Index-Manipulation „Flash-Boy” darf Gefängnis verlassen

Vor fünf Jahren soll er den US-Index Dow Jones zum Absturz gebracht und Millionen eingestrichen haben. Jetzt kann der Händler Navinder Sarao die Untersuchungshaft verlassen. Das Gericht hatte die Kautionssumme gesenkt.
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Saraos Fall ist noch nicht abgeschlossen: Die US-Justiz fordert seine Auslieferung. Ob das passiert, wird ein Londoner Gericht voraussichtlich Ende September entscheiden. Quelle: IMAGO
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Saraos Fall ist noch nicht abgeschlossen: Die US-Justiz fordert seine Auslieferung. Ob das passiert, wird ein Londoner Gericht voraussichtlich Ende September entscheiden.

(Foto: IMAGO)

LondonDer britische Börsenhändler, der 2010 den US-Leitindex Dow Jones zum Absturz gebracht und dabei Gewinne in Millionenhöhe gemacht soll, wird nach fast vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Denn ein Londoner Gericht entschied am Freitag, dass die ursprünglich geforderte Kaution von gut fünf Millionen Pfund (umgerechnet knapp sieben Millionen Euro) deutlich gesenkt wird.

Navinder Sarao muss jetzt nur noch eine Sicherheitsleistung von 50.000 Pfund hinterlegen. Zudem wird sein Vermögen von etwa 30 Millionen Pfund, das er dem Gericht offenlegte und das offenbar größtenteils auf Konten in der Schweiz liegt, eingefroren.

Der 36-Jährige Brite war im April im Haus seiner Eltern in einem Londoner Vorort verhaftet worden. Die US-Justiz wirft ihm Marktmanipulation und Betrug vor. Seine Geschäfte seien der wesentliche Auslöser dafür, dass der US-Leitindex Dow Jones im Mai 2010 so schnell und tief wie nie zuvor abstürzte. Zeitweise wurde durch den „Flashcrash“ bis zu eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet.

Diese „Bad Banker“ verzocken Milliarden
EX-UBS-Banker Hayes: 14 Jahre Haft
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Im Prozess um manipulierte Zinsen hat ein Londoner Gericht den einstigen Star-Händler Tom Hayes am Montag zu 14 Jahren Haft verurteilt. Der 35-jährige Ex-Angestellte von UBS und Citigroup wurde verdächtigt, einer der Drahtzieher im weltweiten Skandal um Tricksereien beim Referenzzinssatz Libor zu sein. Hayes stand im Mittelpunkt eines Händler-Kartells, das sich über mindestens zehn Banken und Brokerhäuser erstreckte. Sie sollen sich von 2006 bis 2010 abgesprochen haben, um den Interbanken-Zinssatz Libor in die gewünschte Richtung zu lenken, damit ihre individuellen Wetten aufgingen.

Hayes' Motiv laut Anklage: pure Gier
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Das Bild zeigt Thomas Hayes mit seiner Ehefrau Sarah auf dem Weg zum Londoner Gericht. Der Libor-Skandal hatte Großbanken rund um den Globus Milliardenstrafen gekostet. Im Verfahren hatte Hayes hatte auf nicht schuldig plädiert. Vor Gericht hatte er erklärt, er habe nicht unehrenhaft gehandelt, sondern seinen Job einfach so perfekt wie möglich machen wollen. Die Anklage sah das anders. Das Motiv des Bankers soll pure Gier gewesen sein.

Jerome Kerviel: fünf Milliarden - fünf Monate
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Anders als Tom Hayes arbeitete Jerome Kerviel auf eigene Rechnung, ohne, dass Kollegen involviert waren. Als Händler bescherte er der Société Générale mit ungenehmigten Spekulationen bis 2008 Verluste in Höhe von 4,9 Milliarden Euro. Er wurde zu drei Jahren Haft sowie zum Schadensersatz der Summe verurteilt. Im Gefängnis blieb der Franzose allerding gerade einmal 150 Tage. Danach durfte er wieder nach Hause, wenn auch mit Fußfessel. Insgesamt fiel die Strafe für ihn milde aus. Nicht nur durfte er die Fessel inzwischen ablegen. Auch die knapp fünf Milliarden Euro muss er vorerst nicht zurückzahlen. Wie es mit dem Geld weitergeht, entscheiden die Richter im kommenden Jahr.

