Griechenland – ein Volkswirt im Interview „Dax dürfte 12.000 Punkte wieder sehen“

Im griechischen Schuldenpoker ist noch alles offen. Die Märkte zeigen sich zwar optimistisch, doch den Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe überzeugt das nicht: Um die Probleme zu lösen, reiche eine heutige Einigung nicht.
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Eine langfristige Lösung kann es laut Chefvolkswirt Alexander Krüger nur geben, wenn in ein Wandel in der Mentalität stattfinden würde – unter anderem bei der Korruption. „Die griechische Regierung müsste da eine deutlichere Veränderungsbereitschaft zeigen.“ Quelle: dpa
Schuldenpoker um Griechenland

Eine langfristige Lösung kann es laut Chefvolkswirt Alexander Krüger nur geben, wenn in ein Wandel in der Mentalität stattfinden würde – unter anderem bei der Korruption. „Die griechische Regierung müsste da eine deutlichere Veränderungsbereitschaft zeigen.“

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs regnet an diesem Montagvormittag in Düsseldorf, als Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhaus Lampe, zum Handelsblatt-Interview vorbeikommt. Der graue Himmel passt zur Stimmung in Europa. Eine Krisensitzung nach der nächsten hat am Wochenende stattgefunden, um doch noch eine Einigung herbeizuführen im griechischen Schuldenstreit. Am Abend tagen die EU-Regierungs- und Staatschefs in Brüssel ein letztes Mal darüber, ob Griechenland Ende Juni die letzte Tranche des zweiten Hilfspakets, 7,1 Milliarden Euro, ausbezahlt wird. Krüger indessen, der beim Bankhaus Lampe seit der Finanzkrise die Gesamtwirtschaft im Blick hat, bringt die Krisenstimmung nicht mehr aus der Ruhe. Er sieht die Entwicklungen mittlerweile durch die Brille eines Realisten.

Herr Krüger, der Endspurt um eine Lösung im griechischen Schuldenpoker hat am Wochenende die Nerven strapaziert. Haben Sie schlecht geschlafen? 
Nein, denn ich sehe das Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs gar nicht als Endspurt. Sollte man sich einigen, ist es eine weitere vorübergehende Lösung, eine Etappe. Einigt man sich nicht, wird es nachfolgend eine Lösung geben. Wir müssen es nehmen, wie es kommt.

Momentan sieht es eher danach aus, als dass man sich verständigt...
Wir haben immer daran geglaubt, dass es eine Einigung geben wird. Keiner hat ein Interesse am Ausscheiden Griechenland aus der Euro-Zone oder gar der EU. An dieser Grundhaltung hat sich in den letzten Wochen, und auch am Wochenende, nichts geändert.

Alexander Krüger ist Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe. Er hat VWL studiert und war vor Lampe bei der WestLB tätig. Quelle: SCRIPT Consult
Alexander Krüger

Alexander Krüger ist Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe. Er hat VWL studiert und war vor Lampe bei der WestLB tätig.

(Foto: SCRIPT Consult)

Athen hat am Sonntagabend erstmals konkrete Zugeständnisse vorgetragen. Die Frührenten sollen abgeschafft, eine Tourismus- und Reichensteuer eingeführt werden...
Ja, im Detail musste jetzt irgendetwas passieren.

Wenn eine Übereinkunft von Vornherein klar war, warum haben die Griechen mit den Zugeständnissen so lange gewartet? War das eine machtpolitische Frage?
Es geht darum, die eigene Politik zu verkaufen. Alexis Tsipras ist gewählt worden, weil er eine gewisse Richtung vertritt. Mit dieser Dramatik, die eingetreten ist, kann er seinem Wahlvolk die Zugeständnisse besser vermitteln.

Sie sagten, eine Einigung heute wäre nur eine vorübergehende Lösung. Was müsste passieren, um langfristig eine Lösung zu finden?
Für eine tragfähige Lösung müsste man einen Wandel in der Mentalität haben. Das betrifft mehrere Themen, unter anderem die Korruption. Die griechische Regierung müsste da eine deutlichere Veränderungsbereitschaft zeigen.

