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Indizes im Vergleich So günstig waren Dax-Werte seit Jahren nicht mehr – eine Chance für Anleger

Im Dax fallen die Kurse schneller, als die Gewinnerwartungen sinken. Viele Aktien werden dadurch immer preiswerter. Für Anleger ergeben sich so Chancen.
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Dax aktuell: Dax so günstig bewertet wie zuletzt 2012 Quelle: AP
Börsenmakler der Commerzbank

Aktuell gehört der Dax unter allen großen und wichtigen Börsenplätzen zu den am niedrigsten bewerteten Indizes.

(Foto: AP)

DüsseldorfAls ob es der Börsenturbulenzen noch nicht genug seien, startete der Handel am Montag gleich mit neuem Chaos: In Frankfurt fiel das eigentlich sehr zuverlässige Handelssystem Xetra aus. Immerhin: So blieb Anlegern eine gute Stunde lang weiterer Frust erspart, ehe der Dax in den ersten Handelsminuten neue Tiefstände auslotete.

Die meisten Händler waren sich schnell einig: Der Brexit mit den schwierigen Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union lastete ebenso auf den Kursen wie die steigenden US-Zinsen und der Handelsstreit.

Allerdings ließ sich kein Händler finden, der genau diese drei großen Probleme nicht schon seit vielen Monaten benannt hat – und das lange Zeit ohne fallende Kurse. Neu ist hingegen, dass die großen deutschen Unternehmen 2018 wohl nicht das Geld verdienen werden, das von ihnen erwartet wird.

Für 20 der 30 Dax-Konzerne haben Analysten in den vergangenen drei Monaten ihre Gewinnerwartungen nach unten reduziert: am stärksten für den Autozulieferer Continental, den Industriekonzern Thyssen-Krupp und – wieder einmal – für die Deutsche Bank.

Nach dem Rekordjahr 2017, in dem die Dax-Konzerne ihre Nettogewinne um gut 50 Prozent auf 95 Milliarden Euro gesteigert haben, droht in diesem Jahr Stagnation. Deshalb fallen die Kurse.

Der Grund für die Ernüchterung sind die Unternehmen selbst. Neben Continental und Thyssen-Krupp schockierten in den vergangenen Wochen die Autobauer BMW und Daimler, der Markenkonzern Henkel und die Deutsche Post mit Gewinnwarnungen – auch als Folge drohender Zölle und einer daraus resultierenden schwächeren Weltkonjunktur.

Seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor zehn Jahren, als die deutsche Konjunktur anschließend um fünf Prozent einbrach, hat es nicht mehr so viele Hiobsbotschaften gegeben wie in den vergangenen Monaten.

Aber: Die starken Kursrückgänge – seit seinem Hoch Ende Januar hat der Dax 15 Prozent verloren – machen die Unternehmen trotz ihrer reduzierten Gewinnerwartungen wieder preiswerter. Denn die Kurse fallen schneller als die Gewinne. Zwar reduzieren die Unternehmen ihre Gewinnerwartungen gemessen an den Kursrückgängen nur in homöopathischen Dosen. Dadurch aber eröffnen sich langfristig wieder lukrative Perspektiven.

Aktien von Industriefirmen gaben besonders stark nach

Beispiel Daimler: Im Frühsommer teilte der Stuttgarter Autobauer mit, dass in diesem Jahr das Ergebnis vor Zinsen und Steuern „leicht“ unter das Vorjahresniveau von 14,7 Milliarden Euro fallen wird. Bisher hatte Daimler einen Gewinn „leicht“ über diesem Niveau angepeilt. Im Klartext heißt das in etwa: Der Gewinn wird nicht um bis zu fünf Prozent steigen, sondern eher um bis zu fünf Prozent sinken. Die Aktie aber verlor in diesem Jahr fast ein Viertel an Wert.

Besonders stark hat es die vielen deutschen Industriefirmen erwischt. So reduzierten sich für den Baustoffkonzern Heidelberg Cement binnen eines Jahres die Gewinnerwartungen um elf Prozent, der Aktienkurs fiel seit Jahresanfang aber um 31 Prozent.

Der Zulieferer Continental, der seine Anleger gleich zweimal mit Gewinnwarnungen überraschte, muss mit einem um 18 Prozent reduzierten Gewinn rechnen – die Aktie büßte aber 38 Prozent ein. Und Europas größter Chemiekonzern BASF kann sogar mit einem um elf Prozent höheren Gewinn rechnen, als Analysten noch vor einem Jahr veranschlagten. Die Aktie aber verlor 24 Prozent.

