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Geldanlage Wie Anleger auf geschickte Weise Kursrisiken abfangen

Wandelanleihen profitieren von steigenden Aktienkursen, halten sich bei Verlusten an den Börsen aber relativ stabil. Das macht sie derzeit interessant.
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Bei stark schwankenden Aktienmärkten wollen sich viele Anleger gegen Kursrisiken absichern. Quelle: Ikon Images/Getty Images
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Bei stark schwankenden Aktienmärkten wollen sich viele Anleger gegen Kursrisiken absichern.

(Foto: Ikon Images/Getty Images)

Frankfurt War es das schon wieder? An den Aktienmärkten gab es in den vergangenen Tagen zwischenzeitlich erneut deutliche Rückschläge. Enttäuschende Konjunkturindikatoren wie die schwächeren Einkaufsmanagerindizes in Europa und den USA verunsichern die Anleger.

Auch Marc-Alexander Knieß, Fondsmanager bei Lupus Alpha, sieht nicht alles rosig an den Börsen. „An Unsicherheitsfaktoren für den Rest des Jahres mangelt es nicht“, sagt Knieß und zählt die Probleme auf: „der Brexit, der Handelskonflikt zwischen den USA und China auf der einen und zwischen den USA und Europa auf der anderen Seite – und das alles vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Abschwächung“.

Trotzdem ist Knieß relativ entspannt. Das liegt an der Anlageklasse, die er seit gut zwei Jahren mit zwei Kollegen für Lupus Alpha betreut, nachdem er das zuvor knapp 17 Jahre für die DWS gemacht hat. Knieß investiert in Wandelanleihen. Die sind für ihn „Aktien mit Airbag“.

In der Tat machen Wandelanleihen in der Regel einen guten Teil der Aufwärtsbewegungen an den Börsen nach oben mit, verlieren bei fallenden Börsen aber weniger stark als Aktien. Von daher sind sie gerade jetzt interessant. Denn wer an den Märkten noch Geld verdienen will, muss angesichts der Niedrigzinsen Risiken eingehen.

Die Aktienmärkte laufen aber schon seit zehn Jahren vor allem in den USA gut und haben sich weltweit vom Rückschlag im vierten Quartal des vergangenen Jahres deutlich erholt. Viele Investoren werden deshalb vorsichtiger.

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Wandelanleihen bieten sich zur Absicherung an, weil sie eine Mischung aus Unternehmensanleihen und Aktien sind. Wie Anleihen werden sie verzinst und haben eine feste Laufzeit. An deren Ende werden sie zurückgezahlt, wenn der Schuldner zahlungsfähig bleibt.

Die Zinsen sind jedoch niedriger als bei herkömmlichen Anleihen. Das liegt daran, dass Anleger die auch „Convertible Bonds“ oder kurz „Convertibles“ genannten Zinspapiere während der Laufzeit in Aktien tauschen können. Der Preis dafür wird bei der Platzierung der Wandelanleihen festgelegt und liegt zu diesem Zeitpunkt über dem Börsenkurs.

Je mehr die zugrunde liegende Aktie steigt, desto geringer wird die Wandlungsprämie und desto mehr verhält sich die Wandelanleihe wie eine Aktie. Bei fallenden Aktienkursen sinkt zwar auch der Kurs der Wandelanleihen, aber weniger deutlich, eben weil Anleger sich ihr Geld am Ende der Laufzeit auszahlen lassen können.

Außerdem profitieren Wandelanleihen von größeren Schwankungen an den Märkten. „Steigende Volatilität erhöht den Wert der in den Wandelanleihen enthaltenen Kaufoptionen. Auch deshalb halten sich Wandelanleihen bei schwankenden Märkten oft stabiler als Aktien“, erklärt Knieß.

Markt für Profis

Um die Attraktivität von einzelnen Wandelanleihen zu bewerten, müssen sich Investoren mit Aktien, Anleihen und Optionen auskennen. Das ist ein Grund, warum vorwiegend professionelle Anleger Wandelanleihen handeln. Zudem sind die meisten Papiere erst ab 100.000 Euro zu haben. Für Privatanleger empfehlen sich deshalb Fonds.

Die meisten Fondsmanager setzen auf Kursgewinne bei den Wandlern und verkaufen die speziellen Zinspapiere vor der Rückzahlung. In Aktien wandeln Fondsmanager die Papiere in der Regel nicht, denn sie wollen ja eben nicht das volle Aktienrisiko in ihrem Portfolio haben.

Den auf Sicht von vielen Jahren erfolgreichsten Wandelanleihefonds managt Alan Muschott beim US-Haus Franklin Templeton. Sein globaler, auf Dollar lautender Wandelanleihefonds hat in der währungsgesicherten Euro-Tranche (WKN A1JTUX) in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt rund neun Prozent pro Jahr zugelegt. Damit hat er die Konkurrenz nach Daten des Fondsanalysehauses Scope Analysis geschlagen.

