Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Indexzusammensetzung Wirecard-Insolvenz: Das sind die neuen Kandidaten für den Dax

Der Zahlungsdienstleister könnte schon im August aus dem deutschen Leitindex fliegen. Wer die Nachfolgekandidaten sind – und was Analysten über die potenziellen Dax-Papiere denken.
02.08.2020 - 15:12 Uhr Kommentieren
Die Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse für die Dax-30-Werte inklusive Wirecard (WDI). Schon bald dürfte das Kürzel eines neuen Unternehmens dort stehen. Quelle: dpa
Dax-Tafel in Frankfurt

Die Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse für die Dax-30-Werte inklusive Wirecard (WDI). Schon bald dürfte das Kürzel eines neuen Unternehmens dort stehen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist ein Skandal, der seinesgleichen sucht. Fast täglich kommen neue erschreckende Erkenntnisse über das Ausmaß des mutmaßlichen Betrugs bei der Skandalfirma Wirecard ans Licht. Drei Topmanager sitzen inzwischen in Haft, ein weiterer Vorstand ist flüchtig und wird weltweit gesucht.

Ermittler, Juristen und Anleger dürfte der Abgrund, der sich in Aschheim auftut, noch lange beschäftigen. Doch in der Beletage der deutschen Börse könnte für Wirecard nun schneller Schluss sein als ursprünglich gedacht.

Bereits am 13. August will die Deutsche Börse Änderungen der Bedingungen für die Mitgliedschaft im Dax vorlegen. Nach den bisherigen Statuten wäre Wirecard erst bei der nächsten regulären Überprüfung rausgeflogen, jetzt geht es wahrscheinlich schneller.

Für mindestens ein großes deutsches Unternehmen bedeutet das die Chance, in den Dax aufzusteigen, der die 30 wichtigsten Börsenwerte umfasst. Erst im Juni ist das dem Berliner Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen gelungen. Ein derartiger Sprung bedeutet mehr Sichtbarkeit und ein höheres Prestige für die Firma und kann sich auch für die Anleger lohnen. Zahlreiche Indexfonds bilden die Zusammensetzung des Dax-30 nach. Häufig haben sich institutionelle Investoren und Fondsmanager aber schon vor der Entscheidung entsprechend positioniert.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wer sind also die potenziellen Gewinner einer Wirecard-Ablösung? Am Wochenende tauchte mit Siemens Healthineers ein neuer Kandidat für einen Dax-Einzug auf. Denn mit der Übernahme des US-Konkurrenten Varian Medical Systems lässt der Einfluss des Mutterkonzerns Siemens nach. Derzeit hält Siemens 85 Prozent an der abgespaltenen Tochter. Durch die geplante Ausgabe neuer Healthineers-Aktien würde dieser Anteil auf etwa 72 Prozent sinken. Entsprechend würde durch die Emission der Streubesitz der Healthineers-Aktien steigen, was das Unternehmen einem Einzug in den Dax ein Stück näher bringen würde.

    Allerdings wird das erst ab dem kommenden Jahr eine realistische Option werden, für die Veränderungen im August kommt die Transaktion zu spät. Als größter Favorit bleibt damit der Essenslieferdienst Delivery Hero. Doch auch Symrise, ein global agierender Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen, hat Chancen.

    Für die Aufnahme in den Dax sind zwei wichtige Kriterien ausschlaggebend: die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien und der Börsenumsatz. Grundsätzlich sollte der Aufsteiger in beiden Kategorien Rang 35 oder besser belegen. Für die Entscheidung ist die Juli-Rangliste der Deutschen Börse maßgeblich, die am 3. August veröffentlicht wird.

    Läge man die Juni-Rangliste zugrunde, sei Delivery Hero der Favorit, sagte Uwe Streich, Indexexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Denn dieses Unternehmen zähle nach Kapitalisierung und Börsenumsatz zu den 35 größten Werten, während Symrise nach Umsatz auf Rang 38 gelegen habe. Doch entschieden wird nach den aktuellen Zahlen, die die Börse allerdings nur zahlenden Kunden offenlegt.

    Kandidat 1: Delivery Hero

    Das in Berlin beheimatete Unternehmen betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin. Der Essenslieferant wäre ein Novum im Dax-30: Das Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr aus dem deutschen Markt zurückgezogen und ist stattdessen stark in Asien engagiert. Das Deutschlandgeschäft mit Marken wie Foodora, Lieferheld oder Pizza.de ging an den niederländischen Konkurrenten Takeaway, der es zugunsten seiner Marke Lieferando einstellte.

    Dem Wachstum von Delivery Hero tut dies keinen Abbruch. Erst diese Woche schraubte der Essenslieferdienst angesichts seines starken Wachstums in der Coronakrise die Prognosen für das Gesamtjahr in die Höhe. Nun rechnet der Dax-Kandidat dieses Jahr mit einem Umsatz zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro. Doch das Wachstum geht damit einher, dass die Firma operativ noch in den roten Zahlen steckt. Sie hat auch keine Vorstellung, wann die Gewinnschwelle erreicht wird.