Die wichtigsten Akteure im Griechenland-Drama
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble
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Die klare Devise von Merkel und Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. Merkel betont stets, dass sie Athen im Euro halten will. Schäuble bekräftigt, Europa und die Eurozone funktionieren nur, wenn Regeln eingehalten werden. Die Verhandlungen sind inzwischen Chefsache. In der Unions-Fraktion gilt Schäuble aber als Garant, dass es nicht zu viele Zusagen an Athen gibt.

Großer Druck
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Tsipras pochte auf eine Lockerung der strikten EU-Sparvorgaben. Doch der Druck auf den charismatischen und redegewandten Politiker wuchs von Tag zu Tag. Er musste seine Regierungskoalition und das linke Syriza-Bündnis auf Kurs halten und wollte seine Wähler nicht verprellen.

Griechischer Finanzminister Yannis Varoufakis
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Offiziell wurden die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern zunächst von ihm geführt. Der linke Wirtschaftsprofessor löste aber mehrfach Eklats aus, provozierte mit markigen Sprüchen und nervte seine Kollegen in der Eurogruppe mit philosophischen Vorträgen, statt sich auf konkrete Zahlen festzulegen. Seine Position in der Rolle des Chefkoordinators übernahm der stellvertretende Außenminister Euclides Tsakalotos.

Jeroen Dijsselbloem
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Der niederländische Finanzminister ist der offizielle Repräsentant der Eurogruppe - also der 19 EU-Länder, die die Gemeinschaftswährung eingeführt haben. Er übernahm den schwierigen Job mitten in der Euro-Schuldenkrise 2013 - und galt im internationalen Politikgeschäft anfangs als überfordert.

Mario Draghi
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Der italienische Wirtschaftswissenschaftler ist als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) eine der Schlüsselfiguren bei der Griechenland-Rettung. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben. Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben.

Christine Lagarde
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Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Ohne den IWF geht bei der Griechenland-Rettung nichts. Allein das aktuelle Hilfsprogramm ist 28 Milliarden Euro schwer.

Jean-Claude Juncker
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Der EU-Kommissionspräsident übernahm in den vergangenen Monaten eine Vermittlerrolle. Ein Versuch, die Basis für eine Abmachung der Eurogruppe über das griechische Reformpaket zu legen, scheiterte aber. Als früherer Euroretter und Eurogruppenchef gilt Juncker als einer der wenigen, die bei der Griechenland-Rettung jedes Detail verstehen.

Was könnte sie tun?
Die griechische Regierung müsste offen sagen, dass ihr die finanzpolitische und steuerrechtliche Expertise fehlt und dass diese von außen kommen muss. Ich finde den Vorschlag des deutschen Finanzministers Schäuble gut, griechische Behörden mit Know-How zu unterstützen.

„Einen Nord- und einen Süd-Euro finde ich gut“
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  • Das Bankhaus Lampe als "Privatschatulle" des Milliardärsclans Oetker ist kaum ganz ernst zu nehmen - schon gar nicht der dort angestellte Volkswirt.
    Eine von vielen Meinungen vielleicht, aber gleichwohl keine gewichtige.

    Man übersieht gern, daß Griechenland nicht im Euro bleiben will.
    Alle Handlungen und Äußerungen sind da völlig eindeutig.
    Die faschistisch-kommunistische Koalition in Athen möchte alle Schulden loswerden und sodann ungestört am realen Kommunismus arbeiten. Man sollte sie gewähren lassen - und nicht peinlichst diesen Komikern auch noch hinterher kriechen.
    Das ist ja nicht mit an zu sehen - abstoßend und degoutant in schlimmster Form.

  • Ist das jetzt der original Bauer oder das Pagiat?
    Wer bin denn ich?

  • Natürlich wird der Dax die 12.000 wieder sehen, denn der Vermögensaufbau in Aktien ist alternativlos.
    Wer wie ich, seit 50 Jahren in Aktien investiert, der sieht die täglichen Schwankungen sehr gelassen.
    Natürlich habe ich nicht nur Titel aus dem Dax, sondern bin international aufgestellt, allerdings nur mit den big Playern der einzelnen Branchen.
    Verlierer braucht niemand im Depot. Die Div. kassieren und bei Schwäche nachkaufen, dann klappt es auch mit der Rente!

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