Hendrik Leber, Dirk Müller und Max Otte „Ein Grexit wäre heilsam“

Die Rettung Griechenlands hängt am seidenen Faden, mal wieder. Viele Investoren wünschen sich nur eins: eine Entscheidung. Egal, wie die ausfällt. Dirk Müller, Max Otte und Hendrik Leber über die Folgen für die Märkte.
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Hendrik Leber (vorne links) ist Gründer der Acatis Investmentgesellschaft. Dirk Müller alias Mr. Dax (links) hat seit April einen eingenen Fonds, den Dirk Müller Premium Aktien. Max Otte (rechts) managet den Max Otte Vermögensbildungsfonds. Das Gespräch führte Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse beim Handelsblatt. Quelle: BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt
Fondsmanager im Gespräch

Hendrik Leber (vorne links) ist Gründer der Acatis Investmentgesellschaft. Dirk Müller alias Mr. Dax (links) hat seit April einen eingenen Fonds, den Dirk Müller Premium Aktien. Max Otte (rechts) managet den Max Otte Vermögensbildungsfonds. Das Gespräch führte Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse beim Handelsblatt.

(Foto: BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt)

In der edlen Cigarrum des Steigenberger Parkhotels in Frankfurt treffen wir uns zu einem Roundtable. Mr. Dax Dirk Müller hat die beiden Fondsmanager Max Otte und Hendrik Leber eingeladen. Es soll um Value-Investing gehen an diesem Vormittag, über das Investieren in werthaltige Aktien. So wie es der legendäre Warren Buffett vormacht. Doch natürlich überlagert das aktuelle Geschehen in Brüssel und Athen alles. Kommt es doch noch zum Grexit oder finden die Politiker noch einen Kompromiss. Und dann?

Der Dax schwankt zurzeit kräftig hin und her. Die Griechenland-Krise hat die Börsen fest im Griff. Macht Sie das nervös?
Hendrik Leber: Da die Aktienkurse am Jahresende höher stehen werden als jetzt, ist das aktuelle Marktgeschehen kein Stress für mich.
Max Otte: Dem schließe ich mich an.

Und wenn es doch noch zum Grexit kommt?
Leber: Ach, erstmal gibt es ein bisschen Stress, weil etwas Unerwartetes passiert. Irgendjemand hat dann doch noch ein Risiko im Portfolio, das verunsichert. Aber das sind alles staatliche Risiken, den privaten Investor betreffen sie nicht. Unsere Börsen werden vor allem von den Amerikanern sehr stark getrieben. Wenn die sehen, dass Europa den Haushalt in Ordnung bringt, dass wir da System reinkriegen, dann schicken sie auch wieder Geld hier rüber. Und dann steigen die Kurse.

Für die Amerikaner ist der mögliche Grexit schon ein großes Thema?
Leber: Im Grunde nicht. Aber die Amerikaner halten uns wirklich für verrückt, weil wir gerade genau das machen, was sie selbst vor 200 Jahren gemacht haben. Bundesstaaten mussten damals füreinander bürgen. Das ist in den USA nach 60 oder 70 Jahren wieder aufgehoben worden – „no bail out“. Was die Amerikaner damals gelernt haben, lernen wir gerade mit 150 Jahren Verspätung. Ich glaube, die nehmen uns erst dann wieder ernst, wenn wir diese Bürgschaften abgeschafft haben.

Der Grexit wäre also gar nicht so schlimm, wenn er denn doch noch kommen würde?
Leber: Er wäre vor allem heilsam.
Dirk Müller: Das sehe ich genauso. Ein Grexit wäre sogar eher positiv. Wir können es doch alle nicht mehr hören. Immer wieder das Griechenland-Drama, alle halbe Jahre wieder. Bringt eine Lösung, egal wie! So denken auch die meisten Anleger. Das Thema ist abgefrühstückt. Jeder weiß, dass irgendwann ein Grexit kommt. Wenn nicht, ist es auch egal. Nur dann stehen wir in zwei Jahren wieder vor dem gleichen Problem. Also lieber jetzt eine Lösung, wie auch immer die geartet ist. Denn das wäre eine Befreiung für die Märkte.

