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Geldanlage Wie sich ein Investment in Wasseraktien lohnt

Sauberes Wasser ist eines der ganz großen Zukunftsthemen. Spezielle Aktien und Fonds bieten Investoren neben einem guten Gewissen ordentliche Renditen – längerfristig zumindest.
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Reines Wasser ist ein teures Gut. Quelle: EyeEm/Getty Images
Stausee in den Alpen

Reines Wasser ist ein teures Gut.

(Foto: EyeEm/Getty Images)

FrankfurtDer Spot ist beklemmend: Ein Streifen von Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg zum Weltwassertag Ende März zeigt einen Sprungturm in einem Schwimmbad, von dem ein kleines Mädchen springt. Erst als die Kameraeinstellung in die Totale schwenkt, erkennt der Zuschauer, dass im Becken kein Wasser ist. Am Ende dann die Botschaft: Alle 90 Sekunden stirbt ein Kind auf der Erde an den Folgen des globalen Wassermangels.

Wasser gehört neben der Luftverschmutzung zu den emotionalsten und auch ältesten Umweltthemen, die auch für private Anleger zugänglich sind. Den ältesten und bekanntesten Fonds zum Thema Wasser managt Cédric Lecamp von Pictet Asset Management. Sein „Pictet Water“-Fonds ist seit dem Jahr 2000 am Markt und rund 4,5 Milliarden Euro schwer.

Aktien sind gefragt

„Der Wasserfonds ist eine langfristige Anlage“, betont Lecamp. Im Schnitt wechselt er jährlich 15 Prozent der Titel aus, die durchschnittliche Haltedauer der Aktien beträgt knapp unter zehn Jahre. Ein Grund: Er sieht beispielsweise die Wasserversorger als Lieferant eines elementaren Gutes als relativ unabhängig von Konjunkturzyklen.

Das schafft seiner Ansicht nach Stabilität: Deshalb seien die Aktien auch in Phasen eines Wirtschaftsabschwungs wie jetzt besonders gefragt. Auch von politischen Turbulenzen wie dem geplanten EU-Austritt der Briten bleibt der Fondsmanager unbeeindruckt. 

„Der Brexit tangiert das Wasserthema kaum. Deshalb haben wir unser Engagement hier kürzlich sogar aufgestockt. Eher hätten wir Angst vor einer Labour-Regierung und dass diese nach einem Wahlsieg in Großbritannien die Wasserversorger rückverstaatlichen könnte“, meint Lecamp.

Zu den größten Positionen im Wasserfonds zählen die US-Schwergewichte American Water Works sowie Danaher, ein Hersteller von Test- und Aufbereitungssystemen für Wasser. Beide Werte sind allerdings zuletzt gut gelaufen und notieren nahe ihrer Höchststände.

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Auffällig ist, dass deutsche Unternehmen in fast allen Wasserfonds kaum eine Rolle spielen. Es dominieren Player aus den USA, zudem aus Frankreich und Großbritannien wie Veolia Environment und Severn Trent plc. Die Zukunft gehört allerdings – wie in vielen anderen Sektoren auch – den Unternehmen aus dem Reich der Mitte, wie Pictet-Manager Lecamp betont.

„In China sehen wir die größte Dynamik, hier werden private Unternehmen künftig rund um das Wasserthema eine sehr wichtige Rolle spielen“, sagt er. Momentan sind sie aber noch nicht unter den größten Einzelposten zu finden.

US-Spezialisten dominieren

Anleger, die in das Thema Wasser investieren möchten, haben in Deutschland derzeit 17 Investmentfonds zur Auswahl, wie die Fondsratingfirma Scope berichtet – Tendenz zunehmend, weil das Thema „in“ ist. Die Fonds verwalteten derzeit ein Vermögen von gut zehn Milliarden Euro.

Davon entfallen 85 Prozent auf aktiv gemanagte, also von Fondsmanagern gesteuerte Produkte. Immerhin 14 der 17 Wasserfonds sind dabei bereits mehr als fünf Jahre am Markt. Und die Fonds haben über fünf Jahre durchschnittlich jährlich 7,4 Prozent Rendite nach Kosten erzielt. Die Bandbreite reicht von 4,4 Prozent beim JSS Sustainable Equity – Water bis zu 10,4 Prozent pro Jahr beim Lyxor World Water Ucits ETF. Der Pictet-Wasserfonds hat 9,1 Prozent pro Jahr geschafft.

Obwohl viele Wasser-Aktien in den vergangenen Jahren schon deutliche Wertsteigerungen gesehen haben, gibt es nach Ansicht der Experten neue Kursfantasie, die aus der technologischen Revolution herrührt. Die besten Unternehmen der Branche hätten ihren Gewinn in den vergangenen fünf Jahren um 6,6 Prozent jährlich gesteigert, im breiteren Industriesektor seien es nur 3,8 Prozent jährlich gewesen, sagt Justin Winter, Fondsmanager mit dem Schwerpunkt Wasserstrategie bei Impax, einem Partner von BNP Paribas Asset Management in London.

„Die Digitalisierung schafft neue Chancen. Beispielsweise kann der Einsatz von Wasser in der Landwirtschaft viel effizienter erfolgen“, ergänzt Winter. Gleiches gelte für die Wasserversorgung, wo heute bis zu 30 Prozent durch Lecks in den Rohren verloren gingen. Winter managt den Wasserfonds „Parvest Aqua“, dessen größte Einzelposten Xylem und die Georg Fischer AG sind.

Xylem-Vorstandschef Patrick Decker sieht aus der Verbindung von Soft- und Hardware neue Aufgaben erwachsen, wie beispielsweise den Schutz des Trinkwassers vor Hochwasserschäden. Die schweizerische Georg Fischer AG ist kein reiner Wasserwert, sondern eher ein breit aufgestellter Technologiekonzern.

Schwieriges Jahr 2018

Die Aktie ist mit knapp 960 Schweizer Franken optisch sehr teuer, notiert aber im Gegensatz zu vielen anderen Titeln mit Wasserbezug deutlich unter dem Fünfjahreshoch von 1 420 Franken. Zu den Papieren aus Europa gehören auch noch Suez SA und Aalberts Industries NV, Letztere ist aber eher ein Mischkonzern mit Umweltbezug. Weltweit sucht Winter von Parvest aus rund 300 Unternehmen mit Bezug zum Thema Wasser rund 50 Firmen heraus, in die er dann investiert.

Das vergangene Jahr war für Wasseraktien und ihre Fonds nicht ganz einfach: Der Weltaktienindex MSCI World schnitt wegen der vergleichsweise hohen Gewichtung von Technologie-Aktien oftmals besser ab. Trotz der Schwäche zum Jahresende haben 2018 die Tech-Aktien gut abgeschnitten, wie Winter erklärt.

Dies sei einer der Hauptgründe, weshalb der MSCI World die Nase vorn gegenüber Wasserfonds gehabt hätten. Während etwa der Parvest Aqua gut neun Prozent einbüßte, waren es beim MSCI World nur vier Prozent – in den Jahren 2015 bis 2017 war allerdings der Wasserfonds in Führung gegangen.

„Die schwierigste Zeit für Wasseraktien ist das Ende eines Abschwungs, wenn sich zyklische Wachstumstitel stark erholen“, sagt Pictet-Manager Lecamp. Diese Marktphase sei derzeit aber nicht in Sichtweite. Letztlich geht es bei dem Thema aber nicht nur um Performance, wie er hervorhebt. Außer Rendite zu erzielen tut der Anleger dabei auch etwas für die Umwelt.

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