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Stephan Sturm

Der Fresenius-Chef griff Am Tag nach der Ertragswarnung bei der Aktie des Gesundheitsdienstleisters zu.

(Foto:  Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Insider-Käufe Manager greifen bei Aktien ihrer Firmen zu – Anleger sollten dennoch vorsichtig sein

Während viele Investoren aus Aktien fliehen, sehen Insider Kaufkurse und decken sich mit Papieren der eigenen Firmen ein. Warum das kein Einstiegssignal ist.
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Frankfurt Es war kein schönes Nikolausgeschenk für die Anleger. Am 6. Dezember um 22.30 Uhr veröffentlichte Fresenius eine Ad-hoc-Mitteilung und nahm seine Umsatz- und Gewinnprognosen für die kommenden Jahre zurück.

Die Quittung von der Börse kam prompt am nächsten Tag. Die Fresenius-Aktie brach um 17,7 Prozent auf ein Vierjahrestief ein und verzeichnete den größten Tagesverlust ihrer Geschichte. Seit Mitte Oktober summiert sich der Einbruch auf über 40 Prozent.

Damals hatte der Gesundheitskonzern die Ziele für das laufende Jahr auf das untere Ende der angekündigten Spanne gekappt, und die Dialysetochter Fresenius Medical Care hatte ihre Gewinnerwartungen gesenkt.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten bemühte sich Fresenius-Chef Stephan Sturm am 7. Dezember dennoch um Optimismus: „Wir bleiben sehr zuversichtlich für den mittel- und langfristigen Wachstumskurs.“ Und Sturm beließ es nicht bei Worten. Er kaufte Fresenius-Aktien für mehr als 200.000 Euro. Auch Fresenius-Aufsichtsräte sowie Finanzvorständin Rachel Empey griffen zu. Zusammen erwarben die Topmanager innerhalb weniger Tage Fresenius-Aktien für gut 1,1 Millionen Euro.

Es sind nicht die einzigen Topmanager, die bei den derzeit auf breiter Front fallenden Aktienkursen der eigenen Unternehmen Einstiegschancen sehen. Im Gegenteil: In den vergangenen beiden Wochen meldeten 224 Führungskräfte Aktienkäufe an die Finanzaufsicht Bafin (siehe Kasten). So viele Topmanager griffen zuletzt Ende des Jahres 2008 und damit inmitten der Finanzkrise zu. Drei Monate später starteten die Aktienmärkte ihren großen Aufwärtstrend, der in Deutschland erst Anfang dieses Jahres endete.

Signalisieren die Insiderkäufe auch jetzt die nächste Hausse? Analysten, Ökonomen und viele Investoren sind skeptisch. Die Irrungen und Wirrungen im von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit, die sich inzwischen auf die Konjunktur und die Unternehmen auswirken, die steigenden Zinsen in den USA, der Brexit, der Streit um den italienischen Haushalt – das alles verunsichert die Akteure an den Finanzmärkten. Viele sagen zumindest für die nächsten Monate erst einmal weiter fallende Kurse am breiten Markt voraus.

Schnäppchenjagende Manager

Vorstände und Aufsichtsräte, die ihre Unternehmen besonders gut kennen, lassen sich von der allgemeinen politischen und konjunkturellen Lage und der Stimmung an den Finanzmärkten aber weniger verunsichern.

„Die Käufe in der Breite zeigen, dass viele Unternehmenslenker ihre Aktien inzwischen für Schnäppchen halten“, erklärt Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management. Dennoch: „Erst im Verlauf des nächsten Jahres wird sich zeigen, ob die Insider mit ihrem Einstieg richtig lagen“, sagt Stotz.

Er beschäftigt sich schon lange mit den Aktientransaktionen von Führungskräften und berechnet gemeinsam mit den Experten von Commerzbank Wealth Management aus den meldepflichtigen Transaktionen das Insiderbarometer für das Handelsblatt.

