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MTU

Die Firmenzentrale des Triebwerkherstellers in München.

(Foto: dpa)

Indexumstellung Thyssen-Krupp fliegt aus dem Dax – MTU steigt auf

Der Triebwerkshersteller ersetzt Thyssen-Krupp im deutschen Leitindex. Auch im MDax und im SDax gibt es Wechsel.
Update: 05.09.2019 - 06:40 Uhr Kommentieren

Essen, Frankfurt Das Rennen war spannend bis zum Schluss, doch jetzt ist es entschieden. Der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines wird ab 23. September im Dax notieren. Weichen muss dafür der Stahl- und Industriekonzern Thyssen-Krupp. Das gab die Deutsche Börse am Mittwochabend nach US-Börsenschluss bekannt.

Grundlage für die Entscheidung sind die Ranglisten der Börse per Ende August. Untersucht werden die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien und der durchschnittliche Börsenumsatz der vergangenen zwölf Monate. Dass Thyssen-Krupp den Dax verlassen muss, galt dabei schon länger als sicher. Angesichts des Kursverfalls von 45 Prozent allein in den vergangenen zwölf Monaten war die Marktkapitalisierung zu gering.

Bei den Nachrückern gab es aus dem MDax mit MTU und dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen aber einen Aufstiegskampf. Um einen Dax-Absteiger zu ersetzen, müssen Unternehmen bei Marktkapitalisierung und Umsatz mindestens auf Rang 35 aller 108 im Prime Standard notierten Unternehmen liegen. Erfüllen mehrere Unternehmen dieses Kriterium, entscheidet der Börsenwert der frei gehandelten Aktien. Der ist bei MTU nach einem Kursanstieg von fast 37 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten höher als bei der Deutsche Wohnen.

Die Börsenentwicklung des Triebwerkherstellers aus München, der 2005 als Abspaltung von Daimler an die Börse ging, spiegelt die gute Unternehmensentwicklung wider. Mehrfach hat MTU-Chef Reiner Winkler bereits die Gewinnprognosen erhöht. Mit Antriebstechnik, Ersatzteilgeschäft und Wartungsverträgen sieht sich der Konzern auch für die Zukunft gut gerüstet.

Die Aktie der Deutsche Wohnen, die schon länger als Dax-Aspirant gilt, hat dagegen zuletzt sehr unter den Forderungen nach einem Mietpreisdeckel gelitten und seit Mai fast ein Viertel an Börsenwert eingebüßt. Unklar war aber bis fast zum Schluss, ob MTU das Umsatzkriterium erfüllt. Doch das ist jetzt geschafft.

Auch in der zweiten und dritten Börsenreihe gibt es Veränderungen. Im MDax der mittelgroßen Werte steigt der Autozulieferer Norma Group ab und notiert ab 23. September im SDax. Wie alle Autozulieferer leidet Norma stark unter der nachlassenden Konjunktur und dem Hin- und Her rund um den Handelsstreit. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Aktie um fast die Hälfte eingebrochen.

Auch der Shoppingcenter Betreiber Deutsche Euroshop muss den MDax verlassen. Der Online-Handel macht stationären Einzelhändlern zu schaffen, und die Euroshop-Aktie hat seit September 2018 rund 18 Prozent verloren.

Neu in den MDax kommen dafür die bisherigen SDax-Unternehmen CTS-Eventim und Compugroup. Der Ticketvermarkter CTS Eventim hat in den vergangenen zwölf Monaten an der Börse 35 Prozent an Wert gewonnen, die Aktie des auf Arztpraxen ausgerichteten Software-Konzerns Compugroup gewann immerhin sechs Prozent. CTS Eventim überzeugte zuletzt erneut mit starken Quartalszahlen. Compugroup verfehlte zwar im zweiten Quartal die Erwartungen, was den Kurs um fast ein Viertel einbrechen ließ, behielt aber seine Jahresprognose bei.

Im SDax der kleinen Werte muss der Maschinenbauer Aumann seinen Platz räumen. Als konjunkturabhängiger Wert ist Aumann im aktuellen Umfeld anfällig, die Aktie stürzte in den vergangenen zwölf Monaten um 78 Prozent ab. Neu in den SDax kommt dafür die erst Ende Juni an die Börse gegangenen Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton. Sie notiert zwar inzwischen 17 Prozent unter ihres Ausgabekurses von 27 Euro, und der Börsengang fiel auch deutlich kleiner aus als erwartet. Dennoch war der IPO mit 1,6 Milliarden Euro relativ groß.

Indexwechsel in MDax und SDax gibt es relativ häufig, im Dax sind sie aber seltener. Und der Dax steht gerade bei internationalen Investoren sehr im Fokus. Deshalb dürfte die Aufnahme in den Eliteindex MTU-Chef Winkler freuen. Eine Aufnahme in den Dax würde die „Sichtbarkeit deutlich erhöhen, insbesondere international“, sagte er schon vergangene Woche dem Handelsblatt.

Umgekehrt bedeutet das für Thyssen-Krupp – dessen Vorgänger Thyssen seit der Gründung Mitglied im Deutschen Leitindex war – einen Imageverlust. Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff hatte indes schon vor bei der Vorlage der Quartalszahlen vor wenigen Wochen betont, dass die Zugehörigkeit zu einem Index angesichts der vielfältigen Probleme nicht zu den Prioritäten des Managements gehört.

„Dass uns der Abstieg aus dem Dax enttäuscht, steht außer Frage. Als Gründungsmitglied wären wir dem Leitindex gern erhalten geblieben“, kommentierte Kerkhoff das Ausscheiden. „Man muss aber auch ehrlich sein: Unsere Performance war zu schwach, daher ist der Gang in den MDax die logische Konsequenz.“

Für den Vorstandschef geht es vielmehr darum, den Ruhrkonzern wieder zukunftsfähig zu machen. Kerkhoff will „ein grundlegend neues Thyssen-Krupp“ bauen, mit einer schlanken Holding an der Spitze und deutlich eigenständigeren Sparten.

Um dafür an Geld zu kommen, will sich der Konzern von der profitablen Aufzugssparte trennen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen soll die Sparte verkauft und nicht wie bislang erwartet an die Börse gebracht werden. Das bescherte der Aktie am Mittwoch einen Schub.

Der Dax-Abstieg dürfte die Aktie aber zumindest noch leicht unter Druck bringen, eben weil Thyssen-Krupp in der Wahrnehmung der Investoren in die zweite Reihe rutscht. Dazu kommt, dass börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die den Dax eins zu eins nachbilden, die Aktie nun verkaufen müssen. In der Regel passiert dies in den 24 bis 28 Stunden vor der tatsächlichen Umsetzung. Umgekehrt werden die ETFs nun in MTU Aero Engines investieren.

Allerdings gibt es gar nicht so viele börsengehandelte Indexfonds, die den Dax eins zu eins nachbilden. Laut Fondsratingagentur Morningstar sind es 15 Fonds, die zusammen 15 Milliarden Euro verwalten. Gemessen an der Dax-Marktkapitalisierung von mehr als 1,1 Billionen Euro ist das wenig.

Mehr: Eigentlich sollte das profitabelste Geschäft von Thyssen-Krupp im kommenden Jahr an die Börse gehen. Doch nun rückt der Vorstand von diesem Plan ab.

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