Gottfried Heller „Ich habe 90 Prozent meines Geldes in Aktien investiert“

Im Interview erklärt der bekannte Vermögensverwalter Gottfried Heller, warum die Deutschen bei der Geldanlage „absolute Flaschen“ sind und wie Anleger ihre Rendite steigern und gleichzeitig das Risiko senken.
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Gottfried Heller, Vermögensverwalter, Anlageberater und Buchautor in seinem Münchener Büro. Quelle: argum / Thomas Einberger

Gottfried Heller, Vermögensverwalter, Anlageberater und Buchautor in seinem Münchener Büro.

(Foto: argum / Thomas Einberger)

Herr Heller, Sie hatten viel Zeit, um Vermögen aufzubauen. Geht das auch schneller?
Schnell reich werden geht überhaupt nicht. Wenn Sie schnell reich werden wollen, dann müssen Sie zocken. Und wenn Sie zocken, sind Sie schnell arm wie eine Kirchenmaus. Ich habe noch nie gehört, dass ein Daytrader irgendwo in der Forbes-Liste der reichsten Menschen stand. Aber ich habe schon von vielen gehört, die pleitegegangen sind.

Vom Zocken scheinen die meisten Deutschen weit entfernt.
Die Deutschen sind spitze, wenn es um industrielle Fähigkeiten geht, nicht von ungefähr sind wir Exportweltmeister. Aber wenn es um clevere Geldanlage geht, sind sie absolute Flaschen. Über 70 Prozent ihres Vermögens lagern in Bargeld, Bankeinlagen und Versicherungen, doch die Zinsen sind aktuell extrem mickrig. Davon geht dann noch ein Viertel für die Abgeltungsteuer ab, und den Rest frisst die Inflation. Real schrumpft das Vermögen also.

Was sollten Anleger tun? Der Titel ihres neuen Buches verspricht ja „den einfachen Weg zum Wohlstand“.
Die sinnvollste Anlageform neben Immobilien sind Aktien. Schließlich beteiligt man sich damit an der wirtschaftlichen Entwicklung, und die geht langfristig nach oben. Zu den Kursgewinnen kommt auch noch die Dividende. Trotzdem gelten Aktien als Teufelszeug.

Ist der Wunsch nach Sicherheit denn so verwerflich?
Nein, verwerflich ist er nicht. Er ist geschichtlich ziemlich gut nachzuvollziehen. Die Erfahrungen mit Enteignung und Inflation haben die Deutschen traumatisiert. So stark hat das kein anderes Volk der Welt erlebt.

Rund um das Jahr 2000 schien die Angst vor Aktien allerdings mal überwunden.
Ja, aber das Platzen der Dot-Com-Blase hat die Anleger wieder stark verunsichert. Damals sprudelten die Gewinne nur so. Alles schien fantastisch, aber dann sind sie böse auf die Nase gefallen, denn sie wussten nicht, dass der Markt manipuliert war, es waren nur Scheingewinne – wie gewonnen so zerronnen. Außerdem hat sie der Reinfall mit der Aktie der Deutschen Telekom schockiert. Das war eine Unverschämtheit, was der deutsche Staat mit den Anlegern gemacht hat, so einen Hype hätte man nicht zulassen dürfen.

Und dann kam noch die Abgeltungssteuer.
Diese Steuer hat die Aktienkultur weiter beschädigt. Ich hatte mich damals persönlich beim Bundesfinanzministerium dafür eingesetzt, dass die Spekulationsfrist erhalten bleibt, leider vergeblich. Gerade für junge Leute ist die Steuer nicht fair. Sie sparen für das Alter und dann kommt Rabenvater Staat, der ihnen selbst immer weniger Rente zahlt, und will davon noch ein Viertel abhaben. Dadurch ist bei vielen Anlegern wohl der Eindruck entstanden, Aktien seien nicht mehr attraktiv.

Wie kann man die Deutschen die Aktie wieder schmackhaft machen?
Wenn sie ihr Vermögen erhalten und sogar vermehren wollen, führt gar kein Weg an Aktien vorbei. Sie können zwei, drei Jahre zuschauen wie das Geld auf dem Sparbuch liegt und sich nichts tut. Real wird es aber immer weniger, denn die Inflation wird durch die Versuche der Euro-Rettung noch weiter steigen. Wenn sich das erst einmal rumgesprochen hat und gleichzeitig in den Abendnachrichten vermeldet wird, dass der Dax massiv steigt, werden sie ihren Mut doch zusammennehmen.

„Wenn Sie eine gute Aktie haben, dann bleiben Sie sitzen!“
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47 Kommentare zu "Gottfried Heller: „Ich habe 90 Prozent meines Geldes in Aktien investiert“"

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  • Wieder mal vergessen: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Die Gewinne der Einen sind die Schulden der Anderen. Wenn die Schuldenblase Platzt, hat keiner mehr was.

    Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie ruhiger schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein Geld selber aus der Luft schöpfen, und dieses ungerechtfertigte Monopol nicht den Privatbanken überlassen, bräuchten wir alle KEINE STEUERN zu bezahlen.

    Das Verschweigen dieser Tatsache ist der wirkliche Steuerbetrug. Unser Geldsystem ist darauf ausgerichtet, die Menschen zugunsten der Eliten zu versklaven. Mit dem ESM wurde dieses Versklavungssystem von der BRD auf EU Ebene gehoben.

    Der Euro ist das Instrument dazu.


  • Ich habe mir gerade den 14-Jahreschart des vom Autor des Beitrags verwalteten Fonds angesehen. Da hätte ich mein Geld auf dem Sparbuch lassen können. Noch Fragen?