In den vergangenen beiden Wochen ist das Barometer erneut gestiegen und liegt mit 157 Punkten auf sehr hohem Niveau. Das Problem: Schon seit drei Monaten notiert es bei über 150 Punkten und signalisiert damit deutliche Einstiegskurse für Aktien. Zumindest kurzfristig hat sich das nicht ausgezahlt. Auch nicht für Fresenius-Chef Sturm. Im Mai hat er bereits Aktien für knapp eine Million Euro gekauft und damit auf dem Papier viel Geld verloren.

Damit ist er nicht allein. Bayer-Chef Werner Baumann zum Beispiel gehörte schon im Sommer zu den großen Käufern von Bayer. Die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns ist seit Oktober vor allem wegen der Unsicherheit angesichts der Klagen gegen den von Bayer übernommenen Saatgutkonzern Monsanto eingebrochen.

Das ist auch Baumann schmerzlich bewusst: „Wir sind überhaupt nicht glücklich mit der jüngsten Entwicklung des Unternehmens und der Aktie. Ihre Enttäuschung ist unsere Enttäuschung!“, sagte er jüngst auf einer Investorenkonferenz in London. Und versprach, alles zu tun, „um den wahren Wert des Unternehmens zurück in die Aktie zu bringen“. Auch Baumann ließ seinen Worten Taten folgen. Gemeinsam mit Pharma-Vorstand Stefan Oelrich und Finanzvorstand Wolfgang Nickel kaufte er Bayer-Aktien für 1,5 Millionen Euro.

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Insider-Aktienkäufe gibt es bei Bayer häufiger. Der Grund: Sie sind Teil der Vorstandsvergütung. Den Vorständen steht aber frei, daran teilzunehmen, und der Zeitpunkt für die Käufe ist nicht vorgegeben. So gesehen ist es auffällig, dass Baumann und seine Mitstreiter direkt nach dem großen Kurssturz zugriffen und so besonders antizyklisch – also gegen den Markttrend – handelten. Bei Fresenius ist das noch frappierender. Hier sind die Vorstände und Aufsichtsräte vertraglich nicht verpflichtet, eigene Aktien zu kaufen.

Aktienkurse im freien Fall

Das gilt auch beim Spezialchemiekonzern Evonik. Evonik selbst hat keine sinkenden Gewinne angekündigt, im Sog der Konjunktursorgen und der Ertragswarnungen von BASF und Covestro stürzte zuletzt aber auch die Evonik-Aktie ab, und das unter den Ausgabekurs des Börsengangs im April 2013.

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Das nutzte Evonik-Chef Christian Kullmann ebenso wie Finanzvorständin Ute Wolf, Personalvorstand Thomas Wessel und Aufsichtsrätin Professor Barbara Ruth Albert zum Kauf von Evonik-Aktien für insgesamt knapp 670.000 Euro.

Anders als die Vorstände bei Fresenius und Bayer haben die Evonik-Vorstände sich erst zu Käufen entschlossen, als die Aktien schon im freien Fall waren. Von Anfang bis Mitte November hatten Führungskräfte bei Evonik sich schon Aktien für mehr als 850.000 Euro in die eigenen Depots gelegt.

Spannend bei den Transaktionen der Firmeninsider sind auch die Verkäufe. Hier schlug Ende November wie schon zur Monatsmitte Hans Peter Trampe zu. Er ist beim Immobilienfinanzierungsvermittler Hypoport als Vorstand für den Geschäftsbereich institutionelle Kunden zuständig und schlug Hypoport-Aktien im Wert von mehreren Millionen Euro los. Auch die Hypoport-Aktie ist in den vergangenen Monaten gefallen, hat sich unter dem Strich in den vergangenen beiden Jahren aber mehr als verdoppelt.

Anders als die Insiderkäufe sind die Verkäufe der Topmanager bei Aktien der eigenen Unternehmen in den vergangenen beiden Wochen vom ohnehin eher niedrigen Niveau noch weiter gesunken.

Nur bei 28 Unternehmen trennten sich Führungskräfte von Aktien. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte eher Einstiegschancen sehen und sich nicht von der allgemeinen Unsicherheit anstecken lassen.

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