Griechenland alleine ist nicht das Thema
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27 Kommentare zu "Hendrik Leber, Dirk Müller und Max Otte: „Ein Grexit wäre heilsam“"

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  • Woher soll eigentlich der vormalige Aktienhändler (so wie es auch Autohändler gibt, die vom Auto nichts verstehen) Müller substantielles Wissen über den Gesprächsgegenstand haben?
    Durch probate Kenntnis fiel er noch nie auf - ganz im Gegenteil, dafür durch die tolle Haartolle.

  • @ Herr Fritz Yoski

    >> Die Weisheit mit Loeffeln gefressen, ja? >>

    Nein, mit Schöpflöffeln !

  • auf das Wohlwollen der Europäer (Deutschen ) angewiesen?

    Deshalb können sie auch die Telefonate der Staatsoberhäupter abhören oder Verlangen das die gewählten Abgeordneten die Abhörprotokolle nicht einsehen dürfen. Das ist die tägliche Realität und hat mit Extremzenarien nichts zu tun. Wenn Obama pfeift muß Frau Merkel tanzen. Und er pfeift immer wieder mal.

  • „Ein Grexit wäre heilsam“....die meisten verstehen erst heute, was die AFD schon vor Jahren gesagt hat!

    (...)

     
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Trotzdem wird das nächste Rettungspaket kommen, weil ja sogar US-Präsident Obama Bundeskanzlerin Merkel ermahnt hat, mehr Geld zu geben. Das alles ist auch geopolitisch zu sehen. Die Erpressbarkeit der europäischen Regierungen, insbesondere der Deutschen ist grenzenlos."

    Wenn Sie in Extremszenarien denken ist jede Regierung erpressbar. Die Russen können die Amerikaner mit Atomwaffen erpressen und umgekehrt. Anhand dieses Szenarios kann man den Widersinn solcher Vorstellungen verdeutlichen: Solche Drohungen wirken nur auf solche Menschen glaubehaft, welche die negativen Effekte auf den Erpresser vollständig ausblenden. Die Russen werden die Amerikaner nicht erpressen, weil sie selbst dann auch dem Untergang geweiht wären. Nur dann, wenn man psychopathischen Opferwillen und Kohlhaassche Sturheit unterstellt, würden solche Drohungen glaubhaft.

    Die Wahrheit für Griechenland ist: Alle sitzen hier im selben Boot und der Erpesser ist der einzige ohne Rettungsring. Und die Amerikaner sind zwingend auf die Mitarbeit und Wohlwollen der Europäer angewiesen: Sich gegen Chinesen, Russen und andere durchzusetzen können und wollen sie sich gar nicht leisten.

  • "Das ist doch rein geldpolitisch – sie hat das Geld geschöpft, sie kann es einfach ausbuchen. Warum müssen dann die Staaten nachschießen?"

    Die Antwort auf die so gestellte Frage ist im Prinzip trivial, daher weiß nicht wirklich ob ich Müllers Verständnisproblem richtig gesehen habe oder ob ein anderer Punkt unklar ist. Indem die Notenbank die Bilanz ausgleicht, stellt sie sicher, dass sie die Kontrolle über die Geldmenge behält. Andernfalls würden unkontrolliert größere Beträge herumgeistern, die nicht mehr eingesammelt werden können. Im Extremfall mündet das in Hyperinflation.

    Würden Gewinne nicht ausgeschüttet oder Verluste verrechnet, ändert sich die Geldmenge. Aus ähnlichen Gründen sterilisiert man bei Währungseingriffen.

  • Warum gibt das hb (...) Dirk Müller immer wieder eine Plattform seine Grundschulökonomie Weisheiten zu verbreiten? Peinlich.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Na gut das wir Experten wie Sie mit an Bord haben. Die Weisheit mit Loeffeln gefressen, ja?

  • @ Herr Hugo Brestel

    >> Vielleicht weil Somalia nicht Mitglied der Euro-Zone ist? >>

    Vielleicht.

    Bloß würde ich dann nicht verstehen, was das für eine Aussage Kraft hätte....? Müssten die Bulgaren, Polen, etc. nicht für Griechenland mitblechen, obwohl sie nicht in der € - Zone sind ?

    Was meinen Sie dazu ?

  • »Die Erpressbarkeit der europäischen Regierungen, insbesondere der Deutschen ist grenzenlos.«

    Dieser Satz hat mir persönlich am besten gefallen. Es geht um die Süd-Ost-Flanke der NATO, alles andere interessiert die Amis nicht, den Türken ist ja nicht zu trauen – siehe Gülen, der in USA präpariert wird für den Putsch gegen Erdogan.

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