  • Na da macht es sich Herr Heller etwas einfach.
    Das Problem USA ausschwitzen, sehr witzig.
    Die drucken immer mehr Geld und keinen interessiert es.
    Eigentlich müssten wir einen Wechselkurs von 1:2,5 oder noch mehr haben, nach QE3 vielleicht 1 (Euro): 4 (USD)?
    Griechenland ist im Vergleich zur Summe Rest-EU sehr klein, wenn Spanien und Italien fallen sieht es anders aus.

    Zur Altersformel:
    Ja klar, wenn ich 10 mio habe ist es mir vielleicht egal
    wenn diese für ein paar Jahre auf dem Papier doch nur
    3 mio Wert sind, aber wenn ein Normalbürger mit
    abbezahltem Haus oder Wohnung plötzlich "nur" noch 30 tsd
    auf dem Depot hat statt 100 tsd, ist das nichgt mehr so
    witzig. Da spielt das alter kaum eine Rolle, aber den
    80-jährigen wird das wohl mehr Angst machen.
    Sicher sind Aktien eine interessante und wichtige
    Anlageform, aber bei derart viel Manipulation (siehe letzte Woche Sekundenhandel) ist doch etwas (zu viel) Glück im Spiel. -Meine Meinung.

  • @ZinsesZins

    wenn man andere belehren möchte sollte man sich
    vergewissern, was richtig ist. Und nicht gleich
    Blödsinn in die Öffentlichkeit streuen.

    Zinseszins_1.92

  • SeaLand: Die Bertelsmann - Stiftung veröffentlichte vor einigen Jahren die Studie "Der finanzielle Analphabetismus der Deutschen".Sie finden sie auch im Internet. Anzahl Deutscher Aktieninhaber und weitere Daten sprechen grundsätzlich für seine Sichtweise. Eine Aktie eines Global Player fällt um 35 %. Wo ist das Problem ? Werden Sie dabei etwa nervös ? Vielleicht macht ein oder mehrere große Fonds nur Kasse ? STopp - Loss - Kurse lösen dann eine Spirale aus. Am Ende des Gewitters fragt der Vorstandsvorsitzende, was war eigentlich ? Das Unternehmen macht wie die Jahre zuvor Gewinne, wenn auch weniger, alle anderen Daten stimmen auch. Solange ein Unternehmen fundamental gesund bleibt, interessieren mich solche Bewegungen nur am Rande.
    Die vier Grundrechenarten, gesunder Menschenverstand und einige Eckpunkte. Fertig ist die Laube. Kurs - Gewinn - Verhältnis, Eigenkapitalquote ( nicht zu niedrig ), Verschuldungsquote ( nicht zu hoch ), Gewinne ( sollten in mehrjährigem Verlauf vorhanden sein - nur Verluste u.U, in Krisenjahren ).Besuch der Hauptversammlung.Hier treten die Profis in Erscheinung, sobald eine Firma vom rechten Weg abzukommen droht. Sie müssen schon am Unternehmensgeschehen teilnehmen, denn es ist ihr Geld was sie anderen anvertrauen. Geschäftsberichte, Unternehmensmeldungen, Quartalsberichte ergeben dann ergänzend einen abgerundeten Überblick. Ich habe auf Grund zahlreicher Kontakte ins Ausland erst sehr spät auf dieser Basis mit dem Aktienengagement angefangen. Es funktioniert. Lassen Sie sich niemals von einem Bankberater beraten. Hören Sie ihm höchstens zu, befolgen Sie nicht seinen Rat. Hinter jeder Empfehlung steckt ein Interesse. Ist es auch Ihres ?
    Als Ergänzung sind Aktien eine feine Sache. Ich sehe aber auch auf jeder Hauptversammlung die von Hr. Heller geäusserten Bedenken gegenüber Aktieninhabern in Deutschland. In diesem Bereich sind die Deutschen auf dem falschen Dampfer.

  • Theoretisch haben Sie schon recht. Praktisch gesehen macht es kaum einen Unterschied, da der Zinssatz so niedrig ist. Das heisst, mathematisch, (1+x)^10 ~ 1+10*x, wo x der Zinssatz (der Unterschied ist nur 4% bei einem Zinssatz von 1%). Da das ganze eine grobe Abschätzung ist, macht diese Vernachlässigung von mir aus Sinn.

  • Liebe Handelsblattredaktion,
    das Zinsrechnen scheint nicht Ihre Stärke zu sein.
    Wenn Sie den Zinssatz über Zehn Jahre ausrechen dann wir dieser nicht multipliziert sondern potenziert. D.h. 1000€*1,0092^10. Ihre rechnungen für Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld sollten neu berechnet werden. Das ganze heißt Zinseszins. ...

  • Scheinbar hat Gottfried Heller, so wie alle Börsengurus hellseherische Fähigkeiten!

  • Herr Heller, ich habe noch die gängigen Börsenzeitschriften von 1999 bis dato aufgehoben. Ich könnte Ihnen Ihre Empfehlungen einzeln
    vorbalten, die Sie abgegeben haben, sowohl gute als auch schlechte. Kein Börsenguru der Welt hat die Weisheit für sich gepachtet. Ich kaufe Ihr Buch und ziehe für mich die wichtigsten
    Schlüsse daraus. Was ich nicht machen werde, Ihnen zu
    folgen,d.h keine Aktie die Sie empfehlem zu kaufen;das Wissen
    muss man sich selbst erarbeiten.
    MfG
    Walter Schmid

  • Ich investiere genau so, wie es hier beschrieben ist, und fahre sehr gut damit.
    Man kann immer gut BASF, IBM oder Volkswagen kaufen, wenn die Kurse am Boden sind. Danach legt man sich ins Gras.

    Auch wenn alles den Bach hinunter geht, siehe EZB-Politik, werden Häuser und Aktien hilfreich sein. Garniert mit ein wenig Gold für die Durststrecke.

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