Seit Jahresanfang gewann der Fonds fast 14 Prozent. Der erst vor gut einem Jahr aufgelegte globale Wandelanleihenfonds von Knieß (WKN A2H7DG), der das Währungsrisiko im kompletten Fonds absichert, schaffte seit Jahresbeginn ein Plus von rund sieben Prozent.

Von Oktober bis Ende Dezember 2018, als die Börsen weltweit einbrachen, litten zwar auch Wandelanleihen – aber eben nicht so deutlich wie Aktien. „Wir haben im vierten Quartal in unserem Fonds rund acht Prozent verloren. Die Aktien der Unternehmen, von denen wir Wandelanleihen halten, brachen doppelt so stark ein“, verrät Muschott. Knieß verlor mit seinem Fonds im vierten Quartal 6,5 Prozent.

Muschott hat einen klaren Fokus auf US-Unternehmen und setzt vor allem auf die Bereiche Technologie, Gesundheit und zyklische Konsumgüter. „Die digitale Transformation wird für viele Unternehmen und Branchen immer wichtiger. Hiervon profitieren besonders Unternehmen, die Dienste in der Cloud anbieten“, ist der Portfoliomanager überzeugt. Zu den größten Positionen in seinem Fonds gehören aus diesem Bereich die US-Firmen Workday und Service Now.

Im Gesundheitsbereich setzt Muschott ebenfalls auf Unternehmen, die neue Technologien nutzen. Hierzu gehören der Diabetesspezialist Dexcom, der automatisch mit unter der Haut liegenden Sensoren Blutzuckerwerte misst. Auch bei den Wandelanleihen des Genanalyse-Pioniers Illumina sieht Muschott Potenzial.

Im Konsumbereich mag er gleichfalls Unternehmen, die von der Digitalisierung profitieren. Dazu gehören der Online-Möbeleinzelhändler Wayfair und die in den USA notierte argentinische Onlinehandelsplattform Mercadolibre – eine Art E-Bay für Südamerika. Dazu findet er die Wandelanleihen der Online-Reiseanbieter Expedia und Booking.com interessant.

Generell kommt es für Muschott gerade im aktuellen Umfeld darauf an, in Wandelanleihen von Unternehmen zu investieren, die auch bei schwächerer Konjunktur und stagnierenden oder leicht fallenden Umsätzen ihre Gewinne steigern können. Und solche Unternehmen sieht er eben vor allem in den Bereichen rund um die digitale Transformation.

Prinzipiell sind es oft Wachstumsunternehmen aus der zweiten oder dritten Börsenreihe, die Convertibles begeben. „Wandelanleihen sind für Unternehmen die günstigste Art, an Kapital zu kommen, eben weil die Zinsen niedriger sind als bei herkömmlichen Anleihen“, erklärt Knieß. Auch in seinem Fonds haben IT-Unternehmen ein großes Gewicht, die USA spielen aber eine nicht ganz so dominante Rolle.

Ein Problem bei Wachstumsunternehmen ist, dass sie oft riskanter sind und häufig eine schlechtere Bonität haben als etablierte Konzerne. Nur etwa ein Viertel der Unternehmen, die Wandelanleihen ausstehen haben, verfügt über Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen im Bereich Investmentgrade für solide Bonität, schätzt Muschott.

In seinem Fonds haben 66 Prozent der Unternehmen gar kein Rating von einer der großen Agenturen S&P, Moody’s oder Fitch. Bei diesen Unternehmen dürfte die Bonität nach Bewertung der Kreditanalysten von Franklin Templeton überall unterhalb des Investmentgrade liegen.

Auch Knieß investiert nicht nur in Unternehmen mit Ratings, sondern auch in solche, die kein offizielles Rating haben oder unterhalb des Investmentgrade-Bereichs liegen. „Ansonsten würden wir uns zu viele Chancen abschneiden“, sagt der Fondsmanager. Dennoch spiele die Anleihequalität eine wichtige Rolle. Lupus Alpha kauft nur Wandler von Unternehmen, bei denen das Haus die Bonität mittels eines eigenen „Schattenratings“ bei mindestens „B-“ einschätzt.

Am Anleihemarkt stehen Ratings von „B-“ für eine sehr riskante Anlage. Viele Anleihefonds dürfen sie gar nicht oder nur in geringem Umfang halten. Wegen der Chancen auf deutliche Kursgewinne sind Wandelanleiheinvestoren aber wagemutiger und riskieren mehr. Dennoch gilt laut Knieß: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Unternehmen solvent bleiben – sonst geht der Airbag nicht auf, und die Wandelanleihen bieten keinen Schutz.“

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