Die Folge dieser Rückschläge sind niedrigere Bewertungen, gemessen am Unternehmensgewinn. Langfristig ist das die wichtigste Bezugsgröße für steigende Aktienkurse. So bezahlten Anleger die 30 Dax-Konzerne Anfang des Jahres noch mit ihrem 15-fachen Jahresnettogewinn – bezogen auf die erwarteten Gewinne im laufenden Jahr.

Nach dem jüngsten Kurssturz ist der Wert um zweieinhalb Prozentpunkte gefallen. So günstig wie jetzt, also mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4, war der Dax zuletzt vor sechs Jahren bewertet.

Mehr noch: Aktuell gehört der Dax unter allen großen und wichtigen Börsenplätzen zu den am günstigsten bewerteten Indizes. Das zeigt ein weltweiter Vergleich. In Frankreich sind die Unternehmen im Schnitt um zwölf Prozent teurer, in der Schweiz um 25 Prozent, in Japan um 30 Prozent und in den USA sogar um 40 Prozent.

Ähnlich günstig wie in Deutschland sind die Aktien lediglich in Großbritannien und Italien bewertet – also dort, wo Investoren angesichts des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens und der wieder aufflammenden Schulden- und Finanzkrise in Italien stark verunsichert sind.

Eine Krise haben Investoren auch für Deutschland ausfindig gemacht – und deshalb ihre Aktien verkauft. Die vielen exportstarken Industrieunternehmen mit ihrem durchschnittlichen Umsatzanteil im Ausland von 75 Prozent leiden besonders stark unter dem von US-Präsident Donald Trump initiierten Handelskonflikt. Beispielsweise BMW und Daimler, weil ihre in den USA produzierten und nach China exportierten Limousinen angesichts der Zölle und Gegenzölle teurer und damit weniger wettbewerbsfähig werden.

Doch in allen Risiken stecken auch Chancen. Vor allem dann, wenn die Kursverluste kein Vorbote eines größeren Absturzes sind. Nach Ansicht von Bundesbankpräsident Jens Weidmann muss die jüngste Börsenentwicklung im Kontext der Lage in den USA gesehen werden, wo viele Aktienkurse, ganz besonders Technologiewerte, seit dem Frühjahr stark gestiegen waren. „All das veranlasst mich, das eher als Korrektur einzuordnen“, sagte Weidmann am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds auf Bali.

„Solange Deutschland und die Weltwirtschaft nicht in eine neue Rezession geraten – wofür es derzeit keinerlei Hinweise gibt – sind die derzeitigen Kurse fundamental nicht zu rechtfertigen“, urteilt Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg.

Experte errechnet für Dax ein Kursziel von 13.000 Punkten

Der Ökonom der Hamburger Privatbank hat sich eingehend mit der Bewertung des Dax auseinandergesetzt: Unter der Annahme, dass der Dax wieder ein KGV von 13 erreiche, das heißt eine Bewertung, wie sie dem langfristigen Durchschnitt über mehrere Jahrzehnte entspricht, errechne sich ein Kursziel von über 13.000 Punkten.

Voraussetzung ist aber, dass es bei den bisherigen Gewinnwarnungen der Unternehmen bleibt und Analysten nicht immer weiter ihre Gewinnschätzungen reduzieren. Genau dieses Negativszenario signalisieren derzeit die sinkenden Kurse: ein Hinabgleiten in schlechtere Konjunkturzeiten und womöglich in eine Rezession, so wie 2008. Damals fiel der Dax in einem Kalenderjahr um 40 Prozent.

Bleibt der befürchtete Abschwung aus, dürften die Aktien konjunkturempfindlicher Unternehmen, deren Kurse tief gefallen und die niedrig bewertet sind, am meisten profitieren. Sechs der 30 Dax-Konzerne kosten derzeit weniger als ihr zehnfacher Jahresnettogewinn.

Besonders preiswert erscheinen die drei Autobauer – trotz ihrer Rekordgewinne. Mit 30,5 Milliarden Euro haben BMW, Daimler und Volkswagen im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel wie noch nie verdient und damit fast ein Drittel zum gesamten Nettogewinn aller 30 Dax-Konzerne beigetragen. BMW ist an der Börse nur noch siebenmal so viel wert, wie die Münchener in diesem Jahr voraussichtlich netto verdienen werden, Daimler ist für den sechsfachen und VW sogar für den 5,7-fachen Jahresgewinn zu haben.

Doch wie immer hat jede niedrige Bewertung ihre Gründe. Anleger argwöhnen, dass Deutschlands Autobauer immer noch viel zu sehr auf ihre alte Benzin- und Dieseltechnologie setzen, den Sprung in die E-Mobilität verpassen und sich von den amerikanischen und chinesischen Konkurrenten überholen lassen.

Den Risiken stehen genauso viele Chancen gegenüber. Dann nämlich, wenn die Autobauer die vielen Skeptiker wiederlegen.

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