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Handelsblatt-Studie Langfristig lohnt sich Aktienanlage nicht

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Solche miserablen Ergebnisse für Aktieninvestments sind weder ein deutsches Phänomen noch historisch einmalig. In den USA notiert der wichtigste Börsenindex S&P inflationsbereinigt derzeit kaum höher als Ende der 80er-Jahre. Nach der Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre hat es 22 Jahre gedauert, ehe Anleger ihre Einstiegskurse von 1929 wiedersahen. Auch in den 60er- und 70er-Jahren war mit Aktien kein Geld zu verdienen. Hohe Lohnabschlüsse verursachten immense Teuerungsraten. Sie mündeten in hohen Zinsen, Staatsanleihen warfen bisweilen zehn Prozent Rendite ab. Das machte Aktien unattraktiv.

Diesmal zeichnen für die lange Durststrecke zwei dicht aufeinanderfolgende globale Schocks verantwortlich. Erst vernichtete die geplatzte Technologieblase drei Viertel des Börsenwerts. Der Dax fiel binnen drei Jahren von gut 8 000 auf 2 187 Punkte. Schon damals sagte Robert Shiller von der Yale University den Börsen harte Zeiten voraus. Seiner Meinung nach waren seit Anfang der 80er-Jahre die Gesetze der Ökonomie durcheinandergeraten, weil Aktienkurse sehr viel stärker stiegen, als die etablierten Volkswirtschaften wuchsen.

Damals strichen Anleger mit US-Aktien Jahr für Jahr inflationsbereinigte Renditen von zwölf Prozent ein. Wer auf den Dax spekulierte, kam zwischen 1980 und 2000 jährlich auf 13 Prozent, in den Boomjahren zwischen 1994 und 1999 sogar pro Jahr auf jährlich 26 Prozent. Glücklich kann sich schätzen, wer diese Gewinne rechtzeitig realisierte.

Denn die Extreme würden sich rächen, prophezeite Shiller damals. Über kurz über lang müssten die Erträge aus Kursgewinnen und Dividenden zu ihrem langjährigen Durchschnitt zurückkehren. Dieser liegt bei sieben Prozent. Mehr noch: Langfristberechnungen zeigen, dass einer Phase mit überdurchschnittlichen Renditen stets eine lange Zeit sehr magerer Börsenjahre folgt. Die Realität gab Shiller recht. Zwar stieg der Dax nach dem Platzen der Internetblase in nur vier Jahren um 270 Prozent, weil die Notenbanken mit ihren niedrigen Zinsen die Konjunktur anheizten und die Finanzmärkte mit Geld überschwemmten. Das Geld floss vor allem in Immobilien. Doch der zweite globale Schock - die geplatzte Immobilienblase samt Bankenkrise und Rezession - halbierte die Börsenkurse erneut.

Die zwei Blasen zeichnen allerdings nicht allein verantwortlich für die miserable Aktienperformance. "Globale tektonische Verschiebungen benachteiligen Aktien an den etablierten Börsen", sagt Franz Wenzel von Axa Investment Managers in Paris. Anders als bis zu Beginn der neunziger Jahre fließen nun Jahr für Jahr weltweit viele Milliarden in die neuen Märkte Asiens, Osteuropas und Südamerikas. Westeuropa und Wall Street müssen einen immer größeren Teil des Börsenkuchens abgeben. Bei den Unternehmen an der chinesischen Börse hat sich in den letzten fünf Jahren die Marktkapitalisierung verfünffacht. 2007 verzeichnete Schanghai erstmals höhere Umsätze als Frankfurt.

Abgesehen von kurzzeitigen Schockwellen dürfte sich daran nichts ändern, solange die Schwellen- und Boomländer sehr viel stärker wachsen als die alten Industrienationen. Deshalb wird es für Anleger immer schwieriger, mit Aktien an Börsenplätzen wie Frankfurt oder New York Geld zu verdienen. Reich gewordene Investmentbanker und Börsenlegenden wie George Soros und Jim Rogers erkannten den Boom der Schwellenländer bereits in den 70er-Jahren.

Weil aber die aufstrebenden Länder in Asien, Osteuropa und Südamerika unter großen Schwankungen wachsen, werden nach Ansicht von Axa-Stratege Wenzel auch die Börsen künftig sehr viel stärker als in früheren Jahrzehnten schwanken: "Anleger fahren deshalb häufig besser damit, Gewinne in konjunkturellen Boomzeiten mitzunehmen." Das Motto "Kaufen und Halten" hat bei Experten des 21. Jahrhunderts ausgedient.

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