Kerviel könnte Société Générale schaden
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Kerviel erlangte auch Berühmtheit, weil seine Machenschaften früh – noch vor den kollektiven Skandalen der Großbanken – aufgedeckt worden waren. Durch geschickte PR-Beratung hatte er sich als Opfer eines kranken Systems darstellen wollen, was ihm in Teilen der Öffentlichkeit auch gelang. Zuletzt belasteten Medienberichte seinen Ex-Arbeitgeber, die Société Générale. Diese soll nach Aussagen einer Ermittlerin vom Treiben Kerviels gewusst haben.

Noch ein UBS-Bad-Banker: Kweku Adoboli
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Bereits vor Tom Hayes wurde ein ehemaliger UBS-Händler für unlautere Machenschaften belangt. Der Ghanaer Kweku Adoboli hatte mit nicht genehmigten Spekulationen ein Loch von 2,3 Milliarden Dollar in die Konten der Schweizer Großbank gerissen, der damalige Chef musste gehen. 2012 festgenommen und wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt, kam Adoboli nach gut zweieinhalb Jahren im Juni 2015 wieder frei.

150 Jahre Haft für Bernie Madoff
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Den Rekord für die längste Strafe hält Bernie Madoff. Der einstige Vorsitzende der New Yorker Technologiebörse Nasdaq wurde 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Der Grund: Madoff betrog Emittenten von Investmentfonds sowie Anleger durch ein Schneeballsystem. Damit richtete er einen Schaden von 50 Milliarden US-Dollar an. Seitdem belegt Madoff immer wieder Spitzenplätze in den Ranglisten der meistgehassten Personen Amerikas.

Nick Leeson: Vernichter der Barings Bank
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Mit riskanten Spekulationsgeschäften war der Brite Nick Leeson maßgeblich für den Niedergang der britischen Barings Bank verantwortlich. Zwischen 1992 und 1995 bekleidete er hochrangige Positionen der Bank in Singapur. Mit unautorisierten Geschäften fuhr er Verluste in Höhe von 400 Millionen Pfund ein. Seine krummen Geschäfte brachten Leeson sechseinhalb Jahre Haft für Urkundenfälschung, Untreue und Betrug ein. Das Bild zeigt ihn nach Vollzug seiner Haftstrafe.

Die US-Justiz fordert Saraos Auslieferung. Doch der Brite will das verhindern. Ob er damit durchkommt, wird ein Londoner Gericht voraussichtlich Ende September entscheiden.

Bereits bei der Anhörung über die Kautionsbedingungen am Freitag zeichnete sich teilweise ab, wie seine Verteidiger dann gegen die Auslieferung argumentieren werden. Sie werden wohl darauf verweisen, dass Sarao unter dem Asperger-Syndrom leidet - einer psychischen Entwicklungsstörung, die seine Fähigkeit zu Kommunikation und sozialer Interaktion beeinträchtigt. Dies sei bei einer Voruntersuchung bei Sarao diagnostiziert worden, sagte sein Anwalt am Freitag vor Gericht.

Eine ähnliche Diagnose ist zuletzt auch im Skandal um Zinstricksereien gestellt worden: bei Tom Hayes, einem ehemaligen UBS- und Citibank-Händler. Ein Londoner Gericht verurteilte ihn Anfang August wegen der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zu 14 Jahren Gefängnis.

Navinder Sarao drohen in den USA bis zu 380 Jahre Gefängnis. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe und beteuert seine Unschuld: Er habe nichts falsch gemacht, er sei einfach nur gut in seinem Job, sagte er bei einem Gerichtsauftritt im Mai, als er zunächst vergeblich für eine niedrigere Kautionssumme kämpfte.

  • Bloomberg
  • slo
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1 Kommentar zu "Index-Manipulation: „Flash-Boy” darf Gefängnis verlassen"

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  • X_TRADER darf wieder raus?
    Ojeh, dann geht es hier wieder los....

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