüchternden Bemerkung über die fehlenden mutigen Piloten mit langer Berufspraxis: „Das große Unglück bei uns alten Spekulanten ist, dass wir zwar viele Erfahrungen gesammelt, unsere Waghalsigkeit jedoch verloren haben.“

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