    Grafik

    Die Aktie von Delivery Hero bewegt sich in luftigen Höhen. Der Lieferservice-Markt hat durch die Coronakrise einen Schub erhalten. Aber das Geschäft ist margenschwach und kostenintensiv. So dürften zwar die weltweiten Branchenerlöse bis 2022 auf über 270 Milliarden Euro zunehmen. Doch hohe Investitionen in Marketing und Expansion sowie das provisionsabhängige Geschäftsmodell bergen schwer zu kalkulierende Risiken. So bleibt abzuwarten, ob nach einer überstandenen Coronakrise noch so viele Menschen Essen nach Hause bestellen.
    Doch die meisten Analysten blicken wohlwollend auf die Aktie. Der Kurs geriet zwar im Sog der Krise unter Druck, erholte sich aber schnell und hat sich seit dem Märztief von rund 50 Euro fast verdoppelt – auch weil viele Investoren bereits auf einen Dax-Aufstieg wetten.

    Die Investmentbank Barclays hat das Kursziel jüngst von 88 auf 110 Euro angehoben und die Einstufung auf „Übergewichten“ belassen. Die Aktie bleibe sein bevorzugter Wert im europäischen Internetsektor, schreibt Analyst Julien Roch. Die Bankexperten, die Delivery Hero regelmäßig beobachten, setzen im Durchschnitt Kursziele leicht über dem gegenwärtigen Niveau. Insgesamt raten elf Analysten zum Kauf, drei zum Halten, aber niemand zum Verkaufen.

    Kandidat 2: Symrise

    Symrise im niedersächsischen Holzminden ist ein Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie funktionalen Inhaltsstoffen. Rund 30.000 Produkte befinden sich im Angebot. Zu den weltweit mehr als 6000 Kunden gehören Parfum-, Kosmetik-, Lebensmittel- und Getränkehersteller, die pharmazeutische Industrie sowie Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln und Heimtiernahrung. Snack, Shampoo, Parfum, Pharma, Hundefutter: Im Schnitt 20- bis 30 Mal am Tag komme jeder Bundesbürger mit Symrise-Produkten in Berührung, schreibt der Konzern.

    Der große Vorteil gegenüber Delivery Hero: Symrise wächst nicht nur, sondern schreibt auch seit vielen Jahren schwarze Zahlen. Derzeit gehen die von Bloomberg erfassten Experten davon aus, dass der Umsatz im ersten Halbjahr auf etwas mehr als 1,8 Milliarden Euro gestiegen ist. Das wäre ein Plus von mehr als acht Prozent, wobei der Großteil aus den jüngsten Zukäufen stammen soll.

    Aber auch ohne diesen Effekt dürfte Symrise zugelegt haben. Die Kursentwicklung kann sich ebenfalls sehen lassen: Die Corona-Verluste sind längst wieder aufgeholt, der Titel notiert auf Rekordniveau oberhalb der 100-Euro-Marke in einem intakten Aufwärtstrend.

    Grafik

    Günstig ist auch die Symrise-Aktie nicht mehr bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 42, das wird meist nur starken Wachstumstiteln zugebilligt. Seit dem Start an der Börse im Jahr 2006 hat sich der Wert der Aktie in etwa versechsfacht.

    Viele Analysten sind skeptisch, ob noch großes Potenzial da ist. So liegt das durchschnittliche Kursziel mit etwas über 97 Euro unter dem aktuellen Wert. Die Expertin der US-Investmentbank JPMorgan Celine Pannuti rät sogar zum Verkauf, obwohl sie das Unternehmen grundsätzlich auf einem sehr guten Weg sieht: Es sei im Vergleich zur Konkurrenz und mit Blick auf den langjährigen Schnitt zu teuer. Goldman Sachs hob dagegen jüngst das Kursziel für Symrise von 100 auf 113 Euro an und beließ die Einstufung auf „Buy“. Insgesamt zehn Experten empfehlen das Papier zum Kauf, 14 zum Halten und fünf zum Verkauf.

    Schon Mitte August dürften die Anleger endgültig wissen, auf welche Firma die Wahl der Deutschen Börse fällt. Doch ob Delivery Hero oder Symrise das Rennen macht, ein Gewinner dürfte bereits feststehen: die Gastro-Branche wird eine größere Präsenz im wichtigsten deutschen Börsenindex erhalten. „Beide Player verkörpern zukunftstragende Konzepte in oder in Verbindung mit der gastronomischen Welt“, jubilierte bereits das Fachmagazin „Food Service“.

    Außerdem interessant: Um die Nachfolge im MDax für den aufsteigenden Wirecard-Ersatz gibt es laut Indexexperten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Spezialmaschinenbauer für die Chipindustrie, Aixtron, und dem Versicherer Talanx.

    Mehr: Wirecard-Aktie dürfte im August aus dem Dax fliegen

    Startseite
    Mehr zu: Indexzusammensetzung - Wirecard-Insolvenz: Das sind die neuen Kandidaten für den Dax
    0 Kommentare zu "Indexzusammensetzung: Wirecard-Insolvenz: Das sind die neuen Kandidaten für den Dax"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%